Auf Entzug von Dir
Aug. 12th, 2008 05:52 pmFandom: Original
Challange: #3 Entzugserscheinungen
Words: 510
Anmerkungen: Etwas spät, aber es wollte geschrieben werden. Auf Entzug von Dir...
Weißt Du noch, wie wir für ein Pärchen gehalten wurden? Wir fanden das unheimlich witzig, aber insgeheim hat es mich gefreut. Ich war stolz darauf, dass man mir eine so hübsche Freundin zutraute. Wir waren immer zu zweit gegen den Rest der Welt. Wir wussten was der andere dachte, wir entschieden gemeinsam und irgendwann war es nur noch logisch zusammen zuziehen. Damals hat mich meine Mutter ständig gefragt, ob ich keinen Freund möchte. Und versucht mich mit sämtlichen Typen aus der Nachbarschaft zu verkuppeln. Ich fand es traurig, dass sie uns nie verstand. Ich brauchte nur Dich, Du warst der Mensch fürs Leben. Nein, keine Angst- ich wollte nie mit Dir schlafen. Ich wollte Dich auch nie küssen. Ich wollte Dich schon küssen und ich hab Dich oft geküsst, aber nicht anders, als ich meinen Bruder küsse. Du warst einfach meine Familie.
Und dann kam Typie.
Er war so nett, dass ich ihn noch nicht mal hasste. Seitdem hatte ich Kopfschmerzen. Es war ja nicht so, dass wir uns nicht mehr sahen, aber es war so anders. Ab da war ich allein gegen die Welt. Das Gefühl nie mehr gewinnen zu können.
Nach Jahren ohne Sport kramte ich meine Schuhe raus und rannte los. Laufen machte frei. Ich lief jeden Tag eine Stunde, nach einigen Wochen immer mehr. Der Gedanke an Dich, wurde von dem Gedanken ans Laufen verdrängt. Immer wenn ich lief, ging es mir besser. Ich ging nur noch sporadisch zur Uni, denn ich brauchte die Zeit zum laufen. Meine Beine fühlten sich ruhelos an, wenn ich sie nicht bewegte. Manchmal stand ich mitten in der Nacht auf, um ein Paar Runden zu drehen. Oft sah ich dabei den Sonnenaufgang. Ich wünschte, mein Körper wäre stärker, ich wünschte, ich wäre nicht so schwach. Ich übergab mich häufig, mein Magen machte das ganze nicht mit. Ich kotzte mitten im Wald und weinte und schrie. Dann drehte ich mich angeekelt weg und schlief für einige Zeit auf dem harten Boden, Traumfetzen ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Wenn ich erwachte, rappelte ich mich hoch und lief weiter. Einmal schürfte ich mein Gesicht auf, als ich auf Asphalt fiel, ein anderes Mal verstauchte ich mir den Ellbogen, als ich ungeschickt über eine Baumwurzel stolperte.
Je länger ich lief, desto öfter stürzte ich. Meine Füße schlürften über den Boden. Meine Zehen schliefen ein, da ich nicht mehr richtig abrollte, sondern kraftlos vor mich hinstampfte. Trotzdem lief ich weiter.
no subject
Date: 2008-08-12 05:27 pm (UTC)Ich finde, du hast das sehr gut umgesetzt und toll geschrieben. Nur weiter so!
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Date: 2008-08-12 07:13 pm (UTC)Ich hab mich sehr gefreut ^_^
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Date: 2008-08-12 08:09 pm (UTC)no subject
Date: 2008-08-12 10:08 pm (UTC)gefällt mir außerordentlich gut...schmerz kompensiert eben jeder anders.
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Date: 2008-08-13 10:47 am (UTC)Verstörend-schön klingt gut *smile*