Team: ZIGGY
Fandom: Polizeiruf
Pairing: Adam Raczek/Vincent Ross
Rating: Teen
Prompt: Interjektionen - Joker - „Soll ich mal pusten?“ (Crack-Tabelle von 2016)
A/N: Teil 7 von 9
Vincent ruft nicht an.
Adam versucht, ihm das nicht übel zu nehmen, vermutlich hat er Wichtigeres zu tun, als ihm alten Griesgram hinterher zu telefonieren.
Und Adam ist auch nicht viel besser, findet genug Entschuldigungen, nicht einfach ein “Alles klar?” in den Messenger zu tippen, kommt sich dabei viel zu blöd vor.
Erst, als er fluchend zum fünften Mal an diesem Tag vergeblich versucht, einen Bericht zu tackern - der Haufen schiefer Tackernadeln auf seinem Schreibtisch ein Zeugnis dafür, dass ihm das einfach nicht gelingen will - er kurz davor ist, den Tacker einmal quer durchs Büro zu schmeißen, greift Wiktor nach Adams Handy.
Adam sieht verblüfft auf. “Was machst du da?”
“Ich schreibe jetzt Vincent, dass du ihn sehen willst. Das hält ja keiner aus.”
“Wage es dich,” warnt Adam und streckt eine Hand nach dem Telefon aus.
“Einer von uns muss es schließlich machen.”
“Ja, dann gib her,” sagt Adam grimmig und macht eine auffordernde Handbewegung.
“Aber wirklich,” sagt Wiktor mit skeptisch hochgezogener Augenbraue, und Adam verdreht genervt die Augen.
“Ja doch.”
Misstrauisch gibt Wiktor Adam sein Handy zurück, und Adam wirft einen Blick aufs Display. Zum Glück hat Wiktor noch gar nichts gemacht, sieht Adam auf seinen Sperrbildschirm, ein Bild von Charlie und Eileen in seinem Garten.
Stirnrunzelnd sieht er wieder zu Wiktor hoch. “Woher weißt du eigentlich meinen Pin?”
Wiktor zuckt mit den Schultern. “Weiß ich nicht. Aber hat ja trotzdem gewirkt.”
Adam streckt Wiktor den Mittelfinger entgegen, dann starrt er wieder auf das Display.
Vermutlich sollte er wirklich einfach schreiben, was hat er denn zu verlieren?
Wenn Vincent nicht antwortet, weiß Adam schließlich auch, woran er ist.
Mit einem Schnaufen wischt Adam über sein Display, öffnet eine Nachricht und tippt.
Hey. Alles klar bei dir? Adam.
Bevor er sich noch verrückt machen kann, ob das irgendwie komisch klingt, wirft er das Handy von sich, greift wieder nach Tacker und Bericht und müht sich weiterhin ab, diesen Stapel Seiten zusammen zu heften.
Soviel zu Digitalisierung.
Nach weiteren drei Versuchen hängt dann aber doch alles zusammen, hat er kein Blatt übersehen, und er legt den Bericht in die Ablage und schielt nach seinem Handy.
Einmal kurz gucken kann er ja.
Vincent hat tatsächlich geantwortet, und Adams Herz macht einen kleinen Hüpfer.
Hey, ja. Hab viel zu tun 🥴 Karl ist krank, und Emma kann nur zwei Mal die Woche drei Stunden, hier ist grad alles etwas 🙃
Adam verzieht mitfühlend das Gesicht, das klingt ähnlich wie seine letzten zwei Monate zusammengenommen.
Er will schon eine Antwort tippen, da sieht er eine neue Nachricht.
Ausserdem lassen mich meine Tomaten hängen, dabei wollte ich Focaccia machen 😔
Adam überlegt nur kurz, bei dem Problem kann er tatsächlich helfen, seine Ernte wächst ihm nämlich beinahe über den Kopf, und allmählich gehen ihm die Leute aus, die sich über körbeweise Tomaten freuen.
Mit einem leichten Lächeln tippt er seine Antwort.
Also, Tomaten kann ich dir vorbeibringen. Selbst angebaut, versteht sich.
Adam überlegt noch mal, dann schreibt er weiter.
Ich kann mir deine Tomaten auch angucken, damit kenn ich mich noch besser aus als mit Schrauben.
Dieses Mal starrt Adam die Nachricht eine Weile an - klingt das anzüglich?
Aber zurücknehmen kann er es ja auch nicht mehr, und löschen will er die Nachricht auch nicht.
Er holt sich lieber einen Kaffee, lässt sein Telefon absichtlich auf den Schreibtisch zurück, nimmt sogar noch einen Bogen um Edytas Schreibtisch - natürlich nur, um sich ein Bonbon zu klauen, nicht um Zeit zu schinden - dann setzt er sich wieder hin.
Ich bin so kurz davor, dir einen Heiratsantrag zu machen! Komm heute abend einfach vorbei, weißt ja, wo ich wohn.
😘
Adam blinzelt die Nachricht mehrfach an, aber sowohl das Wort “Heiratsantrag” als auch dieser küssende Smiley bleiben da stehen, und Adam ist mit einem Mal sehr warm.
Aber das ist vermutlich nichts weiter, einfach so dahingesagt, und diese blöden Bildchen, die heißen doch eh nichts, da muss Adam doch nichts hinein interpretieren.
Er antwortet auch nur mit einem 👍 und steckt sein Handy ein, fest entschlossen, diese Unterhaltung und ihre eventuellen Folgen einfach zu ignorieren.
Der Feierabend lässt natürlich auf sich warten, beinahe wie Kaugummi zieht sich die verbleibende Zeit, und irgendwann schlägt Adam frustriert einen weiteren Aktendeckel zu und beschließt, dass es für heute einfach reicht, konzentrieren kann er sich eh nicht mehr.
Er versucht, sich nicht blöd vorzukommen, als er in seinen Garten fährt, um einen Korb voller Tomaten einzusammeln, während er sich überlegt, ob er nicht auch noch nach Hause fahren und schnell ein frisches Hemd überziehen soll.
Aber nein, er will es nicht übertreiben, vermutlich ist das eh eine kurze Nummer, Vincent den Korb in die Hände drücken, einmal einen Blick auf Vincents Tomatenpflanze werfen, und dann war es das auch.
Adam huscht lieber wieder aus der Wohnung, fährt zu Vincents Café, wischt sich noch einmal mit den Händen über die Oberschenkel, ehe er seinen Korb nimmt und aussteigt.
Vincent ist schon an der Tür, hat schon einen Schlüsselbund in der Hand, und dreht sich gerade um, als Adam näher kommt.
“Ah, da ist er ja. Mein Retter,” sagt Vincent mit einem strahlenden Lächeln.
Adam spürt Wärme in seine Wangen kriechen und flucht in Gedanken. Warum muss er auch immer so schnell rot anlaufen?
“Sind doch nur Tomaten,” murmelt Adam, und Vincent schüttelt den Kopf.
“Nicht so bescheiden. Ohne die hätte ich morgen nichts, was ich der Kundschaft anbieten könnte.”
“Naja, könntest ja immer noch in den Supermarkt.”
“Ja genau. Weil die Tomaten von da ja auch was taugen. Was meinst du, warum ich versuche, selber welche anzubauen?”
Adam zieht die Schultern hoch. “Keine Ahnung, du hast nicht schon genug zu tun?”
“Haha,” macht Vincent, und streckt die Hand nach dem Korb aus. “Dann lass mal sehen.”
Adam reicht seine Ausbeute an Vincent und verschränkt die Arme.
“Ach, du hast sogar lila Tomaten. Wie schön.”
“Ich hab nen großen Garten.”
“Hast auch noch nicht genug zu tun?”
“Einen Ausgleich braucht der Mensch.”
Vincent sieht ihn nur lange an, und Adam sieht auf den Boden, will gar nicht weiter analysiert werden.
Vincent tut ihm auch den Gefallen, sagt einfach nur, “Na, dann komm mal mit nach oben.”
Adam sieht verdutzt zu Vincent.
“Wohin?”
“Na, zu mir hoch. Du wolltest dir doch meine Tomaten ansehen.”
“Ach. Ja,” macht Adam lahm, und weiß selber nicht genau, warum ihn das aus dem Konzept bringt, in Vincents Wohnung zu gehen, da ist doch auch nichts dabei.
Ohne weiter darüber nachzudenken, folgt er Vincent zu einer Tür direkt neben dem Café, eine Treppe hinauf in eine Wohnung, in die Abendsonne getaucht und gemütlich eingerichtet.
“Schön hast du es hier.”
“Danke, ich gebe mir größte Mühe. Balkon ist da vorne durch.”
Adam folgt dem ausgestreckten Zeigefinger von Vincent, macht drei große Schritte zur Balkontür.
Die Tomaten sehen tatsächlich reichlich erbärmlich aus, da muss Adam Vincent leider zustimmen.
“Und, sind sie noch zu retten?”
Vincent steht mit besorgtem Gesichtsausdruck in der Balkontür, und Adam steckt die Hände in die Hosentaschen.
“Blütenendfäule,” sagt er.
Vincent schaut ihn an, als hätte er chinesisch gesprochen, und Adam holt tief Luft.
“Die haben zu wenig Kalzium. Wahrscheinlich gießt du sie nicht regelmäßig. Weil dann hättest du das Problem nicht.”
Vincent kratzt sich hilflos am Kopf. “Möglicherweise vergesse ich das gerne mal.”
“Ja, das sehe ich. Ist nicht ganz deins, gärtnern, oder?"
"Ich sag mal, ich hab hohe Ambitionen und wenig Talent."
Adam lacht leise in sich hinein. "Na, ein Anfang ist das immerhin. Was deine Tomaten angeht, am besten, du schreibst dir irgendwo auf, wann du sie gießen musst. Oder stellst dir nen Wecker, oder so.”
“Das kriege ich hin,” lächelt Vincent, dann zeigt er mit dem Daumen in die Wohnung. “Magst du noch was trinken?”
“Ich will aber nicht weiter stören.”
“Ach, du störst immer noch nicht. Ausserdem, du hast mir deine Tomaten gebracht, also kriegst du auch das erste Stück Focaccia. Dauert auch nicht lange.”
Adam zuckt mit den Schultern, ehrlich gesagt will er tatsächlich nicht gehen, und die Aussicht auf etwas zu essen ist sehr verlockend, das hat Adam heute nämlich auch vergessen.
Er setzt sich an Vincents Küchentisch, beäugt das Glas, das ihm vor die Nase gestellt wird.
“Und das ist was?”
“Himbeer-Grenadine-Limonade. Selbstgemacht.”
“Bei dem, was du alles selber machst, schläfst du doch auch nie, oder?”
“Naja, so viel Arbeit ist das ja auch wieder nicht.”
Adam zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, dann nimmt er einen Schluck.
Gar nicht mal übel, das muss er zugeben, und er nickt anerkennend.
Mit einem Grinsen dreht sich Vincent weg, macht einen Schritt an den Kühlschrank, nimmt eine Schüssel hervor.
“Das klingt jetzt vielleicht so, als würde ich deine Anwesenheit ausnutzen, aber kannst du mir ein paar Tomaten klein schneiden?"
“Klar.”
Adam macht sich an die Arbeit, während Vincent Teig aus einer Schüssel auf die Arbeitsplatte befördert und anfängt, ihn zu kneten.
Ganz fasziniert sieht Adam dabei zu, wie Vincents Hände mit dem Teig arbeiten, sich seine Finger bewegen.
“Pass mal lieber auf, dass du dich nicht schneidest,” raunt Vincent ihm zu, und Adam zuckt zusammen, schüttelt sich einmal, und ignoriert seine heißen Wangen, als er die Tomaten in Scheiben und Stücke zerteilt.
Schließlich ist das Focaccia im Ofen, und Vincent sieht Adam leise grinsen an.
Adam nimmt noch einen Schluck seiner Limonade, räuspert sich einmal.
Vincents Blick macht ihn nervös, lässt viel zu viel im Raum stehen, womit Adam sich gerade nicht befassen will, und er denkt angestrengt nach, wie er die Situation entschärfen kann.
Dann erinnert sich, an diese Verwunderung beim Anblick von Vincents Café, dem geschwungenen Schriftzug über der Tür.
“Kann ich dich eigentlich mal was fragen?”
“Was?”
“Heißes Bohnenwasser? Ich meine, wie kommt man eigentlich darauf?”
Vincent legt den Kopf in den Nacken und lacht laut auf.
Adam versucht zu ignorieren, wie schön Vincent dabei ist, und scheitert kläglich.
“Das ist mein ehemaliger Mitbewohner Schuld,” antwortet Vincent immer noch lachend. “Sein Verhältnis zu Kaffee war immer eher schwierig.”
“Mochte er keinen, oder wie?”
“Er trinkt ihn eher aus Überlebensgründen,” sagt Vincent, und Adam nickt, ein bisschen kann er das nachvollziehen.
“Ist schon lustig, er heißt nämlich auch Adam. Und Polizist ist er auch, allerdings in Saarbrücken.”
“Zufälle gibt's.”
“Ja. Zufälle gibt's.”
Stille macht sich zwischen ihnen breit, und Vincent sieht Adam wieder mit interessiert glitzernden Augen an.
Adam kann mit diesem Blick, mit dieser Aufmerksamkeit immer noch nicht umgehen, und er räuspert sich verlegen.
Vincents Klingelton schallt durch die Küche, und er dreht sich zum Ofen.
“Ja, sieht gut aus,” murmelt er, beugt sich vor, um die Ofentür zu öffnen.
Adam sieht der Hose dabei zu, wie sie sich über Vincents Hintern spannt, schluckt einmal schwer, und lässt seinen Blick schnell wieder durch die Küche huschen, als Vincent das Backblech abstellt.
Mit einem Messer fährt Vincent durch das Brot und murmelt, "Immerhin backen kann ich noch."
Adam kommt neugierig näher, nimmt einen Atemzug, und die Mischung aus Tomaten, Kräutern und frisch gebackenem Brot lässt seinen Magen grummeln.
Adam denkt gar nicht nach, greift nach einem Stück - und zieht fluchend die Hand zurück.
“Ach, Scheiße, ist das heiß!”
“Überraschend, wenn es direkt aus dem Ofen kommt, ich weiß,” sagt Vincent trocken. Dann sieht er auf Adams Hand, die er wie wild hin und her schüttelt.
“Soll ich mal pusten?”
Adam stoppt seine Bewegung, starrt Vincent einfach nur an.
Vincent nimmt sanft seine Hand, beugt sich leicht darüber, und atmet vorsichtig gegen Adams Finger.
Adam spürt ein Kribbeln an seinem Handgelenk, das den ganzen Arm hinauf wandert, ihn beinahe vermuten lässt, er hat gleich einen Herzinfarkt.
Vincents Augen, blau blitzend, sehen zu ihm hoch. “Und, besser?”
“Äh,” macht Adam, zieht langsam seine Hand zurück. “Ich denke, ich überleb's."
“Na, so ein Glück."
Adam schiebt die Hand verlegen in die Hosentasche, wieder ist ihm ganz warm im Gesicht, und er räuspert sich einmal.
Vincent sieht ihn immer noch so an, und Adam entschließt sich zum strategischen Rückzug.
“Ich denke, ich gehe dann auch besser," sagt er mit einem schiefen Grinsen. "Kannst mir dein Brot ja auch einpacken.”
“Wie du möchtest,” sagt Vincent leise, und wendet sich tatsächlich zu einem Hängeschrank, holt einen kleinen Teller hervor.
Adam sieht ihm ganz verdattert dabei zu, wie er ein Stück Focaccia auf den Teller befördert, ein Tuch darum schlägt und Adam entgegen hält.
“Bitte sehr.”
Adam nimmt den Teller entgegen, krächzt ein leises “Danke.”
Vincent lehnt sich ein Stück nach vorne, ist jetzt so nah, dass Adam seinen Atem auf dem Gesicht fühlen kann.
“Danke dir,” raunt er, dann drückt er Adam einen kleinen Kuss auf die Wange.
Adam fühlt wieder Hitze aufsteigen, und er macht einen Schritt nach hinten, während seine Hand in seinen Nacken wandert.
“Dafür nicht,” sagt er leise, dann macht er noch einen Schritt.
“Ach, und Adam,” sagt Vincent, und Adam sieht zu ihm hoch.
“Wiedersehen macht Freude.”
Adam weiß nicht, ob Vincent den Teller, das Tuch, oder ihn meint, und er nickt nur.
“Ja. Bis dann.”
Immerhin, denkt Adam vor der Haustür, hat sich die Frage geklärt, ob Vincent mit ihm flirtet.
Fandom: Polizeiruf
Pairing: Adam Raczek/Vincent Ross
Rating: Teen
Prompt: Interjektionen - Joker - „Soll ich mal pusten?“ (Crack-Tabelle von 2016)
A/N: Teil 7 von 9
Vincent ruft nicht an.
Adam versucht, ihm das nicht übel zu nehmen, vermutlich hat er Wichtigeres zu tun, als ihm alten Griesgram hinterher zu telefonieren.
Und Adam ist auch nicht viel besser, findet genug Entschuldigungen, nicht einfach ein “Alles klar?” in den Messenger zu tippen, kommt sich dabei viel zu blöd vor.
Erst, als er fluchend zum fünften Mal an diesem Tag vergeblich versucht, einen Bericht zu tackern - der Haufen schiefer Tackernadeln auf seinem Schreibtisch ein Zeugnis dafür, dass ihm das einfach nicht gelingen will - er kurz davor ist, den Tacker einmal quer durchs Büro zu schmeißen, greift Wiktor nach Adams Handy.
Adam sieht verblüfft auf. “Was machst du da?”
“Ich schreibe jetzt Vincent, dass du ihn sehen willst. Das hält ja keiner aus.”
“Wage es dich,” warnt Adam und streckt eine Hand nach dem Telefon aus.
“Einer von uns muss es schließlich machen.”
“Ja, dann gib her,” sagt Adam grimmig und macht eine auffordernde Handbewegung.
“Aber wirklich,” sagt Wiktor mit skeptisch hochgezogener Augenbraue, und Adam verdreht genervt die Augen.
“Ja doch.”
Misstrauisch gibt Wiktor Adam sein Handy zurück, und Adam wirft einen Blick aufs Display. Zum Glück hat Wiktor noch gar nichts gemacht, sieht Adam auf seinen Sperrbildschirm, ein Bild von Charlie und Eileen in seinem Garten.
Stirnrunzelnd sieht er wieder zu Wiktor hoch. “Woher weißt du eigentlich meinen Pin?”
Wiktor zuckt mit den Schultern. “Weiß ich nicht. Aber hat ja trotzdem gewirkt.”
Adam streckt Wiktor den Mittelfinger entgegen, dann starrt er wieder auf das Display.
Vermutlich sollte er wirklich einfach schreiben, was hat er denn zu verlieren?
Wenn Vincent nicht antwortet, weiß Adam schließlich auch, woran er ist.
Mit einem Schnaufen wischt Adam über sein Display, öffnet eine Nachricht und tippt.
Hey. Alles klar bei dir? Adam.
Bevor er sich noch verrückt machen kann, ob das irgendwie komisch klingt, wirft er das Handy von sich, greift wieder nach Tacker und Bericht und müht sich weiterhin ab, diesen Stapel Seiten zusammen zu heften.
Soviel zu Digitalisierung.
Nach weiteren drei Versuchen hängt dann aber doch alles zusammen, hat er kein Blatt übersehen, und er legt den Bericht in die Ablage und schielt nach seinem Handy.
Einmal kurz gucken kann er ja.
Vincent hat tatsächlich geantwortet, und Adams Herz macht einen kleinen Hüpfer.
Hey, ja. Hab viel zu tun 🥴 Karl ist krank, und Emma kann nur zwei Mal die Woche drei Stunden, hier ist grad alles etwas 🙃
Adam verzieht mitfühlend das Gesicht, das klingt ähnlich wie seine letzten zwei Monate zusammengenommen.
Er will schon eine Antwort tippen, da sieht er eine neue Nachricht.
Ausserdem lassen mich meine Tomaten hängen, dabei wollte ich Focaccia machen 😔
Adam überlegt nur kurz, bei dem Problem kann er tatsächlich helfen, seine Ernte wächst ihm nämlich beinahe über den Kopf, und allmählich gehen ihm die Leute aus, die sich über körbeweise Tomaten freuen.
Mit einem leichten Lächeln tippt er seine Antwort.
Also, Tomaten kann ich dir vorbeibringen. Selbst angebaut, versteht sich.
Adam überlegt noch mal, dann schreibt er weiter.
Ich kann mir deine Tomaten auch angucken, damit kenn ich mich noch besser aus als mit Schrauben.
Dieses Mal starrt Adam die Nachricht eine Weile an - klingt das anzüglich?
Aber zurücknehmen kann er es ja auch nicht mehr, und löschen will er die Nachricht auch nicht.
Er holt sich lieber einen Kaffee, lässt sein Telefon absichtlich auf den Schreibtisch zurück, nimmt sogar noch einen Bogen um Edytas Schreibtisch - natürlich nur, um sich ein Bonbon zu klauen, nicht um Zeit zu schinden - dann setzt er sich wieder hin.
Ich bin so kurz davor, dir einen Heiratsantrag zu machen! Komm heute abend einfach vorbei, weißt ja, wo ich wohn.
😘
Adam blinzelt die Nachricht mehrfach an, aber sowohl das Wort “Heiratsantrag” als auch dieser küssende Smiley bleiben da stehen, und Adam ist mit einem Mal sehr warm.
Aber das ist vermutlich nichts weiter, einfach so dahingesagt, und diese blöden Bildchen, die heißen doch eh nichts, da muss Adam doch nichts hinein interpretieren.
Er antwortet auch nur mit einem 👍 und steckt sein Handy ein, fest entschlossen, diese Unterhaltung und ihre eventuellen Folgen einfach zu ignorieren.
Der Feierabend lässt natürlich auf sich warten, beinahe wie Kaugummi zieht sich die verbleibende Zeit, und irgendwann schlägt Adam frustriert einen weiteren Aktendeckel zu und beschließt, dass es für heute einfach reicht, konzentrieren kann er sich eh nicht mehr.
Er versucht, sich nicht blöd vorzukommen, als er in seinen Garten fährt, um einen Korb voller Tomaten einzusammeln, während er sich überlegt, ob er nicht auch noch nach Hause fahren und schnell ein frisches Hemd überziehen soll.
Aber nein, er will es nicht übertreiben, vermutlich ist das eh eine kurze Nummer, Vincent den Korb in die Hände drücken, einmal einen Blick auf Vincents Tomatenpflanze werfen, und dann war es das auch.
Adam huscht lieber wieder aus der Wohnung, fährt zu Vincents Café, wischt sich noch einmal mit den Händen über die Oberschenkel, ehe er seinen Korb nimmt und aussteigt.
Vincent ist schon an der Tür, hat schon einen Schlüsselbund in der Hand, und dreht sich gerade um, als Adam näher kommt.
“Ah, da ist er ja. Mein Retter,” sagt Vincent mit einem strahlenden Lächeln.
Adam spürt Wärme in seine Wangen kriechen und flucht in Gedanken. Warum muss er auch immer so schnell rot anlaufen?
“Sind doch nur Tomaten,” murmelt Adam, und Vincent schüttelt den Kopf.
“Nicht so bescheiden. Ohne die hätte ich morgen nichts, was ich der Kundschaft anbieten könnte.”
“Naja, könntest ja immer noch in den Supermarkt.”
“Ja genau. Weil die Tomaten von da ja auch was taugen. Was meinst du, warum ich versuche, selber welche anzubauen?”
Adam zieht die Schultern hoch. “Keine Ahnung, du hast nicht schon genug zu tun?”
“Haha,” macht Vincent, und streckt die Hand nach dem Korb aus. “Dann lass mal sehen.”
Adam reicht seine Ausbeute an Vincent und verschränkt die Arme.
“Ach, du hast sogar lila Tomaten. Wie schön.”
“Ich hab nen großen Garten.”
“Hast auch noch nicht genug zu tun?”
“Einen Ausgleich braucht der Mensch.”
Vincent sieht ihn nur lange an, und Adam sieht auf den Boden, will gar nicht weiter analysiert werden.
Vincent tut ihm auch den Gefallen, sagt einfach nur, “Na, dann komm mal mit nach oben.”
Adam sieht verdutzt zu Vincent.
“Wohin?”
“Na, zu mir hoch. Du wolltest dir doch meine Tomaten ansehen.”
“Ach. Ja,” macht Adam lahm, und weiß selber nicht genau, warum ihn das aus dem Konzept bringt, in Vincents Wohnung zu gehen, da ist doch auch nichts dabei.
Ohne weiter darüber nachzudenken, folgt er Vincent zu einer Tür direkt neben dem Café, eine Treppe hinauf in eine Wohnung, in die Abendsonne getaucht und gemütlich eingerichtet.
“Schön hast du es hier.”
“Danke, ich gebe mir größte Mühe. Balkon ist da vorne durch.”
Adam folgt dem ausgestreckten Zeigefinger von Vincent, macht drei große Schritte zur Balkontür.
Die Tomaten sehen tatsächlich reichlich erbärmlich aus, da muss Adam Vincent leider zustimmen.
“Und, sind sie noch zu retten?”
Vincent steht mit besorgtem Gesichtsausdruck in der Balkontür, und Adam steckt die Hände in die Hosentaschen.
“Blütenendfäule,” sagt er.
Vincent schaut ihn an, als hätte er chinesisch gesprochen, und Adam holt tief Luft.
“Die haben zu wenig Kalzium. Wahrscheinlich gießt du sie nicht regelmäßig. Weil dann hättest du das Problem nicht.”
Vincent kratzt sich hilflos am Kopf. “Möglicherweise vergesse ich das gerne mal.”
“Ja, das sehe ich. Ist nicht ganz deins, gärtnern, oder?"
"Ich sag mal, ich hab hohe Ambitionen und wenig Talent."
Adam lacht leise in sich hinein. "Na, ein Anfang ist das immerhin. Was deine Tomaten angeht, am besten, du schreibst dir irgendwo auf, wann du sie gießen musst. Oder stellst dir nen Wecker, oder so.”
“Das kriege ich hin,” lächelt Vincent, dann zeigt er mit dem Daumen in die Wohnung. “Magst du noch was trinken?”
“Ich will aber nicht weiter stören.”
“Ach, du störst immer noch nicht. Ausserdem, du hast mir deine Tomaten gebracht, also kriegst du auch das erste Stück Focaccia. Dauert auch nicht lange.”
Adam zuckt mit den Schultern, ehrlich gesagt will er tatsächlich nicht gehen, und die Aussicht auf etwas zu essen ist sehr verlockend, das hat Adam heute nämlich auch vergessen.
Er setzt sich an Vincents Küchentisch, beäugt das Glas, das ihm vor die Nase gestellt wird.
“Und das ist was?”
“Himbeer-Grenadine-Limonade. Selbstgemacht.”
“Bei dem, was du alles selber machst, schläfst du doch auch nie, oder?”
“Naja, so viel Arbeit ist das ja auch wieder nicht.”
Adam zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, dann nimmt er einen Schluck.
Gar nicht mal übel, das muss er zugeben, und er nickt anerkennend.
Mit einem Grinsen dreht sich Vincent weg, macht einen Schritt an den Kühlschrank, nimmt eine Schüssel hervor.
“Das klingt jetzt vielleicht so, als würde ich deine Anwesenheit ausnutzen, aber kannst du mir ein paar Tomaten klein schneiden?"
“Klar.”
Adam macht sich an die Arbeit, während Vincent Teig aus einer Schüssel auf die Arbeitsplatte befördert und anfängt, ihn zu kneten.
Ganz fasziniert sieht Adam dabei zu, wie Vincents Hände mit dem Teig arbeiten, sich seine Finger bewegen.
“Pass mal lieber auf, dass du dich nicht schneidest,” raunt Vincent ihm zu, und Adam zuckt zusammen, schüttelt sich einmal, und ignoriert seine heißen Wangen, als er die Tomaten in Scheiben und Stücke zerteilt.
Schließlich ist das Focaccia im Ofen, und Vincent sieht Adam leise grinsen an.
Adam nimmt noch einen Schluck seiner Limonade, räuspert sich einmal.
Vincents Blick macht ihn nervös, lässt viel zu viel im Raum stehen, womit Adam sich gerade nicht befassen will, und er denkt angestrengt nach, wie er die Situation entschärfen kann.
Dann erinnert sich, an diese Verwunderung beim Anblick von Vincents Café, dem geschwungenen Schriftzug über der Tür.
“Kann ich dich eigentlich mal was fragen?”
“Was?”
“Heißes Bohnenwasser? Ich meine, wie kommt man eigentlich darauf?”
Vincent legt den Kopf in den Nacken und lacht laut auf.
Adam versucht zu ignorieren, wie schön Vincent dabei ist, und scheitert kläglich.
“Das ist mein ehemaliger Mitbewohner Schuld,” antwortet Vincent immer noch lachend. “Sein Verhältnis zu Kaffee war immer eher schwierig.”
“Mochte er keinen, oder wie?”
“Er trinkt ihn eher aus Überlebensgründen,” sagt Vincent, und Adam nickt, ein bisschen kann er das nachvollziehen.
“Ist schon lustig, er heißt nämlich auch Adam. Und Polizist ist er auch, allerdings in Saarbrücken.”
“Zufälle gibt's.”
“Ja. Zufälle gibt's.”
Stille macht sich zwischen ihnen breit, und Vincent sieht Adam wieder mit interessiert glitzernden Augen an.
Adam kann mit diesem Blick, mit dieser Aufmerksamkeit immer noch nicht umgehen, und er räuspert sich verlegen.
Vincents Klingelton schallt durch die Küche, und er dreht sich zum Ofen.
“Ja, sieht gut aus,” murmelt er, beugt sich vor, um die Ofentür zu öffnen.
Adam sieht der Hose dabei zu, wie sie sich über Vincents Hintern spannt, schluckt einmal schwer, und lässt seinen Blick schnell wieder durch die Küche huschen, als Vincent das Backblech abstellt.
Mit einem Messer fährt Vincent durch das Brot und murmelt, "Immerhin backen kann ich noch."
Adam kommt neugierig näher, nimmt einen Atemzug, und die Mischung aus Tomaten, Kräutern und frisch gebackenem Brot lässt seinen Magen grummeln.
Adam denkt gar nicht nach, greift nach einem Stück - und zieht fluchend die Hand zurück.
“Ach, Scheiße, ist das heiß!”
“Überraschend, wenn es direkt aus dem Ofen kommt, ich weiß,” sagt Vincent trocken. Dann sieht er auf Adams Hand, die er wie wild hin und her schüttelt.
“Soll ich mal pusten?”
Adam stoppt seine Bewegung, starrt Vincent einfach nur an.
Vincent nimmt sanft seine Hand, beugt sich leicht darüber, und atmet vorsichtig gegen Adams Finger.
Adam spürt ein Kribbeln an seinem Handgelenk, das den ganzen Arm hinauf wandert, ihn beinahe vermuten lässt, er hat gleich einen Herzinfarkt.
Vincents Augen, blau blitzend, sehen zu ihm hoch. “Und, besser?”
“Äh,” macht Adam, zieht langsam seine Hand zurück. “Ich denke, ich überleb's."
“Na, so ein Glück."
Adam schiebt die Hand verlegen in die Hosentasche, wieder ist ihm ganz warm im Gesicht, und er räuspert sich einmal.
Vincent sieht ihn immer noch so an, und Adam entschließt sich zum strategischen Rückzug.
“Ich denke, ich gehe dann auch besser," sagt er mit einem schiefen Grinsen. "Kannst mir dein Brot ja auch einpacken.”
“Wie du möchtest,” sagt Vincent leise, und wendet sich tatsächlich zu einem Hängeschrank, holt einen kleinen Teller hervor.
Adam sieht ihm ganz verdattert dabei zu, wie er ein Stück Focaccia auf den Teller befördert, ein Tuch darum schlägt und Adam entgegen hält.
“Bitte sehr.”
Adam nimmt den Teller entgegen, krächzt ein leises “Danke.”
Vincent lehnt sich ein Stück nach vorne, ist jetzt so nah, dass Adam seinen Atem auf dem Gesicht fühlen kann.
“Danke dir,” raunt er, dann drückt er Adam einen kleinen Kuss auf die Wange.
Adam fühlt wieder Hitze aufsteigen, und er macht einen Schritt nach hinten, während seine Hand in seinen Nacken wandert.
“Dafür nicht,” sagt er leise, dann macht er noch einen Schritt.
“Ach, und Adam,” sagt Vincent, und Adam sieht zu ihm hoch.
“Wiedersehen macht Freude.”
Adam weiß nicht, ob Vincent den Teller, das Tuch, oder ihn meint, und er nickt nur.
“Ja. Bis dann.”
Immerhin, denkt Adam vor der Haustür, hat sich die Frage geklärt, ob Vincent mit ihm flirtet.