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[identity profile] erynwen.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: ZIGGY

Fandom: Polizeiruf

Pairing: Adam Raczek/Vincent Ross

Rating: Teen

Prompt: Interjektionen - Oh

A/N: Teil 5 von 9



Es gibt so Tage, die möchte Adam einfach gerne zurückspulen und nochmal von vorne anfangen. Tage, an denen der Weg zur Arbeit größtenteils aus Stau besteht, er sich doch mit dem Kaffee auf dem Revier begnügen muss, er gar keine Zeit für eine Pause findet, und der Drucker zickt.

Dem nicht genug, muss er auch noch zu Gericht, muss sich in einen seiner zwei Anzüge zwängen, die er nicht gerne trägt, in denen er sich total blöd und verkleidet vorkommt, für diese zehn Minuten, in denen er das gleiche sagt, wie er auch schon in den Bericht geschrieben hat.
Entsprechend gelaunt macht er anschließend Feierabend, hält sich eigentlich nur noch an der Aussicht fest, wenigstens noch einen letzten, guten Kaffee zu trinken, bevor er nach Hause fährt.

Schwungvoll öffnet er die Tür zu dem kleinen Café, macht einen Schritt in den Raum, als er Vincents Stimme hört.
“Sorry, wir haben schon geschl… ach, hallo, Adam.”
Adams Fuß verharrt in der Luft, als ihm die leeren Tische bewusst werden, das gedämmte Licht, die Ruhe.
Vincent hinterm Tresen, ein Handtuch in der Hand, eine Tasse in der anderen.
“Tschuldige, ich wusste nicht… ich kann auch wieder gehen.”
“Ach was,” Vincent winkt mit seinem Handtuch ab. “Noch läuft die Kaffeemaschine.”
“Sicher? Ich will nicht stören.”
“Du störst nicht. Im Gegenteil, ist ganz nett, wenn ich mich unterhalten kann, während ich hier aufräume.”
Einen kurzen Augenblick zögert Adam, doch dann zuckt er mit den Schultern. Wenn Vincent sagt, dass es in Ordnung ist.

“Espresso, wie immer?”
Adam nickt, als er sich auf einem der Barhocker niederlässt, die vor dem Tresen stehen. Er verzieht ein bisschen das Gesicht, Barhocker sind ihm eigentlich ein Gräuel.
“Es sein denn, du hast was stärkeres,” murmelt er, und Vincent sieht ihn fragend an.
“Kein guter Tag?”
“Ach, der übliche Mist,” grummelt Adam, als er das Jackett auszieht, die Krawatte löst und erleichtert aufatmet.
“Ich gehe mal davon aus, du hast dich nicht für mich so chic gemacht,” grinst Vincent, und Adam verzieht das Gesicht.
“Nein, für den Richter, vor den ich heute treten musste,” antwortet Adam trocken, dann richtet er sich auf, streckt den Rücken durch. “Ich hasse diesen Blödsinn, ich hab bis heute nicht begriffen, warum ich als Zeuge aussagen muss, wenn die auch einfach nur den Bericht lesen können. Und dann fragt mich dieser Verteidiger auch noch so einen Schwachsinn, dass ich ihm ins Gesicht springen könnte.” Adams Finger finden zu seinem Hemdkragen, lassen zwei Knöpfe durch die Löcher schlüpfen.

“Und dann muss ich auch noch diesen Affentanz aufführen, weil im Pullover wirke ich wohl nicht vertrauenserweckend genug.”
“Ach, das würde ich nicht sagen,” grinst Vincent. “Aber das steht dir schon ziemlich gut.”
Vincents Blick huscht anerkennend über Adams Körper, und Adam lacht schnaufend durch die Nase, um seine Verlegenheit zu kaschieren.
“Na, danke.”
Vincent zwinkert ihm zu, dann verschwindet er kurz hinter der Kaffeemaschine, einer Wolke Dampf und lautem Zischen, ehe er mit einer Tasse wieder auftaucht.

“Danke,” sagt Adam, nimmt die Tasse entgegen, atmet den Geruch von frischem Kaffee ein.
“Und das alles für nichts und wieder nichts,” murmelt er in seine Tasse, und Vincent schaut erstaunt auf.
“Wieso? Lief nicht gut?”
Adam zuckt mit den Schultern. “Kann man nie sagen, aber bei meinem Glück in letzter Zeit…”
“Klingt ein bisschen so, als hättest du eine kleine Krise,” sagt Vincent, stützt sich mit den Ellenbogen auf den Tresen und lehnt sich vor.

Adam lacht wieder durch die Nase, dann sieht er zu Vincent hoch.
“Sagen wir mal so, ich frag mich schon öfter, ob es das wert ist, meine Ehe an die Wand zu fahren, und meine Töchter kaum zu sehen.”
"Du bist verheiratet?"
"Gewesen," antwortet Adam und hält wie zum Beweis seine Hand hoch.
Er erwartet schon fast eine Antwort, entweder Mitleid oder irgendeinen Spruch, aber Vincent nickt nur verstehend.
“Und Töchter hast du auch?”
“Jap, zwei. Die mich eher so vom Hörensagen kennen, weil mir dieser Scheißjob ständig dazwischenfunkt.”
“Das tut mir leid,” sagt Vincent und legt seine Hand auf Adams Arm.

Adam sieht auf die Finger auf seinem Hemdärmel, und schüttelt sanft den Kopf.
“Ich weiß gar nicht, warum ich dir das erzähle.”
“Muss an meiner Art liegen," lacht Vincent und nimmt seine Hand wieder von Adams Arm, um eine weitere Tasse abzutrocknen. "Ich kann sehr gut zuhören.”
“Du solltest Psychiater werden.”
“Du wirst lachen, aber studiert hab ich das. Also, Psychologie. Allerdings mit dem Bachelor aufgehört.”
“Und stattdessen arbeitest du lieber in einem Café?”
Vincent sieht Adam verdutzt an. “Was heißt arbeiten, mir gehört das alles hier.”

Adam blinzelt verblüfft, das hätte er allerdings nicht erwartet.
“Und das machst du wirklich lieber, als Leute zu analysieren?”
Vincent zuckt mit den Achseln. “Ich wollte eben schon immer ein Café haben. Und so ne Art Therapeut bin ich ja auch, allerdings gibt es bei mir auch noch Kuchen.”
Adam lacht wieder leise, stellt seine Tasse auf die Untertasse.
Vincent lächelt ihn noch einmal kurz an, dann räumt er hinter dem Tresen umher, und Adam sieht ihm dabei zu, hört ihn leise vor sich hin summen.
Für einen Moment schließt Adam die Augen, reibt sich mit den Fingern über die Lider und lauscht dem Geräusch von Tassen, die auf ein Regal geräumt werden, Stühle, die über den Boden kratzen, Vincents leises Summen.

Dann liegt plötzlich eine Hand auf seiner Schulter, und Adam schlägt die Augen auf.
“Hey,” hört er Vincent sanft sagen.
Adam blinzelt heftig - Oh.
Er muss weggedöst sein, sitzt in sich zusammengesackt vor dem Tresen.
“Ach Scheiße, sorry,” murmelt er, schüttelt einmal den Kopf, um sich aufzuwecken.
“Nicht schlimm,” sagt Vincent.
Adam gähnt herzhaft, richtet sich mit knackendem Rücken auf, schüttelt sich noch einmal.

“Ich fahr dann wohl mal besser.”
“Bist du sicher? Du kannst auch bei mir oben schlafen, meine Couch ist ganz bequem.”
Adam wird ganz warm im Gesicht, und weiß gar nicht warum.
Das Angebot ist nett gemeint, vermutlich will Vincent nur vermeiden, dass Adam vor eine Straßenlaterne fährt.
Sonst steckt da doch nichts hinter, die Illusion muss Adam sich ja gar nicht machen.

Mit einem schiefen Lächeln wendet er sich zu Vincent, zuckt beinahe zusammen vor der ehrlichen Sorge in seinem Blick.
“Du solltest keine fremden Männer zu dir in die Wohnung einladen," witzelt Adam, um irgendetwas zu sagen.
“Mache ich ja auch nur bei den besonders Hübschen,” lacht Vincent.
Adam wird nur noch wärmer und er räuspert sich verlegen.
Dann kramt er in seiner Jackentasche, nur um Vincents Hand wieder auf seinem Unterarm zu spüren.
“Geht aufs Haus.”
“Auf die Tour machst du aber nicht viel Geld.”
“Ich werd’s überleben.”

Adam nickt langsam, dann rutscht er vom Barhocker, macht einen Schritt nach hinten.
“Na, dann.”
“Fahr bitte vorsichtig,” sagt Vincent mit besorgtem Blick.
“Ach, sowieso,” antwortet Adam, greift seine Jacke fester, geht zur Tür.
“Adam,” hört er Vincent sagen und dreht sich noch einmal um.
“Ja?”
“Schlaf gut.”

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