(no subject)
Jul. 28th, 2008 03:52 pm
Challenge: #1 Augenfarbe [vom 12.06.08]
#2 "Oh Gott, ich werde sterben..."
Characters: Jaelle & der Fremde
Wörter: 698
„Oh bitte alles, aber bloß nicht das.“
Der kleine Mann hatte wundervolle Augen. Blassblau, wie der ausgewaschene Stoff einer alten Jeans. Es waren die Augen eines Menschen, die ohne den geringsten Funken Mitleid zu empfinde einem kleinen, putzigen Lämmlein mit bloßen Händen den Hals umdrehen können würde. Bei Gott, er wird mich umbringen, schoss es ihr durch den Kopf, doch der Gedanke wirkte fast nebensächlich, als ihr auffiel, wie gut der Kerl roch. Außerdem war der Gute gar nicht so klein, wie Jaelle es zuerst angenommen hatte. Er überragte sie doch ein ganzes Stückchen, sodass sie gezwungen war zu ihm aufzublicken, was aber auch an der Tatsache lag, das der Fremde keine zwei Handbreiten von ihre entfernt stand. „Haben Sie sich verletzt?“ Jaelle schlug ihre Hand gegen den Brustkorb, so als ob ihr Herz durch den Schlag aufhören würde so dermaßen schnell weiter zu rasen. „Ähm..nein.“, krächzte sie, und taumelte zurück. Fast wäre sie rücklings über die Bornsteinkante gefallen, wenn der Fremde nicht blitzschnell vorgeschnellt wäre, um die zierliche Frau vor dem Fall zu bewahren. Kräftige Hände, die ein zweites Mal ihren Oberarm umschlossen. Und so sehr sich die junge Frau auch gegen die Empfindung wehrte – die Berührung war alles andere als unangenehm. Er hat mich also doch gesehen. „Vorsicht, Vorsicht…“ Dieses Lächeln. Ganz sanft umspielte es seine Mundwinkel, und ließ dünne Fältchen auf seiner sonnengebräunten Haut entstehen. „Sie bringen sich ja noch um..“, schmunzelte er, und zwinkerte Jaelle aufmunternd zu, aus deren Wangen jegliche Farbe gewichen war, ganz so, als wäre ihr der Tod höchstpersönlich über den Weg gelaufen. Und vielleicht war er das ja auch. „Danke.“, presste sie mühselig hervor. Er muss mich gesehen haben, es geht gar nicht anders. Aber Jaelles Verstand war wie nach einem Stich einer giftigen Riesenspinne gelähmt. „Danke für Ihre Hilfe.“ Sie wand sich ab, und nutze die unbeobachtete Gelegenheit ihr Gesicht zu einer Maske aus Entsetzen zu verziehen. Jaelle bückte sich. Keine Panik, nur keine Panik. Der Inhalt ihrer Handtasche lag nach wie vor auf dem Bürgersteig verteilt, und die junge Frau machte sich daran alles so schnell es ging wieder zurück zu stopfen. Ihre Hände zitterten. Sie hatte noch nie besonders starke Nerven gehabt. „Ja, warum haben Sie es denn nur so eilig?“ Nur für den Bruchteil einer Sekunde gerieten ihre eiligen Bewegung ins stocken. Mein Slip ist immer noch nicht an der richtigen Stelle. Während sie nach ihrem Schlüsselbund griff, richtete sie sich wieder auf. „Man könnte meinen, ich würde Ihnen Angst machen.“ Ihre Zunge lag wie ein gelähmter, nutzloser Fleischlumpen da. „Ach was…“ Unbeholfen versuchte sie ein Lächeln hervorzubringen. Ich muss gerade unglaublich dämlich aussehen… Wenn er sie tatsächlich nicht gesehen hatte, dann müsste der kleine Mann doch mindest jetzt erahnen, dass es sich bei seiner netten, unscheinbaren Gesprächspartnerin um den einzigen Zeugen seines hinterhältigen, ja, eigentlich fast schon feigen Mordes handeln musste . Immerhin hatte er dem Scheißkerl einfach in den Kopf geschossen, ohne dass dieser sich großartig hätte wären können. „Ich bin nur ein wenig in Zeitdruck.“, erwiderte sie schüchtern, aber bestimmt. „Verstehe…“, murmelte er, und Jaelle war sich fast sicher ein humorvolles Schmunzeln heraus zu hören.
Das kleine, schwarze Loch in Stiernackens Kopf hatte sich noch lange nicht aus ihren wirren Gedanken verabschiedet. Und das würde es wahrscheinlich nie richtig tun. „Soll ich Sie dann irgendwo mit hinnehmen? Nicht, dass sie zu Ihrem anscheinend wichtigen Termin zu spät kommen.“ Eben hatte sie noch seinen warmen Atmen gespürt, und ihr war immer noch so, als hätte sein Geruch eine benebelnde Wirkung auf sie. Mitnehmen? Wohin denn? Oh, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der kleine Mann lächelte wieder. Das Lächeln passte perfekt zu seiner eleganten, schwarzen Pistole mit dem kolbenartigen Dämpfer. „Verzeiht mir… ich habe mich noch gar nicht vorgestellt…“ Es bestand keinen Zweifel, dass dieser Kerl keinen Waffenschein für sein Schätzchen besaß.