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[identity profile] nyx-chan.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: D.A.V.E.
Challenge: AU - Royals (für mich)
Fandom: Akte X
Wörter: ~1800


Jeffrey Spender navigierte automatisch durch die Menge an Menschen und durch die endlosen Korridore des FBI-Hauptquartiers. In einer Hand trug er seine Aktentasche, in der anderen hielt er einen Pappbecher mit schwarzen Kaffee, der auf die richtige Temperatur abgekühlt war, wenn er seinen Schreibtisch erreichte. Es war der fast alltägliche Tanz durch Security, Smalltalks und Ausweichmanövern. Vor der letzten Ertappe, dem Marsch durch das Großraumbüro seiner Abteilung, in deren entlegenen Ecke er ein Cubicle sein eigen nannte, gab es eine kurze Verschnaufpause im Fahrstuhl zwischen den Etagen G3 und G7. Viele bevorzugten den Fahrstuhl einen Gang weiter, weil er näher zur Kaffeeküche war, was Jeffrey morgens für sich nutzte.
Als er in Etage G7 sich zwischen zwei Kollegen aus der Abteilung G9 hindurchdrängte, die unnötigerweise die Tür praktisch blockierten, passierte alles ganz schnell.
Zunächst war erst ein energischer Ruf, wie er selten durch die Abteilung hallte, und ihn entsprechend in die Richtung abgelenkt blicken ließ. Kaum hatte er sich halb in die Richtung gedreht, kollidierte schon jemand mit Jeffrey. Er begann sein Gleichgewicht zu verlieren. Erst entglitt ihm seine Tasche als er versuchte nach Halt zu greifen. Seine Hand verkrallte sich in Leder. Die andere versuchte hilflos den Kaffee über das Chaos hinweg zu heben. Vergeblich. Gleichermaßen spürte er wie seine Kleidung gepackt wurde. Als er schon damit rechnete, dass er sein Gleichgewicht komplett verliert, spürte er den Widerstand, den Zug in seiner Kleidung. Durch fremde Hände. Und dann heißen Kaffee über Hand und Oberkörper. Zwei unterschiedliche Stimmen mit Flüchen, davon war eine Jeffreys. Die andere stammte von dem Menschen, der ihn erst umrannte, dann packte, und nun verbrüht losließ. Zum Glück hatte Jeffrey sich genug stabilisiert, um mit ein, zwei Ausfallschritten nach hinten sich komplett zu fangen. In all dem Maleur war der Pappbecher zu Boden gefallen.

Jeffrey schüttelte sich die verbrühte Hand aus und griff mit der anderen nach einem Taschentuch aus der Hosentasche. Blind begann er seine Kleidung abzutupfen, während er versuchte sich einen Eindruck von der Situation zu verschaffen, insbesondere des Übeltäters. Ein junger Mann, etwa sein Alter, in dunkler Kleidung stand da, fluchte und wischte sich die verbrühte Hand versichtig an seinem Oberteil ab. Inzwischen hatte derjenige, der ihn wohl gerufen hatte, eingeholt. Zu Jeffreys Unglück handelte es sich um Agent Mulder, mit dem er ein höchst kompliziertes Verhältnis pflegte.

„Mr. Krycek, haben Sie sich weh getan? Warum haben Sie nicht im Büro gewartet? Ich-“, begann Mulder frenetisch auf den jungen Mann einzureden. Dieser lachte nur kurz auf.

„Alles in Ordnung?“, fragte nun auch Jeffrey und die beiden anderen Männer sahen zu ihm herüber, als hätten sie ihn für einen Moment vergessen gehabt.

„Oh Shit“, sagte der junge Mann und starrte auf Jeffreys Kleidung. „Sorry, das habe ich wohl ruiniert. Oder eher dein Kaffee.“ Er trat unvermittelt an Jeffrey heran, schob seine Hand weg und sah nach, wie weit sich der Schaden über Jacket und Krawatte hinaus auf dem Hemd und, wie Jeffrey erst jetzt merkte, auch inzwischen auf die Hose ausweitete. „Nicht, dass der Anzug und die Krawatte so gut aussahen, aber ich werd sie dir ersetzen.“

Perplex über den Kommentar murmelte Jeffrey bevor sein Gehirn richtig hinterher kam: „Die Krawatte hab ich von meiner Mutter.“

„Ok, dann kriegt deine Mutter einen Gutschein, dir eine neue Krawatte zu schenken. Außer ich darf dir eine kaufen, die besser aussieht“, erklärte der junge Mann nonchalant während Jeffrey nur noch da stand. Der Fremde nahm ihm das Taschentuch aus der Hand und tupfte noch ein paar markant nasse Stellen am Rever ab. Als er Jeffreys starren Blick sah, grinste er breit, zwinkerte ihm zu und stopfte ihm das Taschentuch zurück in die Hand.

„Ok, genug von den Späßen“, mischte sich Mulder endlich ein und legte dem jungen Mann eine Hand auf die Schulter. „Bitte kommen Sie mit zurück ins Büro.“

Der Fremde verdrehte die Augen und drehte sich mit einem gewandelten höflichen Lächeln zu Mulder um. „Nun gut, Agent. Führen Sie mich ab und langweilen Sie mich diesmal nicht.“

Mulder japste, verkniff sich aber jegliche beleidigte Antwort. Stattdessen führte er den jungen Mann wie einen Teenager ab.

Sprachlos beobachtete Jeffrey das Schauspiel, bis ihn Agent Conny Smith aus der Starre herausriss. „Alles ok bei dir, Jeffrey?“ Sie reichte ihm seine Aktentasche. „Der Kaffee ist jedenfalls hin und dein Anzug leider auch. Soll ich dich beim Chef abmelden, dass du dich um Wechselkleidung kümmern musstest?“

„Ja- Nein- Nein. Ich schau, was ich noch retten kann im Bad. In einer Viertelstunde bin ich vorstellig bei Skinner. Das kann ich nicht verschieben“, erklärte er und nahm ihr seine Tasche ab. „Wer war das?“

„Frag mich was leichteres. Mulder geistert mit dem Kerl seit eineinhalb Stunden durch die Abteilung und versucht ihn bei der Stange zu halten ohne ihn irgendwo anzuketten als wäre er ein Sack voll Flöhe“, erklärte seine Kollegin. „Nach der ersten halben Stunde hatte ich den Eindruck, der Kerl macht das nur um Mulder zu ärgern. Aber keine Ahnung, wer das ist. Er war da, Mulder hatte ihn an der Backe und ansonsten weiß keiner irgendwas.“

Mit knappen Worten verabschiedete sich Jeffrey von Agent Smith und verzog sich auf die Herrentoilette, um dort zum einen das Ausmaß des Schadens zu beurteilen, zum anderen dieses möglichst einzugrenzen. Die braunen Flecken erstreckten sich in asymmetrischen Mustern über sein weißes Hemd und teilweise, verlaufend, gespritzt, auf seinen taubengrauen Anzug. Er griff nach seinem Krawattenknoten, um ihn etwas zu lösen und über die Schulter werfen zu können, und begann dabei seine Krawatte zu mustern. Seine Hand glitt langsam über das Printmuster, über die Textur des farbigen Stoffes mit abstrakten Formen in verschiedenen Blau-, Grün- und Rottönen mit Sprenklern von Gelb. Sie war ihm schon immer zu lebhaft gewesen, aber er trug sie seiner Mutter zu liebe. Sie beklagte widerum, dass er immer zu dezent herumlief. Aber war sie hässlich? Für einen Moment verlor er über diese Frage völlig den Fokus bezüglich seines eigentlichen Problems. Wieder in der Realität begann er mit einer provsorischen Reinigung und einem umständlichen Fönen mit Hilfe des wandmontierten Handtrockners.

Bevor er zu spät kam eilte Jeffrey in Richtung de Büros des stellvertretenden FBI-Direktors Walter Skinner und wurde bereits von der Sekretärin erwartet. Sie blickte ihn einmal von oben bis unten an und lächelte ihn mit einer großen Portion mütterlichen Mitleids an. Etwas beschämt versuchte Jeffrey seine Aktentasche etwas strategischer vor einen noch immer sehr unschönen Fleck auf der Hose zu halten.

„Guten Morgen, Agent Spender. Auf die Minute. Komment Sie rein, der stellvertretende Direktor wartet auf Sie.“ Sie griff nach der Tür, schaute aber nochmal zu ihm, bevor sie mit gesenkter Stimme fragte: „Sie sehen aus als hätten Sie heute schon genug Kaffee gehabt. Wollen Sie trotzdem einen?“

„Nein, danke“, antwortete Jeffrey kleinlaut und betrat den durch sie geöffneten Raum.

Sein Blick fiel gewohnheitsmäßig auf seinen Vorgesetzten Walter Skinner, der hinter seinem Schreibtisch saß mit ernsten Blick. Nach einer kurzen Begrüßung und einem bewussten Nicht-Kommentierens seines Aufzugs bat ihn Skinner mit einer Handgeste auf einem der freien Sessel vor seinem Schreibtisch platz zu nehmen. Denn wie nun Jeffrey zu seinem Bedauern feststellte, war er nicht alleine mit dem stellvertretenden Direktor. In einem der beiden Sessel lümmelte bereits der junge Mann, der ihn vor dem Fahrstuhl umgerannt hatte. Der grinste ihn nur schelmisch an. Ein kurzer Blick ins restliche Büro beruhigte Jeffrey darin, dass ansonsten niemand sonst anwesend war. Erst dann nahm er Platz und setzte seine Tasche neben dem Sessel ab, auch wenn er sie am liebsten über den Schoß gelegt hätte. Als er seinen Blick hob musterte Skinner ihn über seine gefalteten Hände hinweg an und setzte nach einem langen Moment zu einer Rede an.

„Jeffrey Spender, ich darf Sie bekannt machen mit Alex Krycek.“

„Wir kennen uns schon“, unterbrach der junge Mann und deutete mit einer Handgeste über seinen Brustkorb.

Skinner schaute zu dem Fremden - Alex Krycek - hinüber und hob eine Augenbraue, ehe er sich zurück an Jeffrey wand und weitersprach. „Sie dürfen in dem Ihnen neu betrauten Fall Ihr koordinatorisches Talent beweisen. Es handelt sich um eine international nicht ganz unheikle Angelegenheit, weswegen wir mit weiteren Behörden und ausländischen Diensten zusammenarbeiten werden. Als Hauptkoordinator gibt es eine eigene Task Force, keine Sorge. Sie werden aber den Mittler zwischen der Task Force und einem unserer politischen Akteure spielen.“

Kurz wollte Jeffrey ungeduldig nachhaken und bitten, dass Skinner doch bitte zum Punkt kommen soll, aber er konnte es sich verkneifen. Alex Krycek neben ihm konnte es sich aber nicht verkneifen, den stellvertretenden Direkter wieder zu unterbrechen.
„Er meint mich. Du darfst mein Babysitter sein. Glückwunsch!“

Jeffrey sah ihn verwirrt an und musterte ihn eindringlich, ehe er mit einem fragenden Blick zu Skinner hinübersah. „Ich verstehe noch nicht ganz, worauf Sie hinauswollen.“

Skinner seufzte. „Im Prinzip was Mr. Krycek in simplen Worten bereits sagte. Sie sollen sich um seine Sicherheit kümmern, kriegen dafür auch Agents zur Seite gestellt, und organisieren die Kommunikation und Koordination mit der Task Force.“

„Ok.“ Jeffrey nickte verstehend. „Von welchen politischen Kontexten sprechen wir?“

„Darauf wollte ich noch kommen, ehe ich unterbrochen wurde.“ Skinner warf Alex Krycek einen kurzen Seitenblick, ehe er endlich fortfuhr. „Es handelt sich hierbei um mögliche Umbrüche an der politischen Spitze Russlands.“

„Wie bitte?!“, platze es überrascht aus Jeffrey.

„Glauben Sie mir, Sie sind nicht der Erste, der so darauf reagiert. Sie müssen wissen, unser Gast und Partner, Alex Krycek, ist nicht nur ein einfacher US-Bürger, sondern ist ein direkter Nachfahre der Romanoffs.“

Jeffrey erstickte ein erneutes verblüfftes Herausplatzen und kanalisierte alles in einen perplexen Blick Richtung Alex, der nun nach einer Mischung Amüsiertheit und beschämter Ernüchterung aussah.

„Die letzten legitimen Thronfolger konnten seit der Oktoberrevolution als politische Asylanten weitestgehend annonym in den US leben. Es war mit großen Bemühungen verbunden, dieses Geheimnis zu hüten. Nun aber haben wir es sowohl mit unerwarteten Verbündeten in Russland zu tun, wie auch Machthabern, die von den letzten legitimen Romanoffs erfahren haben und sie umbringen wollen. Leider ist es bereits mit einigen Familienmitgliedern geglückt. Es handelt sich inzwischen um ein Problem nicht nur internationaler Tragweite, sondern auch nationaler Sicherheit. Sie erhalten noch weitere Materialien und Unterlagen, um die Lage besser einzuschätzen und auf Ihr erstes Meeting mit der Task Force vorzubereiten.“

Erschlagen von der Informationswelle nickte Jeffrey nur dumpf und fragte: „Wand findet das erste Meeting statt?“

„Heute um 14 Uhr. Sie können sich beim Hinausgehen alle Unterlagen von Martha aushändigen lassen.“

„Und was ist mit mir?“, fragte Krycek ungeduldig.

„Sie verbleiben weiterhin zunächst hier im Hauptquartier und werden von Agent Mulder und Agent Scully beobaufsichtig, bis ein weiterer Aktionsplan feststeht.“

Wie ein entnervter Teenager ließ sich Krycek in die Sessellehne fallen.

„Spender.“ Mit einem Ruck setzte sich Jeffrey etwas gerader hin. „Glückwunsch zur Beförderung: Ab heute haben Sie Ihr eigenes Büro. Martha wird Ihnen sagen wo und Ihnen die Schlüssel aushändigen“, verlautbarte Skinner mit einem kleinen Halblächeln. „Das war es auch fürs Erste. Viel Erfolg bei der Missions ‚Georgslanze'.“

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