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Sommer Challenge 2008

  

Fandom: Original | Der Menschliche Makel
Challenge: #
16. Landesverrat

                 # 1 "Oh Shit ..." [ vom 20.06.08]

Characters: Jaelle, Stiernacken, die blonde Frau & der kleine Mann
Wörter: 689

Kommentar: Verdammt noch mal! Ich hab’ Sonnenbrand T_T

 

Von Larven und Patronenhülsen

 

Stiernacken drehte sich um, Überrascht, verärgert, noch erregt. Jaelle konnte nicht sagen, ob der Scheißkerl noch so etwas wie Todesangst verspürt hatte, als er in die Mündung der schwarzen Pistole blicken musste. Es ging sehr schnell. Ihr Hals tat weh. Sie hatte vergessen wie man schluckt. So klingt es also, wenn Patronenhülsen auf den Asphalt fallen. Ein paar mal springen sie noch in der Luft, kullern noch ein ganzes Stück weiter, bis zu liegen bleiben. Leblos und tot. Warum hatte der kleine Mann Stiernacken nicht noch etwas gequält, wenigstens ein kleines bisschen..? Piung. Und ja, wahrhaftig, Blut floss, aber nicht direkt. Noch einen Atemzug blieb Stiernacken stehen, und kippte dann einfach nach hinten um. Das kleine, saubere Loch oberhalb seines rechten Nasenflügels war zunächst deutlich zu erkennen, und Jaelle dachte zuerst, dass der Kerl vielleicht überhaupt kein Blut in sich hatte, bis sein Lebenssaft nach zähen Momenten des Abwartens dann doch hervor sprudelte. Dunkelrot war’s genau wie sie es erwartet hatte. Jetzt lagen sie beide da, der bullige Mann im Schoße der blonden Fremden. Stiernacken hatte seinen massigen, kahl geschorenen Kopf in ihre Richtung gedreht. Und ja, verflucht, stumm blickte der Scheißkerl Jaelle ins Gesicht.  

Oh Shit. Das Essen wurde doch kalt. Phil mag es nicht, wenn sie so viel zu spät kam. Und hier könnte sie wahrhaftig nichts mehr tun! Ruhig, ganz ruhig. Er sieht dich doch nicht, sagte eine Stimme in ihrem Köpfchen, du bist doch unsichtbar. Ein Schritt, ein zweiter, gut so, fast geschafft. Hatte der kleine Mann sich schon bewegt? Nein, die Schatten hielten in fest, und Jaelle konnte nur noch sehen, wie er den Arm sinken ließ, als sie, sich ungeschickt rückwärts weiter tastend, um die Ecke bog. Hier war es noch deutlich heller, und die letzten Sonnenstrahlen trieben ihr Tränen in die Augen. In ihre Brust kribbelte es ganz wild, so als ob irgendwelche Larven aus ihren Eiern geschlüpft wären, die seit sie lebte in ihr ruhten, und jetzt munter damit anfingen ihre Gedärme aufzufressen. Mist, sie hatte vergessen noch Geld abzuheben. Dann würde sie das eben morgen machen, am besten vor dem Essen mit den Chamblers. Das metallische Geräusch war unheimlich laut gewesen, das die Patronenhülsen erzeugten, als sie auf dem Boden aufkamen. Ihre Ohren taten ihr immer noch weh! Ob der kleine Mann sie vielleicht nicht doch bemerkt hatte? 
Man, ihr Slip war verrutscht, wie verflucht unbequem. Als sie noch klein waren, hatten sie und ihr Bruder Cedrik oft mit altem Geld gespielt. Cedrik, ihr kleiner Sonnenschein. Traurig, dass sie ihn nur noch im Knast besuchen konnte. Landesverrat – ihr kleiner Bruder ein erbärmlicher Verräter. Also hatte er es doch verdient eingesperrt zu werden, oder? Ich kann ja nicht mein Leben lang auf ihn aufpassen... Meine Güte, das Kleid in dem Schaufenster, an dem sie gerade vorbeilief, war ja wunderschön. Genau so wollte sie aussehen, wenn ihr Vater sie zum Altar führen würde. Dieser schöne, perlenweiße Stoff, und die filigranen Stickereien. Aber Moment mal – waren das etwa Blutflecken auf dem seidigen Stoff? Ja, mein Gott, ja! Dunkelrot, und sie breiteten sich immer weiter aus, wie ein Pilz, der immer gieriger das strahlende Weiß verschlang. Jaelle stolperte über ihre eigenen Füße, und fällt der Länge nach hin. Ihre Handtasche flog noch ein ganzes Stück, bis sich der ganze Inhalt auf dem Pflaster verteilte. Geld, Hausschlüssel, Brillenetui, OBs. Zu einem anderen Zeitpunkt wäre Jaelle dieses Missgeschick hoch geradig peinlich gewesen. Zu gerne hätte sie diese Stelle einfach vorgespult, ganz so wie sie es bei Filmen tat, wenn diese ihr zu blutig würden. Auf ein kleines, rundes Knöpfchen am DVD Recorder drücken, und die Sache hatte sie erledigt. Einfach liegen bleiben. Atmen. „ Verzeihen Sie junge Frau, aber Sie sehen so aus, als würden Sie Hilfe brauchen“, ertönte die Stimme eines Mannes direkt hinter ihr, nicht weiter als einen Schritt entfernt. Eine schöne Stimme. Samtweich und warm. Und klebrig. Der russische, oder vielleicht auch kroatische Akzent war nicht zu überhören. Jaelle versucht sich aufzurappeln „Ja.. aee..“ Der Fremde packte sie beherzt am Oberarm und zog sie herauf. Das war der Moment, in dem sie zu ihm aufblickte, und ihr Herz einen ruppigen, schmerzhaften Sprung machte.

Klasse!

Date: 2008-07-28 12:22 pm (UTC)
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o.O Oh, ich hab eine deutlich Vermutung, wer das sein könnte...ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht...!

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