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Team: The Machine
Challenge: Orte — im Auto! (fürs Team)
Fandom: Blind Ermittelt
Charaktere: Alexander Haller, Niko Falk,
Notes: Angst for everyone! Aber nur ein bisschen, bevor sich alle wieder lieb haben.



Niko fügte seinen bisher schon sehr kreativen Flüchen, noch eine Reihe Neuer hinzu, bog dann sehr abrupt ab, und hielt den Wagen an.


„Sorry“, murrte er. „Wegen dem Unfall ist noch mehr gesperrt, als ich dachte. Ich muss mich erst mal neu orientieren.“


Alex winkte ab. „Wir müssen das auch nicht heute erledigen. Du kannst auch umdrehen.“


„Du wolltest eine neue Jacke.“


„Ja. Aber nicht so dringend. Du musst mich deswegen nicht den ganzen Tag durch die Gegend fahren.“


Niko lachte. „Du weißt schon, dass Leute durch die Gegend fahren ziemlich lange mein Job war?“


„Na ja, eigentlich weiß ich das nicht.“


Der Ton in dem Niko „Was soll das jetzt heißen?“ fragte, hätte Alex eigentlich warnen sollen, aber er antwortete einfach: „Na ja, dass ich sehr wenig darüber weiß, was du vorher gemacht hast.“


Jetzt war Nikos Lachen absolut humorlos. „Ach komm. Du weißt doch eine ganze Menge.“


„Was …?“


„Tu nicht so als ob du mein Vorstrafenregister nicht kennen würdest.“


„Wie? Ach...“ Nikos Schnauben machte deutlich, dass er es Alex seine ehrliche Überraschung nicht abnahm. „Ja. Natürlich. Klar. Du hast nie einen Blick drauf geworfen.“


Der Witz, den sie beide schon oft genug gemacht hatten, war gerade überhaupt nicht lustig, und jetzt verlor Alex die Beherrschung. „Was willst du jetzt damit sagen?“ Niko wollte etwas sagen, vielleicht eine Entschuldigung, aber Alex ließ ihn nicht. „Glaubst du, ich vertrau’ dir deswegen nicht? Dass ich zu dir ins Auto steigen würde, wenn das so wäre?“ Er wurde lauter, als er eigentlich wollte, „Ich hab gerade nicht die geringste Ahnung wo wir sind. Oder wie ich ohne dich von hier wegkomme.“ Die Stille, die darauf folgte, verriet Alex, dass das etwas war, woran Niko noch nicht gedacht hatte. Die Stille dehnte sich. Dann, das Klappern vom Anhänger des Autoschlüssels. Wieder Stille. Ein Ausatmen.


„Weißt du … Das. Du. Sowas passiert Leuten wie mir normalerweise nicht.“


Alex tastete, griff nach Nikos Arm, aber der schüttelte ihn wild gestikulierend ab. „Wenn ich dich damals nicht getroffen hätte, hätte ich mir vielleicht noch zwei oder drei Tage in einem sehr billigen Motel leisten können. Ich hab dir dein Scheiß Portmonee vorbeigebracht, weil ich gehofft hab, du lässt aus Dankbarkeit genug springen, dass es noch ein paar Tage mehr werden. Und plötzlich hab ich ein Zimmer in einem Hotel, in dem ich mir nicht mal eine halbe Nacht hätte leisten können und fahr diesen Wagen. Und ich fahr’ einen Bullen.“ Alex verzog das Gesicht. Niko sprach weiter. „Ich pass’ nicht so wirklich in deine Welt. Und manchmal frage ich mich, ob dir der Gedanke nicht auch schon gekommen ist.“


Nikos Rede war ein bisschen zu schnell und zu flüssig gewesen, um völlig spontan gewesen zu sein. Wahrscheinlich hatte er dieses Gespräch in Gedanken schon ein paar Mal geführt. Das war unfair, denn jedes Mal, wenn Alex der Gedanke gekommen war, dass Niko sich vielleicht ein spannenderes Leben vorgestellt hatte, als das, was er momentan hatte, hatte er ihn ganz schnell wieder verdrängt. Deswegen war er vollkommen unvorbereitet und brachte zuerst nur ein „Ich hätte doch gar nicht gedacht, dass du so lange bleibst.“ heraus. Niko gab ein überraschtes „Hmm?“ von sich, aber ob das an Alex abruptem Themawechsel lag, oder an dem, was Alex gesagt hatte, wusste er nicht.


„Du hast gesagt, du bis kein Pfleger“, erinnerte Alex ihn, auch wenn ihm klar war, dass das nicht unbedingt alles erklärte. Von Niko kam auch nur ein etwas verwirrtes: „Das bin ich immer noch nicht.“


„Ja“, seufzte Alex, „aber damals hast du gesagt, du hilfst mir, einen Fall wieder aufzurollen. Jetzt verbringst du deine Zeit damit, mir Etiketten vorzulesen und Farben zu beschreiben. Der Gedanke ist dir doch sicher schon mal gekommen.“


Eine ganze Weile sagte Niko nichts, ließ dann ein „Aber ...“ an, das in der Luft hängen blieb, weil er selber nicht zu wissen schien, was er sagen wollte.


„Aber du bist trotzdem noch da. Und das ist mir wichtig. Nicht, was du gemacht hast, bevor wir uns getroffen haben.“ Wieder tastete er nach Nikos Arm und diesmal schüttelte er ihn nicht ab. Stattdessen lag kurz darauf Nikos Hand auf seiner. „Ich denke nur manchmal, dass du inzwischen ziemlich viel über mich weißt, und ich sehr wenig über dich. Und ...“ Nikos Hand verkrampfte sich um seine, „wenn du nicht mehr erzählen willst, dann ist das deine Sache. Aber denk bitte nicht, dass ich dir nach allem, was wir durchgemacht haben, dir noch irgendwas vorhalten würde.“


Eine Weile sagte Niko nichts. „Du meinst, die Jacke ist nicht so dringen?“ In seiner Stimme schwang wieder eine Prise Humor mit, deswegen kommentierte Alex den sehr plötzlichen Themawechsel nicht. Er sagte nur: „Ist sie nicht.“


„Da vorne ist nämlich ein sehr nett aussehendes Café. Da könnte man doch eine Tasse trinken. Ist sicher gemütlicher als hier im Wagen.“


„Kaffeehaus.“


„Hm?“


„Hier sagt man Kaffeehaus. Merk dir das doch endlich.“


Mit einem Seufzen schnallte Niko sich los.


„Ich kann hören, wie du mit den Augen rollst.“


„Genau das war meine Absicht.“

Date: 2023-09-17 06:56 am (UTC)
fischgraete: (dreck)
From: [personal profile] fischgraete
Aaaaaaw. <3
Alles hieran. So gut. Sosososo gut <3 Aaaah. Ich würde due gesamte Story zitieren, wenn mich jemand nach der Stelle, die mir am besten gefällt, fragen würde. <3<3<3

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