Angst — Joker (fürs Team)
Aug. 8th, 2023 09:04 pmTeam: The Machine
Challenge: Angst — Inspirations-Joker (fürs Team). Inspiration: diese Story von feuchen
Fandom: Blind Ermittelt
Charaktere: Alexander Haller, Niko Falk
Notes: Äh ja. Die Inspiration sind zwei Worte ... und die generellen ich würde ja gerne helfen aber ich weiß nicht wie-vibes
Ich warte vor der Kanzlei auf dich, hatte Alex gesagt, und Laura hat sehr lange nach einem Parkplatz in der Nähe gesucht, um nicht bei über 30 Grad durch die halbe Stadt laufen zu müssen. Als sie erkennt, dass das ein hoffnungsloses Unterfangen ist, ist sie schon zu spät und bis sie dann endlich verschwitzt dort ankommt, ist niemand vor der Kanzlei. Sie schaut sich um und entdeckt ihn schließlich ein paar Meter weiter, an eine Hauswand gelehnt und im Gespräch mit einer älteren Dame. Wobei Gespräch vielleicht das falsche Wort ist, denn sie ist die Einzige, die redet. Erst als Laura fast bei ihnen angekommen ist, entfährt Alex ein „Vielen Dank, aber ich komme zurecht“, in einem Tonfall, der nahelegt, dass er das heute nicht zum ersten Mal gesagt hat.
„Alles OK?“, fragt sie und sieht erst jetzt, dass die Frau Alex am Arm gepackt hat. Sie dreht sich zu Laura und fragt: „Ach, gehört der zu Ihnen?“ und sie bejaht, bevor ihr klar wird, was das für eine Frage ist und sich auf ihrem Gesicht ein ungläubiger Ausdruck ausbreitet. Den scheint ihre Gegenüber aber überhaupt nicht zu bemerken, denn sie sagt nur lächelnd „Das konnte ich ja nicht wissen“, tätschelt Alex den Arm und geht weg. Alex umklammert seinen Stock so fest, dass seine Knöchel kalkweiß werden. Laura greift nach seinem Arm.
„Lass mich!“, schreit er und zieht seinen Arm ruckartig weg. Eine Weile sagt keiner etwas, dann lacht Alex humorlos. „Wo steht dein Wagen?“
„Ist von hier aus ein Stück“, sagt sie entschuldigend und stoppt sich dann, bevor sie von ihrer Parkplatzodyssee erzählt, weil ihn das jetzt sicher nicht interessiert. Er lacht noch einmal und hält ihr dann seinen Arm hin. „Lass uns einfach schnell von hier verschwinden“, zischt er.
Die Hälfte des Weges gehen sie schweigend, dann hat Laura das Gefühl doch etwas sagen zu müssen: „Es tut mir leid.“ Er schnaubt nur. „Was? Dass andere Laute Idioten sind?“ Sie zögert. „Ich hätte was sagen sollen.“
Noch ein Schnauben. „Und was hätte das gebracht?“ Sie will etwas sagen, aber Alex bleibt abrupt stehen, und dreht sich zu ihr. Trotz der Sonnenbrille kann sie die Wut in seinem Gesicht sehen. „Sie hätte ja doch nur erklärt, dass sie ja nur helfen wollte, und nicht einsehen, dass das alles andere als hilfreich war. Und selbst wenn sie das getan hätte ... das nächste Mal, wenn ich irgendwo bin, ist da sicher eine andere hilfsbereite Person, die nicht glaubt, dass ich alleine zurechtkomme. Glaub mir, ich hatte genug solche Gespräche.“ Sein Mund verzieht sich zu einem düsteren Grinsen, bevor er genauso plötzlich wieder losmarschiert, wie er vorhin gestoppt ist. „Eigentlich hatte Niko diese Gespräche. Ich kann ja unmöglich für mich selbst sprechen. Außer ich sage Bitte. Ich bin vollkommen verloren und brauche Ihre Hilfe.“ Laura zieht erst sanft und als das nicht hilft etwas heftiger an seinem Arm, weil sie jetzt abbiegen müssen und er einfach geradeaus weiter gegangen wäre. Schließlich merkt er es und dreht sich um. Sie würde gerne irgendetwas sagen, aber sie ist sich sicher, dass Alex jeden Trostversuch als Mitleid interpretieren würde und aus Erfahrung weiß sie, dass ihm das genauso zuwider ist, wie unaufgeforderte Hilfsangebote. Also schweigt sie. Genauso wie Alex. Erst als sie am Auto angekommen sind und er an der Beifahrertür steht, atmet er noch einmal hörbar aus.
„Ich könnte ja einfach nur noch in Begleitung aus dem Haus. Wenn Niko dabei ist, zerrt mich niemand ungefragt durch die Gegend.“ Er klappt seinen Stock zusammen, macht aber keine Anstalten, die Autotür aufzumachen. Laura denkt erst, dass er einfach einen Moment Ruhe möchte, und will selbst einsteigen, um ihm die zu geben, aber da redet er weiter. „Aber sie helfen natürlich trotzdem gerne. Wenn sie mitkriegen, wie Niko irgendeinen dummen Witz drüber macht, dass ich blind bin, dann fragen sie ihn ganz empört, wie er mir das antun kann. Weil ich ihm das ja nicht selber sagen kann.“ Laura schweigt.
„Natürlich könnte ich auch einfach gar nicht mehr raus. Dann müsste ich mich auch nicht mit solchen Deppen rumschlagen.“ Er öffnet die Tür und steigt ein. Laura gibt ihm einen Moment, dann tut sie es ihm nach.