Team: ZIGGY
Fandom: Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Vincent Ross
Rating: Teen
Prompt: Angst - Süchtig
Adam denkt, die Leute bemerken es nicht, die Kollegen bemerken es nicht, Vincent bemerkt es nicht.
Vincent bemerkt es.
Er bemerkt die müden Augen, die tiefen, dunklen Schatten darunter. Den schweren Atem, die trägen Antworten, das verstohlene Gähnen.
Vincent bemerkt den Griff an die Süßigkeitenschublade, auf, zu, auf, das Rascheln von Plastikverpackung.
Und er hört dieses verhasste Geräusch, das Knistern des Tablettenblisters, zu oft, viel zu oft.
Auch, als Adam Besserung schwört, sich zusammenreißt.
Auch, als Marian ihm weniger gibt, gar nichts mehr gibt, nur noch hilflos die Schultern zuckt.
Woher Adam das Zeug anschließend kriegt, Vincent weiß es nicht und will es nicht wissen, will gleichzeitig Adam folgen, will ihm die Tabletten aus der Hand reißen und die Toilette runterspülen.
Er weiß selbst, dass das nicht hilft, nie helfen wird, nichts ändert, und trotzdem.
Trotzdem die sanfte Frage, ob er Adam helfen kann. Trotzdem der Hinweis auf Programme, Maßnahmen, Selbsthilfegruppen.
Wie zufällig liegen gelassene Flyer auf Adams Schreibtisch, später zerrissen im Mülleimer.
Wie beiläufig erwähnte Entspannungsübungen, die ihm eine spöttisch erhobene Augenbraue bescheren, ein abfälliges Grinsen im Mundwinkel, ein Augenrollen.
Der Artikel mit Hinweisen, wie Therapieplätze gefunden werden können, als Link verschickt, und die Häkchen neben der Nachricht bleiben grau.
Das alles ist schlimm, das alles ist schwierig, das alles reißt an Vincents Herz.
Aber schlimmer, schwieriger, schmerzhafter, das sind die hellen Phasen.
Wenn Adam auf die Arbeit kommt, augenscheinlich ausgeschlafen und gut gelaunt.
Wenn er Witze reißt, Vincent gutmütig anlächelt, auf die Schulter klopft.
Dieser kurze Funken Hoffnung, dass alles wieder gut ist, Adam wieder in Ordnung, wenn für einen kurzen, allzu kurzen Moment alles vergessen scheint.
Und der tiefe Fall, wenn es nicht hält, wenn Adam wieder zusammenfällt, wenn die Augenringe zurückkommen.
Vincent sollte sich nicht so reinhängen, nicht so emotional reinsteigern, sich fernhalten.
Nicht, wie das letzte Mal, als.
Vincents Hand an seinem Ring, wann immer ihn alles mitzureißen, wegzureißen droht, die Erinnerung gefährlich in den Ecken seines Gedächtnisses, sein Magen ein einziger Klumpen.
Die Frage seines ehemaligen Mitbewohners, ob Vincent sowas wie ein Helfersyndrom hat, ob er einfach nicht anders kann.
Adam, perfiderweise noch so ein Adam, der selber mit seinen Dämonen kämpft, der selber süchtig ist nach Schmerz, nach Schuld, nach Anerkennung durch jemanden, der dazu gar nicht in der Lage ist.
Und Vincent fragt sich das selbst, hinterfragt, warum er jemals Psychologie studiert hat, warum er sich jemals dazu entschieden hat, zur Polizei zu gehen, ob er da nicht irgendwas kompensiert, verwechselt, projiziert.
Wie müßig der Gedanke, immerhin ist er hier und jetzt und kann das so schnell nicht wieder ändern, will das gar nicht ändern.
Findet sich stattdessen wieder, neben Adam im Auto, neben einem schlafenden Adam, und eigentlich sollte Vincent froh sein, dass Adam schläft, sollte sich nicht ärgern, wenn das Timing schlecht ist, sollte einfach nur fahren.
Aber auch er ist müde, hat ebenfalls wenig geschlafen, und es fällt ihm leichter, hinterm Steuer nicht einzuschlafen, wenn er sich unterhalten kann, oder wenigstens Musik hören.
Doch so fährt er im Stillen durch die Dämmerung, untermalt von Adams Schnarchen, dem Brummen des Motors, dem Klicken des Blinkers.
Später sieht er Adam dabei zu, wie er im Halbschlaf aus dem Auto taumelt, kaum aufnahmefähig, kaum koordinationsfähig, und fragt sich, warum er eigentlich nicht alleine gefahren ist.
Vincent spricht mit Wiktor, spricht mit Pawlak, und erntet Schulterzucken und den Hinweis, den Rat, Adam zu melden.
Dienstaufsichtsbeschwerde.
Was für ein fürchterliches, sperriges, durch und durch deutsches Wort.
Und dann?
Er kann, er will nicht dafür verantwortlich sein, dass Adam seinen Job verliert, diesen letzten Halt, den er überhaupt noch hat, diesen letzten Sinn, morgens aufzustehen.
Also beißt er die Zähne zusammen, reicht Adam Kaffee und wiederholt alles fünfmal und achtet darauf, dass er sich wenigstens nicht in Gefahr begibt.
Und er wartet, und er hofft, und wenn er gläubig wäre, er würde es mit beten versuchen, bitte, Adam, deinem Job zuliebe, deinen Töchtern zuliebe.
Mir zuliebe.
Vincent wartet, hofft, betet - umsonst. Vergebens.
Und als er vor einem Hotelbett steht, einen Briefumschlag in der einen Hand, Adams Dienstwaffe in der anderen, da empfindet er Wut, Trauer, und ganz tief, ganz leise, Erleichterung, endlich ist Adam nicht mehr ständig um ihn herum, erinnert ihn an sein Unvermögen, ihm zu helfen.
Die Erleichterung weicht beinahe sofort Scham, Sorge, Angst.
Wenn Adam sich bloß nichts antut.
Mit zitternden Knien, mit Tränen in den Augen, lässt sich Vincent auf das Bett sinken, schiebt die Waffe weit von sich weg, vergräbt den Kopf in den Händen.
Das Vibrieren seines Telefons lässt ihn aufsehen, er wischt sich mit dem Ärmel über die Augen, ignoriert das leichte Brennen von Kajal in den Augenwinkeln, sieht lieber auf sein Display.
Es tut mir leid.
Ich kann das nicht mehr
Keine Sorge, ich leb noch
Vincent lacht zitternd durch die Tränen, lässt den Daumen über seinem Telefon schweben, überlegt, ob er antworten soll, antworten kann, antworten will.
Dann, eine neue Nachricht.
Ich meld mich. Versprochen.
Vincent lässt das Telefon sinken, atmet schnaufend aus, streckt sich auf der Matratze aus und starrt an die Zimmerdecke.
Fandom: Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Vincent Ross
Rating: Teen
Prompt: Angst - Süchtig
Adam denkt, die Leute bemerken es nicht, die Kollegen bemerken es nicht, Vincent bemerkt es nicht.
Vincent bemerkt es.
Er bemerkt die müden Augen, die tiefen, dunklen Schatten darunter. Den schweren Atem, die trägen Antworten, das verstohlene Gähnen.
Vincent bemerkt den Griff an die Süßigkeitenschublade, auf, zu, auf, das Rascheln von Plastikverpackung.
Und er hört dieses verhasste Geräusch, das Knistern des Tablettenblisters, zu oft, viel zu oft.
Auch, als Adam Besserung schwört, sich zusammenreißt.
Auch, als Marian ihm weniger gibt, gar nichts mehr gibt, nur noch hilflos die Schultern zuckt.
Woher Adam das Zeug anschließend kriegt, Vincent weiß es nicht und will es nicht wissen, will gleichzeitig Adam folgen, will ihm die Tabletten aus der Hand reißen und die Toilette runterspülen.
Er weiß selbst, dass das nicht hilft, nie helfen wird, nichts ändert, und trotzdem.
Trotzdem die sanfte Frage, ob er Adam helfen kann. Trotzdem der Hinweis auf Programme, Maßnahmen, Selbsthilfegruppen.
Wie zufällig liegen gelassene Flyer auf Adams Schreibtisch, später zerrissen im Mülleimer.
Wie beiläufig erwähnte Entspannungsübungen, die ihm eine spöttisch erhobene Augenbraue bescheren, ein abfälliges Grinsen im Mundwinkel, ein Augenrollen.
Der Artikel mit Hinweisen, wie Therapieplätze gefunden werden können, als Link verschickt, und die Häkchen neben der Nachricht bleiben grau.
Das alles ist schlimm, das alles ist schwierig, das alles reißt an Vincents Herz.
Aber schlimmer, schwieriger, schmerzhafter, das sind die hellen Phasen.
Wenn Adam auf die Arbeit kommt, augenscheinlich ausgeschlafen und gut gelaunt.
Wenn er Witze reißt, Vincent gutmütig anlächelt, auf die Schulter klopft.
Dieser kurze Funken Hoffnung, dass alles wieder gut ist, Adam wieder in Ordnung, wenn für einen kurzen, allzu kurzen Moment alles vergessen scheint.
Und der tiefe Fall, wenn es nicht hält, wenn Adam wieder zusammenfällt, wenn die Augenringe zurückkommen.
Vincent sollte sich nicht so reinhängen, nicht so emotional reinsteigern, sich fernhalten.
Nicht, wie das letzte Mal, als.
Vincents Hand an seinem Ring, wann immer ihn alles mitzureißen, wegzureißen droht, die Erinnerung gefährlich in den Ecken seines Gedächtnisses, sein Magen ein einziger Klumpen.
Die Frage seines ehemaligen Mitbewohners, ob Vincent sowas wie ein Helfersyndrom hat, ob er einfach nicht anders kann.
Adam, perfiderweise noch so ein Adam, der selber mit seinen Dämonen kämpft, der selber süchtig ist nach Schmerz, nach Schuld, nach Anerkennung durch jemanden, der dazu gar nicht in der Lage ist.
Und Vincent fragt sich das selbst, hinterfragt, warum er jemals Psychologie studiert hat, warum er sich jemals dazu entschieden hat, zur Polizei zu gehen, ob er da nicht irgendwas kompensiert, verwechselt, projiziert.
Wie müßig der Gedanke, immerhin ist er hier und jetzt und kann das so schnell nicht wieder ändern, will das gar nicht ändern.
Findet sich stattdessen wieder, neben Adam im Auto, neben einem schlafenden Adam, und eigentlich sollte Vincent froh sein, dass Adam schläft, sollte sich nicht ärgern, wenn das Timing schlecht ist, sollte einfach nur fahren.
Aber auch er ist müde, hat ebenfalls wenig geschlafen, und es fällt ihm leichter, hinterm Steuer nicht einzuschlafen, wenn er sich unterhalten kann, oder wenigstens Musik hören.
Doch so fährt er im Stillen durch die Dämmerung, untermalt von Adams Schnarchen, dem Brummen des Motors, dem Klicken des Blinkers.
Später sieht er Adam dabei zu, wie er im Halbschlaf aus dem Auto taumelt, kaum aufnahmefähig, kaum koordinationsfähig, und fragt sich, warum er eigentlich nicht alleine gefahren ist.
Vincent spricht mit Wiktor, spricht mit Pawlak, und erntet Schulterzucken und den Hinweis, den Rat, Adam zu melden.
Dienstaufsichtsbeschwerde.
Was für ein fürchterliches, sperriges, durch und durch deutsches Wort.
Und dann?
Er kann, er will nicht dafür verantwortlich sein, dass Adam seinen Job verliert, diesen letzten Halt, den er überhaupt noch hat, diesen letzten Sinn, morgens aufzustehen.
Also beißt er die Zähne zusammen, reicht Adam Kaffee und wiederholt alles fünfmal und achtet darauf, dass er sich wenigstens nicht in Gefahr begibt.
Und er wartet, und er hofft, und wenn er gläubig wäre, er würde es mit beten versuchen, bitte, Adam, deinem Job zuliebe, deinen Töchtern zuliebe.
Mir zuliebe.
Vincent wartet, hofft, betet - umsonst. Vergebens.
Und als er vor einem Hotelbett steht, einen Briefumschlag in der einen Hand, Adams Dienstwaffe in der anderen, da empfindet er Wut, Trauer, und ganz tief, ganz leise, Erleichterung, endlich ist Adam nicht mehr ständig um ihn herum, erinnert ihn an sein Unvermögen, ihm zu helfen.
Die Erleichterung weicht beinahe sofort Scham, Sorge, Angst.
Wenn Adam sich bloß nichts antut.
Mit zitternden Knien, mit Tränen in den Augen, lässt sich Vincent auf das Bett sinken, schiebt die Waffe weit von sich weg, vergräbt den Kopf in den Händen.
Das Vibrieren seines Telefons lässt ihn aufsehen, er wischt sich mit dem Ärmel über die Augen, ignoriert das leichte Brennen von Kajal in den Augenwinkeln, sieht lieber auf sein Display.
Es tut mir leid.
Ich kann das nicht mehr
Keine Sorge, ich leb noch
Vincent lacht zitternd durch die Tränen, lässt den Daumen über seinem Telefon schweben, überlegt, ob er antworten soll, antworten kann, antworten will.
Dann, eine neue Nachricht.
Ich meld mich. Versprochen.
Vincent lässt das Telefon sinken, atmet schnaufend aus, streckt sich auf der Matratze aus und starrt an die Zimmerdecke.