Schreibaufgaben — Fortsetzung (fürs Team)
Jul. 23rd, 2023 01:21 pmTeam: The Machine
Challenge: Schreibaufgaben — Fortsetzung (zum Weihnachtsstimmung-Fluff)
Fandom: Blind Ermittelt
Charaktere: Alexander Haller, Niko Falk
Notes: Die Fortsetzung ist weniger Fluff und mehr ... Alex needs a hug (and also therapy)
Die ersten Tage nach Weihnachten waren wunderschön gewesen. Nach Wochen, in denen erst Sophie ihrem Bruder ständig besorgte Blicke zugeworfen hatte, und dann er ihr am liebsten überhaupt nicht mehr von der Seite gewichen wäre, schienen jetzt beide fröhlich und unbeschwert. Außerdem hatte sich etwas in Niko verschoben. Das nagende Gefühl, dass das alles ein wenig zu gut war, um wahr zu sein, hatte sich irgendwo zwischen dem herrlichen Essen und den Familienanekdoten aufgelöst und er fühlte sich angekommen. Die gute Laune verschwand auch nicht über die Feiertage, über die im Hotel nicht zu viel los war, und die Sophie genug Zeit ließ, mit ihm und Alex zusammenzusitzen. Das änderte sich erst, als Silvester näher rückte und sie sich auf die Vorbereitungen für die Neujahrsfeier im Hotel stürzen musste. Und dann dauerte es nicht lange, bis auch Alex Stimmung umschlug. Niko hatte keine Ahnung, was los war. Plötzlich war er unglaublich reizbar, schien alles als Angriff aufzufassen. Hatte er vorher noch Nikos Kommentaren zum Thema „typisch Wienerisch“ mit einem (zugegebenermaßen etwas gequälten) Grinsen zugestimmt, fauchte er jetzt „tut mir leid, dass wir deinen Ansprüchen nicht gerecht werden“, knallte seine noch fast volle Kaffeetasse auf den Tisch, stand auf und ging.
Niko starrte ihm verwirrt nach. Er ging noch einmal ihre Unterhaltung durch, überlegte, ob er irgendetwas gesagt hatte, überlegte, ob er in den vergangenen Tagen irgendetwas gesagt hatte, dass Alex verhalten erklären würde. Es knallte, weil irgendwo ein Idiot mit dem Silvesterfeuerwerk nicht mehr warten konnte. Niko stöhnte. Darauf hätte er früher kommen müssen.
Es rührte sich nichts, als er an Alex Tür klopfte. Auch nicht beim zweiten Mal. Vielleicht war es ja besser, wenn er wieder ging. Er wusste sowieso nicht so wirklich, was er tun sollte. Einen Moment zögerte er noch, dann stieß er die Tür auf. Alex saß auf dem Boden vor seinem Plattenregal, eine lag neben ihm, als hätte er sie herausgezogen, dann aber die Kraft verloren sie einzulegen, oder auch nur aufzustehen. Er reagierte nicht auf Nikos Eintreten, obwohl er es sicherlich gehört hatte. Noch einmal überlegte er, ob es vielleicht besser war, wieder zu gehen. Alex rührte sich immer noch nicht. Er machte die paar Schritte nach vorne und setzte sich neben ihn.
„Du bist kein Fan von Feuerwerk?“
Immer noch keine Reaktion. Niko überlegte, ob das meine Plattensammlung ist tabu auch bedeutete, dass er keine schon ausgewählten Platten einlegen sollte, und ob jetzt der beste Zeitpunkt war es auszuprobieren.
„Ich hab nicht wirklich dran gedacht. Vorher. Das erste Jahr.“ Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, und er sprach so schnell, dass er fast über seine eigenen Worte stolperte, und Niko Mühe hatte, ihm zu folgen. „Es war ja auch noch nicht lange. Ich. Ich hatte wirklich … es war alles so viel. Und es war alles so laut. Immer. Aber dann war es noch lauter.“ So verzweifelt wie er schaute, wollte Niko ihn einfach nur in den Arm nehmen, aber Alex sprach schon weiter. „Im nächsten Jahr wusste ich dann ja, was kommt. Ich dachte, das würde helfen. Dass es dann anders wäre. Weniger schlimm.“
Niko brauchte nicht zu fragen, ob die Vermutung gestimmt hatte. Er brauchte auch nicht fragen, ob Sophie davon wusste. Wenn sie das täte, wäre sie jetzt hier bei Alex. Egal wie viel sie sonst noch zu tun hätte, und sicherlich hatte Alex genau deswegen keinen Ton gesagt. Er rückte ein Stück näher, legte Alex eine Hand auf die Schulter. Der zuckte fast unmerklich und redete dann weiter. Die ersten Worte waren noch ein Flüstern, dann wurde er immer lauter. „Ich kann mich nicht mal erinnern. An. Ich weiß noch, ich bin aufs Auto zu, aber dann nichts mehr. Erst wieder im Krankenhaus. Ich kann mich an keine Explosion erinnern. Dann sollten mir doch auch die beschissenen Kracher egal sein.“ Die letzten Worte gingen fast in einem unterdrückten Schluchzen unter. Niko versuchte Alex ein Stück zu sich zu ziehen, erst rührte er sich nicht, dann klappte er zusammen und ließ seinen Kopf auf Nikos Schulter fallen.
„Gibts ... gibts irgendwas, was ich machen könnte?“
Keine Reaktion.
„Wir könnten weg von hier. Gibt doch sicher irgendwo ein Kaff voller Neunzigjähriger geben, die auch am 31. alle um halb zehn im Bett sind. Oder zumindest irgendeinen Ort, wo es nicht ganz so laut wird, wie hier mitten in der Innenstadt.“
Alex war wieder erstarrt. „Das muss nicht sein.“
„Es muss auch nicht sein, dass du dich verkriechst und es dir miserabel geht.“
„Es wird schon irgendwie gehen.“ Niko stöhnte. Das Bedürfnis Alex zu umarmen wurde langsam vom Bedürfnis ihm eine runterzuhauen abgelöst. Oder zumindest ihn kräftig zu schütteln, bis er zur Vernunft kam.
„Du musst nicht wegen mir Silvester auf irgendeinem Waldweg verbringen.“
„Das ... darum gehts dir?“
Alex schwieg, aber bevor Niko der Versuchung ihn wirklich zu schütteln nachgeben konnte, antwortete er doch. „Du musst nicht sieben Tage die Woche für mich da sein. Und an allen Feiertagen. Du hast schon so viel für mich getan. Geh feiern. Schau die das Feuerwerk an. Du musst dich nicht mit mir verkriechen.“
„OK, erstens lass’ ich es mir hier schon eine ganze Weile gut gehen, ohne dass ich in den letzten Wochen viel dafür getan hab.“
Er wurde unterbrochen. „Du hast dich erholt, nachdem dich jemand angeschossen hat. Wegen ...“
„Zweitens ist mir nie viel an dem ganzen Silvesterkram gelegen.“
„Natürlich nicht.“ Alex Mundwinkel zuckten.
„Wenn dus genau wissen willst ... mir ist ja relativ egal, wie Leute ihr Geld rauswerfen, aber Feuerwerk ist mir ein bisschen zu offensichtliches Geld verbrennen.“ Alex schaute immer noch zweifelnd. „Ich hab schon immer lieber mit Freunden irgendwo in einer Kneipe gehockt, als mich mit ein paar tausend Wildfremden auf einen Platz zu quetschen und so zu tun, als wäre die Welt eine Minute nach zwölf ernsthaft anders als eine Minute davor.“
„Wirklich?“
„Wirklich.“
Alex rutschte noch ein Stück näher. „Dann könnten wir ja vielleicht tatsächlich ...“
„Ja. Könnten wir.“
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Date: 2023-07-23 02:32 pm (UTC)oh, das ist gut. Ich mag sehr, wie du die beiden schreibst <3
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Date: 2023-07-26 06:34 am (UTC)no subject
Date: 2023-07-31 06:56 am (UTC)<3