Team: ZIGGY
Fandom: Lommbock/Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Vincent Ross, Kai, Stefan
Pairing: Kai/Stefan
Prompt: AU - Crossover
Rating: Teen
A/N: Crossover im weitesten Sinne, dafür Crack im sehr engen Sinne.
Ein Raum voller Cops.
Ein Raum voller Cops, und Kai mittendrin.
Wie ist er hier nur reingeraten?
Diffus erinnert er sich an eine Unterhaltung, eine Idee, die Vater Becker irgendwann hatte, er kenne da jemanden, der könne Expertise gebrauchen, und die hast du doch, oder Kai?
Und Kai hat nur halb zugehört, gedanklich irgendwo abgebogen, nur abwesend genickt, ja klar, wie schlimm kann das schon sein?
Ein Drogenauffrischungskurs irgendwo in der hinterletzten Ecke von Deutschland, eigentlich schon in Polen, und ein Haufen Bullen, die mit ihrer Zeit etwas besseres anzufangen wissen.
So schlimm kann es sein.
Kai lässt den Blick schweifen, bloß nicht zu auffällig sein, nicht zu gehetzt wirken, nicht zu sehr nach den Notausgängen schielen.
Wobei, wenn er jetzt geht, was kann ihm schon passieren? Ja gut, Stefans Vater wäre enttäuscht, und in Erweiterung wohl auch Stefan, aber damit wird Kai wohl auskommen, und Stefan auch, wäre ja gelacht.
Stefan lacht sich vermutlich eh grad ins Fäustchen, der ist nämlich nicht hier, warum auch, was soll er denn auf einem Polizeirevier an der Grenze zu Polen?
Die Frage stellt sich Kai allerdings auch.
Allein die Geldverschwendung, diese ganzen Leute hier zusammenzutrommeln, und das bezahlt man dann mit seinen Steuern, dass die hier sitzen und sich von ihm was über Drogen erzählen lassen.
Als wüssten die das nicht eh schon, die Hälfte davon kifft doch bestimmt auch in der Freizeit, das kann Kai ja auch keiner erzählen, dass das immer solche Unschuldslämmer sind, die kein Wässerchen trüben kann.
Nein, die ganze Veranstaltung ist absolute Zeit- und Ressourcenverschwendung, für alle Beteiligten. Kai könnte jetzt genauso gut auf der Couch sitzen und Stefan etwas über den Zusammenhang von Windrädern und dem vermehrten Auftreten von Stürmen erzählen, und Stefan könnte ihn wieder so belustigt ansehen, und vielleicht könnte Kai dieses Mal -
Aber da hört er seinen Namen, wird der Gruppe als Experte angepriesen, und er setzt ein Lächeln auf und tritt vor.
Jetzt bloß keine Angst zeigen, keine Zweifel aufkommen lassen, er ist hier der Experte, er weiß wovon er spricht, er hat sogar Anschauungsmaterial mitgebracht.
Erst, als er das Dope - feinstes Bio-Charas, handgerieben aus dem hohen Atlas - aus der Tasche fischt, kommt ihm der Gedanke, dass es wohl nicht die beste Idee war, sein eigenes Zeug mitzubringen, da kann er sich auch gleich freiwillig für ein paar Jahre Knast melden.
Allerdings reagiert niemand, zuckt der Bulle direkt neben ihm nicht einmal mit der Wimper, und Kai fühlt sich etwas beruhigt.
Als wäre nichts gewesen, reicht er die Tüte mit dem Dope an den ersten Typen vor sich - und wer sitzt bei einem Drogenauffrischungskurs eigentlich in der ersten Reihe, was ist das nur für ein Streber - und beginnt mit seinem Vortrag, während die Tüte durch die Bänke wandert, jeder mal einen Blick darauf wirft.
Irgendwo, in der letzten Reihe, hört er ein amüsiertes Brummen, ein leises Kichern, und er reckt den Kopf, wer stört denn da?
Aber er kann nichts erkennen, dafür sitzen ihm zu viele Leute im Weg, und er schüttelt nur leicht den Kopf und erzählt weiter.
Und sein Vortrag ist, seiner bescheidenen Meinung nach, ein voller Erfolg, der ganze Raum ganz gebannt und interessiert, und wenn doch mitunter mal jemand lacht, da hinten aus der letzten Reihe, dann überhört Kai das ganz lässig, kann ja nicht jeder sein Genius zu schätzen wissen.
Zum Abschluss klopfen dann auch alle auf ihre Tischplatte, und der Oberbulle neben ihm bedankt sich ganz überschwänglich.
Kai nickt nur milde, erklärt sich gerne dazu bereit, doch nochmal wiederzukommen - was er nicht gedenkt zu tun, aber das muss der Knilch ja nicht wissen - und packt schon seinen Kram zusammen, da fällt ihm auf, das was fehlt.
Sein Dope.
Mit zusammengekniffenen Augen sieht er in die letzte Reihe, und genau, da stecken zwei die Köpfe zusammen und tuscheln, und Kai beeilt sich, durch den Raum zu ihnen zu gelangen, sein Dope hätte er gerne wieder.
“Ich will ja nicht stören, aber könnte ich dann meine Tüte zurück haben?”
Der Mann vor ihm reagiert erst gar nicht, tuschelt noch mit seinem Sitznachbarn.
“Also, jetzt, wenn es möglich ist?”
Da sieht der Mann auf, lehnt sich langsam gegen seine Stuhllehne.
“Will ich wissen, wo Sie das eigentlich herhaben?”
Aber Kai hört ihn gar nicht richtig, stolpert gedanklich über das, was seine Augen ihm da melden, wer direkt vor ihm sitzt.
“St- Stefan?”
Stefan legt nur den Kopf schief, zwischen seinen zusammengezogenen Augenbrauen bildet sich eine Falte.
“Bitte?”
“Was machst du hier,” fragt Kai fassungslos. “Du hast doch gesagt, dich kriegen keine zehn Pferde in diese Gegend.”
Die Falte zwischen Stefans Augenbrauen wird noch tiefer. “Wovon reden Sie?”
“Was soll das heißen, wovon ich rede? Ich rede davon, dass du gestern noch gesagt hast, dass du dir lieber Helene Fischer live anguckst, als in ein Kaff nach Polen zu fahren.”
“Tschuldigung, aber kennen wir uns?”
“Was soll das denn heißen, kennen wir uns? Und warum siezt du mich eigentlich?”
Kai blinzelt verwirrt, versucht in seinem Hirn nach einem Grund zu kramen, warum Stefan sich so aufführt.
Haben sie sich gestritten? Kai kann sich nicht erinnern, aber das heißt nichts, sein Gedächtnis ist nicht immer das Beste.
Und manchmal ist Stefan ja auch grundlos sauer, wie zuletzt, als sie auf dem Sofa gesessen haben, Stefans Kopf auf Kais Schulter, und irgendwann, da war Kai etwas weggerutscht, und Stefan hatte plötzlich beleidigt in seiner Ecke gehockt und nichts mehr gesagt.
“Ich glaube, hier liegt eine Verwechslung vor,” sagt jetzt der Mann, der mit Stefan getuschelt hat, so ein junger Kerl mit wilder Lockenmähne, der Kai so merkwürdig ansieht, als wäre er eine Autobombe, die gleich explodieren könnte.
Kai kneift wieder die Augen zusammen. “Und wer bist du?”
“Ich bin Vincent, Adams Kollege.”
Bei diesen Worten deutet Vincent auf Stefan, und Kai sieht verwirrt zwischen ihnen beiden hin und her, was soll denn dieser Blödsinn.
“Sagt mal, wollt ihr mich verarschen?”
Stefan sieht hilfesuchend zu diesem Vincent, beide zucken beinahe synchron mit den Schultern.
“Soll das ein Witz sein? Weil ganz ehrlich Stefan, da hattest du schon bessere.”
“Ich weiß nicht, wen Sie mit Stefan meinen,” sagt Stefan ganz langsam, “aber ich heiße Adam. Adam Raczek. Kriminalkommissar Adam Raczek.”
“Jaja, klar. Und ich bin eigentlich Schauspieler.” Kai zieht die Unterlippe zwischen die Zähne, als er weiter nachdenkt, sich versucht zu erklären, was hier eigentlich gerade abgeht.
“Haben Sie sich vielleicht auf dem Weg hierher gestoßen,” fragt dieser Vincent plötzlich. “Oder nehmen Sie irgendwelche Medikamente?”
“Was?” Kai blinzelt verwirrt. “Ach Quatsch, nein. Und ich bin auch nicht verrückt, bevor du fragst. Aber das da,” Kais Hand fliegt nach oben, sein Zeigefinger auf Stefan gerichtet, “das ist mein Kumpel Stefan, den kenn ich seit gut 30 Jahren, und ich weiß nicht, warum er so tut, als wäre das nicht so.”
Der Typ namens Vincent sieht wieder fragend zu Stefan, der wieder nur mit den Schultern zuckt.
“Hier, pass auf, du hast hier oben,” Kai deutet sich an den Hals, “zwei Muttermale, die sehen aus wie ein Doppelpunkt.”
Die Augenbrauen von Vincent wandern fragend nach oben, und Stefan atmet tief durch, zieht den Kragen seines Pullovers zur Seite.
“Das ist jetzt aber kein wirklicher Beweis, die können Ihnen ja auch eben schon aufgefallen sein," sagt Stefan.
“Ach, und wie hätte ich die sehen sollen?”
“Keine Ahnung, der Pulli kann ja verrutscht sein.”
“Dann müssten sie deinem Freund ja aufgefallen sein. Oder, Vincent?”
Vincent, der immer noch auf Stefans Hals starrt, zuckt leicht zusammen, sieht beinahe ertappt nach oben.
“Ahm, ich, keine Ahnung, hab ich nicht drauf geachtet.”
“Wie dem auch sei,” sagt Stefan und klopft sich mit den Händen auf die Oberschenkel, “ich denke, wir gehen jetzt mal. Ich hab noch so nen Stapel Akten aufm Tisch, die arbeiten sich auch nicht alleine weg.”
Mit einem Nicken steht Vincent auf, schnappt sich eine Umhängetasche.
“Was glaubst du denn, wo du hingehst?”
Stefan sieht Kai lange an, dann lässt er seine Hände in die Jeanstaschen gleiten. “Ins Büro, hab ich doch gesagt.”
“Stefan, komm schon, wie lange willst du das denn jetzt noch durchziehen?”
Stefan seufzt leise auf, macht einen kleinen Schritt auf Kai zu.
“Zum letzten Mal, ich bin nicht Stefan. Tut mir leid.”
Mit den Worten dreht Stefan sich um, geht mit großen Schritten auf die Tür zu.
“Stefan,” ruft Kai ihm hinterher. “Stefan, jetzt komm schon zurück, dann können wir zusammen nach Hause fahren.”
Stefan reagiert gar nicht, öffnet nur die Tür für diesen Vincent, dann tritt er selber hindurch.
“Stefan!”
Aber die Tür fällt nur ins Schloss, und Kai ist alleine, verwirrt und frustriert.
Mit einem schweren Seufzen lässt er sich auf einen Stuhl fallen, vergräbt das Gesicht in seinen Händen, und schließt die Augen.
Wenn er nur wüsste, was in Stefan gefahren ist, wie er das wieder geradebiegen kann.
Er hat sich noch nie so verlassen gefühlt.
Vielleicht sollte er Stefan hinterher gehen, ihn so lange schütteln, bis er endlich eine Antwort kriegt.
“Kai”
Vielleicht sollte er diesen Oberbullen noch mal fragen, wie hieß der, Pawlak oder so, vielleicht weiß der, was hier los ist, immerhin hat er Stefan zu diesem Vortrag zugelassen, obwohl er nur für Bullen bestimmt ist.
“Kai.”
Oder diesen Vincent, den könnte er fragen, der wirkte ja eigentlich ganz nett, und der muss ja eingeweiht sein in Stefans blöden Witz, sonst hätte er ja nicht -
“Kai!”
Verwirrt sieht Kai hoch - direkt in Stefans Gesicht.
“Alles in Ordnung?”
Erleichtert streckt Kai die Hände aus, umfängt sanft Stefans Gesicht.
“Du bist zurückgekommen!”
“Kai, bitte, ich war nur beim Supermarkt.”
“Ich dachte wirklich, du sprichst nicht mehr mit mir.”
Stefans Augenbrauen ziehen sich wieder verwirrt zusammen, und da ist sie, diese niedliche Grübelfalte, die Kai immer wegwischen will.
“Warum soll ich denn nicht mit dir sprechen?”
“Weiß ich nicht, du hast eben so getan, als wüsstest du nicht, wer ich bin.”
Stefan lehnt sich vorsichtig zurück, sieht Kai besorgt an.
“Kai, wovon redest du?”
Dann wird Kai bewusst, wo er ist, dass er nicht in einem Raum voller Tische und Stühle irgendwo in Polen sitzt, sondern zuhause, auf dem Sofa.
Und Stefan, Stefan trägt auch gar nicht diesen merkwürdig grauen Pullover von eben, sondern eines von Kais T-Shirts, dass er sich gedankenverloren übergezogen hat, um zum Supermarkt zu gehen.
Zum Supermarkt, richtig, jetzt fällt es Kai wieder ein, ihnen war die Butter ausgegangen, und Kai hatte noch gefragt, ob er mitkommen soll, und Stefan hat nur abgewunken, dann kämen sie ja nie aus der Süßigkeitenabteilung raus.
Was eine üble Unterstellung ist, Kai steht mitnichten stundenlang vor dem Regal mit den Gummibärchen, er wählt nur sorgfältig aus, denn wenn sie nicht die richtige Sorte da haben, wenn Kai mal wieder Jiper darauf hat nach dem fünften Joint, dann -
“Kai,” sagt Stefan sanft.
Und Kai, Kai ist einfach nur so froh, dass Stefan hier ist, mit ihm spricht, nicht mehr Adam heißt und dass hier kein Vincent ist, der ihn interessiert ansehen kann, dass er Stefan sanft wieder näherzieht.
“Alles gut,” sagt er leise. “Ich bin nur froh, dass du wieder da bist.”
Und ehe Stefan etwas erwidern kann, lehnt sich Kai noch weiter vor und küsst ihn sanft auf den Mund.
Fandom: Lommbock/Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Vincent Ross, Kai, Stefan
Pairing: Kai/Stefan
Prompt: AU - Crossover
Rating: Teen
A/N: Crossover im weitesten Sinne, dafür Crack im sehr engen Sinne.
Ein Raum voller Cops.
Ein Raum voller Cops, und Kai mittendrin.
Wie ist er hier nur reingeraten?
Diffus erinnert er sich an eine Unterhaltung, eine Idee, die Vater Becker irgendwann hatte, er kenne da jemanden, der könne Expertise gebrauchen, und die hast du doch, oder Kai?
Und Kai hat nur halb zugehört, gedanklich irgendwo abgebogen, nur abwesend genickt, ja klar, wie schlimm kann das schon sein?
Ein Drogenauffrischungskurs irgendwo in der hinterletzten Ecke von Deutschland, eigentlich schon in Polen, und ein Haufen Bullen, die mit ihrer Zeit etwas besseres anzufangen wissen.
So schlimm kann es sein.
Kai lässt den Blick schweifen, bloß nicht zu auffällig sein, nicht zu gehetzt wirken, nicht zu sehr nach den Notausgängen schielen.
Wobei, wenn er jetzt geht, was kann ihm schon passieren? Ja gut, Stefans Vater wäre enttäuscht, und in Erweiterung wohl auch Stefan, aber damit wird Kai wohl auskommen, und Stefan auch, wäre ja gelacht.
Stefan lacht sich vermutlich eh grad ins Fäustchen, der ist nämlich nicht hier, warum auch, was soll er denn auf einem Polizeirevier an der Grenze zu Polen?
Die Frage stellt sich Kai allerdings auch.
Allein die Geldverschwendung, diese ganzen Leute hier zusammenzutrommeln, und das bezahlt man dann mit seinen Steuern, dass die hier sitzen und sich von ihm was über Drogen erzählen lassen.
Als wüssten die das nicht eh schon, die Hälfte davon kifft doch bestimmt auch in der Freizeit, das kann Kai ja auch keiner erzählen, dass das immer solche Unschuldslämmer sind, die kein Wässerchen trüben kann.
Nein, die ganze Veranstaltung ist absolute Zeit- und Ressourcenverschwendung, für alle Beteiligten. Kai könnte jetzt genauso gut auf der Couch sitzen und Stefan etwas über den Zusammenhang von Windrädern und dem vermehrten Auftreten von Stürmen erzählen, und Stefan könnte ihn wieder so belustigt ansehen, und vielleicht könnte Kai dieses Mal -
Aber da hört er seinen Namen, wird der Gruppe als Experte angepriesen, und er setzt ein Lächeln auf und tritt vor.
Jetzt bloß keine Angst zeigen, keine Zweifel aufkommen lassen, er ist hier der Experte, er weiß wovon er spricht, er hat sogar Anschauungsmaterial mitgebracht.
Erst, als er das Dope - feinstes Bio-Charas, handgerieben aus dem hohen Atlas - aus der Tasche fischt, kommt ihm der Gedanke, dass es wohl nicht die beste Idee war, sein eigenes Zeug mitzubringen, da kann er sich auch gleich freiwillig für ein paar Jahre Knast melden.
Allerdings reagiert niemand, zuckt der Bulle direkt neben ihm nicht einmal mit der Wimper, und Kai fühlt sich etwas beruhigt.
Als wäre nichts gewesen, reicht er die Tüte mit dem Dope an den ersten Typen vor sich - und wer sitzt bei einem Drogenauffrischungskurs eigentlich in der ersten Reihe, was ist das nur für ein Streber - und beginnt mit seinem Vortrag, während die Tüte durch die Bänke wandert, jeder mal einen Blick darauf wirft.
Irgendwo, in der letzten Reihe, hört er ein amüsiertes Brummen, ein leises Kichern, und er reckt den Kopf, wer stört denn da?
Aber er kann nichts erkennen, dafür sitzen ihm zu viele Leute im Weg, und er schüttelt nur leicht den Kopf und erzählt weiter.
Und sein Vortrag ist, seiner bescheidenen Meinung nach, ein voller Erfolg, der ganze Raum ganz gebannt und interessiert, und wenn doch mitunter mal jemand lacht, da hinten aus der letzten Reihe, dann überhört Kai das ganz lässig, kann ja nicht jeder sein Genius zu schätzen wissen.
Zum Abschluss klopfen dann auch alle auf ihre Tischplatte, und der Oberbulle neben ihm bedankt sich ganz überschwänglich.
Kai nickt nur milde, erklärt sich gerne dazu bereit, doch nochmal wiederzukommen - was er nicht gedenkt zu tun, aber das muss der Knilch ja nicht wissen - und packt schon seinen Kram zusammen, da fällt ihm auf, das was fehlt.
Sein Dope.
Mit zusammengekniffenen Augen sieht er in die letzte Reihe, und genau, da stecken zwei die Köpfe zusammen und tuscheln, und Kai beeilt sich, durch den Raum zu ihnen zu gelangen, sein Dope hätte er gerne wieder.
“Ich will ja nicht stören, aber könnte ich dann meine Tüte zurück haben?”
Der Mann vor ihm reagiert erst gar nicht, tuschelt noch mit seinem Sitznachbarn.
“Also, jetzt, wenn es möglich ist?”
Da sieht der Mann auf, lehnt sich langsam gegen seine Stuhllehne.
“Will ich wissen, wo Sie das eigentlich herhaben?”
Aber Kai hört ihn gar nicht richtig, stolpert gedanklich über das, was seine Augen ihm da melden, wer direkt vor ihm sitzt.
“St- Stefan?”
Stefan legt nur den Kopf schief, zwischen seinen zusammengezogenen Augenbrauen bildet sich eine Falte.
“Bitte?”
“Was machst du hier,” fragt Kai fassungslos. “Du hast doch gesagt, dich kriegen keine zehn Pferde in diese Gegend.”
Die Falte zwischen Stefans Augenbrauen wird noch tiefer. “Wovon reden Sie?”
“Was soll das heißen, wovon ich rede? Ich rede davon, dass du gestern noch gesagt hast, dass du dir lieber Helene Fischer live anguckst, als in ein Kaff nach Polen zu fahren.”
“Tschuldigung, aber kennen wir uns?”
“Was soll das denn heißen, kennen wir uns? Und warum siezt du mich eigentlich?”
Kai blinzelt verwirrt, versucht in seinem Hirn nach einem Grund zu kramen, warum Stefan sich so aufführt.
Haben sie sich gestritten? Kai kann sich nicht erinnern, aber das heißt nichts, sein Gedächtnis ist nicht immer das Beste.
Und manchmal ist Stefan ja auch grundlos sauer, wie zuletzt, als sie auf dem Sofa gesessen haben, Stefans Kopf auf Kais Schulter, und irgendwann, da war Kai etwas weggerutscht, und Stefan hatte plötzlich beleidigt in seiner Ecke gehockt und nichts mehr gesagt.
“Ich glaube, hier liegt eine Verwechslung vor,” sagt jetzt der Mann, der mit Stefan getuschelt hat, so ein junger Kerl mit wilder Lockenmähne, der Kai so merkwürdig ansieht, als wäre er eine Autobombe, die gleich explodieren könnte.
Kai kneift wieder die Augen zusammen. “Und wer bist du?”
“Ich bin Vincent, Adams Kollege.”
Bei diesen Worten deutet Vincent auf Stefan, und Kai sieht verwirrt zwischen ihnen beiden hin und her, was soll denn dieser Blödsinn.
“Sagt mal, wollt ihr mich verarschen?”
Stefan sieht hilfesuchend zu diesem Vincent, beide zucken beinahe synchron mit den Schultern.
“Soll das ein Witz sein? Weil ganz ehrlich Stefan, da hattest du schon bessere.”
“Ich weiß nicht, wen Sie mit Stefan meinen,” sagt Stefan ganz langsam, “aber ich heiße Adam. Adam Raczek. Kriminalkommissar Adam Raczek.”
“Jaja, klar. Und ich bin eigentlich Schauspieler.” Kai zieht die Unterlippe zwischen die Zähne, als er weiter nachdenkt, sich versucht zu erklären, was hier eigentlich gerade abgeht.
“Haben Sie sich vielleicht auf dem Weg hierher gestoßen,” fragt dieser Vincent plötzlich. “Oder nehmen Sie irgendwelche Medikamente?”
“Was?” Kai blinzelt verwirrt. “Ach Quatsch, nein. Und ich bin auch nicht verrückt, bevor du fragst. Aber das da,” Kais Hand fliegt nach oben, sein Zeigefinger auf Stefan gerichtet, “das ist mein Kumpel Stefan, den kenn ich seit gut 30 Jahren, und ich weiß nicht, warum er so tut, als wäre das nicht so.”
Der Typ namens Vincent sieht wieder fragend zu Stefan, der wieder nur mit den Schultern zuckt.
“Hier, pass auf, du hast hier oben,” Kai deutet sich an den Hals, “zwei Muttermale, die sehen aus wie ein Doppelpunkt.”
Die Augenbrauen von Vincent wandern fragend nach oben, und Stefan atmet tief durch, zieht den Kragen seines Pullovers zur Seite.
“Das ist jetzt aber kein wirklicher Beweis, die können Ihnen ja auch eben schon aufgefallen sein," sagt Stefan.
“Ach, und wie hätte ich die sehen sollen?”
“Keine Ahnung, der Pulli kann ja verrutscht sein.”
“Dann müssten sie deinem Freund ja aufgefallen sein. Oder, Vincent?”
Vincent, der immer noch auf Stefans Hals starrt, zuckt leicht zusammen, sieht beinahe ertappt nach oben.
“Ahm, ich, keine Ahnung, hab ich nicht drauf geachtet.”
“Wie dem auch sei,” sagt Stefan und klopft sich mit den Händen auf die Oberschenkel, “ich denke, wir gehen jetzt mal. Ich hab noch so nen Stapel Akten aufm Tisch, die arbeiten sich auch nicht alleine weg.”
Mit einem Nicken steht Vincent auf, schnappt sich eine Umhängetasche.
“Was glaubst du denn, wo du hingehst?”
Stefan sieht Kai lange an, dann lässt er seine Hände in die Jeanstaschen gleiten. “Ins Büro, hab ich doch gesagt.”
“Stefan, komm schon, wie lange willst du das denn jetzt noch durchziehen?”
Stefan seufzt leise auf, macht einen kleinen Schritt auf Kai zu.
“Zum letzten Mal, ich bin nicht Stefan. Tut mir leid.”
Mit den Worten dreht Stefan sich um, geht mit großen Schritten auf die Tür zu.
“Stefan,” ruft Kai ihm hinterher. “Stefan, jetzt komm schon zurück, dann können wir zusammen nach Hause fahren.”
Stefan reagiert gar nicht, öffnet nur die Tür für diesen Vincent, dann tritt er selber hindurch.
“Stefan!”
Aber die Tür fällt nur ins Schloss, und Kai ist alleine, verwirrt und frustriert.
Mit einem schweren Seufzen lässt er sich auf einen Stuhl fallen, vergräbt das Gesicht in seinen Händen, und schließt die Augen.
Wenn er nur wüsste, was in Stefan gefahren ist, wie er das wieder geradebiegen kann.
Er hat sich noch nie so verlassen gefühlt.
Vielleicht sollte er Stefan hinterher gehen, ihn so lange schütteln, bis er endlich eine Antwort kriegt.
“Kai”
Vielleicht sollte er diesen Oberbullen noch mal fragen, wie hieß der, Pawlak oder so, vielleicht weiß der, was hier los ist, immerhin hat er Stefan zu diesem Vortrag zugelassen, obwohl er nur für Bullen bestimmt ist.
“Kai.”
Oder diesen Vincent, den könnte er fragen, der wirkte ja eigentlich ganz nett, und der muss ja eingeweiht sein in Stefans blöden Witz, sonst hätte er ja nicht -
“Kai!”
Verwirrt sieht Kai hoch - direkt in Stefans Gesicht.
“Alles in Ordnung?”
Erleichtert streckt Kai die Hände aus, umfängt sanft Stefans Gesicht.
“Du bist zurückgekommen!”
“Kai, bitte, ich war nur beim Supermarkt.”
“Ich dachte wirklich, du sprichst nicht mehr mit mir.”
Stefans Augenbrauen ziehen sich wieder verwirrt zusammen, und da ist sie, diese niedliche Grübelfalte, die Kai immer wegwischen will.
“Warum soll ich denn nicht mit dir sprechen?”
“Weiß ich nicht, du hast eben so getan, als wüsstest du nicht, wer ich bin.”
Stefan lehnt sich vorsichtig zurück, sieht Kai besorgt an.
“Kai, wovon redest du?”
Dann wird Kai bewusst, wo er ist, dass er nicht in einem Raum voller Tische und Stühle irgendwo in Polen sitzt, sondern zuhause, auf dem Sofa.
Und Stefan, Stefan trägt auch gar nicht diesen merkwürdig grauen Pullover von eben, sondern eines von Kais T-Shirts, dass er sich gedankenverloren übergezogen hat, um zum Supermarkt zu gehen.
Zum Supermarkt, richtig, jetzt fällt es Kai wieder ein, ihnen war die Butter ausgegangen, und Kai hatte noch gefragt, ob er mitkommen soll, und Stefan hat nur abgewunken, dann kämen sie ja nie aus der Süßigkeitenabteilung raus.
Was eine üble Unterstellung ist, Kai steht mitnichten stundenlang vor dem Regal mit den Gummibärchen, er wählt nur sorgfältig aus, denn wenn sie nicht die richtige Sorte da haben, wenn Kai mal wieder Jiper darauf hat nach dem fünften Joint, dann -
“Kai,” sagt Stefan sanft.
Und Kai, Kai ist einfach nur so froh, dass Stefan hier ist, mit ihm spricht, nicht mehr Adam heißt und dass hier kein Vincent ist, der ihn interessiert ansehen kann, dass er Stefan sanft wieder näherzieht.
“Alles gut,” sagt er leise. “Ich bin nur froh, dass du wieder da bist.”
Und ehe Stefan etwas erwidern kann, lehnt sich Kai noch weiter vor und küsst ihn sanft auf den Mund.