Team: ZIGGY
Fandom: Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Wiktor Król, Vincent Ross
Pairing: Adam Raczek/Vincent Ross
Prompt: Crack/Humor - Didn't know they were dating
Rating: Teen
Dass Adams Töchter plötzlich vor ihm stehen, als er gerade einen Bericht schreibt, kommt für ihn überraschend, und er parkt sie schnell in einem leeren Verhörraum, ehe er Lidia eine nicht wirklich freundliche Nachricht auf der Mailbox hinterlässt.
Dass die beiden sich sofort mit Vincent verstehen, besonders Eileen von ihm ganz eingenommen ist, das überrascht Adam hingegen gar nicht, so interessiert, wie Vincent sich gibt, ihnen seine volle Aufmerksamkeit schenkt.
Den Gesichtsausdruck, den Adam bei seiner jüngeren Tochter bemerkt, den würde er Vincent auch gerne zuwerfen, aber er ist schließlich keine zwölf mehr.
Dass Eileen den Vorschlag macht, Vincent könne doch mal mit in den Zoo kommen, “er war noch gar nicht da, Papa, kannst du dir das vorstellen” quittiert Adam auch nur mit einem “Da müsst ihr schon Vincent fragen, ob er mitkommen will.”
Vincent sieht ihn nur an, mit einem Lächeln, dass Adam beinahe schüchtern nennen würde, und sagt leise, “Wenn es dir nichts ausmacht.”
Natürlich macht es Adam nichts aus.
Noch weniger macht es ihm etwas aus, dass er einige Tage später Eileen hinterher schlappt, die Vincent an der Hand hinter sich herzieht und begeistert auf verschiedene Tiere deutet.
Charlie gibt sich betont gelangweilt, aber Adam kann ihr ansehen, dass sie eigentlich Spaß hat, besonders die Pinguine eigentlich ganz cool findet.
Beim Zebragehege lehnt sich Adam gegen die Absperrung und sieht Vincent an, der lächelnd Eileens aufgeregten Erzählungen lauscht.
Dann sieht Vincent nach oben, treffen sich ihre Blicke, lächelt Vincent ihn warm und sanft an, und in Adams Brust flattert es ganz leicht.
+~+
“Das ist doch nicht deren Ernst, dass die ihr konspiratives Treffen auf ner Kirmes abhalten.”
Adam kann nicht fassen, dass er gerade in einer Menschenmenge steht und versucht, die beiden Verdächtigen nicht aus den Augen zu verlieren.
“Anscheinend denken sie sich, hier fällt es am wenigsten auf.”
“Ja, super.” Adam legt nachdenklich die Stirn in Falten.
Was den beiden Kriminellen lieb ist, das ist ihm ein Graus, hier sind zu viele Leute potenziell im Weg, und, noch schlimmer, potenziell in Gefahr, falls etwas passiert.
Er hat nicht übel Lust, die beiden Clowns einfach festzunehmen, auch wenn er keinen Grund hat.
Vincent legt ihm eine Hand auf den Unterarm.
“Wenn wir da vorne hingehen, sind wir näher dran,” schlägt er vor, und Adam folgt seinem Finger mit seinem Blick.
Einer dieser Schießstände, bei denen man der Begleitung ein Plüschtier schießen kann, wenn man mit den mies eingestellten Gewehren denn auch trifft.
Adam zuckt mit den Schultern, eine bessere Idee hat er auch nicht, und so trottet er an den Schießstand, und sieht sich suchend um.
“Wenn ich da jetzt die ganze Zeit hinstarre, fällt das aber auch auf,” stellt er fest. “Behalt du die doch mal im Auge.”
Vincent nickt bestätigend, als Adam in seiner Jacke nach seinem Portemonnaie kramt, dem Mann vor sich Geld in die Hand drückt.
Adam legt an, kneift ein Auge zusammen, drückt ab - und trifft, zu seinem Erstaunen.
Er verlässt sich darauf, dass Vincent sich meldet, falls sich etwas Verdächtiges abspielt, und schießt nochmal, dreimal, viermal.
“Und, machen die irgendwas,” fragt er, als er wieder durchlädt.
“Die reden nur,” sagt Vincent mit einem Schulterzucken. “Scheint mir nichts weiter verdächtiges… oh warte, jetzt holt der eine ein Tütchen aus der Tasche.”
“Mhm,” macht Adam, drückt noch einmal ab.
“Ach, und der andere hat ein Kuvert in der Hand. Ich glaube, da sollten wir mal hingehen.”
“Ja, sollten wir,” bestätigt Adam, legt das Gewehr hin und ruft Verstärkung, während er auf die beiden zugeht.
Keine fünf Minuten später werden sie abgeführt, einer mit Drogen in der Tasche, der andere mit einem Haufen Geld.
Grinsend sieht Vincent zu Adam, dann fällt sein Blick auf etwas hinter ihm.
“Der Mann vom Schießstand möchte, dass du zu ihm kommst,” sagt er mit verwirrt zusammengezogenen Augenbrauen.
Adam geht irritiert zum Schießstand zurück, er wüsste nicht, was der Mann von ihm will, bezahlt hat er schließlich.
“Hier, dit hamse gewonnen,” sagt der Mann nur, und hält Adam eine Plüschkrabbe entgegen.
“Ach, wie süß,” hört er Vincent sagen.
“Findest du?” Adam sieht das Plüschtier an, dann sieht er wieder zu Vincent. “Kannst du haben, wenn du willst.”
“Ja?”
Adam zuckt nur mit den Schultern. “Klar.”
“Danke,” sagt Vincent lächelnd.
+~+
“Und du bist sicher, dass du im Supermarkt noch was übrig gelassen hast?” Adam sieht amüsiert auf den übergrößen, bis zum Rand gefüllten Einkaufskorb hinab.
“Ich wollte halt nichts vergessen,” verteidigt sich Vincent.
“Und du dachtest, ich brauche unbedingt die Großpackung Mehl?”
Vincent zieht die Schultern hoch. “Wenn ich wüsste, wie ich es richtig mache, hätte ich ja nicht gefragt, oder?”
Adam lacht leise in sich hinein. “Hast Recht, entschuldige. Ich hab das nur so oft gemacht, ich denk da gar nicht mehr drüber nach. Auch wenn das in letzter Zeit seltener vorkommt, Pierogi nur für mich selber machen ist auch kein Spaß.” Er zieht nachdenklich die Stirn kraus. “Ich hab mich eh gewundert, warum du nicht Wiktor gefragt hast, der ist doch der Küchenchef bei uns auf dem Revier.”
“Schon,” antwortet Vincent. “Aber Eileen hat mir letztens so von deinen Pierogi vorgeschwärmt, da wollte ich schon wissen, was dran ist.”
Adam lacht leise in sich hinein. “Interessant. Bei mir heißt es immer, die wären ihr zu fad.” Mit einem amüsierten Kopfschütteln greift Adam wieder in den Einkaufskorb, fischt eine Packung Eier hervor.
“Naja, dann wollen wir mal.”
Er macht sich daran, die Eier in eine Schüssel zu schlagen, als er zum Korb rübernickt. “Du kannst schon mal Kartoffeln schälen, wenn du magst.”
Vincent nickt eifrig, und schnappt sich einen Sparschäler.
Adam war anfangs nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee war, ob ihm Vincent nicht auf die Nerven fallen würde.
Wenn er mit Lidia gekocht hatte, hatten sie sich nach fünf Minuten eigentlich nur noch angemotzt.
Aber mit Vincent ist es ganz angenehm, sie ergänzen sich ganz gut, und nach zwei Stunden stehen sie mit jede Menge Mehl auf den Klamotten vor einem riesigen Stapel Pierogi.
“Das ist aber schon ganz schön viel,” sagt Vincent beeindruckt.
“Ja, aber wenn wir sie teilen, geht es eigentlich. Und zur Not nehme ich welche mit aufs Revier, die freuen sich.”
Mit einem Schnaufen lehnt sich Adam gegen die Arbeitsplatte, wischt sich die Hand an der Jeans ab.
Vincent steht ihm gegenüber, trinkt ein Glas Wasser.
Dann sieht Vincent ihn plötzlich an, mit einem Blick, den Adam nicht deuten kann, der Adam fast ein bisschen nervös macht.
“Was ist?”
“Du hast da,” sagt Vincent und deutet sich an die Wange, “Mehl im Gesicht.”
Adam hebt die Hand, streicht sich über die Wange, ungefähr dort, wo Vincent hinzeigt.
“Und, weg?”
Vincent schüttelt nur den Kopf, stellt sein Wasserglas ab.
“Darf ich,” fragt er leise.
Adam zuckt mit den Schultern, während er nickt, und Vincent macht einen halben Schritt auf ihn zu.
Vincents Finger streichen ganz sanft über Adams Wangen, hinterlassen ein Kribbeln, das Adam bis in die Zehenspitzen zu spüren meint.
Vincent sieht ihn mit großen Augen an. “Jetzt,” sagt er mit rauer Stimme, räuspert sich einmal, “jetzt ist weg.”
“Danke.”
Vincent steht immer noch dicht vor Adam, sieht ihn immer noch so an.
Dann macht er einen Schritt zurück, fährt sich mit einer Hand in die Haare.
“Hast du auch was, wo ich die Dinger reinmachen kann,” fragt er mit einem Fingerzeig auf die Pierogi.
Adam blinzelt, denkt kurz nach, und nickt.
+~+
“Scheiße!”
Vincent sieht an sich hinunter, hebt eine Hand an sein Hemd.
Oder, genauer gesagt, das, was von seinem Hemd übrig geblieben ist.
Es hängt nicht gerade in Fetzen an ihm herunter, aber der Teil über seinem Bauch besteht eigentlich nur noch aus kleinen Rissen und Löchern.
“Das kommt davon, wenn man sich mit Katzen anlegt,” sagt Adam trocken.
“Ich hab mich nicht mit ihr angelegt, ich hab versucht, sie aus einem Baum zu retten.”
“Warum machst du auch sowas?”
“Keine Ahnung, vielleicht, weil ich ein netter Mensch bin?”
“Ja, einer mit kaputtem Hemd.”
Vincent schnauft frustriert. “Ja. Das war eines meiner Lieblingshemden, und auch nicht gerade billig.” Mit einer Hand fährt er sich durch die Haare. “Und jetzt sehe ich so aus.”
“Ist zumindest sehr individuell.”
“Sehr witzig.” Vincent rollt mit den Augen, dann holt er sein Telefon aus der Tasche.
“Hier in der Nähe ist ein Laden, der sieht ganz vielversprechend aus.”
Adam blinzelt, als er sich fragt, ob er sich gerade verhört hat. “Du willst jetzt Hemden kaufen?”
“Ein Hemd,” antwortet Vincent mit erhobenem Zeigefinger. “Mehr brauche ich nicht. Aber ich kann ja schlecht so rumlaufen.” Demonstrativ hält Vincent ein Stück seines Hemdes hoch.
Adam seufzt ergeben. “Na gut. Wenn es schnell geht.”
Der Laden ist ziemlich klein, was in Adam die Hoffnung weckt, dass sie in unter zehn Minuten wieder gehen und sich wieder ihrem Job zuwenden können.
Er hat allerdings nicht mit Vincent gerechnet, der die Auswahl an Hemden kritisch mustert, immer wieder eines hochhebt, gegen das Licht oder gegen seinen Körper hält, und generell so wirkt, als wolle er eine wissenschaftliche Abhandlung über die Dinger schreiben.
“Nimm doch das,” schlägt Adam vor, als Vincent immer noch unschlüssig ein blaues Hemd mit Blümchenmuster ansieht. “Das ist doch ganz dein Ding.”
Vincent sieht ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. “Das hier? Hm, ich weiß nicht. Ich kann es ja mal anprobieren.” Mit diesen Worten legt Vincent das Hemd auf einen Stapel, den Adam bisher nicht bemerkt hat, den er jetzt entgeistert anstarrt.
“Die willst du alle anziehen?”
“Was denn? Das ist schon die engste Auswahl.”
Adam richtet seinen entgeisterten Blick auf Vincent, doch der zeigt sich unbeeindruckt, legt sogar noch ein Hemd auf den Stapel.
“Ich glaube, das wäre es erst einmal,” sagt Vincent nach einer Weile, schnappt sich seine Hemden und wandert in Richtung Umkleidekabine.
Adam überlegt, ob er eine rauchen gehen soll, da dreht sich Vincent nach ihm um. “Kommst du?”
“Was, brauchste Hilfe beim Anziehen?”
“Nein,” antwortet Vincent mit einem Augenrollen. “Aber ich hätte gerne deine Meinung gehört.”
Adam kann nur den Kopf schütteln - er hat doch gar keine Ahnung von Mode - aber sieht auch ein, dass er wohl mitgehen muss, wenn er heute noch den Laden verlassen will.
Vincent verschwindet hinter einem grauen Vorhang, und Adam findet einen Hocker, auf dem er es sich einigermaßen bequem machen kann.
Es dauert nicht lange, da geht der Vorhang wieder auf - und Vincent sieht ihn an, mit einer Falte zwischen den Augenbrauen.
“Das ist jetzt nicht ganz das richtige, oder?”
Das Hemd sieht, ganz ehrlich gesagt, absolut scheußlich aus, und Vincent wirkt, wie auch immer das funktioniert, zehn Kilo schwerer.
“Nee, ich fürchte, das ist es nicht.”
“Das hab ich befürchtet,” sagt Vincent, während er wieder den Vorhang zuzieht.
Das Spiel wiederholen sie ein halbes Dutzend Mal - mal ist das Hemd zu eng, mal ist das Muster grauenhaft, mal ist es Vincent zu teuer - da hört Adam ein frustriertes Schnauben hinterm Vorhang.
“Was ist jetzt?”
“Ich krieg die Knöpfe nicht zu.”
Adam muss sich die Antwort verkneifen, dass das bei Vincent auch keine Neuigkeit ist, er trägt seine Hemden oft genug so weit aufgeknöpft, dass die Leute kaum wegsehen können.
Adam inbegriffen.
“Würde mich jetzt nicht stören,” sagt er auch nur mit einem Lachen.
“Ach ja. Würdest du mich so mitnehmen?” Der Vorhang geht wieder auf, und Adam schluckt.
Das Hemd ist nicht nur offen, sondern mindestens eine Nummer zu klein, klafft regelrecht auf und gibt den Blick auf alles frei, was sich über Vincents Gürtellinie befindet.
Adam schluckt wieder.
“Das ist vielleicht doch ein bisschen zu freizügig,” sagt er mit einem Hüsteln, sein Hals ist plötzlich ganz trocken.
“Hm,” macht Vincent. “Vielleicht nehme ich es ja doch mit. Für… andere Gelegenheiten.”
Ehe Adam fragen kann, was er damit meint, zieht Vincent den Vorhang wieder zu.
“Aha,” sagt Vincent schließlich, und Adam richtet sich auf.
“Was gefunden?”
Vincent zieht den Vorhang zurück. “Tada!”
Es ist das Hemd, das Adam vorgeschlagen hat, das mit dem Blumenmuster, das natürlich sehr gut an Vincent aussieht.
“Hab ich doch gesagt!”
“Ja, stimmt, du hattest Recht,” gibt Vincent zu. “Ab jetzt darfst du mir immer beim Hemdenkauf helfen, du hast da anscheinend einen Blick für.”
Adam lacht nur grunzend durch die Nase, als Vincent aus der Kabine tritt.
+~+
“Hast du gesehen? Queens of the Stone Age kommen nach Berlin.”
Adam sieht über seinen Monitor hinweg zu Vincent, der demonstrativ sein Telefon schwenkt.
“Ja, hab ich.”
“Und, gehst du hin?”
Adam zuckt halbherzig mit den Schultern. “Weiß nicht. So alleine macht das keinen Spaß.”
Vincent nickt verstehend, zieht nachdenklich die Unterlippe zwischen die Zähne.
Adam will sich schon wieder seinem Bericht widmen, da hört er Vincent sagen, “Ich kann ja mitkommen.”
Stirnrunzelnd sieht Adam wieder hoch.
“Echt?”
“Warum nicht?”
“Ist das überhaupt deine Musik?”
“Ach,” winkt Vincent ab. “Ich bin da ganz offen.”
“Na, wenn du magst.”
Adam ist tatsächlich überrascht, dass Vincent mit ihm zu einem Konzert gehen will, in Berlin, unter der Woche, zu einer Band, von der Adam ganz sicher weiß, dass sie nicht Vincents Fall ist.
Allerdings interpretiert er auch nicht zu viel hinein, oder versucht es zumindest.
Vielleicht will Vincent einfach mal wieder raus, in die Zivilisation, und vielleicht mag er die Musik ja doch.
Adam schiebt alle weiteren Spekulationen, warum Vincent ausgerechnet mit ihm auf ein Konzert gehen will, resolut zur Seite und denkt nicht weiter drüber nach.
Ist, wenige Wochen später, auch nicht nervös, steht nicht besonders lange vorm Schrank und fragt sich, was er anziehen soll.
Dabei ist das Bandshirt ja schon obligatorisch, da muss er gar nicht lange nachdenken.
Aber falls er diese eine Jeanshose anzieht, in der ihm schon ein Knackarsch attestiert wurde, dann ist das reiner Zufall und auf gar keinen Fall geplant.
Vincent bedenkt ihn auch nur mit einem prüfenden Blick aus amüsiert glitzernden Augen.
“Gut siehst du aus.”
“Danke. Du aber auch.”
Das muss Adam eigentlich gar nicht weiter erwähnen, wann sieht Vincent nicht gut aus.
Aber heute, mit dem bauchfreien Oberteil über einem Netzhemd, und einer zerrissenen Jeans, das ist nochmal was anderes, so kennt Adam Vincent nicht, und er ist schon froh, als Vincent anbietet zu fahren, dann muss er seine Aufmerksamkeit nicht zwischen dem Verkehr und diesem Outfit teilen.
In der Halle ist es schon so voll, dass Adam ohne Nachdenken nach Vincents Hand greift, um ihn in dem Gewühl nicht zu verlieren.
Vincent drückt nur kurz zu, dann lässt er sich von Adam durch die Masse dirigieren.
Sie schaffen es nicht ganz bis an die Bühne, aber der Platz ist trotzdem okay, und Adam grinst Vincent nur zufrieden an.
Dann startet auch schon die Vorband, und Adam lauscht neugierig der Musik, lässt eine Hand in die Hosentasche gleiten.
Die andere Hand hält immer noch die von Vincent.
+~+
“Und, wie war dein Date?”
Verdutzt sieht Adam Wiktor an.
“Was für ein Date?”
“Na, warst du gestern nicht mit Vincent auf dem Konzert?”
“Doch,” antwortet Adam verwirrt. “Aber das war doch kein Date.”
“Ach. Achso. Dann hab ich mich wohl vertan.”
Adam schüttelt noch einmal den Kopf, beugt sich wieder über die Akte auf seinem Schreibtisch.
“Wie kommst du denn drauf, dass wir daten,” fragt Adam dann doch nach einer Weile.
“Keine Ahnung, ich dachte nur, ihr seid ja so oft unterwegs neuerdings.”
“Ja, weil wir miteinander arbeiten.”
Wiktor hebt eine Augenbraue. “Und als ihr zusammen im Zoo wart, oder die Pierogi gekocht habt, oder letzte Woche, der Grillabend.”
“Na, das macht man doch so, wenn man sich gut versteht.”
“Mhm.”
“Wir haben ja auch schon miteinander gegrillt.”
“Jaja.”
“Was heißt denn jaja?”
“Nichts. Absolut nichts.” Damit wendet sich Wiktor wieder seinem Rechner zu.
Adam allerdings, Adam blinzelt nur die Schrift in der Akte an, und denkt nach.
Er und Vincent. Daten.
Absolut lächerlich.
Oder?
Adam gibt auf, seine Konzentration ist verflogen, und er steht auf, geht in die Kaffeeküche.
“Hey, alles gut,” fragt ihn Vincent, der in dem kleinen Raum steht und sich gerade eine Tasse vom Regal nimmt.
Adam beißt sich kurz auf die Unterlippe, dann schließt er die Tür hinter sich.
“Ist irgendwas?”
“Wiktor hat mich gerade gefragt, wie unser Date gestern war.”
“Tatsächlich,” fragt Vincent mit einem Lachen.
“Mhm. Und er war der Überzeugung, wir würden das schon länger machen. Also, daten.”
“Okay.”
“Und jetzt frage ich mich,” sagt Adam langsam, “wie er darauf kommt.”
Vincent legt grinsend den Kopf schief, zieht die Augenbrauen zusammen.
“Naja, wenn man es jetzt genau nimmt, könnte man das schon so interpretieren.”
Adam nickt langsam.
“Und? Interpretierst du es so?”
Vincents Gesichtsausdruck wird überrascht, dann nachdenklich, dann vorsichtig neutral.
“Bisher nicht.”
Adam holt tief Luft.
“Was nicht bedeutet,” beeilt sich Vincent zu sagen, und legt eine Hand auf Adams Arm, “dass ich das nicht möchte.” Er macht einen Schritt auf Adam zu. “Ich würde gerne mit dir ausgehen. Wenn du willst.”
Adam nickt wieder langsam.
Will er?
Wenn er ehrlich ist, dann muss er gar nicht überlegen - er verbringt gerne Zeit mit Vincent, fühlt sich wohl mit Vincent.
Wenn er das Memo, dass sie schon längst miteinander ausgehen, früher gekriegt hätte, hätte er das zwar schöner gefunden, aber das kann er nicht mehr ändern.
Bleibt nur noch eines.
“Gestern mitgerechnet, das wievielte Date war das?”
“Weiß nicht,” antwortet Vincent mit einem Schulterzucken. “Das vierte? Vielleicht auch das fünfte.”
Adam nickt wieder nachdenklich.
“Wieso?”
“Ach, es ist nur,” sagt Adam langsam, “normalerweise würde ich nicht so lange warten, bis ich meine Verabredung küsse.” Er macht einen halben Schritt auf Vincent zu. “Also, wenn das okay ist.”
Vincents Mundwinkel heben sich in ein Lächeln, als er sich zu Adam lehnt. “Das ist sogar sehr okay.”
Adam atmet erleichtert aus, hebt eine Hand an Vincents Wange und küsst ihn sanft auf den Mund.
Fandom: Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Wiktor Król, Vincent Ross
Pairing: Adam Raczek/Vincent Ross
Prompt: Crack/Humor - Didn't know they were dating
Rating: Teen
Dass Adams Töchter plötzlich vor ihm stehen, als er gerade einen Bericht schreibt, kommt für ihn überraschend, und er parkt sie schnell in einem leeren Verhörraum, ehe er Lidia eine nicht wirklich freundliche Nachricht auf der Mailbox hinterlässt.
Dass die beiden sich sofort mit Vincent verstehen, besonders Eileen von ihm ganz eingenommen ist, das überrascht Adam hingegen gar nicht, so interessiert, wie Vincent sich gibt, ihnen seine volle Aufmerksamkeit schenkt.
Den Gesichtsausdruck, den Adam bei seiner jüngeren Tochter bemerkt, den würde er Vincent auch gerne zuwerfen, aber er ist schließlich keine zwölf mehr.
Dass Eileen den Vorschlag macht, Vincent könne doch mal mit in den Zoo kommen, “er war noch gar nicht da, Papa, kannst du dir das vorstellen” quittiert Adam auch nur mit einem “Da müsst ihr schon Vincent fragen, ob er mitkommen will.”
Vincent sieht ihn nur an, mit einem Lächeln, dass Adam beinahe schüchtern nennen würde, und sagt leise, “Wenn es dir nichts ausmacht.”
Natürlich macht es Adam nichts aus.
Noch weniger macht es ihm etwas aus, dass er einige Tage später Eileen hinterher schlappt, die Vincent an der Hand hinter sich herzieht und begeistert auf verschiedene Tiere deutet.
Charlie gibt sich betont gelangweilt, aber Adam kann ihr ansehen, dass sie eigentlich Spaß hat, besonders die Pinguine eigentlich ganz cool findet.
Beim Zebragehege lehnt sich Adam gegen die Absperrung und sieht Vincent an, der lächelnd Eileens aufgeregten Erzählungen lauscht.
Dann sieht Vincent nach oben, treffen sich ihre Blicke, lächelt Vincent ihn warm und sanft an, und in Adams Brust flattert es ganz leicht.
+~+
“Das ist doch nicht deren Ernst, dass die ihr konspiratives Treffen auf ner Kirmes abhalten.”
Adam kann nicht fassen, dass er gerade in einer Menschenmenge steht und versucht, die beiden Verdächtigen nicht aus den Augen zu verlieren.
“Anscheinend denken sie sich, hier fällt es am wenigsten auf.”
“Ja, super.” Adam legt nachdenklich die Stirn in Falten.
Was den beiden Kriminellen lieb ist, das ist ihm ein Graus, hier sind zu viele Leute potenziell im Weg, und, noch schlimmer, potenziell in Gefahr, falls etwas passiert.
Er hat nicht übel Lust, die beiden Clowns einfach festzunehmen, auch wenn er keinen Grund hat.
Vincent legt ihm eine Hand auf den Unterarm.
“Wenn wir da vorne hingehen, sind wir näher dran,” schlägt er vor, und Adam folgt seinem Finger mit seinem Blick.
Einer dieser Schießstände, bei denen man der Begleitung ein Plüschtier schießen kann, wenn man mit den mies eingestellten Gewehren denn auch trifft.
Adam zuckt mit den Schultern, eine bessere Idee hat er auch nicht, und so trottet er an den Schießstand, und sieht sich suchend um.
“Wenn ich da jetzt die ganze Zeit hinstarre, fällt das aber auch auf,” stellt er fest. “Behalt du die doch mal im Auge.”
Vincent nickt bestätigend, als Adam in seiner Jacke nach seinem Portemonnaie kramt, dem Mann vor sich Geld in die Hand drückt.
Adam legt an, kneift ein Auge zusammen, drückt ab - und trifft, zu seinem Erstaunen.
Er verlässt sich darauf, dass Vincent sich meldet, falls sich etwas Verdächtiges abspielt, und schießt nochmal, dreimal, viermal.
“Und, machen die irgendwas,” fragt er, als er wieder durchlädt.
“Die reden nur,” sagt Vincent mit einem Schulterzucken. “Scheint mir nichts weiter verdächtiges… oh warte, jetzt holt der eine ein Tütchen aus der Tasche.”
“Mhm,” macht Adam, drückt noch einmal ab.
“Ach, und der andere hat ein Kuvert in der Hand. Ich glaube, da sollten wir mal hingehen.”
“Ja, sollten wir,” bestätigt Adam, legt das Gewehr hin und ruft Verstärkung, während er auf die beiden zugeht.
Keine fünf Minuten später werden sie abgeführt, einer mit Drogen in der Tasche, der andere mit einem Haufen Geld.
Grinsend sieht Vincent zu Adam, dann fällt sein Blick auf etwas hinter ihm.
“Der Mann vom Schießstand möchte, dass du zu ihm kommst,” sagt er mit verwirrt zusammengezogenen Augenbrauen.
Adam geht irritiert zum Schießstand zurück, er wüsste nicht, was der Mann von ihm will, bezahlt hat er schließlich.
“Hier, dit hamse gewonnen,” sagt der Mann nur, und hält Adam eine Plüschkrabbe entgegen.
“Ach, wie süß,” hört er Vincent sagen.
“Findest du?” Adam sieht das Plüschtier an, dann sieht er wieder zu Vincent. “Kannst du haben, wenn du willst.”
“Ja?”
Adam zuckt nur mit den Schultern. “Klar.”
“Danke,” sagt Vincent lächelnd.
+~+
“Und du bist sicher, dass du im Supermarkt noch was übrig gelassen hast?” Adam sieht amüsiert auf den übergrößen, bis zum Rand gefüllten Einkaufskorb hinab.
“Ich wollte halt nichts vergessen,” verteidigt sich Vincent.
“Und du dachtest, ich brauche unbedingt die Großpackung Mehl?”
Vincent zieht die Schultern hoch. “Wenn ich wüsste, wie ich es richtig mache, hätte ich ja nicht gefragt, oder?”
Adam lacht leise in sich hinein. “Hast Recht, entschuldige. Ich hab das nur so oft gemacht, ich denk da gar nicht mehr drüber nach. Auch wenn das in letzter Zeit seltener vorkommt, Pierogi nur für mich selber machen ist auch kein Spaß.” Er zieht nachdenklich die Stirn kraus. “Ich hab mich eh gewundert, warum du nicht Wiktor gefragt hast, der ist doch der Küchenchef bei uns auf dem Revier.”
“Schon,” antwortet Vincent. “Aber Eileen hat mir letztens so von deinen Pierogi vorgeschwärmt, da wollte ich schon wissen, was dran ist.”
Adam lacht leise in sich hinein. “Interessant. Bei mir heißt es immer, die wären ihr zu fad.” Mit einem amüsierten Kopfschütteln greift Adam wieder in den Einkaufskorb, fischt eine Packung Eier hervor.
“Naja, dann wollen wir mal.”
Er macht sich daran, die Eier in eine Schüssel zu schlagen, als er zum Korb rübernickt. “Du kannst schon mal Kartoffeln schälen, wenn du magst.”
Vincent nickt eifrig, und schnappt sich einen Sparschäler.
Adam war anfangs nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee war, ob ihm Vincent nicht auf die Nerven fallen würde.
Wenn er mit Lidia gekocht hatte, hatten sie sich nach fünf Minuten eigentlich nur noch angemotzt.
Aber mit Vincent ist es ganz angenehm, sie ergänzen sich ganz gut, und nach zwei Stunden stehen sie mit jede Menge Mehl auf den Klamotten vor einem riesigen Stapel Pierogi.
“Das ist aber schon ganz schön viel,” sagt Vincent beeindruckt.
“Ja, aber wenn wir sie teilen, geht es eigentlich. Und zur Not nehme ich welche mit aufs Revier, die freuen sich.”
Mit einem Schnaufen lehnt sich Adam gegen die Arbeitsplatte, wischt sich die Hand an der Jeans ab.
Vincent steht ihm gegenüber, trinkt ein Glas Wasser.
Dann sieht Vincent ihn plötzlich an, mit einem Blick, den Adam nicht deuten kann, der Adam fast ein bisschen nervös macht.
“Was ist?”
“Du hast da,” sagt Vincent und deutet sich an die Wange, “Mehl im Gesicht.”
Adam hebt die Hand, streicht sich über die Wange, ungefähr dort, wo Vincent hinzeigt.
“Und, weg?”
Vincent schüttelt nur den Kopf, stellt sein Wasserglas ab.
“Darf ich,” fragt er leise.
Adam zuckt mit den Schultern, während er nickt, und Vincent macht einen halben Schritt auf ihn zu.
Vincents Finger streichen ganz sanft über Adams Wangen, hinterlassen ein Kribbeln, das Adam bis in die Zehenspitzen zu spüren meint.
Vincent sieht ihn mit großen Augen an. “Jetzt,” sagt er mit rauer Stimme, räuspert sich einmal, “jetzt ist weg.”
“Danke.”
Vincent steht immer noch dicht vor Adam, sieht ihn immer noch so an.
Dann macht er einen Schritt zurück, fährt sich mit einer Hand in die Haare.
“Hast du auch was, wo ich die Dinger reinmachen kann,” fragt er mit einem Fingerzeig auf die Pierogi.
Adam blinzelt, denkt kurz nach, und nickt.
+~+
“Scheiße!”
Vincent sieht an sich hinunter, hebt eine Hand an sein Hemd.
Oder, genauer gesagt, das, was von seinem Hemd übrig geblieben ist.
Es hängt nicht gerade in Fetzen an ihm herunter, aber der Teil über seinem Bauch besteht eigentlich nur noch aus kleinen Rissen und Löchern.
“Das kommt davon, wenn man sich mit Katzen anlegt,” sagt Adam trocken.
“Ich hab mich nicht mit ihr angelegt, ich hab versucht, sie aus einem Baum zu retten.”
“Warum machst du auch sowas?”
“Keine Ahnung, vielleicht, weil ich ein netter Mensch bin?”
“Ja, einer mit kaputtem Hemd.”
Vincent schnauft frustriert. “Ja. Das war eines meiner Lieblingshemden, und auch nicht gerade billig.” Mit einer Hand fährt er sich durch die Haare. “Und jetzt sehe ich so aus.”
“Ist zumindest sehr individuell.”
“Sehr witzig.” Vincent rollt mit den Augen, dann holt er sein Telefon aus der Tasche.
“Hier in der Nähe ist ein Laden, der sieht ganz vielversprechend aus.”
Adam blinzelt, als er sich fragt, ob er sich gerade verhört hat. “Du willst jetzt Hemden kaufen?”
“Ein Hemd,” antwortet Vincent mit erhobenem Zeigefinger. “Mehr brauche ich nicht. Aber ich kann ja schlecht so rumlaufen.” Demonstrativ hält Vincent ein Stück seines Hemdes hoch.
Adam seufzt ergeben. “Na gut. Wenn es schnell geht.”
Der Laden ist ziemlich klein, was in Adam die Hoffnung weckt, dass sie in unter zehn Minuten wieder gehen und sich wieder ihrem Job zuwenden können.
Er hat allerdings nicht mit Vincent gerechnet, der die Auswahl an Hemden kritisch mustert, immer wieder eines hochhebt, gegen das Licht oder gegen seinen Körper hält, und generell so wirkt, als wolle er eine wissenschaftliche Abhandlung über die Dinger schreiben.
“Nimm doch das,” schlägt Adam vor, als Vincent immer noch unschlüssig ein blaues Hemd mit Blümchenmuster ansieht. “Das ist doch ganz dein Ding.”
Vincent sieht ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. “Das hier? Hm, ich weiß nicht. Ich kann es ja mal anprobieren.” Mit diesen Worten legt Vincent das Hemd auf einen Stapel, den Adam bisher nicht bemerkt hat, den er jetzt entgeistert anstarrt.
“Die willst du alle anziehen?”
“Was denn? Das ist schon die engste Auswahl.”
Adam richtet seinen entgeisterten Blick auf Vincent, doch der zeigt sich unbeeindruckt, legt sogar noch ein Hemd auf den Stapel.
“Ich glaube, das wäre es erst einmal,” sagt Vincent nach einer Weile, schnappt sich seine Hemden und wandert in Richtung Umkleidekabine.
Adam überlegt, ob er eine rauchen gehen soll, da dreht sich Vincent nach ihm um. “Kommst du?”
“Was, brauchste Hilfe beim Anziehen?”
“Nein,” antwortet Vincent mit einem Augenrollen. “Aber ich hätte gerne deine Meinung gehört.”
Adam kann nur den Kopf schütteln - er hat doch gar keine Ahnung von Mode - aber sieht auch ein, dass er wohl mitgehen muss, wenn er heute noch den Laden verlassen will.
Vincent verschwindet hinter einem grauen Vorhang, und Adam findet einen Hocker, auf dem er es sich einigermaßen bequem machen kann.
Es dauert nicht lange, da geht der Vorhang wieder auf - und Vincent sieht ihn an, mit einer Falte zwischen den Augenbrauen.
“Das ist jetzt nicht ganz das richtige, oder?”
Das Hemd sieht, ganz ehrlich gesagt, absolut scheußlich aus, und Vincent wirkt, wie auch immer das funktioniert, zehn Kilo schwerer.
“Nee, ich fürchte, das ist es nicht.”
“Das hab ich befürchtet,” sagt Vincent, während er wieder den Vorhang zuzieht.
Das Spiel wiederholen sie ein halbes Dutzend Mal - mal ist das Hemd zu eng, mal ist das Muster grauenhaft, mal ist es Vincent zu teuer - da hört Adam ein frustriertes Schnauben hinterm Vorhang.
“Was ist jetzt?”
“Ich krieg die Knöpfe nicht zu.”
Adam muss sich die Antwort verkneifen, dass das bei Vincent auch keine Neuigkeit ist, er trägt seine Hemden oft genug so weit aufgeknöpft, dass die Leute kaum wegsehen können.
Adam inbegriffen.
“Würde mich jetzt nicht stören,” sagt er auch nur mit einem Lachen.
“Ach ja. Würdest du mich so mitnehmen?” Der Vorhang geht wieder auf, und Adam schluckt.
Das Hemd ist nicht nur offen, sondern mindestens eine Nummer zu klein, klafft regelrecht auf und gibt den Blick auf alles frei, was sich über Vincents Gürtellinie befindet.
Adam schluckt wieder.
“Das ist vielleicht doch ein bisschen zu freizügig,” sagt er mit einem Hüsteln, sein Hals ist plötzlich ganz trocken.
“Hm,” macht Vincent. “Vielleicht nehme ich es ja doch mit. Für… andere Gelegenheiten.”
Ehe Adam fragen kann, was er damit meint, zieht Vincent den Vorhang wieder zu.
“Aha,” sagt Vincent schließlich, und Adam richtet sich auf.
“Was gefunden?”
Vincent zieht den Vorhang zurück. “Tada!”
Es ist das Hemd, das Adam vorgeschlagen hat, das mit dem Blumenmuster, das natürlich sehr gut an Vincent aussieht.
“Hab ich doch gesagt!”
“Ja, stimmt, du hattest Recht,” gibt Vincent zu. “Ab jetzt darfst du mir immer beim Hemdenkauf helfen, du hast da anscheinend einen Blick für.”
Adam lacht nur grunzend durch die Nase, als Vincent aus der Kabine tritt.
+~+
“Hast du gesehen? Queens of the Stone Age kommen nach Berlin.”
Adam sieht über seinen Monitor hinweg zu Vincent, der demonstrativ sein Telefon schwenkt.
“Ja, hab ich.”
“Und, gehst du hin?”
Adam zuckt halbherzig mit den Schultern. “Weiß nicht. So alleine macht das keinen Spaß.”
Vincent nickt verstehend, zieht nachdenklich die Unterlippe zwischen die Zähne.
Adam will sich schon wieder seinem Bericht widmen, da hört er Vincent sagen, “Ich kann ja mitkommen.”
Stirnrunzelnd sieht Adam wieder hoch.
“Echt?”
“Warum nicht?”
“Ist das überhaupt deine Musik?”
“Ach,” winkt Vincent ab. “Ich bin da ganz offen.”
“Na, wenn du magst.”
Adam ist tatsächlich überrascht, dass Vincent mit ihm zu einem Konzert gehen will, in Berlin, unter der Woche, zu einer Band, von der Adam ganz sicher weiß, dass sie nicht Vincents Fall ist.
Allerdings interpretiert er auch nicht zu viel hinein, oder versucht es zumindest.
Vielleicht will Vincent einfach mal wieder raus, in die Zivilisation, und vielleicht mag er die Musik ja doch.
Adam schiebt alle weiteren Spekulationen, warum Vincent ausgerechnet mit ihm auf ein Konzert gehen will, resolut zur Seite und denkt nicht weiter drüber nach.
Ist, wenige Wochen später, auch nicht nervös, steht nicht besonders lange vorm Schrank und fragt sich, was er anziehen soll.
Dabei ist das Bandshirt ja schon obligatorisch, da muss er gar nicht lange nachdenken.
Aber falls er diese eine Jeanshose anzieht, in der ihm schon ein Knackarsch attestiert wurde, dann ist das reiner Zufall und auf gar keinen Fall geplant.
Vincent bedenkt ihn auch nur mit einem prüfenden Blick aus amüsiert glitzernden Augen.
“Gut siehst du aus.”
“Danke. Du aber auch.”
Das muss Adam eigentlich gar nicht weiter erwähnen, wann sieht Vincent nicht gut aus.
Aber heute, mit dem bauchfreien Oberteil über einem Netzhemd, und einer zerrissenen Jeans, das ist nochmal was anderes, so kennt Adam Vincent nicht, und er ist schon froh, als Vincent anbietet zu fahren, dann muss er seine Aufmerksamkeit nicht zwischen dem Verkehr und diesem Outfit teilen.
In der Halle ist es schon so voll, dass Adam ohne Nachdenken nach Vincents Hand greift, um ihn in dem Gewühl nicht zu verlieren.
Vincent drückt nur kurz zu, dann lässt er sich von Adam durch die Masse dirigieren.
Sie schaffen es nicht ganz bis an die Bühne, aber der Platz ist trotzdem okay, und Adam grinst Vincent nur zufrieden an.
Dann startet auch schon die Vorband, und Adam lauscht neugierig der Musik, lässt eine Hand in die Hosentasche gleiten.
Die andere Hand hält immer noch die von Vincent.
+~+
“Und, wie war dein Date?”
Verdutzt sieht Adam Wiktor an.
“Was für ein Date?”
“Na, warst du gestern nicht mit Vincent auf dem Konzert?”
“Doch,” antwortet Adam verwirrt. “Aber das war doch kein Date.”
“Ach. Achso. Dann hab ich mich wohl vertan.”
Adam schüttelt noch einmal den Kopf, beugt sich wieder über die Akte auf seinem Schreibtisch.
“Wie kommst du denn drauf, dass wir daten,” fragt Adam dann doch nach einer Weile.
“Keine Ahnung, ich dachte nur, ihr seid ja so oft unterwegs neuerdings.”
“Ja, weil wir miteinander arbeiten.”
Wiktor hebt eine Augenbraue. “Und als ihr zusammen im Zoo wart, oder die Pierogi gekocht habt, oder letzte Woche, der Grillabend.”
“Na, das macht man doch so, wenn man sich gut versteht.”
“Mhm.”
“Wir haben ja auch schon miteinander gegrillt.”
“Jaja.”
“Was heißt denn jaja?”
“Nichts. Absolut nichts.” Damit wendet sich Wiktor wieder seinem Rechner zu.
Adam allerdings, Adam blinzelt nur die Schrift in der Akte an, und denkt nach.
Er und Vincent. Daten.
Absolut lächerlich.
Oder?
Adam gibt auf, seine Konzentration ist verflogen, und er steht auf, geht in die Kaffeeküche.
“Hey, alles gut,” fragt ihn Vincent, der in dem kleinen Raum steht und sich gerade eine Tasse vom Regal nimmt.
Adam beißt sich kurz auf die Unterlippe, dann schließt er die Tür hinter sich.
“Ist irgendwas?”
“Wiktor hat mich gerade gefragt, wie unser Date gestern war.”
“Tatsächlich,” fragt Vincent mit einem Lachen.
“Mhm. Und er war der Überzeugung, wir würden das schon länger machen. Also, daten.”
“Okay.”
“Und jetzt frage ich mich,” sagt Adam langsam, “wie er darauf kommt.”
Vincent legt grinsend den Kopf schief, zieht die Augenbrauen zusammen.
“Naja, wenn man es jetzt genau nimmt, könnte man das schon so interpretieren.”
Adam nickt langsam.
“Und? Interpretierst du es so?”
Vincents Gesichtsausdruck wird überrascht, dann nachdenklich, dann vorsichtig neutral.
“Bisher nicht.”
Adam holt tief Luft.
“Was nicht bedeutet,” beeilt sich Vincent zu sagen, und legt eine Hand auf Adams Arm, “dass ich das nicht möchte.” Er macht einen Schritt auf Adam zu. “Ich würde gerne mit dir ausgehen. Wenn du willst.”
Adam nickt wieder langsam.
Will er?
Wenn er ehrlich ist, dann muss er gar nicht überlegen - er verbringt gerne Zeit mit Vincent, fühlt sich wohl mit Vincent.
Wenn er das Memo, dass sie schon längst miteinander ausgehen, früher gekriegt hätte, hätte er das zwar schöner gefunden, aber das kann er nicht mehr ändern.
Bleibt nur noch eines.
“Gestern mitgerechnet, das wievielte Date war das?”
“Weiß nicht,” antwortet Vincent mit einem Schulterzucken. “Das vierte? Vielleicht auch das fünfte.”
Adam nickt wieder nachdenklich.
“Wieso?”
“Ach, es ist nur,” sagt Adam langsam, “normalerweise würde ich nicht so lange warten, bis ich meine Verabredung küsse.” Er macht einen halben Schritt auf Vincent zu. “Also, wenn das okay ist.”
Vincents Mundwinkel heben sich in ein Lächeln, als er sich zu Adam lehnt. “Das ist sogar sehr okay.”
Adam atmet erleichtert aus, hebt eine Hand an Vincents Wange und küsst ihn sanft auf den Mund.
no subject
Date: 2023-07-05 06:00 am (UTC)(Ich bin gerade sehr traurig, daß wir die beiden wirklich nicht mehr zusammen sehen sollen.)
no subject
Date: 2023-07-05 06:58 am (UTC)(Same. Jeden verdammten Tag)