Team: ZIGGY
Fandom: Polizeiruf 110
Charaktere: Adam Raczek, Wiktor Król
Pairing: einseitig Wiktor Król/Adam Raczek
Prompt: Reverse Challenge — Zuckerwatte
Rating: Teen
Leise surrt die kleine Maschine, spinnt feine Fäden aus Zucker, wahlweise in himmelblau oder puderrosa.
Wiktor schaut der kleinen Scheibe in der Mitte beim Drehen zu und fragt sich, was er hier überhaupt macht.
“Und, was darf es für Sie sein?”
Wiktor schaut irritiert auf, in das freundlich lächelnde Gesicht der Catering-Mitarbeiterin.
Ein Taxi, das könnte er jetzt gebrauchen, mitsamt einer Begründung, warum er so früh schon wieder geht.
Er hätte nie herkommen sollen, hätte die Einladung ignorieren sollen, eine Krankheit vortäuschen, irgendeinen anderen Grund finden sollen.
Sein Blick schweift auf die Tanzfläche, wo Adam mit einem verliebten Lächeln seine frisch angetraute Ehefrau über das Parkett schiebt.
Wiktor seufzt, natürlich hätte er die Einladung nicht ignorieren können, wem macht er denn was vor?
Wie hätte er Adams Bitte, Adams Blick, Adams Lächeln auch nur eine Sekunde widerstehen können?
Und jetzt steht er hier und überlegt, ob er sich nicht hemmungslos betrinken soll.
Stattdessen lächelt er die Dame hinter der Zuckerwattemaschine an, lehnt dankend ab und geht an seinen Tisch zurück.
Karol sieht ihn mit verstehendem Blick an, legt ihm stumm die Hand auf den Arm.
Wiktor weiß nicht, was Karol weiß, wie viel er weiß, ob er überhaupt was weiß, er selbst hat nie etwas gesagt, nie auch nur eine Andeutung gemacht.
Er weiß allerdings auch, dass er sich öfter mal dabei erwischt, wie er Adam einfach nur ansieht, sich in Tagträumereien wiederfindet, die allesamt völlig abwegig sind.
Und auch in diesen Augenblicken hat er dann und wann Karols Blick auf sich gespürt, sich zusammengerissen, ehe Adam etwas merkt.
Adam hat natürlich nie etwas gemerkt.
Der Hochzeitstanz ist vorbei, andere Gäste füllen die Tanzfläche, und auch Karol erhebt sich, drückt mit einer schweren Hand einmal Wiktors Schulter.
Wiktor steht auf und geht an die Bar.
Nach drei Wodka - vielleicht auch vier, wer zählt schon mit - sieht er verstohlen auf die Uhr, fragt sich kurz, ob er nicht einfach gehen soll, in der Menge fällt das doch gar nicht auf.
Eine Hand landet schwer auf seinem Rücken.
“Na, alles klar bei dir,” dringt Adams Stimme an sein Ohr.
Adam sieht heute umwerfend gut aus. Also, er sieht natürlich immer gut aus, aber heute noch mehr, mit den sorgfältig frisierten Haaren, dem frisch getrimmten Bart, in diesem dunkelblauen Anzug, der sehr vorteilhaft geschnitten ist.
Wiktor lächelt nur schmal, nickt ganz leicht.
Adams Hand liegt immer noch warm auf seinem Rücken.
Und Adam lächelt, lächelt so unbeschwert und breit und glücklich, dass es Wiktor schmerzt, direkt in der Brust.
“Ich hab mich schon gefragt, wo du eigentlich bist,” sagt Adam.
Ich bin genau hier, denkt Wiktor, immer schon, ich warte doch nur, dass du es bemerkst.
Wiktor fragt sich nicht zum ersten Mal, ob er nicht etwas hätte sagen sollen.
Damals in Szczecin, als er Adam auf einer Party getroffen und später auch geküsst hatte.
Damals in Świecko, gut zehn Jahre später, als Adam plötzlich wieder vor ihm stand, plötzlich sein Kollege war, und nicht ein Anzeichen zeigte, dass er sich an Wiktor erinnern konnte.
Damals, kaum zwei Jahre danach, als Adam von dieser Frau erzählte, von Verabredungen, vom Verliebtsein.
Vor nicht allzu langer Zeit, etwa vor einem halben Jahr, als Adam stolz und glücklich verkündete, verlobt zu sein.
Jetzt, hier, in diesem Hochzeitssaal, an dieser Bar.
“Lidia meint, eine ihrer Freundinnen hat ein Auge auf dich geworfen,” lacht Adam, der nicht weiß, der nicht merkt, was in Wiktor vorgeht.
“Vielleicht redest du mal mit ihr,” schlägt Adam vor, sein Blick mittlerweile doch leicht besorgt.
Wiktor schüttelt nur langsam den Kopf.
“Ich glaube, ich sollte fahren,” sagt er leise.
“Ach, aber wieso denn? Wir fangen doch grade erst an.”
Wiktor hebt nur entschuldigend eine Schulter. “Ich habe morgen Frühschicht.”
Das stimmt nicht, ist prompt gelogen, aber das wird Adam nicht herausfinden, er hat nämlich ab morgen Urlaub.
Flitterwochen.
In Wiktor zieht sich wieder alles zusammen, und er hofft, dass es sein Gesicht nicht verrät.
“Schade,” sagt Adam, und Wiktor glaubt ihm das sogar.
“Na, dann komm noch gut nach Hause.” Adam macht einen Schritt nach vorne, hebt einen Arm zur Umarmung.
In Adams Bart kleben blaue Fäden, verweben sich fein mit seinen dunklen Haaren.
Zuckerwatte.
Wiktor spreizt die Finger, um nicht dem Drang nachzugehen, den Zucker aus Adams Bart zu zupfen, nicht durch seinen Bart zu kämmen.
Stattdessen lässt er sich in eine kurze Umarmung ziehen, klopft Adam sogar kurz auf den Rücken, bis in zwei Wochen, tu nichts, was ich nicht tun würde.
Wiktor ruft ein Taxi, nennt dem Fahrer seine Adresse, lässt den Kopf nach hinten fallen und lässt den Tränen freien Lauf.
no subject
Date: 2023-07-04 06:29 am (UTC)no subject
Date: 2023-07-05 06:57 am (UTC)(Lustigerweise hab ich letzte Woche etwas geschrieben (https://archiveofourown.com/works/48138799), das man als Fix it lesen könnte, sofern man wollte