[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Challange: #2 Nachhilfe in Sachen Freundschaft
Words: 385
Anmerkungen: Irgendwann gibt es glückliche Bärchen und fröhliche Feen…


Freundschaft.
Bis zu seinem 9ten Lebensjahr hatte George Fischbein nur einen seltsamen Nachnamen, aber anscheinend keine Ahnung, was Freundschaft war. Juliane, seine damals beste Freundin, wollte liebe mit den anderen Mädchen aus ihrer Klasse spielen als mit ihm. Er  versuchte alles, damit es ihr vielleicht nicht so auffiel, dass er kein Mädchen war.
Als er im Rock seiner Mutter und mit Lippenstift zum Sportplatz ging, schien seine Jule sich zu freuen. Aber er merkte schnell, dass sie und die anderen Mädchen über und nicht mit ihm lachten. Als Leon ihn niederschlug und als Schwuchtel bezeichnete, half ihm keiner. Zuhause schaute er das Wort im Lexikon nach, fand es aber nicht.  Seine Eltern traute George sich nicht zu fragen.

Als er abends im Bett weinte hatte er eins gelernt: Freundschaft tat weh.

Als er 17 war, erzählte er seinem besten Freund Tom, dass er gegenüber anders lautender Gerüchte noch nie mit einem Mädel geschlafen hatte. Auch nicht mit Jenni. Eine Woche später wusste es die ganze Schule. Spitznamen, Witze. George lachte mit. Auf der nächsten Party schlief er betrunken mit Stephanie. Auf der danach mit Anne. Und das eine Mal, als er die Flasche Wodka allein getrunken hatte, sogar mit Maike – Toms fester Freundin. Als er mit dröhnendem Schädel aufwachte und Sekunden später über dem Waschbecken die Küche voll kotzte, hatte er wieder etwas gelernt.
Freundschaft bedeutete Lügen und Betrügen.

Mit 37 ließen sie sich wieder scheiden. Ihm konnte man doch nicht trauen. Dabei hatte sie doch den Freund und er war ihr immer treu gewesen. Zum Glück hatten sie kein Kind. Den Hund ließ er ihr. Freunde könnten sie bleiben, betonte sie immer und immer wieder- bevor sie den neusten Klatsch und Tratsch über ihn verbreitete.
Freundschaft war eine Frage des Standpunktes.

 

Sein Leben wandelte sich mit Suse. Sie zogen zusammen als er 49 war.  
Wenn Leute sie nach ihrer Beziehung fragten, sagten sie immer, dass sie Freunde sind.
Die meisten verstanden es nicht, aber Freundschaft war nun einmal eine Sache des Standpunktes.

Suse wurde kurz nach seinem 56 Geburtstag krank.
Sie sagten sich, dass sie bald wieder gesund werden würde. Und sie machten Pläne für
die Zukunft.
Freundschaft bedeutet Lügen.

Als die Schmerzen schlimmer wurden, sagte Suse nur „bitte.“
Das Kissen in seiner Hand war ganz weich. Sie wehrte sich nicht.
Freundschaft tat weh.

Date: 2008-06-26 10:08 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
hilfe wie traurig, aber so kann es natürlich auch sein...
freundschaft hat auch ihre dunklen seiten, schön dass du sie gezeigt hast!

Re: Danke ^^

Date: 2008-06-27 08:33 am (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
bitte bitte ^^
genau das ist auch sehr gut rübergekommen, auch dass es hart sein kann freunde zu finden und vor allem auch dass es sehr lang dauern kann bis man einen echten freund findet!

Date: 2008-06-27 05:20 am (UTC)
From: [identity profile] wieldy22.livejournal.com
Oh, das ist schön! Der erste Satz mit dem seltsamen Nachnamen ist toll!
(deleted comment)

Date: 2008-07-18 11:11 am (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Das ist echt sehr beeindruckend .... (Maddle hat mich auf diese FF aufmerksam gemacht) und sehr, sehr deprimierend.
Toll geschrieben. Und wahnsinnig desillusionierend.

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