[identity profile] wieldy22.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
So, ähm, hier eine ziemlich geistesgestörte Zusammenschusterung der Kriterien.

Titel: Der Kartensammler
Fandom: Original
Prompt: Rauch von heute sowie "unausgesprochen" und "Dabei dachte ich, du magst das" von Nyx
Genre: Psychothriller? Wenn, dann ein reichlich milder ;)
Rating: PG 13
Wörter: 783
Warnung: Reichlich sinnloser Wahn. Ich weiß nicht ob das Nyx' Geschmack trifft. Unpathetischer wirds bei mir leider nicht.


Der Kartensammler

Diese unausgesprochene Ahnung von Todessehnsucht in deinen Augen – Ich muss dich wieder sehen, wieder haben!

Eine einseitig beschriebene Postkarte. Die Rückseite weiß und steril. Unerschlossen, wie das vor dir liegende Leben. Und doch dieser eine Satz. Wer fühlt sich schon verstanden von dieser Welt? Sie, die hoch motivierte, aktive, sie nicht. Wer in ihre Augen sieht, sieht das Glück. Er sieht auch den Schmerz, der ihr wichtig ist. Todessehnsucht – sicher übertrieben. Ganz Unrecht hat er nicht. Ein Entschluss, hastig gefasst, die Konsequenzen bleiben so weiß und offen wie die Rückseite der Karte es (zum Glück!) vorgibt: Sie will ihn auch.

Das erste Treffen im Kaffee um die Ecke, ein Rendezvous; er erstaunlich schüchtern, schüchterner, als sie ihn in Erinnerung hatte; sie gesprächig, lustig drauf. Sie erzählt vom Träumen. Weltreise. Eigenes Haus. Zwei Kinder. Superstar. Weit fort von hier. Er lächelt und verspricht, sie weit, weit fort zu bringen von hier. Er spricht behutsam, langsam, mit leiser Stimme. Sie hört ihm zu. Der Zauber der Mathematik. Astronomie und der romantische Sternenhimmel. Er fotografiert ihn oft, wenn er am schönsten ist. Seine Sammelleidenschaft. Irgendwann wird er ihr seine leeren Bierflaschen zeigen, seine Knöpfe, seine Postkarten. Er hat viele schöne Postkarten, mit schönen Motiven, fast so schön wie sie, vielleicht sogar noch etwas schöner.

Die beiden ziehen zusammen, in eine geräumige Altraumwohnung. Seine hoffnungslos verstaubte alte Wohnung hat sie entrümpelt, fast alle Sammlungen entsorgt. Nur die Postkarten mochte sie nicht anrühren. In der neuen Wohnung sind die Wände weiß, wie die Postkarten, die er ihr immer noch schickt, auf die Arbeit mitgibt, unter dem Kopfkissen versteckt. Er schreibt jetzt oft schöne Sprüche von Dichtern und Denkern darauf. Auch solche, die sich nicht in jeder Zitatensammlung finden lassen. Er sammelt sie selbst aus den Büchern heraus, die er gern liest. Sie scheinen ihm wirklich etwas zu bedeuten.
Sie lädt häufig Freunde in die neue Wohnung ein. Die bewundern die schön geschmückten Räume, die Klarheit der Gestaltung. Über die getrennten Schlafzimmer schütteln sie die Köpfe. Dieser Geste macht sie traurig, diese Geste trägt diese Melancholie, die niemand sehen will, wieder in ihre Augen zurück. Gerade jetzt, wo sie glücklich ist.

Er hat ihr von Anfang an gesagt, dass er nicht liebt, wie andere Menschen. Dass er Berührungen nicht mag. Dass er sehr oft allein sein will. Dass er seine Sammlungen mehr braucht, als die Menschen um ihn herum. Er liebe sie nicht, sagt er. Es kommt ihr vor, als täte er es trotzdem, auf irgendeine Art und Weise. Immerhin – mit ihm kann sie Nächte durchreden, die sonst nur die Abwesenheit von Tag geblieben wären.

Dann, eines Tages, nimmt er sie mit in Hütte im Wald. Sie wusste nicht, dass er eine Hütte im Wald hat. Klassisch romantisch irgendwie. Sie weiß so vieles nicht über ihn und möchte doch so vieles wissen. Er sagt, im Wald gibt es Brombeeren. Von denen bringt er ihr welche mit. Er ist glücklich, als er sieht, dass sie ihr schmecken. Wir bleiben eine Weile hier, entscheidet er. Hier, weit fort. Er hat viele gute Bücher mitgebracht, die er lesen wird. Wenn er sie ausgelesen hat, will er zurück. Wissenschaftliche Sachbücher. Gute Kriminalromane. Klassiker. Ledereinband. Lesebändchen.

Für sie hat er Kerzen mitgebracht. Unglaublich viele Kerzen. Alle in weiß. Weiß, wie die Zukunft, die vor ihr liegt. Er bindet sie am Bett fest und schließt ihre Augenlieder mit seinen großen, starken Händen. Sie denkt sich, dass er jetzt die Kerzen anzünden will, für sie. Ja, das wird es sein. Sie hört das Zischen der Streichhölzer, in der Luft liegt ein leichter Geruch von Rauch. Dann – ein Poltern. Etwas ist umgestoßen. Das müssen die Kerzen sein! Der Geruch von Rauch wird intensiver, noch gar nicht unbedingt unangenehm. Ihr ist, als spüre sie eine sich ausbreitende Wärme im ganzen Raum.

Sie öffnet die Augen und sieht seine Silhouette (der Rauch beschränkt ihre Sicht) am Fenster stehen, die Distanz zu ihr wahrend. Da beginnt sie zu schreien. „Dabei dachte ich, du magst das“, er tritt hinaus in die frische Sommernachtsluft, mit nur leicht verwirrtem Gesicht, „wegen dieser Todessehnsucht in deinen Augen.“


*

Die Hütte im Wald ist verbrannt und all die schönen Bücher, um die es schade gewesen wäre, mit ihr, doch mich gibt es noch immer. Ich bin inzwischen umgezogen. Ich habe jetzt wieder eine kleinere und vollere Wohnung. Bevor ich umgezogen bin, habe ich mir ihr Adressbuch genommen und unsere neue Anschrift an alle Adressen verschickt. Seitdem erhalte ich häufig Postkarten von Freunden. Durch die Karten ihrer Freunde lerne ich vieles über sie. Manchmal schreibe ich zurück. Ich bin ein bisschen künstlerisch begabt und kann manche Handschriften nachmachen. Wenn einer ihre Telefonnummer möchte oder sie besuchen will, schicke ich nur eine weiße Karte:


VERZOGEN

Date: 2008-06-26 07:31 pm (UTC)
ext_184151: (squee)
From: [identity profile] nyx-chan.livejournal.com
*grad zufällig darüber gestolpert ist* Erstma sehr überrascht, dass es so schnell ging und- wooooaaaaaah O_____O
Also, ich meine- WOOOOAAAAAAAH O_________________________________O *völlig sprachlos* ..... Nur weil alle guten Dinge drei sind und mir nichts besseres einfällt: WOAH! O_O;

Es ist so geil. o_O Du hast To.Tal.Mei.Nen.Nerv.Ge.Trof.Fen! X_X! Und man kann da auch ruhig die Lied+Genre-Challenge mit reinnehmen, weil es wirklich spannend ist und *hust* "Harder to breath", meine Güte, bei dem Rauch würd es mich nicht wundern. *hust* XD

Erstma war ich sehr überrascht und dachte, da kommt eben doch eine Liebesgeschichte auf mich, wie ich es eigentlich eben nicht wollte. Aber das klärte sich schnell. Es ließ mich sogar schmunzeln, weil sie einerseits was von so einem Pärchen hatten, aber andererseits waren sie sehr- ich weiß nicht. Sie waren ein platonisches Paar auf eine merkwürdige Weise, das ist toll!
Und alles in allem muss ich auch an "Where the wild roses grow" von Nick Cave & Kylie Minogue denken - eine gruselige, liebevolle Art von 'Liebe' und dann DAS.
Und es war so- da.
Sie das Leben selbst scheinbar, aber ER sah den Tod in ihren Augen, das, was keiner sah. Und sie trug es in sich und fühlte sich von ihm vielleicht deswegen so angezogen, weil er sie verstand, wusste, was sie dachte, wollte und all das, subtil, wie ein warmer Hauch.
Und er *schauder* *___* So ein ruhiger, netter Kerl, aber misantropisch, obsessiv, psychopathisch. WOAH!
Ich- oh Gott, ich werde das gleich nochmal und nochmal durchlesen und die ganze Zeit nur 'WOAH!' quäken (und meine Freunde damit zuspamen *hust* XD) und- oh Gott, du hast mich damit echt waaaahnsinnig glücklich gemacht (und mir die Angst vorm Wünschen in Zukunft total genommen <3)! Du hast sowas von dir den nächsten Wichtelwunsch verdient. *-* Hoffentlich kriegst du was ähnlich fantastisches.
Oh Gott, ich bin immer noch ganz hin und weg!!!11ÖLF
<3<3<3<3<3<3<3<3
DAAANKEEEEE!!!!!!!!!!!
*___________________________________________________________*
*es total liebt*

Date: 2008-06-26 08:05 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Wow.
Ich bin leider immer so schlecht im Feedback schreiben.
Aber wow.
Ich liebe die Stelle, an der die Hütte brennt. "Ich dachte Du magst das" ist der genialste Sazu überhaupt. Ich mag "ihn" dafür, dass er nicht richtig lieben kann und sie trotzdem zusammen ziehen.
Und ich mag das Ende.
Also nochmal: Wow! Die Geschichte ist wirklich außergewöhnlich!

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