Schreibaufgabe - Rewrite - fürs Team
Sep. 30th, 2022 09:55 pmTitel : Aurelie
Team: Scheibenwelt
Challenge: Schreibaufgabe - Rewrite
Fandom: Tatort Stuttgart
Rating: M
Pairing: Thorsten Lannert/Sebastian Bootz
Kommentar: Pünktlich zur Sommerchallenge hatte mich jegliche Inspiration verlassen. Und Schreibfähigkeit. Aber das hier ist jetzt doch noch gekommen. Ein Rewrite meiner Story "Eine goldige Überraschung" - hier auf AO3 - ich will es statt als Oneshot als Beginn einer längeren Geschichte nehmen.
Es war ein ruhiger und entspannter Tag. Er hatte zur Abwechslung mal keinen dringenden Fall, keine frische Leiche. Stattdessen wälzte er Akten von alten, ungelösten Fällen. Vielleicht fand sich ja aufgrund der Verbesserung der technischen Möglichkeiten der letzten Jahre eine neue Spur.
Mit irgend etwas musste er sich ja beschäftigen, während Sebastian auf dem Infoseminar zu dieser geplanten neuen Software war, deren Namen er sich immer noch nicht merken konnte. Oder wollte, weil er schon bei den Worten „neu“ und „Software“ in Verbindung miteinander ein ungutes Gefühl bekam. Jedes Mal wurden Verbesserungen versprochen, und jedes Mal war das neue Programm erstmal unbrauchbar.
Aus diesen Überlegungen wurde er durch das Klingeln seines Telefons gerissen.
„Ja?“
„Thorsten Lannert?“
„Am Apparat.“
„Mein Name ist Nadine Götz. Ich bin Notarin, und muss Sie in einer dringenden und etwas delikaten Angelegenheit sprechen. Könnten sie heute noch vorbei kommen?“
„Heute? Und können Sie mir mehr über diese Angelegenheit sagen? Welchen Fall sie betrifft, zum Beispiel?“
„Ja, heute, Und sie betrifft gar keinen Fall, also keinen ihrer Kriminalfälle. Es ist eine Sie persönlich betreffende Angelegenheit.“
„Er sah auf den Kalender, reflexartig. Dabei wusste er, dass er dort keinen anderen Termin hatte. Wenn nicht noch eine überraschende Leiche auftauchte, hatte er die ganze restliche Woche keine Termine. Und bei den Überstunden die er regelmäßig schob, konnte er auch einmal etwas früher Schluss machen.
„Passt Ihnen 16 Uhr?“ Das würde ihm eine Stunde geben. Was reichen sollte, auch in Stuttgarts Verkehr.
„Ja, das passt.“
Er notierte ihren Namen und die Anschrift – es war gar nicht so weit entfernt, bis in einer Stunde wäre er also gut dort. Genau genommen würde es sogar reichen, wenn er in einer halben Stunde los fuhr.
Aber er konnte sich nicht mehr auf die Akten konzentrieren. Eine dringende und delikate Angelegenheit, die ihn persönlich betraf, darunter konnte er sich absolut nichts vorstellen. Und der Name der Notarin hatte ihm auch nichts gesagt.
Bis er sich die Gedanken aus dem Kopf geschlagen hatte, war es dann auch Zeit, zu fahren. Unterwegs ging die Grübelei dann weiter – aber genauso erfolglos. Seine Eltern wohnten in Hamburg, und hätten bestimmt nichts mit einem Stuttgarter Notar zu tun. Geschwister hatte er keinen, und auch sonst keine Verwandten, die in der Nähe wohnten. Zumindest keine, von denen er wusste. Nun ja, bald würde er die Antwort erfahren.
Es dauerte dann doch noch etwas. Erst einmal musste er einen Parkplatz finden. Dann das richtige Büro, in dem nicht gerade kleinen Bürohochhaus. Und schließlich erklärte ihm die Sekretärin dass es ihr sehr Leid tue, aber Frau Götz würde sich doch um einige Minuten verspäten.
Schließlich kam eine blonde, kleine, nicht besonders schlanke Frau durch die Vordertür. Sie hatte es offensichtlich eilig, wirkte aber trotzdem nicht gehetzt. Und so, wie ihr hellgrauer Hosenanzug passte, war er zumindest nicht direkt von der Stange. Sie ging mit kurzem Nicken an ihm vorbei und an die Rezeption, wo ihr die Sekretärin einige Schriftstücke aushändigte, und dann zu ihm nickte. Die Dame kam auf ihn zu, und streckte ihre Hand zur Begrüßung aus.
„Guten Tag Herr Lannert. Tut mir Leid dass ich etwas zu spät bin. Der vorherige Termin ging etwas länger als gedacht, und der Verkehr – aber das kennen Sie ja selbst. Bitte, gehen wir am Besten in mein Büro. Hier entlang.“
Er hatte ihre Hand geschüttelt, aber keine Gelegenheit gehabt, selbst etwas zu sagen, bevor sie sich wieder umgedreht hatte, und ihn zu ihrem Büro führte. Dort bedeutete sie ihm, auf einem der Besucherstühle Platz zu nehmen, bevor sie ihm ein Glas und eine Flasche Wasser hinstellte, und sich dann hinter ihren Schreibtisch setzte.
„So, Sie werden sich sicher fragen, warum ich Sie her gebeten habe.“
Sie sah ihn fragend an, obwohl es sich ja mehr um eine Feststellung handelte. Er nickte.
„Ich vertrete eine gewisse Marion Württemberger.“ Sie sah ihn an, als erwartete sie eine Reaktion auf diesen Namen. Und ganz dunkel klingelte auch etwas, aber er konnte ihn nicht einordnen.
„Laut deren Aussage hatten Sie mit ihr vor etwas über drei Jahren – am [Datum] – Geschlechtsverkehr.“
So verwirrt er war, warum eine Notarin ihn darauf ansprechen sollte – bei der Nennung des Datums fiel der Groschen. Nicht, dass nicht „Geschlechtsverkehr mit einer Frau“ eigentlich die möglichen Kandidatinnen bereits extrem einschränkte. So sehr einschränkte, dass er das Datum eigentlich gar nicht gebraucht hätte, um zu wissen um wen es sich handeln musste. Immerhin stand er sowieso mehr auf Männer – und seit kurz nachdem er in Stuttgart angekommen war sogar nur auf einen bestimmten Mann. Andererseits war auch ein Irrtum möglich, oder gar eine Falschaussage. Aber dass jemand unbeteiligtes unter allen Tagen der vergangenen Jahre ausgerechnet das Datum auswählen würde, an dem er tatsächlich mit einer Frau geschlafen hatte – nun, das schien ihm unmöglich. Und er wusste das Datum so genau, weil es der Tag war, an dem seine Freundschaft mit Sebastian zerbrochen war. Oh, sie hatten inzwischen, nach über drei Jahren, wieder einen guten Schritt darauf zu gemacht. Aber es war, wie sie damals gesagt hatten. Sie würden nicht mehr die Alten sein. Das Datum war der Tag von Majas Entführung gewesen. Der Tag, an dem er so wütend auf diesen einen bestimmten Mann gewesen war, in den er schon so lange verliebt gewesen war. Und noch mehr als wütend war er verletzt und verängstigt gewesen. So sehr, dass er wirklich in eine Kneipe gegangen war mit dem Ziel sich zu betrinken. Betrinken, bis er Sebastians Worte nicht mehr hören konnte. „Du hast ja keine Tochter mehr zu verlieren.“
Als er diese Worte das erste Mal gehört hatte, war er bis ins Mark getroffen. Aber zu dem Zeitpunkt konnte er diesem Gefühl nicht nachgeben. Maja war in Gefahr, und trotz Sebastians Worten musste er alles in seiner Macht stehende tun um zu verhindern dass der erfahren würde wie sich das anfühlte, eine Tochter, ein Kind, zu verlieren. Dann war es vorbei, Maja in Sicherheit, und er hatte noch ein Grund zu trinken. Noch ein weiteres Bild das er vergessen wollte: Sebastian mit seiner Pistole im Mund.
Auf jeden Fall war er an dem Abend auf gutem Weg gewesen genau so betrunken zu werden wie er das geplant hatte. Ganz alleine an der Bartheke, nur die Flasche Whiskey, die ihm der Barkeeper überlassen hatte und er. Und dann war da diese junge Frau neben ihm gestanden. Hatte versucht mit ihm zu flirten, und sich von seinem höflich ablehnenden Verhalten nicht verscheuchen lassen. Irgendwann hatte sie ihm dann klar gesagt, dass er deprimiert aussähe, und sie ein gutes Mittel wüsste um sich für eine Weile abzulenken. Eins, das deutlich gesünder wäre als die zweite Hälfte der Flasche der ersten hinterher zu gießen. Und er hatte sie gemustert, kleiner als er, blonde lange Haare, nicht wirklich schlank, aber selbstbewusst. Eigentlich gar nicht sein Typ, aber in genau diesem Moment vielleicht genau das was er brauchte. Sie musste seine Antwort an seinem Gesicht abgelesen haben, denn sie grinste ihn an. Er hatte sie gewarnt, dass er nicht den Hauch von Interesse an einer Beziehung, oder überhaupt etwas anderem als etwas Ablenkung, hatte. Und sie hatte ihm versichert dass sie genau das auch wollte. Und wer war er schon einer Frau zu sagen was sie wirklich wollte? Sie waren in ein Hotel in der Nähe gegangen, und es war eine erfolgreiche Ablenkung gewesen. Bis dann irgendwann das Kondom geplatzt war. Das hatte dem Spaß ein Ende bereitet. Sie hatte ihm versichert sowieso auf der Pille zu sein, er hatte ihr trotzdem eine Visitenkarte gegeben, so dass sie ihn kontaktieren konnte, falls notwendig. Sie hatten nicht wirklich darüber gesprochen was „notwendig“ bedeutete. Es war ja eigentlich auch klar. Aber nachdem er monatelang nichts von ihr gehört hatte, hatte er es irgendwann vergessen. Oder verdrängt.
Ein Verdacht kam in ihm auf. Er versuchte, ihn beiseite zu schieben. Aber das war gar nicht so einfach. Denn ihm fiel kein vernünftiger Grund ein, warum er von einer Notarin nach ausgerechnet dieser Nacht gefragt wurde.
„Ein Kind? Ich habe ein Kind?“
Frau Götz schien einen Augenblick überrascht von seiner Frage – aber dann fing sie sich, und beantwortete sie.
„Das ist zumindest die Aussage von Frau Württemberger. Sie hat in meinem Beisein eine Vaterschaftsaussage unterschrieben.“
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas, und wünschte sich, dass etwas stärkeres als Wasser darin wäre.
„So, was sind jetzt die nächsten Schritte?“
„Ich habe einen Brief für Sie. Von Frau Württemberger. Und ein Foto des Mädchens, falls Sie es sehen wollen.“
Sie legte einen Brief und ein Foto auf den Tisch.
„Sie will nicht mit mir sprechen?“ Der Gedanke ließ ein flaues Gefühl in seinem Magen. Offensichtlich hatte er eine zweieinhalbjährige Tochter, von der er bis eben nichts gewusst hatte. Und ihre Mutter, die Person die ihm nichts von ihrer Existenz gesagt hatte, war nicht bereit, ihm Auskunft zu geben, warum sie es getan hatte.
„Sie kann nicht mit Ihnen sprechen. Sie ist heute morgen in ein Koma gefallen aus dem sie voraussichtlich nicht mehr erwachen wird.“
„Oh.“ Er nahm wie betäubt das Foto und sah es an. Die Ähnlichkeit mit Lili in diesem Alter drängte sich fast auf. Sie hatte seine Augen, und blonde Haare. Etwas mehr Babyspeck als Lilli je gehabt hatte. Aber überaus goldig.
Team: Scheibenwelt
Challenge: Schreibaufgabe - Rewrite
Fandom: Tatort Stuttgart
Rating: M
Pairing: Thorsten Lannert/Sebastian Bootz
Kommentar: Pünktlich zur Sommerchallenge hatte mich jegliche Inspiration verlassen. Und Schreibfähigkeit. Aber das hier ist jetzt doch noch gekommen. Ein Rewrite meiner Story "Eine goldige Überraschung" - hier auf AO3 - ich will es statt als Oneshot als Beginn einer längeren Geschichte nehmen.
Es war ein ruhiger und entspannter Tag. Er hatte zur Abwechslung mal keinen dringenden Fall, keine frische Leiche. Stattdessen wälzte er Akten von alten, ungelösten Fällen. Vielleicht fand sich ja aufgrund der Verbesserung der technischen Möglichkeiten der letzten Jahre eine neue Spur.
Mit irgend etwas musste er sich ja beschäftigen, während Sebastian auf dem Infoseminar zu dieser geplanten neuen Software war, deren Namen er sich immer noch nicht merken konnte. Oder wollte, weil er schon bei den Worten „neu“ und „Software“ in Verbindung miteinander ein ungutes Gefühl bekam. Jedes Mal wurden Verbesserungen versprochen, und jedes Mal war das neue Programm erstmal unbrauchbar.
Aus diesen Überlegungen wurde er durch das Klingeln seines Telefons gerissen.
„Ja?“
„Thorsten Lannert?“
„Am Apparat.“
„Mein Name ist Nadine Götz. Ich bin Notarin, und muss Sie in einer dringenden und etwas delikaten Angelegenheit sprechen. Könnten sie heute noch vorbei kommen?“
„Heute? Und können Sie mir mehr über diese Angelegenheit sagen? Welchen Fall sie betrifft, zum Beispiel?“
„Ja, heute, Und sie betrifft gar keinen Fall, also keinen ihrer Kriminalfälle. Es ist eine Sie persönlich betreffende Angelegenheit.“
„Er sah auf den Kalender, reflexartig. Dabei wusste er, dass er dort keinen anderen Termin hatte. Wenn nicht noch eine überraschende Leiche auftauchte, hatte er die ganze restliche Woche keine Termine. Und bei den Überstunden die er regelmäßig schob, konnte er auch einmal etwas früher Schluss machen.
„Passt Ihnen 16 Uhr?“ Das würde ihm eine Stunde geben. Was reichen sollte, auch in Stuttgarts Verkehr.
„Ja, das passt.“
Er notierte ihren Namen und die Anschrift – es war gar nicht so weit entfernt, bis in einer Stunde wäre er also gut dort. Genau genommen würde es sogar reichen, wenn er in einer halben Stunde los fuhr.
Aber er konnte sich nicht mehr auf die Akten konzentrieren. Eine dringende und delikate Angelegenheit, die ihn persönlich betraf, darunter konnte er sich absolut nichts vorstellen. Und der Name der Notarin hatte ihm auch nichts gesagt.
Bis er sich die Gedanken aus dem Kopf geschlagen hatte, war es dann auch Zeit, zu fahren. Unterwegs ging die Grübelei dann weiter – aber genauso erfolglos. Seine Eltern wohnten in Hamburg, und hätten bestimmt nichts mit einem Stuttgarter Notar zu tun. Geschwister hatte er keinen, und auch sonst keine Verwandten, die in der Nähe wohnten. Zumindest keine, von denen er wusste. Nun ja, bald würde er die Antwort erfahren.
Es dauerte dann doch noch etwas. Erst einmal musste er einen Parkplatz finden. Dann das richtige Büro, in dem nicht gerade kleinen Bürohochhaus. Und schließlich erklärte ihm die Sekretärin dass es ihr sehr Leid tue, aber Frau Götz würde sich doch um einige Minuten verspäten.
Schließlich kam eine blonde, kleine, nicht besonders schlanke Frau durch die Vordertür. Sie hatte es offensichtlich eilig, wirkte aber trotzdem nicht gehetzt. Und so, wie ihr hellgrauer Hosenanzug passte, war er zumindest nicht direkt von der Stange. Sie ging mit kurzem Nicken an ihm vorbei und an die Rezeption, wo ihr die Sekretärin einige Schriftstücke aushändigte, und dann zu ihm nickte. Die Dame kam auf ihn zu, und streckte ihre Hand zur Begrüßung aus.
„Guten Tag Herr Lannert. Tut mir Leid dass ich etwas zu spät bin. Der vorherige Termin ging etwas länger als gedacht, und der Verkehr – aber das kennen Sie ja selbst. Bitte, gehen wir am Besten in mein Büro. Hier entlang.“
Er hatte ihre Hand geschüttelt, aber keine Gelegenheit gehabt, selbst etwas zu sagen, bevor sie sich wieder umgedreht hatte, und ihn zu ihrem Büro führte. Dort bedeutete sie ihm, auf einem der Besucherstühle Platz zu nehmen, bevor sie ihm ein Glas und eine Flasche Wasser hinstellte, und sich dann hinter ihren Schreibtisch setzte.
„So, Sie werden sich sicher fragen, warum ich Sie her gebeten habe.“
Sie sah ihn fragend an, obwohl es sich ja mehr um eine Feststellung handelte. Er nickte.
„Ich vertrete eine gewisse Marion Württemberger.“ Sie sah ihn an, als erwartete sie eine Reaktion auf diesen Namen. Und ganz dunkel klingelte auch etwas, aber er konnte ihn nicht einordnen.
„Laut deren Aussage hatten Sie mit ihr vor etwas über drei Jahren – am [Datum] – Geschlechtsverkehr.“
So verwirrt er war, warum eine Notarin ihn darauf ansprechen sollte – bei der Nennung des Datums fiel der Groschen. Nicht, dass nicht „Geschlechtsverkehr mit einer Frau“ eigentlich die möglichen Kandidatinnen bereits extrem einschränkte. So sehr einschränkte, dass er das Datum eigentlich gar nicht gebraucht hätte, um zu wissen um wen es sich handeln musste. Immerhin stand er sowieso mehr auf Männer – und seit kurz nachdem er in Stuttgart angekommen war sogar nur auf einen bestimmten Mann. Andererseits war auch ein Irrtum möglich, oder gar eine Falschaussage. Aber dass jemand unbeteiligtes unter allen Tagen der vergangenen Jahre ausgerechnet das Datum auswählen würde, an dem er tatsächlich mit einer Frau geschlafen hatte – nun, das schien ihm unmöglich. Und er wusste das Datum so genau, weil es der Tag war, an dem seine Freundschaft mit Sebastian zerbrochen war. Oh, sie hatten inzwischen, nach über drei Jahren, wieder einen guten Schritt darauf zu gemacht. Aber es war, wie sie damals gesagt hatten. Sie würden nicht mehr die Alten sein. Das Datum war der Tag von Majas Entführung gewesen. Der Tag, an dem er so wütend auf diesen einen bestimmten Mann gewesen war, in den er schon so lange verliebt gewesen war. Und noch mehr als wütend war er verletzt und verängstigt gewesen. So sehr, dass er wirklich in eine Kneipe gegangen war mit dem Ziel sich zu betrinken. Betrinken, bis er Sebastians Worte nicht mehr hören konnte. „Du hast ja keine Tochter mehr zu verlieren.“
Als er diese Worte das erste Mal gehört hatte, war er bis ins Mark getroffen. Aber zu dem Zeitpunkt konnte er diesem Gefühl nicht nachgeben. Maja war in Gefahr, und trotz Sebastians Worten musste er alles in seiner Macht stehende tun um zu verhindern dass der erfahren würde wie sich das anfühlte, eine Tochter, ein Kind, zu verlieren. Dann war es vorbei, Maja in Sicherheit, und er hatte noch ein Grund zu trinken. Noch ein weiteres Bild das er vergessen wollte: Sebastian mit seiner Pistole im Mund.
Auf jeden Fall war er an dem Abend auf gutem Weg gewesen genau so betrunken zu werden wie er das geplant hatte. Ganz alleine an der Bartheke, nur die Flasche Whiskey, die ihm der Barkeeper überlassen hatte und er. Und dann war da diese junge Frau neben ihm gestanden. Hatte versucht mit ihm zu flirten, und sich von seinem höflich ablehnenden Verhalten nicht verscheuchen lassen. Irgendwann hatte sie ihm dann klar gesagt, dass er deprimiert aussähe, und sie ein gutes Mittel wüsste um sich für eine Weile abzulenken. Eins, das deutlich gesünder wäre als die zweite Hälfte der Flasche der ersten hinterher zu gießen. Und er hatte sie gemustert, kleiner als er, blonde lange Haare, nicht wirklich schlank, aber selbstbewusst. Eigentlich gar nicht sein Typ, aber in genau diesem Moment vielleicht genau das was er brauchte. Sie musste seine Antwort an seinem Gesicht abgelesen haben, denn sie grinste ihn an. Er hatte sie gewarnt, dass er nicht den Hauch von Interesse an einer Beziehung, oder überhaupt etwas anderem als etwas Ablenkung, hatte. Und sie hatte ihm versichert dass sie genau das auch wollte. Und wer war er schon einer Frau zu sagen was sie wirklich wollte? Sie waren in ein Hotel in der Nähe gegangen, und es war eine erfolgreiche Ablenkung gewesen. Bis dann irgendwann das Kondom geplatzt war. Das hatte dem Spaß ein Ende bereitet. Sie hatte ihm versichert sowieso auf der Pille zu sein, er hatte ihr trotzdem eine Visitenkarte gegeben, so dass sie ihn kontaktieren konnte, falls notwendig. Sie hatten nicht wirklich darüber gesprochen was „notwendig“ bedeutete. Es war ja eigentlich auch klar. Aber nachdem er monatelang nichts von ihr gehört hatte, hatte er es irgendwann vergessen. Oder verdrängt.
Ein Verdacht kam in ihm auf. Er versuchte, ihn beiseite zu schieben. Aber das war gar nicht so einfach. Denn ihm fiel kein vernünftiger Grund ein, warum er von einer Notarin nach ausgerechnet dieser Nacht gefragt wurde.
„Ein Kind? Ich habe ein Kind?“
Frau Götz schien einen Augenblick überrascht von seiner Frage – aber dann fing sie sich, und beantwortete sie.
„Das ist zumindest die Aussage von Frau Württemberger. Sie hat in meinem Beisein eine Vaterschaftsaussage unterschrieben.“
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas, und wünschte sich, dass etwas stärkeres als Wasser darin wäre.
„So, was sind jetzt die nächsten Schritte?“
„Ich habe einen Brief für Sie. Von Frau Württemberger. Und ein Foto des Mädchens, falls Sie es sehen wollen.“
Sie legte einen Brief und ein Foto auf den Tisch.
„Sie will nicht mit mir sprechen?“ Der Gedanke ließ ein flaues Gefühl in seinem Magen. Offensichtlich hatte er eine zweieinhalbjährige Tochter, von der er bis eben nichts gewusst hatte. Und ihre Mutter, die Person die ihm nichts von ihrer Existenz gesagt hatte, war nicht bereit, ihm Auskunft zu geben, warum sie es getan hatte.
„Sie kann nicht mit Ihnen sprechen. Sie ist heute morgen in ein Koma gefallen aus dem sie voraussichtlich nicht mehr erwachen wird.“
„Oh.“ Er nahm wie betäubt das Foto und sah es an. Die Ähnlichkeit mit Lili in diesem Alter drängte sich fast auf. Sie hatte seine Augen, und blonde Haare. Etwas mehr Babyspeck als Lilli je gehabt hatte. Aber überaus goldig.
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Date: 2022-09-30 08:42 pm (UTC)no subject
Date: 2022-09-30 09:12 pm (UTC)