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Team: Mittelerde
Challenge: Crack/Humor - Die Hoffnung stirbt zuletzt (für mich & die Weltherrschaft!)
Fandom: Harry Potter
Charaktere: Ron Weasley, George Weasley
Wörter: ~ 1260
A/N: folgt auf den Terminkonflikt.



„Der ist nicht für dich bestimmt“, kam es ein wenig pampiger aus Ron raus als geplant, als er die Flasche Scotch aus Georges Hand schnappte und sie in den Schrank neben dem Bücherregal stellte, auf das damals Hermine bestanden hatte, dass er es sich anschaffte. Es standen weniger Bücher darin, als Platz dafür war, doch es hatte sich in den letzten Jahren mit genug anderem Kram, meist kleine Mitbringsel von Reisen und Geschenken von der Familie, allen voran von Rons Nichten und Neffen, von denen es mittlerweile wirklich viel zu viele gab, gefüllt. Ron mochte dieses unübersichtliche Sammelsurium, vor allem weil niemandem auffiel, wenn er einen weiteren Gegenstand dazu stellte, den er vielleicht, vielleicht auch nicht, von Malfoy bekommen hatte oder der ihn an eines ihrer Treffen erinnerte. So stand zum Beispiel ein sehr hässliches, sehr zerfranstes Cocktail-Schirmchen aus der Karibik zwischen einem selbstgebastelten Butterbierkorkenmännchen von Bills Tochter (es hatte drei Arme und einen Kopf so groß wie der Rest des Körpers) und einer knallgelben Quietscheente mit einem blauen Zauberhut mit Sternchen auf dem Kopf, das er von seinem Vater bekommen hatte. „Ich weiß immer noch nicht, wozu die gut sind, aber guck, was die Muggel glauben, wie unsere Hüte aussehen. Verrückt“, hatte sein Vater breit grinsend gesagt und Ron hatte nicht anders gekonnt, als das Ungetüm in sein Regal zu stellen.

Als Ron sich wieder umdrehte, sah George ihn nur kopfschüttelnd an. „Da kommt man extra von so weit her und der eigene Bruder gönnt einem nicht einmal den guten Whisky.“

„Du wohnst nur zwei Straßen von hier entfernt.“

„Ich komme von der Arbeit“, erwiderte George, als würde das einen signifikanten Unterschied machen. „Das ist doppelt soweit.“

„Und du bist sicher zu Fuß gegangen und bist nicht so nah wie möglich appariert. Klar.“ Ron ließ sich neben seinen Bruder aufs Sofa fallen, während er fieberhaft überlegte, wie er ihn so schnell und unauffällig wie möglich wieder loswerden konnte. Nichts gegen George, die Abende mit ihm waren immer klasse, aber sie konnten wirklich ausarten und Ron wollte Malfoy es nicht antun, den gesamten Abend und die halbe Nacht in seinem Schlafzimmer ausharren zu müssen.

Zu Rons Überraschung kam von George keine witzige oder frotzelnde Erwiderung, er sah Ron nur mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Dann nickte er langsam. „Ok, kleine Bruder. Raus mit der Sprache. Wen hast du in deinem Schlafzimmer vor mir versteckt?“

„Was?“ Ron verschluckte sich mit Mühe nicht an seiner Spucke. Doch es schien keinen Unterschied zu machen, denn das Grinsen, das sich auf Georges Gesicht schob, verhieß nichts gutes. „Ich- ich habe niemanden in meinem Schlafzimmer versteckt.“

George schüttelte den Kopf. „Man sollte meinen, dass du besser im Lügen wärst. Mit deinen ganzen Abenteuern während der Schulzeit und als Fluchbrecher, aber.. beim Barte des Merlin, lügst du schlecht.“

Ron schluckte. „Willst du nachsehen? Nur zu, guck dich um, da ist niemand in meinem Schlafzimmer.“ Sein Herz pochte wie wild in seiner Brust.

„Ich glaub, ich muss mal mit Ginny reden. Sie sollte dir dringend, wirklich dringend einen Crash-Kurs im Lügen geben. Ehrlich mal, ohne sie wärt du und Harry in der Schule mit nichts durchgekommen, oder? Wie habt ihr es nur geschafft, Voldemord so oft auszutricksen, wenn man eure Lügen schon aus einer Meile Entfernung riechen kann?“

„Voldemord hatte keine Nase“, kam es aus Ron heraus, bevor er wusste, was er sagte.

Einen Moment war es still, dann lachte George los und steckte Ron an.

„Okay, der war gut. Ich bin beeindruckt“, prustete George und hielt sich die Seite. „Aber jetzt zurück zum Thema.“ Er atmete tief ein und stieß die Luft langsam wieder aus, bis er nicht mehr so stark lachte und Rons Herz sank. „Wen verheimlichst du uns? Welche arme Sau ist gezwungen in deinem Schlafzimmer zwischen deinen müffelnden Socken und dreckiger Wäsche auszuharren, bis ich weg bin?“

„Niemanden. Hab ich doch schon gesagt.“

„Und ich kann dir immer noch ansehen, dass du lügst, Bruderherz. Denn deine Nasenspitze ist rot wie eine Kirsche und das beißt sich ziemlich mit deinen Haaren. Also, Mund auf und raus mit der Wahrheit. Wer ist der unglückliche Mann, der offenbar und aus vollkommen unerfindlichen Gründen an dir Gefallen gefunden hat?“

Ron starrte George an. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Hatte er wirklich 'Mann' gesagt?

„Guck nicht so entsetzt. Natürlich weiß ich, dass du auch auf Männer stehst. Das ist nichts neues. Fred und ich haben schon vor Ewigkeiten gegen Bill gewettet, der davon überzeugt war, dass du hetero bist. Bis vor ein paar Jahren, da hat Bill es dann auch geschnallt.“

„A-aber...“ Ron wusste nicht, was er sagen sollte. Er hatte nicht gedacht, dass es irgendjemand wusste, er hatte es seiner Familie nie gesagt, aber er hatte auch nie etwas Gegenteiliges behauptet. Er hatte, nach der Sache mit Hermine, einfach beschlossen, seinen Beziehungsstatus unerwähnt zu lassen, bis es wirklich relevant wurde.

„Hey, mach dir keinen Kopf. Wir konnten ja nicht nur Charlie haben, der mit nem Kerl nachhause kommt.“

„Aber woher weißt du...?“ Dass Ron gerade Männerbesuch hatte. Auch wenn Malfoy weder sein Freund in dem Sinne war, wie George dachte, noch jemals auf diese Weise Interesse an ihm haben würde. Was wahrscheinlich auch besser so war; Ron konnte sich kaum selbst erklären, warum er Malfoy, nach allem, mochte, wie sollte er das dann seiner Familie und allen voran Harry klarmachen?

„Also erstens, habe ich Stimmen gehört, als ich stundenlang darauf gewartet habe, dass du mich endlich reinlässt, zum anderen war da das nicht zu verkennende Wort 'Schlafzimmer' aus deinem Mund zu vernehmen, ehrlich, Lügen und Flüstern solltest du beides noch mal lernen, und zu guter Letzt steht ein Paar schwarzer Männerstiefel in deinem Flur, das dir definitiv zu klein ist.“

Scheiße, wieso hatte er die Schuhe vergessen?

„Wieso hast du nie was gesagt?“, wollte Ron wissen. Das war nichts, worüber George und auch Fred damals, keine Witze reißen würden. Charlie durfte sich bis heute Georges Sticheleien anhören. Wieso hielt er es bei Ron anders?

„Weil es unhöflich ist, jemand anderen zu outen. Und da du es uns selbst noch nicht gesagt hast, waren wir verdammt zu schweigen, bis du selbst mit der Sprache rausrückst. Oder du uns endlich deinen Freund präsentierst. Das geht doch jetzt schon ne Weile, hab ich recht?“

Ron schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen Freund. Also, keinen festen Freund. Nur einen Freund.“

„Und warum versteckst du ihn dann vor mir in deinem Schlafzimmer?“ George zwinkerte grinsend. „Mach mir nichts vor. Wenn er nur ein Freund wäre, hätten wir auch zu dritt einen netten Abend haben können, aber... wenn du ihn mir noch nicht vorstellen willst, dann ist das eben so.“ George stand auf und ging Richtung Flur, drehte sich aber nochmal zu Ron um. „Aber ich hoffe doch sehr, dass du ihn uns bald vorstellst. Er scheint dir gutzutun. Du wirkst glücklicher. Und du verdienst es, endlich glücklich zu sein. Außerdem könnte ich die 10 Galleonen von Bill wirklich gut gebrauchen. Die er mir aber erst geben wird, wenn du der Familie sagst, dass du bi bist. Und wenn du es innerhalb des nächsten Monats tust, krieg ich noch mal 5 Galleonen extra.“

„Ihr habt darum gewettet, wann ich mich oute?“

George zuckte mit den Schultern. „Tja, Bruderherz, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und jetzt widme dich wieder deinem Freund. Verbock's nicht. Falls er die letzte halbe Stunde in deinem Käsefuß-Duft überlebt hat.“ George zwinkerte und lachte beim Hinausgehen. „Ach ja“, rief er, bevor die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss fiel. „Wehe du brichst meinem Bruder das Herz, Malfoy!“



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