[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Digimon
Pairing: DaiKeru/TakeDai
Challenges: #1 90% aller Unfälle passieren im Haushalt, #6 "Sag, wenn ich die Klappe halten soll!"
Warnung: absoluter fluff, nehme ich an
Widmung: Rei

Es ist alles andere als ich eigentlich wollte, die Idee ist ausgelatscht und...ähm egal.
Ich hoffe, es gefällt dir trotzdem ein bisschen. ö.ö

Der Mond schien fahl durch die Kiefernäste, fahl und sanft.
Es hatte etwas durchaus Tröstliches an sich, auch wenn ich nichts davon bemerkte. Das Problem, dem ich mich gerade widmen musste, war der Stein, der genau vor mir lag und über den ich just in diesem Augenblick stolperte.

„Der Baum hier kommt mir bekannt vor.“, sagte Daisuke zwei Schritte vor mir dumpf. Er klang wie bereits eingeschlafen.
„Der Baum kann dir doch gar nicht bekannt vorkommen, du Genie!“, meckerte ich in den Matsch und versuchte mich mit den Armen wieder vom Waldboden hochzustemmen.
„Als ob du bei der Finsternis einen Baum vom anderen unterscheiden könntest!“

Picknick im Wald, na klar.
„Lass uns die Abkürzung nehmen und vor den anderen am Bahnhof sein!“, hatte Daisuke gesagt.
Solche Sachen hatte er doch schon in der Digiwelt dauernd draufgehabt.
Warum eigentlich war ich ihm hinterhergestürzt und hatte ihn sich nicht alleine verlaufen lassen?

Mein Knie war aufgeschürft und mein Blut hatte im weißen Mondlicht etwas durchaus Interessantes. Ich war müde, ich hatte Hunger und Durst und wollte verflucht nochmal, endlich in mein Bett.

Ich lief zehn Schritte hinter Dai her und sah die überstehende Baumwurzel viel zu spät.
„Vorsicht.“, murmelte er als ich mich schon im Fall befand.
Dann spürte ich etwas Matschiges an meinen Händen, mit denen ich versucht hatte, mich abzustützen. Wahrscheinlich fasste ich gerade mitten in eine Nacktschnecke.

„Okay, jetzt reicht´s!“, grollte ich und setzte mich in die Pampe von Waldboden und Würmen und Schnecken und was hier sonst noch herumfleuchte.
„Wir gehen keinen Schritt mehr weiter, das hat keinen Sinn hier.“

„Wie meinst du das?“
Daisuke drehte sich endlich zu mir um. Ich konnte ihn in der Dunkelheit kaum erkennen, das Mondlicht spiegelte sich lediglich in den Gläsern von Taichis Fliegerbrille wieder.
„Wir müssen doch weiter.“

Jetzt musste ich schnaubend lachen;
„Wo willst du denn hin? Man sieht die Hand vor Augen nicht und du willst weiterlaufen! Das macht keinen Sinn.“
„Ja, aber...“
Er stand ratlos vor mir.
„..der Zug!“

„Der letzte Zug ist vor einer Stunde gefahren.“, informierte ich ihn.
„Selbst wenn wir den Bahnhof erreichen, in diesem Kaff fährt vor sechs Uhr bestimmt nichts. Wir sind hier auf dem Land, falls du´s vergessen haben solltest. Außerdem habe ich keine Lust auf noch mehr Unfälle.“
Widerwillig rappelte ich mich doch auf. Meine Hose starrte bereits vor Dreck, es war kalt und feucht zwischen den Bäumen. Da wir nur zum Picknicken gefahren waren, hatten wir natürlich keinerlei Campingausrüstung dabei. Den Korb, in dem sich noch ansatzweise Essen befunden hatte, hatte Taichi mitgenommen.

„Ach, es wird schon nichts passieren.“, versuchte Daisuke mich einzuwickeln.
„Ich hab mal gelesen, dass 90% aller Unfälle im Haushalt passieren. Und ich passe auf, dass du dir nichts tust, okay?“
Er schaute mich hoffnungsvoll an- ich hatte zumindest den Eindruck, denn ich sah sein Gesicht nicht.
„So wie du eben aufgepasst hast?“, blaffte ich.
„Wenn 90% der Unfälle im Haushalt passieren, dann passieren die restlichen 10% im Wald!“

Ich versuchte, mir Dreck von Klamotten zu wischen und überlegte fieberhaft, wann ich die letzte Impfung gegen Wundstarrkrampf bekommen hatte.

„Es hat keinen Sinn, okay?“
Ein Versuch, ihm das ganze nochmal sanft beizubringen, konnte wahrscheinlich nicht schaden.
„Wir suchen uns hier ein Plätzchen zum Schlafen und morgen früh, wenn wir wieder was sehen, laufen wir weiter. So weit ab vom Schuss können wir nicht sein, bei dem Trampelpfad hier ist das bestimmt irgendein Pilgerweg und...“

Ich sah wie die Brillengläser sich hektisch hin und herbewegten. Offensichtlich hörte mein Freund gar nicht zu.
„Sag, wenn ich die Klappe halten soll!“, blaffte ich beleidigt.

„Wir können doch aber nicht hierbleiben, Takeru! Wer weiß, was hier für Viehzeug rumläuft!“
„Daran hättest du denken müssen, als du mit deiner bescheuerten Abkürzung gekommen bist!“
Okay, meine Stimme war nun so laut, dass sie an Baumstämmen widerhallte. Ich war so von mir selbst erschrocken, dass eine Pause entstand.
Der Wind rauschte sanft in den Wipfeln.

Daisuke stand vor mir und biss sich auf die Unterlippe. Inzwischen stand ich nahe genug an ihm, um endlich sein Gesicht zu erkennen. Meine Nachtsicht war, gelinde gesagt, für den Arsch. Gedanklich trug ich mir selbst auf, mehr Möhren zu essen.
„Aber...“, japste Dai.
„Das Viehzeug...“

Es war wirklich seltsam mitanzusehen, wie ängstlich er mit einem Mal wirkte. Ohne Digimon und Digiwelt, in einem stinknormalen Wald bei Mitternacht hatte er etwas Verlorenes und Verschüchtertes an sich.
„Pass auf!“
Ich hatte meinen Rucksack abgestellt und zerrte die Picknickdecke hervor, die ich Hikari vorhin glücklicherweise abgenommen hatte.
„Wölfe wurden ausgerottet, Bären gibt es hier nicht und Füchse und Dachse sind scheu. Bleiben also nur noch Kaninchen und Mäuse und Eulen. Eulen werden uns wohl kaum beachten und vor Kaninchen und Mäusen wirst du doch wohl keine Angst haben.“
Ich wusste überhaupt nicht, warum ich ihn eigentlich beschwichtigen wollte.
Ich gehörte getröstet, weil ich hinter ihm hergelaufen war.
Er schuldete mir, verdammt nochmal, ein weiches Bett, eine Dusche und ein paar Kekse.

Außerdem hatte ich ihm die Wildschweine verschwiegen. Einen panischen Daisuke konnte und wollte ich nicht gebrauchen.
Zudem hatte er doch keine Chance. Um mich von hier fortzubewegen, hätte er mich Huckepack nehmen müssen.

Also legten wir uns auf die Picknickdecke und mummelten uns ein wenig mehr in unsere Jacken ein. Mein Magen knurrte. Wenn man sich auf den Rücken legte und in die Baumwipfel hochschaute, konnte man ihnen beim Schwanken zusehen. Das machte schwindlig. Und in der Ferne hörte man das leise Rattern von einem Nachtzug, der durch den Bahnhof fuhr. Er konnte also wirklich nicht weit sein.

„Wollen wir nicht doch? Wir können doch dem Geräusch folgen...“
„Dem Geräusch, was man alle drei Stunden für zwei Sekunden hört?!“
Mein Sarkasmus kämpfte Daisuke nieder.
Ich fummelte mein Handy, dessen Aku vor zwei Stunden ausgegangen war, zum zehnten Mal hervor und steckte es wieder in die Tasche zurück wie Jack Sparrow, der die Pistole mit nur einer Kugel hervorfischt und in den Gürtel zurückstopft.
Murphy hasste mich.

„Es ist meine Schuld, dass wir hier sind.“, murmelte Dai neben mir.
„Ja, ist es.“
„Wären wir auf dem richtigen Weg gegangen, würden wir jetzt zu Hause sein.“
„Ja, würden wir.“
Er hob den Kopf;
„Sag wenn ich die Klappe halten soll!“
Es war eine Parodie auf meinen Satz vorhin, nachgeäfft und beleidigt.
Ich drehte mich von ihm weg;
„Halt die Klappe!“

Die Stille rieselte wie Kiefernnadeln auf uns herab als wir so dalagen. Plötzlich konnte ich Geräusche von nachtaktiven Vögeln in der Stille hören, Geraschel im Dickicht neben mir. Vielleicht war es nur ein Igel, aber womöglich auch ein Wildschwein. Oder zwei oder drei. In der Ferne knackten Äste.
Es half nichts. Mein Herz raste vor Anspannung und Angst.

Ganz langsam wandte ich mich auf den Rücken. Das Blut rauschte laut in meinen Ohren. Klarer Fall- auch wenn ich es nicht zugab, dieser Scheißwald bereitete mir eine höllische Angst.
Im nächsten Augenblick flog ein Schatten über mich- vielleicht eine Krähe oder Eule.
„Dai“, ächzte ich stimmlos, da spürte ich schon, wie er mich in seine Arme zog, wahrscheinlich, weil er es auch gesehen hatte und sich aus Angst an mich klammern wollte.

Plötzlich empfand ich Mitleid mit ihm.
Und mir wurde klar, dass er hier ganz allein sein würde, wenn ich vorhin nicht hinter ihm hergesprintet wäre. Mir wurde klar, dass Anfeindungen und Besserwissereien mir jetzt auch nicht weiterhelfen würden. Die Nacht war wahrhaftig und man kann sie in einem Wald wahrscheinlich nicht alleine überstehen.

Ich legte die Arme um Daisuke, kraulte meine Finger in das weiße Fell am Kragen seiner Jacke ein und lauschte auf den fremden, schweren Atem, der sich nun ganz langsam etwas zu beruhigen schien.

„Ist schon okay.“, hörte ich mich flüstern. Wahrscheinlich wollte ich mich nur selbst beruhigen.
„Es passiert schon nichts.“

Dann spürte ich ein angstfeuchtes Küsschen an meiner Wange, die Visitenkarte eines Daisuke Motomiya, der ein „Verzeih mir bitte“ ungern in Worte zu fassen pflegte.
Warm und freundlich.

Alles, was ich heute noch von dieser Nacht weiß, ist, dass sie um die Sommersonnenwende herum war, doch für uns beide die längste Nacht unseres Lebens gewesen ist. Weder er noch ich taten ein Auge zu.
Wir verbrachten die Zeit damit, uns gegenseitig miteinander abzulenken um nicht allzu sehr auf andere Geräusche zu achten.

Aber wenigstens der helle, runde Mond und Millionen Sterne passten auf uns auf. Hoffte ich zumindest.

Date: 2008-06-16 12:05 am (UTC)
ext_184151: (TK amazing)
From: [identity profile] nyx-chan.livejournal.com
*icon, weil er zur FF passt, rauskram* ^^

Ich find es niedlich. Sehr flauschig. Und irgendwie fällt mir auch mehr dazu nicht ein, weil ich kalte Füße habe und mit Grauen daran denke, dass es in zwei Wochen bestimmt nicht wieder so heißt wie vor einer Woche sein wird und ich im Wald campen werde und ich niemanden zum ankuscheln haben werde wie die beiden. X'D

Date: 2008-06-16 07:16 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Hach, das war so süß. *__*
Vielen lieben Dank fürs Schreiben!
Takeru ist so schön am meckern und am Ende dann doch ganz lieb, und Daisuke hat mal wieder nur doofe Ideen, aber man kann ihm dann auch nicht böse sein, wenn er am Ende so kleinlaut und zerknirscht ist.
*ihn puschel*
Im übrigen finde ich den Plot gar nicht ausgelutscht, sondern immer wieder toll. ;D
Der dunkle Wald ist wirklich nicht grade der Ort wo man spät abends noch sein möchte und man versteht Takerus Frust, aber wie sie dann am Ende da zusammen sind und sich "ablenken" (ja ja, so nennt man das also... xD) das ist einfach zu schön.

Hoffentlich kriegt Takeru am Ende auch noch Bett, warme Dusche und Kekse ... ich setze einfach mal voraus, dass Daisuke bei allem mit dabei sein darf. ^___^

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios