R/I - Jahrestage (fürs Team)
Aug. 30th, 2022 07:22 pmChallenge: R/I - Jahrestage (fürs Team)
Fandom: Harry Potter
Charaktere: Ron Weasley, Draco Malfoy
Wörter: ~ 1120
A/N: Ich weiß nicht, was das ist, aber da treffen sich zwei alte Rivalen in einer Bar... oder so.
"Das war ja mal wieder klar; da reist man ans andere Ende der Welt und selbst hier begegnet man einem Weasley." Die Art und Weise, wie der Mann neben Ron den Namen 'Weasley' betonte, mit Arroganz und Verachtung, versetzte Ron direkt zurück in die Schulzeit und er musste nicht einmal von seinem Whiskyglas, das sich für seinen Geschmack viel zu schnell leerte, aufsehen, um zu wissen, wer sich da neben ihn setzte.
"Malfoy." Er bemühte sich, die gleiche Menge Abneigung und Verachtung in seine Stimme zu legen, wie Draco Malfoy zuvor, merkte aber, wie er scheiterte. Es war ihm egal.
Malfoy rutschte auf dem Barhocker ein wenig herum und bestellte dann beim Barmann ebenfalls einen Whisky.
"Potter auch hier?"
Ron schüttelte den Kopf, leerte sein Glas und bedeutete dem Barmann wieder aufzufüllen.
"Weasley ohne Potter?" Von Malfoy kam ein Lachen. "Dass ich das noch erleben darf."
"Kommt öfter vor", sagte Ron ohne darüber nachzudenken, mit wem er da gerade redete. "Viel beschäftigter Mann, so als Auror und mit den zwei Kids…"
Ron sah aus dem Augenwinkel den blonden Haarschopf Malfoys auf und ab nicken. "Kann ich mir vorstellen. Und dann noch das ganze öffentliche Interesse…"
"Du hast den Artikel im Tagespropheten gelesen?" Dieser Artikel lag Ron immer noch quer im Magen. Rita Kimmkorn hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet und den groß ausgelegten, mehrere Seiten langen Bericht zum Gedenken des Jahrestags des Angriffs auf Hogwarts zu einer einzigen Huldigung auf den Auserwählten, den der überlebt hatte, den Bezwinger des dessen Namen nicht genannt werden durfte, klingen zu lassen. Kaum ein einziges Wort war über den Kampf verloren worden, geschweige denn über die Opfer, die er gebracht hatte. Kein Wort von all denen, die sie an diesem Tag vor 10 Jahren verloren hatten.
Malfoy schüttelte den Kopf. "Nicht gelesen, nur gesehen. Potters dummes Gesicht und die Überschrift haben mir schon gereicht. War nicht gut?"
Ron stieß ein verächtliches Lachen aus. "Was erwartest du von Rita Kimmkorn?"
"Kimmkorn? Scheiße, die darf wieder für den Propheten schreiben?", wunderte Malfoy sich.
"Scheint so", grummelte Ron und nahm einen Schluck von seinem Whisky. Es war guter Scotch Whisky. Ein Hoch auf die Ex- und Import-freudigen Muggel. So bekam man auch in der Karibik einen guten Drink.
Eine Weile verbrachten sie in überraschend angenehmer Stille, dann räusperte Malfoy sich. "Potter ein Auror. Granger im Ministerium. Was machst du, Weasley?"
„Was interessiert's dich?“
„Tut's gar nicht. Dachte nur, ich frag mal. Über dich steht nie was in der Zeitung.“ Es klang nicht mal halb so heranlassend, wie ein solcher Kommentar von Malfoy früher gewesen wäre, mehr wie eine einfache Feststellung, trotzdem spürte er eine kurzen Stich in seiner Brust. Eigentlich hatte er nichts dagegen, dass er nicht so in der Öffentlichkeit stand wie Harry und Hermine, es hatte seine Vorteile, seine Freiheiten, wenn nicht jeder Schritt, den man machte, unter Beobachtung stand, trotzdem konnte er sich nicht ganz dem Gefühl verwehren, sich, wie damals schon, wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen. Besonders, wenn sich alle um ihn herum nur noch über Harry und Hermine unterhalten wollten, wenn sie erfuhren, dass er mit ihnen befreundet war.
Malfoys Frage nach seinem Beruf, war fast schon eine erfreuliche Abwechslung.
"Fluchbrecher", sagte er deshalb und nahm einen großen Schluck seines Whiskys.
"Fluchbrecher? Nicht schlecht.“ Malfoy klang tatsächlich beeindruckt. „Aber wolltest du nicht mal Auror werden?"
Ron zuckte mit den Schultern. "Pläne ändern sich." Das war alles, was er zu diesem Thema zu sagen hatte und sagen würde. Und das lag nicht nur daran, dass Malfoy sein Gesprächspartner war. Ausgerechnet Malfoy, die meistgehasste Person aus ihrer Schulzeit.
"Ja, Pläne ändern sich." Malfoy klang resigniert, fast schon traurig, und Ron konnte nicht anders, als seinen Blick das erste Mal an diesem Abend auf ihn zu richten.
Malfoys blondes Haar lag in genau der gleichen Frisur wie vor 10 Jahren auf seinem Kopf, wenn auch etwas matter als früher. Seine bestechend blaugrauen Augen starrten ausdruckslos auf sein Whiskyglas hinunter. Deutliche Falten hatten sich um seine Augen und in seinen Mundwinkeln gebildet, die ihn älter wirken ließen, als er eigentlich war. Es wunderte Ron nicht, nach allem was sie durchgemacht hatten, was Malfoy als ehemaliger Todesser durchgemacht hatte. Die Anhänger Voldemorts hatten nach dem Fall ihres Anführers vollkommen zu recht, keine gute Zeit gehabt. Sie waren verfolgt worden, waren nirgendwo sicher gewesen, egal wohin sie geflohen waren, ihre Gesichter hatten, wie damals die der Muggel-stämmigen Zauberer, auf Fahndungsplakaten an gefühlt jeder geeigneten Wand gehangen, und die meisten von ihnen waren früher oder später in Askaban gelandet. Malfoy schien dem entgangen zu sein und Ron war sich nicht sicher, warum ihn dieser Fakt nicht mehr störte. In den ersten Jahren hatte er sich daran erfreut, sich vorzustellen, wie Malfoy im Gefängnis versauerte, doch jetzt, in diesem Moment, hätte es ihm nicht egaler sein können.
Es hatte schon fast etwas tröstliches, an diesem Tag, dem Jahrestag, nicht allein zu sein, jemanden bei sich zu haben, der wusste was passiert war. Eigentlich hatte Ron gedacht, dass ihm der Abstand guttun würde, dass ihm nichts besseres hatte passieren können, ausgerechnet jetzt am anderen Ende der Welt zu sein, nicht bei seiner Familie, seinen Freunden, dort wo ihn alles und jeder erinnerte. Doch je länger Ron von zuhause weg war, von den Menschen, mit denen er in seiner Trauer verbunden war, desto mehr vermisste er sie und einfach das Gefühl, nicht allein zu sein. Denn hier wusste niemand Bescheid, was damals passiert war, oder aber es interessierte niemanden, weil es viel zu weit weg gewesen war.
Obwohl Malfoy sicher nicht den gleichen Schmerz empfand wie er, nie verstehen würde, wie Ron sich heute oder an jedem anderen dieser beschissenen Jahrestage, fühlte, was der Kampf gegen Voldemort mit ihm gemacht hatte, weil er auf der anderen Seite gestanden hatte, für den Feind gekämpft hatte, so hatte er doch subjektiv gesehen, für die gleiche Sache gekämpft; für sein Leben und das Leben seiner Familie. Er hatte nichts dafür gekonnt, dass seine Eltern Todesser gewesen waren, dass sie die Ansichten des Dunklen Lords unterstützt hatten und Draco auf dieses Weise erzögen hatten. Malfoy hatte es schlicht und einfach nicht besser gewusst. Ron hatte lange gebraucht, das zu verstehen. Auch wenn Erziehung und Unwissenheit allein kein Grund war, sich wie das kleine Arsch zu verhalten, das Malfoy damals gewesen war, doch Familie war Familie, und wenn nicht Ron, wer verstand besser, was man alles für seine Familie tat?
Ron hob sein Whiskyglas und hielt es Malfoy hin, der ihn verdutzt ansah, dann aber sein Glas ebenfalls hob und es leicht mit dem Boden gegen Rons stieß.
„Aufs Überleben“, sagte Ron.
„Aufs Überleben“, wiederholte Malfoy und leerte sein Glas mit einem großen Schluck. „Der nächste Drink geht auf mich.“
no subject
Date: 2022-09-11 08:50 am (UTC)Scotch in der Karibik, sich ändernde Pläne, alles. ♥
no subject
Date: 2022-09-11 11:00 am (UTC)vielen Dank dir für den Toast, der passt hervorragend <3