Orte - Zwischen den Stühlen (fürs Team)
Aug. 9th, 2022 04:41 pmChallenge: Orte - Zwischen den Stühlen (fürs Team)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Adam Schürk, Leo Hölzer, Esther Baumann, Dr. Henny Wenzel
Wörter: ~ 870
A/N: folgt hierauf, die Gang am Tatort
Der Tatort lag, zu Adams Erleichterung, am anderen Ende des St. Johannen Markt, als das Café, in dem er eben noch gewesen war. Nicht, dass er erwartete, dass er seiner Mutter noch über den Weg laufen würde, sie war sicher schon längst gegangen, doch es beruhigte ihn irgendwie.
Der Antiquitätenladen, in dem die Leiche gefunden worden war, war großräumig abgesperrt und Streifenpolizisten waren damit beschäftigt, eine ganze Schar Gaffer zurückzuhalten. Adam hasste solche Menschen - mehr noch als die anderen. Hatten die nichts besseres zu tun? Adam schob sich hinter Leo und Esther her durch die Menge, froh als er sich endlich unter der Absperrung hindurch ducken konnte.
Im Antiquitätenladen herrschte fast genauso großes Treiben, wie draußen auf der Straße; die Kollegen von der Spurensicherung in ihren weißen Ganzkörperanzügen arbeiteten sich zwischen den unzähligen antiken Möbelstücken und Deko-Artikeln hindurch, auf der Suche nach Spuren oder Hinweisen, machten Fotos und nahmen Fingerabdrücke, besonders von den Stücken, die, wie es schien, in einer Auseinandersetzung umgestoßen worden waren.
Sie fanden Henny und die Leiche in einem zweiten Raum, hinter der Kasse, der sowohl als Kaffeeküche als auch Büro diente. Ein kleiner Tresor stand in einer Ecke. Er war offen und gab den Blick auf gähnende Leere frei. Nur ein paar vereinzelte Papiere lagen noch im untersten Fach, ebenso wie auf dem Boden vor dem Tresor.
"Raubüberfall?", sprach Leo Adams Gedanken aus und Adam grummelte bestätigend, bevor sie sich Henny zuwandten.
"Hallo, Frau Wenzel", sagte Leo und zückte sein kleines Notizbuch und Stift. "Was haben Sie für uns?"
"Mord im Affekt, würde ich sagen", antwortete Henny gut gelaunt wie immer. "Sehen sie hier", sie deutete auf die Kante der Sitzfläche eines alten, extravaganten und einfach potthässlichen Stuhls, an der eindeutig Blut klebte. "Das Opfer ist mit dem Hinterkopf darauf geschlagen, den Ausmaßen der Wunde nach zu urteilen, vermutlich mit Schwung."
"Als wäre sie gestoßen worden?", fragte Leo und machte sich eine Notiz in sein Büchlein, als Henny bestätigte. "Sonst irgendwelche Verletzungen oder Auffälligkeiten?"
"Weitere Spuren, die auf eine körperliche Auseinandersetzung hindeuten; frische Hämatome am Arm" Henny deutete auf den linken Arm, der nach hinten über den Kopf des Opfers gestreckt zwischen den Stühlen lag und einen großflächigen aber schwachen Bluterguss knapp über dem Handgelenk aufwies. "Einen weiteren hier im Gesicht", sie drehte den Kopf des Opfers zur Seite, um ihnen die gerötete linke Wange zu zeigen, "definitiv von einem Schlag herrührend, und unter ihren Fingernägeln habe ich Hautfetzen sichergestellt."
"Sie hat ihren Angreifer gekratzt?", wollte Leo wissen. Adam liebte diese Momente, wenn Leo genau die gleichen Fragen stellte, wie Adam - nur deutlich freundlicher und mit weniger Schimpfworten. Bei Adam hätte in der gerade gestellten Frage mit Sicherheit eine wie auch immer geartete Form des Wortes 'Arsch' gesteckt.
"Würde ich vermuten", bestätigte Henny.
"Wie lang ist das Opfer schon tot?"
"Eine Stunde, maximal zwei."
"Mord in der Mittagspause? Wie unhöflich", fand Adam.
"Erklärt aber, warum es niemand mitbekommen hat. Das Opfer hat sicher um Hilfe geschrien." Leo machte sich eine weitere Notiz. "Wer hat die Leiche gefunden?"
"Die Angestellte von Frau Pohl, Elisa Müller", antwortete Esther, die gerade den Raum betreten hatte. "Sie war zur Mittagspause mit ihrem Mann essen, in einem Café auf der anderen Seite des Markts. Ich werde das gleich überprüfen."
"Brauchst du nicht", sagte Adam und wurde von gleich drei Paar Augen fragend angesehen. Adam zuckte die Schulter. "Ich war im gleichen Café. Sie war da zusammen mit einem Mann. Ist maximal eine Viertelstunde vor eurem Anruf gegangen."
"Damit würde ich ihr Alibi als bewiesen ansehen", sagte Leo im gleichen Moment, in dem Esther schnaubend sagte: "Du? In einem Café? Wer hat dich denn dazu gezwungen?"
"Das geht dich immer noch einen Scheiß an, Baumann."
"Man darf sich ja noch mal wundern", erwiderte Esther. "Scheinst mir nicht der Typ zu sein, der privat ein Leben hat. Oder sagen wir, der Leute kennt, die sich freiwillig mit dir zu Kaffee und Kuchen in einem Café treffen."
"Halt die Fresse, Baumann."
"Schon gut, schon gut. Ich wollt auch eigentlich nur fragen, ob ihr dem Mann des Opfers Bescheid gebt, oder ob ich mit soll."
"Wir machen das schon. Danke, Esther." Leo lächelte sie an, was die Situation sofort entschärfte. Adam war sich zwar sicher, dass Leos Lächeln nicht den gleichen entwaffnenden Effekt auf Esther hatte wie auf ihn selbst, aber wenn Adam dieses Lächeln sah, konnte er nicht länger wütend sein, nicht einmal auf Esther. "Machst du mit der Zeugenbefragung hier weiter? Find raus, ob es hier in der Gegend öfter zu Überfällen oder Einbrüchen gekommen ist. Und dann sprich bitte mit dem Ladenvermieter. Ich will wissen, ob es da vielleicht zu Uneinigkeiten gekommen ist."
"Geht klar, Chef."
Als Esther wieder verschwunden war, wandte Leo sich Adam zu. Sein Blick ernst und besorgt. "Und du erzählst mir gleich, wie das Treffen mit deiner Mutter gelaufen ist." Es war keine Frage, keine Bitte, es war eine Aufforderung und Adam spürte, wie er nickte, auch wenn er absolut keine Meinung hatte, darüber zu reden. Aber er hatte Leo, nach der Sache mit seinem Vater und dem Gefängnis versprochen, ehrlich mit ihm zu sein und Adam wollte dieses Versprechen einhalten, so scheiße er es auch fand, über seine Gefühle reden zu müssen. Aber es war nun einmal Leo.