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Team: Mittelerde
Challenge: Schreibaufgabe – nicht-chronologischer Erzählablauf (fürs Team)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Adam Schürk, Leo Hölzer, Esther Baumann, Heide Schürk
Wörter: ~ 900
A/N: Ein wie immer schlecht gelaunter Adam mit der Gang auf dem Weg zu einem neuen Fall (vielleicht der Fall, dessen Ende ich schon geschrieben habe... mal schaun)


Adam hatte seinen Dienstwagen noch nicht einmal ganz angehalten, als Esther schon die Beifahrertür aufriss und sich dann mit den Worten: „Auch endlich da?“ auf den Sitz neben ihn schwang.
Adam hatte schon die Worte: „Hinten rein“, auf den Lippen, als Leo sich mit einer fröhlichen Begrüßung auf den Platz hinter Esther faltete. Er sah aus, wie eingepfercht und hatte seine Knie praktisch an seinem Kinn.

„Rutsch mal vor, Baumann“, bluffte Adam.

„Da hat ja jemand wieder eine Laune...“, grummelte Esther, rückte aber Augen rollend mit ihrem Sitz ein paar Rasten nach vorne.

„Danke, Esther“, war es wieder Leo, der Adam um eine, dieses Mal pampige, Erwiderung brachte. Er schob seine Beine in dem neu entstandenen Platz etwas zurecht und grinste Adam an. „Können wir dann los?“

„Wohin geht’s denn?“, wollte Adam wissen. Bis jetzt hatte Leo ihm am Telefon nur gesagt, dass es einen Leichenfund gab und Adam sie doch bitte am Präsidium abholen sollte. Auf die Frage, warum Leo nicht seinen eigenen Dienstwagen nahm, hatte er nur die kryptische Antwort bekommen, dass der Wagen verhindert sei. Was auch immer das zu bedeuten hatte, Leo hatte es nicht weiter erläutern wollen.

„St. Johannen Markt“, gab Esther knapp an.

„Wollt ihr mich verarschen? Da komm ich doch grad her!“


Adam starrte auf die Tischplatte zwischen sich und seiner Mutter, als könnte er sie mit seinem Blick in Brand setzen. Er wusste wirklich nicht, warum er sich auf dieses Treffen eingelassen hatte. Er hatte von vornherein gewusst, dass das nicht gut enden würde, also warum war er so dumm gewesen, auf die Bitte seiner Mutter, sich mal wieder zu sehen, mit einem Ok geantwortet? Damit sie sich jetzt gegenseitig anschweigen konnten? Wie immer? Sie hatten sich einfach nichts zu sagen, hatten sie schon lang nicht mehr und würden sie auch nicht mehr haben. Blödes scheiß Pflichtgefühl, dass Adam, trotz allem, noch seiner Mutter gegenüber empfand. Sie hatte nie etwas für ihn getan, hatte ihn nur zur Welt gebracht. Dafür musste er ihr nicht dankbar sein oder glauben, er wäre ihr etwas schuldig. Und wenn es nur ein Treffen zu Kaffee und Kuchen war.

Von seiner Mutter kam ein leises Seufzen.

Adam stieß ein Schnauben aus. Was hatte sie bitte schön zu seufzen? Diese angespannte Situation hatte sie sich selbst zuzuschreiben, immerhin hatte sie das Treffen gewollt, nicht er.

„Schmeckt dir der Kuchen nicht?“, wollte Heide mit einem weiteren Seufzen wissen. „Das war doch immer dein Lieblingskuchen.“

Adam sah zu ihr auf, musterte sie, ihren traurigen Blick, und konnte nichts gegen das kurze Auflachen tun, das aus ihm herausbrach. „Ich mochte den noch nie. Das war nur der einzige Kuchen, den dein Mann auf dem Tisch geduldet hat.“ Und das auch nur zu ganz besonderen Tagen, seinem eigenen Geburtstag zum Beispiel.

„Oh, das... Soll ich... Möchtest du dir vielleicht einen anderen aussuchen?“

„Nein, danke.“

„Adam...“

„Was, Mutter? Glaubst du mit einem anderen Stück Kuchen würde das hier anders laufen? Glaubst du ein Stück Kuchen und Kaffee würde alles was passiert ist, ungeschehen machen?“ Adam schüttelte den Kopf. „Ich verstehe ehrlich nicht, was du mit diesem Treffen bezwecken willst.“

Tränen traten in Heides Augen, ein so seltener Anblick, dass Adam tatsächlich schlucken musste. Er konnte sich nicht erinnern, seine Mutter jemals weinen gesehen zu haben, nicht in den letzten Jahren zuhause, noch seit er wieder hier war. „Ich... Du bist mein Sohn, Adam... Und ich weiß nichts über dich. Wie es dir in den letzten 16 Jahren ergangen ist, wo du warst, was du gemacht hast, ob du jemanden hast, den du liebst. Ob du Familie hast. Was du gerne machst und magst. Ich kenne offensichtlich nicht mal deinen Lieblingskuchen!“ Jetzt liefen ihr die Tränen die Wangen hinunter und Adam war mehr als erleichtert, als genau in diesem Moment sein Handy klingelte. Er hätte nicht gewusst, was er darauf hätte sagen sollen oder was tun, also zog er rasch das klingelnde Gerät aus seiner Tasche und nahm das Gespräch an, als er Leos Namen auf dem Display sah.

„Ja?“

„Adam, wir haben einen neuen Fall.“

„Alles klar. Wo muss ich hin?“

„Komm zum Präsidium. Esther und ich brauchen ein Taxi.“

„Wieso? Was ist mit deinem Wagen?“, wunderte Adam sich, das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt, damit er einen Schein aus seinem Portemonnaie ziehen und auf den Tisch werfen konnte, bevor er aufstand.

„Mein Wagen ist leider verhindert, also komm her.“ Mit diesen Worten hatte Leo aufgelegt und Adam sah sein Handy einen Moment verwirrt an, bevor er es wegsteckte. Ein verhinderter Dienstwagen, ja klar...

Er sah seine Mutter an. „Tut mir leid, die Arbeit ruft.“

Heide, die sich die Tränen in der Zwischenzeit mit einem Taschentuch aus dem Gesicht gewischt hatte, nickte nur mit zusammengepressten Lippen.

Adam wandte sich zum Gehen, blieb aber nach nur ein paar Metern noch einmal stehen. „Apfelkuchen“, sagte er ohne sich zu seiner Mutter umzudrehen. „Ich mag Apfelkuchen.“ Dann ging er eiligen Schrittes zu seinem Dienstwagen.


„Was hast du denn da gemacht?“, wollte Esther wissen, während Adam den gleichen Weg einschlug, den er kurz zuvor erst gekommen war.

„Geht dich nichts an“, bluffte Adam.

„O la la. Privatangelegenheiten während der Arbeitszeit. Wer hätte das von dir erwartet, Schürk?“

„Halt die Fresse, Baumann.“

„Funkdisziplin, bitte.“

„Witzig, Chef. Witzig.“

Da musste Adam Esther ausnahmsweise einmal Recht geben. Und das machte seine Laune nicht wirklich besser.



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