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[identity profile] schwarze-elster.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Schlaflos
Challenge: #2
Autor: Grisu
Fandom: Weiß Kreuz
Pairing: Aya --> Yohji (?)
Anmerkungen: Zu spät ja... ich hab den Startschuss verpennt, war langsam wie immer und wollte nicht schon wieder etwas Halbfertiges abliefern ^^°
Yohji wirkt leider nicht sehr betrunken, sorry... wahrscheinlich hat er gutes Training.


Aya hatte nie verstanden, wie man sich so gehen lassen konnte. Er hatte es früher nicht verstanden (bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen er es erlebt hatte) und heute verstand er es erst recht nicht. Alkohol machte die Menschen... dumm. Er brachte sie dazu, sich wie Idioten zu benehmen, zu lallen, geschmacklose Witze zu machen oder, noch schlimmer, sich zu erbrechen. Es war einfach nur widerlich. Es gab nur wenige Dinge, die er abstoßender fand als betrunkene Menschen.

Und niemand war betrunken abstoßender als Yohji. Yohji war nicht aus denselben Gründen abstoßend, aus denen es andere Leute waren. Er war nicht laut oder unangenehm, er war ein melancholischer Betrunkener. Aya konnte Melancholie nicht ertragen, also versuchte er ihre Begegnungen auf ein Minimum zu reduzieren, was in gewisser Weise nicht so leicht war, denn die Wand zwischen ihren Wohnungen war zu dünn und Ayas Schlaf zu leicht.

Yohji kam entweder mit einer Frau wieder oder allein oder gar nicht. Keine dieser drei Möglichkeiten war der anderen vorzuziehen. Yohji war nicht besonders laut beim Sex, die Frauen für gewöhnlich schon, aber eigentlich war das egal, weil es auch nicht besser wäre, wenn Aya sie nicht hören würde. Allein das Wissen, dass sie da waren reichte, um unerwünschte Bilder in seinem masochistischem Hirn heraufzubeschwören.

Wenn Yohji allein war, schlief er nicht, sondern saß am offenen Fenster, rauchte, hörte Musik und redete ab und zu mit sich selbst oder mit Geistern, was nicht zu überhören war, weil Aya bei offenem Fenster schlief. Wenn Yohji nicht kam, war es totenstill. Aya hasste das Geräusch von Stöckelschuhen und die Frauenstimmen, hasste es, dass er jedes Mal aufwachte, wenn Yohji etwas sagte und er hasste sich selbst dafür, dass er besser schlief, wenn er wusste, dass Yohji zurück war.

An diesem Abend war Aya davon aufgewacht, dass Yohjis Tür ins Schloss fiel. Das Geräusch erschien um diese Uhrzeit unglaublich laut, als würde es das gesamte Haus erschüttern. Aya wusste nicht mehr, was er geträumt hatte, aber sein Atem ging schnell und das T-Shirt, das er zum Schlafen trug, klebte an seiner schweißnassen Haut. Trotz des weit offenen Fensters war es viel zu warm im Zimmer. Die Luft war schwer und zäh und trug jeden Ton von draußen herein.

Yohji lief nebenan herum, sagte etwas, was man nicht verstand, machte sein Fenster auf. Es folgte eine Reihe von Geräuschen. Aya wusste, dass es krank war, aber er konnte fast vor sich sehen, was Yohji tat. Wie er sich eine Dose Bier aus dem Kühlschrank holte, vor der Stereoanlage stand und überlegte, ob er Musik anmachen sollte oder nicht, wie er sich das Hemd auszog und es irgendwo auf den Boden fallen ließ, wie er sich ans Fenster setzte und sich eine Zigarette anzündete.

Es war lästig, dass er sich in jedem Detail vorstellen konnte, wie Yohji rauchte. Es war ungefähr zwei Uhr und er wollte wirklich schlafen. Das schlimmste war, dass es nicht einmal Yohjis Schuld war.

„Hey, Aya. Bist du wach?“

Aya zog sich das Kissen über den Kopf. Nein. Er schlief. Er schlief seit mindestens drei Stunden tief und fest. Er war auch nicht in dieser Einzimmerwohnung. Er war zu Hause. Er war nicht hier und Yohji war nicht nebenan (mit nacktem Oberkörper und Zigarette zwischen den Lippen) und es war einfach nur still.

„'Tschuldigung wegen der Tür. Das war ziemlich laut.“

Yohjis Stimme drang mit Leichtigkeit durch die Nacht vor den geöffneten Fenstern. Aya war heiß und er bekam keine Luft mehr, also riss er sich das Kissen wieder vom Kopf. Er hasste das, was aus seinem Leben geworden war.

„Ich nehm dir nicht ab, dass du schläfst, aber wie du willst. Dann rede eben nur ich.“

Aya hasste ihn.

„Weißt du, ich war heute ziemlich deprimiert, aber als ich nach Hause gegangen bin war es so verdammt hell draußen. Wusstest du, dass heute Vollmond ist?

Na ja auf jeden Fall... Kennst du diesen Park in der Nähe der U-Bahnstation? Da haben ein paar Halbwüchsige versucht mich auszurauben. So’n paar Spinner mit Klappmessern. Sie sagen mir, ich soll ihnen mein Geld geben. Also hab ich sie gefragt, was sie machen, wenn ich’s ihnen nicht gebe. Sie kamen mit irgendwelchen halbgaren Drohungen und ich sag nur, sie sollen’s versuchen, aber sie sind dann abgehauen. Kannst du dir das vorstellen?

Na gut, vielleicht hat es sie etwas verunsichert, dass ich die ganze Zeit gelacht habe, aber es war auch wirklich komisch, weil wann hast du das letzte Mal jemanden gesehen, der richtig schlecht mit einem Messer umgehen kann?

Ich hab Hunger, hast du irgendwas zu essen da? Wenn du schläfst, komm ich rüber und hol’s mir selbst, mein Kühlschrank ist leer.“

Aya unterdrückte ein Stöhnen. Er hasste Yohji. Aber der Gedanke, dass Yohji hereinkommen und in seinem Kühlschrank wühlen und bleiben und dann an seinem Fenster sitzen würde, war unerträglich, also stand Aya auf und holte einen Apfel. Wenn er sich ein bisschen aus dem Fenster beugte, konnte er Yohji sehen: die Unterarme aufs Fensterbrett gestützt, die Zigarette in der Hand, wie er dem Rauch zusah, aufblickte, den Apfel fing. Es war wirklich hell.

Yohji grinste. „Danke. Ich wusste, dass du wach bist.“
„Geh schlafen, Yohji.“
„Ich fühl mich aber gerade ziemlich wach.“
„Ich nicht, also halt die Klappe.“
„Okay. Ich werd leise sein. Ganz leise. Nicht reden.“

Aya ließ sich wieder auf sein Bett fallen. Er starrte an die Decke und hörte zu, wie Yohji den Apfel aß, wie Yohji rauchte, wie Yohji in die Nacht sah, während er sich eine neue Zigarette anzündete. Wenn er die Augen schloss, konnte er es sehen.

Irgendwann fing Yohji an, leise irgendein Lied zu summen und Aya konnte nicht einmal sauer auf ihn sein, weil jeder andere vermutlich bis dahin eingeschlafen wäre.

Aya wusste, es würde eine der Nächte werden, bei denen er am nächsten Morgen aufwachen und nicht mehr wissen würde, wann er nun endlich eingeschlafen war. Und einer der Tage, an denen ihm die ganze Zeit ein Lied im Kopf herumgeistern würde und er würde nicht dahinter kommen, wann er es gehört hatte.

Date: 2007-03-04 04:37 pm (UTC)
From: [identity profile] lady-hargreaves.livejournal.com
Die Stimmung war einfach toll. Ich bin gerade mmer noch dabei, mir diese Szene bildlich vorzustellen, also entschuldige, wenn dieser Kommentar nicht der sprachgewaltigste wird ^.^"
Ich kann die Atmosphäre, die dieser OS vermittelt hat, gerade gar nicht wirklich mit Worten beschreiben, sie fehlen mir einfach oder ich halte sie nicht für richtig. Das ärgert mich gerade irgendwie, dass mir kein passendes Wort einfällt ^.^""

Alles ist so fließend und obwohl das Gespräch zwischen ihnen so leicht wirkt, steht da doch noch eine Art Scwere dahinter.
Aya möchte mehr Distanz zwischen sie bringen, die dünnen Wände scheinen ihm nicht zu reichen, aber gleichzeitig, kommt es mir vor, als könne er gar nicht mehr ohne Yohji. So eine Art Sehnsucht eben...

Sorry, für diesen sinnlosen Kommi und auch dafür, dass ich darin meine genauso sinnlosen Gedanken mitteile ^.^"
Was ich eigentlich nur sagen wollte: Ich fand die FF einfach klasse und mir fällt nichts zu kritisieren ein. Ich bin immer noch hin und weg *.*

lg, lady_hargreaves

Date: 2008-03-25 07:40 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
ich liebe es wenn aya so richtig angepisst und sauer auf alles und keinen ist!
seine wut über seinen nicht-schlaf ist nachvollziehbar...XD aber mitleid hab ich trotzdem keines!
yohji kann doch SEHR anstrengend sein...(-> Wenn du schläfst, komm ich rüber und hol’s mir selbst, mein Kühlschrank ist leer)
und leider ist ran extrem mies im sich-schlafend-stellen, so hat jeder sein päckchen zu tragen

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