Fanfic-Tropes - 5+1 (fürs Team)
Jul. 6th, 2022 06:04 pmChallenge: Fanfic-Tropes/Klischees - 5+1 (fürs Team)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Adam Schürk/Leo Hölzer, Pia Heinrich (und schon wieder keine Esther...)
Wörter: ~ 1940
A/N: folgt hierauf
5 Mal sagt (mindestens) einer der Herren Konditorenmeister, dass er den anderen hasst, +1 Mal, wo sie es noch mal sagen.
1
Mit einer letzten, gekonnten Bewegung wickelte Leo das letzte Stück des Verbands um Adams Hand und befestigte es mit zwei Klebestreifen.
„Fertig“, sagte er überflüssigerweise, doch das zufriedene Lächeln auf seinem Gesicht, das ihm so gut stand, ließ Adam darüber hinwegsehen. Er zog seine Hand aus Leos sanftem Griff und musterte den ordentlichen und sehr professionell aussehenden Verband.
„Scheint, als hättest du Übung im Hände verbinden. Oft geschnitten?“
Leo schüttelte den Kopf. „Nee, ich hab mal im Rettungsdienst gearbeitet.“
„Freiwillig?“ Adam konnte sich nicht vorstellen, das man sich freiwillig um kranke oder verletzte Menschen kümmerte. Er könnte das sicher nicht.
„Ich wollte mal Arzt werden.“
„Aber?“
„Ich war zu schlecht in der Schule.“
„Und dann bist du lieber Konditor geworden?“
Leo zuckte mit einer Schulter. „Backen war schon als Kind ein Hobby. Jetzt ist es mein Beruf.“
Adam wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Bei Leo klang es so einfach, so logisch, dass er Konditor war, es war etwas, das er schon als Kind geliebt hatte. Adams Weg hingegen war ein glücklicher Zufall gewesen. Er hatte die Schule nicht beendet und schlichtweg nicht gewusst, was er tun sollte. Wäre er in Frankreich nicht seinem späteren Meister vors Auto gefallen, hätte er nie seine Leidenschaft fürs Backen gefunden. Zwei so unterschiedlich Wege und trotzdem waren sie jetzt am gleichen Ort.
„Danke“, sagte Adam, nachdem die Stille zwischen ihnen ein wenig zu lang angedauert hatte.
„Da nicht für.“ Leo lächelte.
„Das heißt aber nicht, dass ich dich jetzt weniger hasse“, stellte Adam klar.
„Das habe ich auch nicht erwartet“, erwiderte Leo grinsend.“
„Gut.“
„Gut.“ Leo nickte einmal und stand dann auf. „Bereit, den Wettkampf wieder aufzunehmen?“
„Na klar doch.“
2
Einen Monat nach ihrem ersten Fernseh-Wettkampf, den Adam trotz verletzter Hand doch noch für sich hatte entscheiden können, stand die Revanche an. Die Show war bei den Zuschauern so gut angekommen, dass die Produzenten gar nicht lang gefackelt und eine weitere angesetzt hatten.
Adam störte das nicht. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten hatte der Drehtag ihm tatsächlich Spaß gemacht, besonders die Schlagabtäusche mit Leo, die, nach der Unterhaltung in Adams Garderobe, einen ganz anderen Charakter bekommen hatten, doch nicht weniger amüsant für die Zuschauer waren, als ihre vorherigen Frotzeleien. Adam gab sich auch weiterhin die größte Mühe, sich nicht anmerken zu lassen, dass er seinen Konkurrenten eigentlich ganz gut leiden konnte.
Die Revanche artete in eine regelrechte Tortenschlacht aus, bei der sie sich beide übertrafen, höher und gewagter konstruierten, als jemals zuvor, und die Wortgefechte, standen dem in nichts nach.
Am Ende war es wieder Adam, der die Nase vorn hatte und die meisten Punkte von der Jury bekam und einen kleinen Pokal in die Hand gedrückt bekam.
„Und jetzt schüttelt euch die Hände“, wies der Fernsehregisseur an. „Und lächeln bitte.“
„Muss das sein?“, kam es von Adam und Leo gleichzeitig und gleich genervt.
„Ja, das muss sein, also los.“
Mit übertrieben freundlichen Lächeln, traten Adam und Leo aufeinander zu und schüttelten sich die Hände und sie lächelten in die Kamera.
„Gib's endlich zu, Schürk“, zischte Leo ihm aus dem Mundwinkel zu, „du betrügst doch.“
„Glaubst du nicht, dass ich fair gewonnen habe?“
„Als ob, du bestichst doch die Jury.“
„Na klar. Mit meinem überwältigenden Charme.“
Von Leo kam ein Lachen. „Du bist unmöglich.“
„Unmöglich charmant?“
Leo schüttelte den Kopf. „Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich hasse.“
„Und ich dich erst.“
3
Adam machte sich nicht viel aus seinem Geburtstag. Er hatte ihn nie gefeiert und plante auch nicht, das in Zukunft zu tun. Er hatte niemanden, mit dem er den Tag verbringen wollen würde, und sowieso, älter werden war kein großer Akt, das machte jeder vollkommen automatisch. Da die meisten Menschen das allerdings anders sahen und nicht nur ihren eigenen Geburtstag feiern wollten, sondern auch Adams, nahm er sich jedes Jahr an seinem Geburtstag einen freien Tag, verschanzte sich in seiner Wohnung, mümmelte sich auf die Couch und ging weder ans Telefon, noch an die Tür. Es war perfekt.
Wie so oft in letzter Zeit, verbrachte Adam seine Freizeit damit, sich durch Leo Hölzers Channel zu scrollen und seine Videos zu gucken. Er postete regelmäßig neue Videos und interagierte auch regelmäßig und auf sehr freundliche Art und Weise mit seinen Fans, die es Adam ganz warm ums Herz werden ließ.
Er wollte gerade sein Handy beiseite legen, als ein neues Video erschien.
'Happy Birthday' war das Video betitelt und Adam runzelte die Stirn, als er darauf klickte, um es abzuspielen.
Das Video war aufgebaut wie all die anderen auch; man konnte Leo in stark gekürzten Sequenzen dabei zusehen, wie er Teig machte, ihn in den Ofen schob, Cremes anrührte, die Torte Stück für Stück zusammenfügte und dekorierte. Allerdings war die Torte nie vollständig im Bild, sodass das endgültige Resultat erst am Ende für den Wow-Effekt enthüllt werden konnte.
Dieses Mal lag das Hauptaugenmerk auf der Verzierung, genau genommen auf dem Bild, das Leo auf die Torte gemalt hatte; eine Figur, die Adam sehr ähnlich sah, in seiner blauen Konditorenjacke und mit den blonden Haaren, die gebeugt an einem Stock ging.
Ein Lachen brach ungewollt aus Adam heraus - es war schon irgendwie ganz süß – und er war froh, das ihn niemand hören konnte. Ein lachender Adam Schürk, das ging doch nicht!
Adam scrollte in die Kommentar-Zeile und schickte Leo den Mittelfinger-Emoji.
Keine Minute später kam Leos Antwort. 'Der alte Mann hat keinen Humor.'
'Der alte Mann empfindet es nur als Beleidigung, wie unsauber das Ding gearbeitet ist.'
'Hey, ich hab dafür meine Zeit geopfert. Das ist schon mehr als du verdienst.'
'Wieso hast du es dann überhaupt gemacht, wenn dir deine Zeit doch so wertvoll ist?'
'Ich wollte sehen, wie du reagierst.'
'Und?'
'Enttäuschend.'
'Ich hasse dich.'
'Schon besser.'
4
Adam wusste nicht, wie es passiert war, aber irgendwie hatte es Pia geschafft, ihn auf diese blöde Party zu schleppen. Normalerweise machte er einen riesigen Bogen um diese Art von Veranstaltungen, weil er Menschen hasste und nicht wusste, wie er sich in solchen Mengen verhalten sollte.
Und so stand er, schon seit einer Stunde, irgendwo am Rand und hielt sich verkrampft an sein Wasser. Das ganze wäre sicher einfacher zu ertragen, wenn er betrunken wäre, aber Adam trank keinen Alkohol, gab ihn höchstens in Maßen in seine Leckereien.
Er überlegte gerade, ob es auffallen würde, wenn er sich jetzt einfach aus dem Staub machte, mit den wichtigen Leuten hatte er schon geredet, als ihn jemand sein Wasserglas aus der Hand, es auf einem Tisch abstellte und ihn dann am Arm packte und auf die Tanzfläche zog.
„Was-?“, war das einzige, was verwundert aus ihm herauskam, als er Leo hinterher stolperte, bis sie ungefähr mittig zwischen den tanzenden Paaren angekommen waren und Leo sich zu ihm umdrehte. Er legte seine eine Hand an Adams Seite, die andere platzierte er auf seiner Schulter.
Adam musste schlucken. So nah war er Leo noch nie gewesen und besonders die Hand an seiner Taille ließ ihn schaudern, so gut fühlte sich das an. Dass Leo heute besonders aufwändig gestyltes Haar hatte und einen maßgeschneiderten Anzug trug, machte die Situation nicht besser, eher im Gegenteil. Scheiße, wie konnte ein Mensch nur so gut aussehen?
„Ehm, was genau wird das hier?“, brachte Adam nach einer Weile hervor, in der Leo ihn etwas staksig über die Tanzfläche geführt hatte. (Was nicht an Leo lag, das gab Adam gerne zu.)
„Ein Tanz? Oder sowas in der Art“, fügte Leo belustigt grinsend an. „Du kannst nicht tanzen, oder?“
„Seh ich so aus?“
„Nein, nicht wirklich. Dafür müsstest du freundlicher gucken.“
„So?“ Adam zwang ein breites Lächeln auf sein Gesicht, von dem er wusste, wie bescheuert ihn das aussehen ließ.
Leo schlug ihm lachend gegen den Arm. „Ich hasse dich.“
„Und trotzdem tanzt du mit mir?“ Adam zog die Augenbrauen hoch.
Leo wiegte seinen Kopf einen Moment hin und her, dann zuckte er mit den Schultern. „Du standst nur passenderweise im Weg.“
„Eines meiner vielen Talente.“
„Hättest du doch wenigstens Talent fürs Tanzen...“
5
Es war das erste Mal, dass Adam und Leo gemeinsam zu einem Interview eingeladen worden waren.
„Früher hatten wir immer Sorge, dass ihr euch vor laufender Kamera die Köpfe einschlagt“, hatte die sehr gesprächige Moderatorin ihnen vor der Show gesagt, als Leo sie gefragt hatte, warum sie vorher nur einzeln in ihre Show eingeladen worden waren. „Aber nach eurem ersten Wettstreit im Fernsehen... Man könnte meinen, dass ihr euch mittlerweile ganz gut versteht.“
„Alles nur Show“, sagte Adam so grummelig, wie er es zustande brachte, obwohl er es alles andere als ernst meinte.
„Also seid ihr nicht befreundet?“
„Befreundet? Mit dem?“, schnaubte Leo, zwinkerte Adam aber mit der Zunge zwischen den Lippen zu, als die Moderatorin nicht guckte.
„Sicher nicht“, fügte Adam bei. „Hast du dich mal länger mit dem unterhalten? Der ist unerträglich gut gelaunt. Da wird man auf Dauer wahnsinnig.“
„Das kommt dir nur so vor, so unerträglich schlechtgelaunt wie du bist.“
„Ich fress halt keine gute Laune zum Frühstück.“
„Würde dir aber mal ganz guttun.“
„Und dir ne Prise schlechte Laune.“ Adam beobachtete amüsiert, wie die Moderatorin zwischen ihnen hin und her sah, als würde sie einem Tennismatch folgen, und ihre Augenbrauen immer weiter nach oben wanderten.
„Du bist doch nur eifersüchtig, weil ich viel beliebter bin bei den Fans.“ Leo grinste und Adam war sich sicher, dass nicht viel fehlte, und Leo hätte ihm auch noch die Zunge rausgestreckt. Leo hatte so ein Ding mit seiner Zunge, die immer wieder den Weg zwischen seinen Lippen hervor fand, eine Macke, die Adam fast den Verstand raubte.
Adam schüttelte den Kopf. „Und da wundern sich die Leute, warum ich ihn hasse.“
„Keine Sorge, das beruht auf Gegenseitigkeit.“
„Scheiße“, kam es von der Moderatorin, „kriegt ihr das zufällig nochmal hin?“
+1
Nur ein paar Stunden n ach dem Interview, schob sich Adam aus dem Bett, darauf bedacht, den schlafenden Mann neben sich nicht zu wecken. Er hatte gerade die Kante erreicht und sich aufgesetzt, als ein Grummeln erklang.
„Adam?“
„Schlaf weiter, Leo.“
„Nicht gehen...“, nuschelte Leo und klang dabei so verdammt süß-verschlafen, dass Adam sich am liebsten wieder zurück neben ihn gelegt und seine Arme um ihn geschlungen hätte. Aber es ging nicht.
„Ich muss nur-“
„Will kuscheln“, unterbrach Leo ihn und schlang einen Arm von hinten um Adams Taille.
Adam musste lachen. „Typisch, nach dem Sex nicht kuscheln wollen, aber jetzt.“
„Was kann ich denn dafür, wenn der Sex mit dir so gut ist, dass ich einschlafe?“
„Sex mit mir ist also einschläfernd? Ja, vielen Dank auch.“
Leo zwickte Adam schmerzhaft in die Seite, streichelte aber dann mit seinen Fingerspitzen darüber. „Du weißt, dass das nicht so gemeint war.“
„Woher denn? Von deinem ohrenbetäubenden Schnarchen nach unserem ersten Mal?“
„Urgh, ich hasse dich.“ Leo zog seinen Arm zurück und schubste Adam halbherzig in den Rücken.
Adam lachte und drehte sich zu Leo um, der ihn, trotz seiner Worte, sanft anlächelte. „Du liebst mich.“
„Habe ich das nicht gerade gesagt?“
Adam musterte Leo, sein glückliches Lächeln, die feinen Fältchen um seine leuchtenden Augen, und er wusste, was Leo meinte. „Die ganze Zeit schon?“, fragte er hoffnungsvoll, weil es ihm kein bisschen anders ging.
Leo nickte. „Die ganze Zeit schon.“
„Wieso?“
Leo zuckte die Schultern. „Dein Charme ist einfach überwältigend.“
Adam gluckste, beugte sich vor und drückte Leo einen Kuss auf die Lippen, bevor er aufstand, um endlich seine Blase zu erleichtern. „Ich hasse dich auch.“