Graue Haare (Farben - fürs Team)
Jul. 2nd, 2022 09:02 pmChallenge: Farben - Grau(e Haare) - fürs Team
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Adam Schürk/Leo Hölzer
Wörter: ~ 730
A/N: Wenn man fernsieht und man feststellt, wie alt Tom Cruise schon ist... Und wie alt man selbst o.O
„Die wollen mich doch verarschen!“, war das erste, was Leo von seinem Mann hörte, als Adam die Wohnungstür hinter sich zufallen ließ. Er hatte nach der Arbeit noch einen Termin beim Zahnarzt gehabt, weshalb Leo ohne ihn nachhause gefahren war.
„Was ist denn?“Leo stand am Herd und kochte Abendessen. Das hatte sich mit den Jahren so eingebürgert; derjenige, der zuerst zuhause war, kochte. Zum Glück waren sie beide recht passable Köche, auch wenn Adams Gerichte meist deutlich simpler ausfielen. Aber die Hauptsache war ja, dass es schmeckte.
„Ich hab ne Karte bekommen“, antwortete Adam und kam in die Küche, wo er einen Stapel Briefe und Werbeprospekte auf den Küchentisch warf, bevor er Leo einen Kuss auf den Mund drückte und sich mit einem Ächzen auf seinen Stuhl fallen ließ.
„Eine Karte?“
„Eine Geburtstagskarte“, spezifizierte Adam mit Verachtung in der Stimme.
„Das ist doch nett“, fand Leo, etwas verwundert über Adams Missfallen. In den letzten Jahren hatte Adam sich immer gefreut, wenn er Glückwunschkarten im Briefkasten gefunden hatte. Ob von Rainer, der mittlerweile dank gefundener Liebe in Bonn wohnte, oder von Vincent, der eine Familie in Frankfurt/Oder gegründet hatte, oder von sonstigen Leuten, die sie in den letzten Jahren getroffen und zu Freunden gemacht hatten. „Von wem ist sie denn?“
„Von der Arbeit.“
Leo runzelte die Stirn. „Wieso schreiben Pia und Esther dir ne Karte? Wir sehen sie doch an deinem Geburtstag.“
„Nicht Pia und Esther. Die Karte ist von der Dienststelle. Von den Obermackern. Den Chefs.“ Adam schnaubte. „Ist sogar mit Hand geschrieben, nicht vorgedruckt, wie die Sesselfurzer sonst immer verschicken. Guck.“ Adam stand auf und hielt Leo die geöffnete Karte so nah vor die Nase, dass Leo nicht mal erkennen konnte, ob mit blauer oder schwarzer Tinte geschrieben worden war. Er nahm die Karte aus Adams Hand und las.
„Klingt doch ganz nett, was hast du denn?“ Leo konnte sich nicht daran erinnern, jemals eine Karte zum Geburtstag von seinen Vorgesetzten bekommen zu haben, aber vielleicht war das ja jetzt ein Novum, um ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Die Chefs näher am Mitarbeiter oder so ein Schwachsinn.
„Die Sache ist“, sagte Adam, schnappte die Karte aus Leos Hand und klappte sie zu, bevor er sie Leo wieder unter die Nase hielt, „dass die werten Vollidioten glauben, dass ich 50 werde.“ Adam bohrte seinen Finger förmlich in die Karte, direkt neben die große bunte und mit Luftballons umgebene 50 in der Mitte der Karte. „50, Leo. 50!“
Leo presste seine Lippen zusammen, in einem hoffnungslosen Versuch, nicht laut los zu lachen, doch er hielt nicht einmal zwei Sekunden durch, bevor er sich prustend vornüber beugte.
„Das ist nicht lustig, Leo. Gar nicht lustig.“
„Wenn du das sagst“, brachte Leo mühsam und musste sich den Bauch halten, der bereits anfing vor Lachen zu schmerzen.
„Seh ich etwa schon so alt aus?“
„Nein, du hast dich gut gehalten, für dein Alter. Siehst höchstens aus wie 40.“
„Haha“, machte Adam und ließ sich mit vor der Brust verschränkten Armen und Schmollmund zurück auf seinen Platz fallen. „Du kannst mich mal.“
„Hey, Schatz“, murmelte Leo und konnte sein Lachen auf ein paar Hickser reduzieren, während er auf Adam zu trat und ihm eine Hand an seine Wange legte. Adam lehnte sich sofort in die Berührung, wie immer. „Du weißt, dass ich dich liebe. Und das werde ich auch noch tun, wenn du 50 bist.“ Er drückte Adam einen Kuss auf die Stirn.
„Auch noch, wenn ich 60 bin?“, erkundigte Adam sich. „Denn wie es scheint, werde ich bereits 10 Jahre früher 60 als gedacht. Ich kann es nicht fassen, dass die mich ein Jahrzehnt älter machen! Was fällt denen eigentlich ein?“
„Hey... Das war sicher nur ein Versehen. Kein Grund, sich deshalb graue Haare wachsen zu lassen.“
Adam stieß ein Schnauben aus. „Ganz ehrlich; ich färbe sie mir lieber. Weniger stressig und geht auch schneller. Brauch sowieso ne neue Haarfarbe.“
Leo grinste. „Wir können morgen ja mal in der Drogerie gucken, ob wir ein schönes Grau für dich finden.“
Es war nach dem Essen, als sie es sich auf der Couch in den Armen des anderen bequem gemacht hatten und den Tatort vom letzten Sonntag nachholten, als Adam die angenehme Stille zwischen ihnen durchbrach. „Meinst du, ich darf dann auch 10 Jahre früher in Rente gehen?“