(no subject)
Jun. 1st, 2008 07:04 pmPairing: Reid,Hotchner (Freundschaft)
Prompt: Stille Wasser sind tief!
Words: 1538
Anmerkung I: Die Idee hatte ich schon eine Weile, aber ich konnte mich nicht wirklich aufraffen. Also habe ich die Gelegenheit genutzt, den Anfang (mehr hatte ich auch noch nicht) komplett umgeschrieben und dann immer weitergeschrieben. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich doch etwas länger als 120 Minuten gebraucht habe, aber ich wollte unbedingt dieses Ende. Und musste es dann noch abtippen. Asche auf mein Haupt, Schande über meine Kuh.
Und es ist auch nicht zur Sommerchallange…
Anmerkung II: Tinka ist schuld. Damit ist die Geschichte auch für Dich *schenk*, ob Du willst oder nicht.
Kein Fall, nix passiert. 0.o Und ich hab momentan immer das starke Bedürfnis Leute weinen zu lassen.
Und worüber schreib ich, während ich in der Sonne am Teich liege? Natürlich Weihnachten!
Anmerkung III: Es gefällt mir nicht. In meinem Kopf klang alles viel besser…wo es da sowieso viel schöner ist XD
Reid starrte aus dem Auto und beobachtete die Schneeflocken beim Fallen. Es war Mitte Dezember, aber so kalt war es in Quantico noch nie gewesen. Auch wenn er sich sicher war, dass die durchschnittliche Außentemperatur bei -9 Grad Celsius liegen musste, fühlte es sich für ihn eher an wie – 143,7. Auf dem Beifahrersitz von Aarons Wagen zog der junge Doktor seinen lila Schal enger um den Hals und schlag die Arme um seinen Oberkörper.
Reid wollte nur noch in seine Wohnung, die Tür hinter sich schließen und ins Bett fallen. Erst vor wenigen Stunden waren sie nach einem anstrengenden Fall wieder gelandet und keiner von Ihnen hatte es gewagt, dass von Penelope geplante Vorweihnachtsessen abzusagen. Das Restaurant war ein von Garcia wohlbehütetes Geheimnis und vor allem für Spencer eine große Überraschung gewesen: Chinesisch. Immerhin hatte ihn Morgan zum Abschied freundlich gegen die Schulter geschlagen und lachend gesagt, dass sich seine Technik wirklich verbessert hat. Trotz Garcias und J.J.s freundlichen Bemühungen blieben ihm Stäbchen ein Rätsel.
Gemeinsam mit Hotch war er dann müde und schweigend die Straße entlang gegangen und seine Schuhe ließen immer mehr Wasser durch, bis seine Socken komplett durchnässt waren und er bei jedem Schritt hin- und herrutschte. Vor seinem inneren Auge wuchs eine To-Do-Liste zu ungewohnten Ausmaßen an und „Wasserfeste Schuhe kaufen“ landete knapp auf Platz zwei, nur geschlagen von „Grundsätzlich die Wohnung bei Minusgraden nie verlassen.“ Er war seinem Teamleiter äußerst dankbar, als dieser ihm am Eingang zur U-Bahnstation kurz am Arm gehalten und bestimmt „Ich fahr Dich“ gesagt hatte. Während es im Auto langsam wärmer wurde, schweiften Reids Gedanken von der Kälte zum letzten Fall ab. Das letzte Opfer, das sie nicht retten konnten. Die Augen des Täters. Weihnachten. Er wusste schon lange, was er seiner Mutter schenken würde. Er war sich nur nicht sicher, ob er sie dafür besuchen wollte. Er hatte zwei Alternativen: Weihnachten in der Psychiatrie oder Weihnachten allein. Seine Mundwickel verzogen sich zu einem traurigen Lächeln, als er sich dachte, dass er immerhin die Wahl hatte.
Aaron musste sich wirklich zusammenreißen, um nicht laut mit den Zähnen zu klappern. Wie konnte es nur so verdammt kalt werden. Es war spät, er war müde und ein einsames Wochenende stand vor der Tür. Vielleicht würde er morgen ein- zwei Stunden ins Büro gehen und sich in die Arbeit stürzen. Andererseits würde das wahrscheinlich für Außenstehende zu recht suspekt wirken, so wichtig war der Papierkram nicht. Letztes Wochenende wäre seins gewesen. Er hatte sich genau überlegt, war es alles mit Jake machen würde. Dann kam der Fall dazwischen. Jetzt waren Jack und Haley auf den Weg Haleys Eltern zu besuchen und ihm blieb nur noch ein einziges Wochenende vor Weihnachten, um eventuell seinen Sohn zu sehen. Seine Finger schmerzten von der Kälte und er fluchte innerlich. Wie hatte er es damals nur geschafft beide Leben zu vereinbaren. Wieso war er sich so sicher gewesen, dass er 100% Vater und 100% Teamleiter sein konnte.
Beide Männer saßen still nebeneinander, während sich das Auto mit rasanten 30 km/h durch den Schneesturm kämpfte. Im Auto war es warm und beide entspannten sich, die Müdigkeit nahm überhand, und doch wurde das Schweigen langsam unangenehm. Im Radio lief leise Musik und Spencer hörte nun schon zum dritten Mal „Driving home for Christmas“, unterbrochen von Nachrichten über Zug- und Stromausfälle in der Gegend. Der Schnee hatte alle überrascht. „Danke noch mal fürs Mitnehmen.“ Hotch lächelte kurz und deutete aufs Radio. „Ansonsten würdest Du heute wohl kaum noch heil nach Hause kommen. Wieder Schweigen. Mit Hotch allein im Auto zu sitzen, ohne dass es einen Fall gab, über denn man hätte sprechen können, kam Reid wie eine Prüfung vor. Schweigen kam ihm ebenso unangemessen vor wie Reden- und es gab eigentlich nichts zu sagen. Immer mehr Straßenzüge wurden durchgegeben, die auf Grund der Wetterlage und der sich häufenden Unfälle gesperrt waren. Reid versucht erneut ein Gespräch zu beginnen. „Ob die anderen wohl gut nach H…“ Er zog panisch Luft ein, als das Auto beim Abbiegen auf die Gegenfahrbahn rutschte. Hotch stand mit beiden Füssen auf der Bremse, während er sich selber in Gedanken immer wieder sagte „Nicht bremsen. Das blockiert die Reifen. Nicht bremsen. Das blockiert die Reifen.“ Der Wagen drehte sich nach nach rechts und die Hinterreifen schlugen gegen den Bordstein. Langsam hörte die Bewegung auf und das Auto kam zum Stehen. Beide Männer atmeten hektisch ein und aus, als wären sie gerade 500-Meter gesprintet, bei dem Versuch einen neuen Weltrekord aufzustellen. Reid war noch blasser als sonst und sämtliches Blut schien aus seinem Gesicht gewichen zu sein, die Lippen beinah weiß, wie es bei vielen Toten der Fall war. Hotch lachte. Er lachte laut, so wie ihn seit Monaten niemand hat lachen sehen. Er lachte und lachte bis ihm kleine Lachtränen die Wangen runterliefen. Das Lachen wurde immer heftiger und Reids vorsichtige Frage „Hotch?“ blieb unbeantwortet. Es fiel Aaron sichtlich schwer zu atmen und kleine Schluchzer unterbrachen die Lachgeräusche, bis er nur noch weinte.
Reid bewegte sich nicht und unterdrückte den Drang Hotch offensichtlich anzustarren. Stattdessen blickte er aus der Frontscheibe stur auf die Straße- sollte Gegenverkehr auftauchen, standen sie äußerst ungünstig. Und neben ihm saß sein Boss und konnte nicht aufhören zu weinen. Spencer hatte ihn schon wütend erlebt und gestresst, aber die Situation überforderte ihn einfach. Er durchwühlte seine Ledertasche bis er ein Taschentuch fand, dass er beinah ängstlich rüberreichte. Aaron hatte seinen Kopf aufs Lenkrad gelegt und das Schluchzen wurde leiser. Reid wusste natürlich, was ein Schock bei Menschen auslösen konnte und welche psychologischen Mechanismen dahinter steckten, aber dieses Wissen half ihm im Moment einfach nicht weiter. Vorsichtig berührte er Hotch Schulter und als dieser nicht wegzuckte, begann er langsam über den bebenden Rücken zu streichen. „Alles in Ordnung“ flüsterte er sanft. „Nichts passiert.“ Und er wiederholte die Worte immer und immer wieder.
Als Hotch sich wieder beruhigt hatte, startete er das Auto und sie setzten ihren Weg noch langsamer als zuvor fort. Die erste Zeit schwiegen sie einfach und beide wünschten sich stärker als jemals zuvor allein zu Hause zu sein. „Reid“ Aaron hatte zu seiner normalen Stimmlage zurück gefunden. „Das bleibt unter uns.“ Reid nickt heftig „natürlich.“ Und zu seiner Verwunderung sprach Hotch weiter, als wäre er ihm eine Erklärung schuldig. „Es ist nur so. Ich kann Jake dieses Wochenende nicht sehen. Wieder nicht.“ Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatten sich zwei Autos ineinander verkeilt, ein Krankenwagen stand bereits daneben. Die Schneeflocken wurden weniger. „Aber“ sagte Reid nach einigen Minuten. „Du bist für ihn da. Du wirst ihn nicht verlassen.“
Vor zwei Stunden hatten sie sich vor dem Restaurant von den anderen verabschiedet und waren nun tatsächlich bis zu Reids Straße vorgedrungen. Hotch wollte am Straßenrand halten, aber Reid wies ihn auf die Parkboxen hin.
„Okay Hotch, dann mal rein mit uns.“
Aaron wollte protestieren, sagen, dass er nach Hause fahren werde, aber Spencer war schneller.
„Ein Großteil der Hauptstraßen sind dicht, die Umgehungsstraßen komplett überlastet und in den kleineren Straßen liegt bestimmt 30 Zentimenter Schnee. Wir können froh sein, dass wir es bis hierher geschafft haben. Statistisch gesehen bedeutet….“
„Okay“ Hotch hob abwehrend die Hand und stieg aus.
Reids Wohnung entsprach in gewisser Weise genau seinen Vorstellungen, während sie in anderen Bereichen so unpassend für seinen jungen Kollegen schien. Im Flur stapelten sich Bücher, die anscheinend keinen Platz mehr in den zahlreichen Schränken und Regalen in den anderen Zimmern gefunden hatten, im Wohnzimmer stand ein hochmoderner Computer neben einem uralten Schaukelstuhl und während sein Schlafzimmer an die 60er Jahre erinnerte, schien die Küche aus der Zukunft zu kommen. Spencer drückte ihm zwei große Handtücher in die Hand, bevor er ihn in Richtung Badezimmer schob. Und Aaron war froh, nachdem er hinter sich abgeschlossen hatte, dass er nun weder Reden noch das Schweigen ertragen musste.
Als er aus dem Badezimmer kam schlief Reid bereits auf dem Sofa, oder wenigstens tat er so.
Die Schlafzimmertür stand offen, das Bett war aufgeschlagen und neben einem für Reid sicherlich riesigen T-Shirt lag ein kleiner Zettel auf dem „Gute Nacht“ stand. Auf dem Nachtisch stand eine Kanne warmer Tee- dabei gehörte Tee zu den letzten Dingen, die er in dieser Wohnung erwartet hätte. Aaron musste lächeln, auch wenn er sich noch nicht damit abfinden konnte, vor einem Kollegen und vor allem vor einem Untergebenen dermaßen die Beherrschung verloren zu haben.
Am nächsten Morgen hörte Reid, wie Hotch leise ins Bad schlich, wie er einen Zettel und Stift suchte, wie er die Wohnung möglichst geräuschlos verliess. Auf dem kleinen Zettel, der fast unter dem Kühlschrankmagneten verschwand, stand ein einziges Wort: „Danke!“
Es herrscht eine stillschweigende Übereinkunft nie wieder darüber zu reden. Im Büro ist alles wie immer, privat sieht man sich nicht. Alles im grünen Bereich. Vielleicht sieht Reid einmal öfter besorgt aus, aber das kann auch durchaus an seinen eigenen Sorgen in Bezug auf Weihnachten liegen. Am letzen Arbeitstag sind schon fast alle gegangen, als Reid mit seinem letzten Bericht fertig ist. Nachdem er seine Tasse in die Küche gebracht hat, findet er erstaunt einen Umschlag auf seinen Schreibtisch mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten, Spencer.“ Wenn er ihn am nächsten Morgen öffnen wird, wird Spencer Reid überrascht und voller Freude ein quietschendes Geräusch von sich geben und glücklich zwei Karten für die Comiccon in der Hand halten.
no subject
Date: 2008-06-01 05:59 pm (UTC)Mir ist klar, dass der Wechsel der Zeit im letzten Abschnitt ein Stilmittel ist, um den Inhalt zu unterstreichen, aber für mich wirkt es als störend im Lesefluss. Ich hätte es schöner gefunden, wenn du in der Vergangenheit geblieben wärst. Trotzdem finde ich den Schluss inhaltlich sehr schön und die Idee mit den Comiccon-Karten klasse! Ebenso übrigens die Erwähnung der Stäbchen *breit grins*
Hotchs Ausraster im Wagen balanciert auf der Kante zu ooc, aber ist hier noch durchaus glaubwürdig mit der Figur gekoppelt in Bezug auf den Unfall und die Sorgen mit Jack.
Außerdem hat mir dieser Satz sehr gut gefallen:
- Sehr schöner Eindruck der Situation und sehr passend für Reid.
Alles in allem hatte ich Spaß an der Geschichte (und hoffe, dass mein Comment nicht zu harsch war.) Weiter so...
P.S.: Interesse deine CM-Stories bei
no subject
Date: 2008-06-01 06:41 pm (UTC)Und über einen so langen Kommentar freu ich mich natürlich um so mehr.
Ich hab mir wirklich überlegt, wie ich Hotch zum Weinen bringen kann und dachte mir, dass Schock ein tolles Mittel wäre. Ich erinnere mich da an einen eigenen Weinkrampf, nachdem ein ungeladener Gast eine Waffe zu einer Geburtstagsparty mitgebracht und Gäste bedroht hat. Und obwohl wirklich nichts passiert ist, konnte ich hinterher einfach nicht aufhören zu heulen. Aber ich dachte, dass würde Hotch wahrscheinlich nicht erschüttern...
Das mit "Aaron" hatte ich mir vorher gar nicht so genau überlegt, aber das stimmt definitiv, das werde ich noch ändern. Und falls ich jemand zum Betalesen find, poste ich es dann gern dort ^^
no subject
Date: 2008-06-01 06:47 pm (UTC)no subject
Date: 2008-06-01 08:44 pm (UTC)You crazee ladee! =D
Date: 2008-06-01 07:25 pm (UTC)Vielen Dank!
Und eine Schneesturm-Geschichte ist bei diesen warmen Temperaturen genau richtig *g* Außerdem mag ich diese Atmosphäre - genau wie Gewitter oder sintflutartigen regen. sehr schön.
Du schreibst übrigens einen ganz wundervollen, herzigen Reid =) Den möchte ich mir klauen.
Hotch möchte ich auch klauen, aber um ihn zu drücken und knuddeln und wuddeln, der Arme. Ich glaube, dass Schock zusammen mit der Überbelastung durch den Wegbruch der Familie eine glaubwürde (wahrscheinlich die einzig glaubwürdige) Methode ist, um seine Dämme brechen zu lassen. Und Reids reaktion, dieses hilflose Warten gemixt mit 'am liebsten würde ich ja jetzt wegrennen, aber das wäre wohl unpassend' ist absolut klasse. Kleiner sozialkrüppel ahoy (aber er rettet ja dann die situation durch tröstendes Streicheln *g* Schön!).
Die Comiccon Karten! Gigantisch! Hotch ist sooo nett. Du bist sooo nett! *dich einfach drückt*
=)
Danke!
aberaberaber womit habe ich das eigentlich verdient? *kopf kratz*
Re: You crazee ladee! =D
Date: 2008-06-01 07:34 pm (UTC)*rofl*
Und Hotch sieht das auch so! *g*
Date: 2008-06-01 07:37 pm (UTC)^///^
Date: 2008-06-01 09:04 pm (UTC)Danke für den lieben Kommentar♥
Ich wollte schon so lange, dass Reid mal Karten für die Comiccon bekommt.
Und so schlimm benimmt er sich gar nicht. Ich mein, wenn man seinen Chef immer nur stark erlebt und der dann plötzlich neben einem nen Weinkrampf kriegt...ich wüsste da auch nicht so recht XD
Re: ^///^
Date: 2008-06-02 05:00 pm (UTC)Und der schlechte Sex ist in Arbeit (und macht Spaß... also, zu schreiben *g*)
Bitte.
Die Ideemit der Comiccon ist toll und so passend. Außerdem traue ich Hotch zu, dass er sich sowas überlegt (wie war das noch mit der besten Mom? =) )
Reids Verhalten finde ich super - versteh mich nicht falsch. Es passt gut in die Szene und es passt super zu Reid (er ist nicht der Typ, der sofort eine Lösung für solche Probleme parat hat und sein Zögern ist klasse).
Wenn Hotch neben mir einen WEeinflash kriegen würde, ich würde wahrscheinlich mitflennen... *schnief*
*drück dich*