[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Fandom: Original (Steampunk again)
Challange: Wer die Wahl hat, hat… XD
Wörter: 820
Anmerkungen: Der zweite Auftritt für Mara. Der tiefe Sinn der Geschichte liegt verborgen,aber immerhin lernt man einige weitere Besatzungsmitglieder des Schiffes kennen. Und ich wollte mal jemanden weinen lassen (Ja, mir wurde bereits zuerkannt fies zu sein….) Außerdem werde ich es sobald nicht wieder tun…irgendwie weiß ich gar nicht, wie ein Weinkrampf von außen so richtig aussieht.


Mara lebte gern auf dem kleinen Luftschiff.
Meistens jedenfalls. Nur manchmal, ganz manchmal war es ihr ein klein wenig zu eng.
Das Schiff war zweifellos schön, aber 9 Menschen schienen manchmal einfach zu viel zu sein.
Vor allem 9 Menschen, die arbeiteten und redeten, ihren Kram über die Räume verteilten, die sich liebten (damals hatte sie beschlossen nie wieder auf der ganzen Welt einen Raum ohne Klopfen zu betreten), die stritten und kochten, putzten und Musik hörten und die einfach immer da waren.
Immerhin musste sie ihre Kabine nur mit Madame Medcin teilen. Nach einem halben Jahr hatte Mara es aufgegeben, herauszufinden wie ihre Mitbewohnerin wirklich hiess. Das wichtigste war doch, dass die Madame einen unglaublich guten Apfelkuchen backen konnte und dazu auch noch eine qualifizierte Ärztin mit einem leider etwas zu schrägem Humor war. Und sie hatten beide dieses Zimmer, nicht wie Adelen der in der Küche auf dem Tisch schlief und im hinteren Schrank 2 große Kartons mit Sachen aufbewahrte.
Wie gesagt, dass Schiff war klein.

Und immer wenn es ihr zu klein wurde, verschwand sie in dem kleinen Lager-/Wäsche-Wasch-/Krankenzimmer, zog den schäbigen Hocker hervor, kletterte hinauf und verschwand mit samt ihrer Lieblingsdecke (so gesehen auch ihre einzige Decke) im Lüftungsschacht. Sie war sich nie sicher, wer davon wusste, aber bisher hatte niemand etwas zu ihr gesagt. Sie lag in ihre Decke gehüllt im kühlen Schacht und lächelte ihre Kamera an. Sie träumte. Reporterin sein. Berühmt werden. Vielleicht für „New News“ oder „Airship Daily“ schreiben.

Als die Tür des Lagerraumes zuschlug, hielt sie automatisch die Luft an. Vorsichtig robbte Mara ein wenig näher zur Luke und erkannte, dass es Matthew, der Steuermann, war.
Als Mara das erste Mal auf das Schiff kam, hatte sie ihn für den Kapitän gehalten. Matthew war gute zwei Meter groß und muskulös. Seine Haare waren kurz und schwarz- und egal was passierte, ob Blut verklebt oder seit Tagen nicht gewaschen, sie lagen immer perfekt. Maras Haare hingegen waren rot und struppelig und häufig vom Öl und Russ ganz verschmiert. Matthew sprach wenig und sah immer ein wenig ernster aus, aber trotzdem lächelte er Mara meistens an. Wenn jemand angeborene Autorität hatte, dann ganz bestimmt Matthew.
Und nun sah sie ihn da unten stehen, ein zerknittertes Stück Papier in der Hand und irgendetwas sah ganz anders aus. Er zitterte leicht und das Schlucken schien ihm schwer zu fallen. Und plötzlich konnte Mara eine Träne über seine Wange laufen sehen und noch eine und immer mehr. War das Schluchzen am Anfang nur leise gewesen, wurde es nun immer lauter und in den Pausen schnappte er nach Luft. Es war so bizarr für sie diesen starken Mann weinen zu sehen. Matthew zog bebend Luft ein.
Für Mara sah es so aus, als müsste er immer weiter weinen ohne wirklich zu wissen, wie das geht. Einzelne Wortfetzen von ihm, „Albern“ und „so dämlich“, unterbrachen das Schluchzen, aber das Weinen wurde nicht weniger. Matthews Gesicht sah seltsam verzerrt aus. Mara überlegte, was sie machen sollte. Sie schloss konzentriert die Augen. Eigentlich sollte sie das ganze doch nicht sehen.
Ein neues Geräusch kam hinzu. Matthew saß nun in der Ecke und schlug rhythmisch mit dem Hinterkopf gegen die Wand, immer und immer wieder. Mara hatte nun wirklich Angst um ihn und beschloss ihren Schacht zu verlassen, als sie das leise Schließen der Tür hörte. Der Kapitän hielt seine Hand zwischen Matthews Kopf und die Wand und strich ihm beruhigend über die Haare. Matthew schaute, immer noch weinend, beschämt in die andere Richtung, Mara konnte ihm ansehen, dass er so bestimmt nicht gesehen werden wollte. Sie war erleichtert. Der Kapitän war da, d.h. es würde bestimmt besser werden und niemand musste je erfahren, dass sie hier war.
Der kleine rundliche Mann hockte sich vor Matthew auf dem Boden, beugte sich nach vorne und fing an beruhigend auf ihn einzureden. Matthew reichte ihm nach ein Paar Minuten das zerknüllte Papier. Er strengte sich wirklich an nicht zu weinen. Die Tränen wurden weniger und das Schluchzen leiser, nur umso heftiger wieder zu kehren. Der Kapitän redete leise und erweckte den Anschein, als gebe es nichts Normaleres auf der Welt, als das sein Steuermann von einem Weinkrampf geschüttelt im Lagerraum sitzt. Matthew stütze sich ungelenk am Boden ab, um sich in die Arme des Kapitäns zu werfen und sein Gesicht an dessen Brust zu drücken. Und der Kapitän hielt ihn fest und strich mit einer Hand über seinen Rücken bis das Schluchzen aufhörte.
Mara war sich nicht sicher, ob sie es richtig gesehen hatte, aber es schien so, als hätte der Kapitän ihn flüchtig aufs Haar geküsst.

Sicher war Mara sich nur darüber, dass sie das alles nicht hätte sehen sollen. Sie fühlte sich leicht schuldig, als sie möglichst geräuschlos durch den Lüftungsschacht robbte. Über dem Maschinenraum wäre es zwar etwas wärmer und schmutziger, aber bestimmt auch ganz schön. Außerdem war das bestimmte der letzte Ort, an dem jemand zum Weinen gehen würde.

 

Date: 2008-05-26 06:28 pm (UTC)
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^__^
Ich finde, den Weinkrampf hast du wirklich gut hingekriegt... Obwohl es mich jetzt vor Neugier zerreißt, was der Grund dafür ist. XD

Und die letzten Sätze = WIN.
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