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Team: Enterprise
Challenge: Musik — The Greyhound (Fürs Team)
Titel: We're Bound For Better Sailing
Fandom: Tatort Saarbrücken
Inhalt: Fortsetzung zu Was geht dich das an?
Worte: ~1000
Anmerkungen: Pull that oar until it cracks, we're bound for better sailing habe ich Mal als "nachdem alle schrecklich leiden wird es besser" interpretiert. Und schrecklich leiden heißt über Gefühle reden



Die Aufzugtür öffnete sich im Erdgeschoss. Adam machte einen Schritt nach draußen, drehte sich dann um und drückte den Knopf des Stockwerks aus dem er gerade gekommen war. Er würde mit Leo reden. Das Schweigen hielt keinen Tag länger aus. Trotzdem wollte ein Teil von ihm doch wieder einen Rückzieher machen als sich die Tür das zweite Mal öffnete. Aber er brauchte Gewissheit, selbst dann wenn es die Erkenntnis war, dass alles zu spät war und er wieder seine Sachen packen und diesmal endgültig von hier verschwinden würde.


Mit einem tiefen Atemzug trat er auf den Gang. Dort musste er sich zu jedem Schritt zwingen und als er vor der Bürotür angekommen war fühlte er sich für lange Sekunden wie erstarrt. Dann stieß er sie mit so viel Schwung auf, dass sie an das Aktenregal krachte, das zu nahe daneben aufgebaut worden war. Leo hob den Kopf. Sein Gesicht war ausdruckslos. “Ja?”


“Können wir reden?” Leo fixierte ihn jetzt aufmerksam. Er sagte nichts. Nichts, dass darauf schließen ließ, dass er dieses Gespräch auch wollte. Aber auch nichts wie Das fällt die ja früh ein oder Das sagt ja der Richtige und damit lief der Anfang schon besser als er sich vorgestellt hatte.


Adam machte ein paar Schritte nach vorne. Nicht bis ganz an Leos Schreibtisch aber nahe genug, dass es wie ein ganz normales Gespräch unter Kollegen aussah. Zumindest solange der Betrachter keine Ahnung von Körpersprache hatte.


“Es tut mir leid.” sagte er und bereute es sofort wieder. Damit hatte er es schon mehrmals versucht und es war nie gut angekommen. Und diesmal auch wieder nicht. Leo schnaubte und schaute ihn herausfordernd an. “Und wofür genau? Da gibt es ja einiges an Auswahl.”


Adam zwang sich nicht wegzusehen. “Es tut mir leid, dass ich dir gesagt habe du sollst nicht auf Lausch schießen.” Jetzt wich Leo plötzlich seinem Blick aus, drehte sich ganz weg und starrte auf die Wand. Dann stand er mit einem Ruck auf und lachte humorlos. “Weißt du. Das versteh ich sogar”, abrupt drehte er sich wieder zu Adam. “Ich habe...als wir dorthin unterwegs waren habe überlegt was wäre wenn zu spät kommen würden und”, er brach ab, ging zur immer noch offenen Bürotür und schloss sie. Außer ihnen war niemand mehr auf diesem Stockwerk und das wusste Leo auch. Er schaute wieder zu Adam. “Wenn...ich hätte dir nie gesagt, dass du nicht schießen sollst. Aber ich bin nicht du.”


“Es war trotzdem eine Scheißaktion von mir.” Leo widersprach nicht. “Und ich hätte dir sagen sollen, dass er wieder wach ist aber…” er wusste selbst nicht wie er es erklären sollte, denn die Wahrheit war, dass er nur immer wieder gedacht hatte, dass es wirklich besser wäre es Leo zu erzählen und es dann doch nicht getan hatte. Aber der winkte jetzt sowieso ab als würde ihn das schon nicht mehr interessieren. 


“Was willst du jetzt damit sagen?” fragte er in einem schärferen Ton als beabsichtigt. Leo antwortete nicht und jetzt reichte es Adam. Er ging auf Leo zu, bis er ihm so Nahe war wie schon lange nicht mehr. “Erklärs mir. Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe. Aber du musst mir dann schon sagen was genau das Problem ist. Aber ich werde nicht raten was ich falsch gemacht habe.” Leos Zusammenzucken zeigte, dass er auch den Teil gehört hatte, den Adam nicht laut ausgesprochen hatte. 


Für einen Moment herrschte Stille, dann flüsterte Leo: “Du bist damals einfach verschwunden.”


Adam starrte ihn an. “Darum gehts?”


“Ich dachte ich hätte...ich wär drüber weg...und dann tauchst du einfach wieder auf. Genauso plötzlich...” Leo senkte den Blick und starrte auf den Boden. Adam blieb so lange still bis er wieder aufschaute. 


“Dir gings damals so richtig dreckig.” Leo setzte an ihn zu unterbrechen aber Adam redete einfach lauter weiter: “Und das war meine Schuld. Und ich wollte nicht drauf warten, dass du mir das ins Gesicht sagst.”


Leo starrte ihn entgeistert an und brachte nicht mehr als ein “Was?” heraus. Natürlich hatte er das nie so gesehen. Adam könnte ein hysterisches Lachen nicht mehr unterdrücken und jetzt war Leo mit besorgtem Blick auf ihn zugekommen und sie standen plötzlich wieder so nah beieinander wie sie es früher immer getan hatten. Er streckte auch die Hand nach ihm aus aber erstarrte irgendwo ein paar Zentimeter von Adam entfernt. Ein Teil von Adam wollte sich umdrehen und wegrennen aber er zwang sich zu sprechen. “Ich war doch immer an allem Schuld.” Er sah das Leo wieder etwas sagen wollte aber er schüttelte heftig den Kopf weil er wusste, dass er sich kein zweites Mal überwinden können würde zu reden. 


“Wenn ihm sein scheiß Essen nicht geschmeckt hat, hat er meine Mutter dafür verprügelt aber auch mich weil ich sie ja abgelenkt haben muss. Sonst wär das ja nicht passiert. Und wenn ich danach sein beschissenes Training nicht so geschafft hab wie er es wollte weil mir alles weh getan hat, hat er weiter geprügelt weil ich mich ja nicht genug anstrenge.” Leo war blass geworden. Adam hatte immer vermieden direkt zu erzählen was bei ihm zu Hause passierte, hatte sich auf Andeutungen beschränkt und Versionen die viel harmloser klangen als das was eigentlich passiert war, auch wen ihm immer klar gewesen war, dass Leo gut zwischen den Zeilen lesen konnte. Aber solange er nichts konkretes sagte, hatten sie beide so tun können als wäre es nicht so schlimm. Der Zug war aber schon seit geraumer Zeit abgefahren. Und jetzt wo er angefangen hatte, konnte er nicht mehr aufhören. “Und wenn ich dann zu meiner Mutter bin hat sie mir gesagt, dass ich ja irgendwas getan haben muss. Dein Vater macht sowas ja nicht ohne Grund.” Er spürte Leos Hand auf seinem Arm. “Ich habe jeden Tag damit gerechnet, dass du mir sagst, dass…” wieder stieg das hysterische Lachen in ihm auf. Oder vielleicht auch Weinen. Er war sich da selbst nicht ganz sicher. Er setzte zu einem weiteren Versuch an aber jetzt brachte er gar nichts heraus und jetzt stiegen ihm definitiv Tränen in die Augen. Erst wurde Leos Griff um seinen Arm fester, dann ließ er los und fiel er Adam um den Hals. Für einen Moment war er erstarrt, dann vergrub er seinen Kopf in Leos Schulter.


“Es tut mir leid.” sagte er und verdammt hatte damit nicht alles angefangen. Er spürte Leos Kopfschütteln und hörte sein geflüstertes “Nicht. Nicht jetzt.”




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