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[identity profile] erynwen.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Enterprise

Fandom: Tatort Saarbrücken

Charaktere: Leo Hölzer, Adam Schürk, Pia Heinrich, Esther Baumann

Pairing: Leo Hölzer/Adam Schürk

Prompt: Charakterschwäche - Zu clever für's eigene Wohl (fürs Team)

Anmerkung: 3/5, folgt hierauf. Der Prompt ist da auch irgendwo vergraben, wenn man denn dann sucht.




Adam hatte schon immer einen leichten Schlaf, musste er haben, musste schließlich immer damit rechnen, mitten in der Nacht aus dem Bett gezerrt und um das Haus gejagt zu werden.

Als also eine Diele irgendwo im Zimmer knackt, schlägt Adam die Augen auf, reflexhaft, das Gehirn noch gar nicht richtig wach, und er blinzelt ein paar Mal, um die Umrisse im Zimmer zu erkennen und den letzten Rest Schlaf abzuschütteln.

Es ist noch sehr früh, das sieht er am Licht, das durch die Vorhänge scheint. Und natürlich ist niemand im Zimmer, aber Adam muss das seinem Adrenalinspiegel auch erst einmal deutlich machen, einige Male durchatmen.

Er merkt es nicht sofort, aber irgendwas ist anders, und er runzelt ein bisschen die Stirn.
Irgendwas, das fällt ihm dann doch nach ein paar Sekunden auf, das ist Leo, der mit dem Rücken zu ihm liegt, leise in sein Kissen schnarcht, und sich ein wenig an Adams Brust schmiegt.

Okay, Moment, das passt irgendwie nicht, denkt Adam, und dann wird es ihm plötzlich bewusst.

Er ist wohl im Schlaf zu Leo rüber gerollt, hat sich um ihn gewickelt wie so eine Kletterpflanze, sein Arm um Leos Hüfte, seine Beine mit Leos verknotet.
Oh shit, shit, shit.

Adam richtet sich langsam auf, minutiös, zeitlupenhaft, rutscht ein wenig von Leo weg.
Leo nuschelt irgendwas, rutscht Adam hinterher, und Adams Herz macht einen Satz, und er wartet gebannt, ob Leo aufwacht.

Der macht aber nur einen Laut irgendwo zwischen Grunzen und Schnarchen, sinkt wieder tiefer in die Bettwäsche, und das ist so unendlich niedlich, dass Adam versucht ist, sich wieder hinzulegen, Leo an sich zu ziehen und einfach liegen zu bleiben.

Aber das kann er nicht bringen, das ist ihm einfach alles zu viel und gleichzeitig nicht genug, und so rutscht er immer weiter von Leo weg, löst sich aus den verknoteten Gliedmaßen, langsam, langsam.

Dann ist es soweit, er liegt schon fast am anderen Ende der Matratze, und er setzt sich auf, schwingt die Beine aus dem Bett und sitzt auf dem Bettrand, den Kopf in den Händen vergraben.

Uff.

Er schleicht sich ins Badezimmer, Toilette, Hände waschen, entgeistert in den Badezimmerspiegel sehen, irgendwie wird das zur Gewohnheit, und er klammert sich kurz ans Waschbecken, atmet tief ein und wieder aus, fährt sich mit den Händen durchs Haar.

Was ist er bloß für ein Waschlappen, denkt er frustriert, und schleicht zurück ins Zimmer, angelt sich wieder seine Sportsachen und verschwindet wieder draussen.
Er läuft wieder um den See, einmal, zweimal.
Wenn das so weitergeht, kann er beim nächsten Marathon mitmachen.

Als er wieder aufs Zimmer zurückkommt, ist Leo schon wach, murmelt ihm ein “Morgen” zu, und vielleicht bildet sich Adam das ein, aber er wird das Gefühl nicht los, dass es komisch zwischen ihnen ist, dass sie sich über Gebühr aus dem Weg gehen, und er fragt sich, ob Leo das heute morgen mitbekommen und irgendwas in den falschen Hals gekriegt hat, oder ob es noch wegen gestern abend ist, dieser Blick auf Adams Hüftknochen, das hat Adam nicht vergessen.

Beim Frühstück sitzen sie also noch unbeholfener nebeneinander, dauernd entschuldigt sich einer von beiden, und irgendwann seufzt Pia nur genervt, “Wasn heute los mit euch, das ist ja bald nicht auszuhalten,” und keiner von beiden reagiert.
Adam könnte ihr nicht antworten, wenn er wollte.
Und er will ja gar nicht.

Immerhin ist der heutige Seminartag nicht wieder draussen geplant, denkt Adam, ist kurz froh, sich hinter einem Tisch und am liebsten hinter irgendeinem Stapel Papier zu verstecken, doch natürlich hat er das Glück nicht.

“Meine Lieben,” ruft der Seminarleiter, und Adam zuckt kurz das Augenlid, was für ein Bullshit, er ist sicher nicht der ‘Liebe’ von diesem Heini, “heute machen wir eine sehr intensive, aber auch sehr, wie ich finde, hilfreiche Übung, um die Kommunikation innerhalb eines Teams zu verbessern.”

Die Pause in der Ansprache ist ziemlich bedeutungsschwanger, und Adam bildet sich nicht nur ein, dass so ziemlich alle zu ihrem Tisch - und vermutlich besonders zu Adam - starren.

“Jeder von euch erzählt seinem Team ein negatives Erlebnis aus der Vergangenheit, und die anderen versuchen daraufhin, das ganze positiv zu formulieren, die guten Aspekte zu finden.”
Adams Augenbrauen wandern seine Stirn hinauf. Nicht sein Ernst.

“Und um das ganze etwas aufzulockern, würfeln wir heute mal die Gruppen durcheinander,” fügt der Typ hinzu und klingt total begeistert von seiner absoluten Scheißidee.

Adam wird ein bisschen schlecht, und vielleicht kann er das jetzt wirklich als Ausrede nehmen, da sieht er den Blick von Leo, dieses stille ‘du hast es versprochen’, und ja, hat er, aber da wusste er noch nichts von diesem Kackspiel.

Er seufzt schwer, als er aufsteht, und zu der Gruppe schlurft, der er jetzt zugeordnet wird. Wirft sich auf einen Stuhl, brummelt etwas vor sich hin, und verschränkt die Arme.

Seine Teamkameraden beginnen eine lebhafte Diskussion, jeder erzählt irgendwas völlig banales, was er oder sie als negativ empfunden hat. Ein paar Mal versuchen sie, Adam mit einzubeziehen, dass er seine ‘positive Sicht’ einbringt, aber er denkt gar nicht daran, sinkt nur noch tiefer in seinen Stuhl und sieht sich um.
Schräg vor ihm sitzt Leo, und natürlich ist er ganz in diese dämliche Aufgabe vertieft, redet und lächelt und macht Notizen, und Adam wird ganz aufmerksam, als da einer aus der Gruppe immer näher an Leo heranrückt, ihn anlächelt und ihm eine Hand auf den Arm legt.
Und Leo, Leo lächelt auch noch zurück, was zum Fick.

Adams Magen zieht sich zusammen, ihm ist mit einem Mal so schlecht, dass er auf den Tisch kotzen könnte, und in seinen Ohren rauscht das Blut, was glaubt der Typ da eigentlich, wer er ist.

Adam erwägt ernsthaft, aufzustehen und… ja was, dem Typen eine reinzuhauen? Auf Leos Schoß zu klettern, seine Besitzansprüche geltend zu machen?
Besitzansprüche, die er ja gar nicht hat, und Adam schüttelt sich ein bisschen, wow, das hat er irgendwie auch nicht gewusst, dass er so reagieren kann.

“Und, was ist dein negatives Erlebnis,” hört er plötzlich jemanden sagen, und er wendet sich wieder seiner Gruppe zu.
“Was,” blafft er den Fragenden an.
“Dein negatives Erlebnis. Da gibt es doch bestimmt was.”

Adam lacht beinahe laut auf, wo soll er bloß anfangen, aber er schüttelt nur den Kopf, verschränkt die Arme nur noch fester.
“Nee, vergiss es.”

“Und, wie sieht es bei euch aus,” kommt der Seminarleiter fragend angerauscht, und die anderen zeigen auf ihre Notizen, und irgendwer sagt, “Nur Adam hat noch nicht geantwortet.”
“Na, dann sag doch mal,” sagt jetzt auch der Seminarleiter, und auch hier schüttelt Adam nur den Kopf.

“Ach komm, eine Story wirst du doch haben,” grinst es ihm entgegen, und Adams Geduld hat dann doch ein Ende, und er lehnt sich vor und sagt, “Du willst ne Story hören? Ich hab eine Story für dich.
Wie wäre es damit, dass mein Vater mich in den Schrank gesperrt hat, immer mal wieder, seit ich sechs Jahre alt war, wann immer ich mich nicht benommen habe?
Oder wie wäre es damit, dass er mich geschlagen hat, wenn ich nicht so geantwortet habe, wie er das wollte?”

Adam merkt erst, dass er immer lauter wird, als er zu sprechen aufhört, und die Stille um ihn herum nur noch lauter wirkt.

Alle Anwesenden starren ihn an, das ist ihm bewusst, und aus dem Augenwinkel sieht er Leo, der schon halb von seinem Stuhl aufgestanden ist, und er hebt seine Hand, seine Hand die zittert, so wie der Rest von Adam zittert, und er drückt sich vom Tisch weg und springt von seinem Stuhl auf, so heftig, dass der Stuhl mit einem Knall umfällt, und Adam macht drei Schritte zurück, weg vom Tisch, und hört sich sagen, “Echt, das reicht mir jetzt hier,” dreht sich um und geht.

Geht durch den Speisesaal, durch das Foyer, über die Terrasse, immer weiter, immer schneller, bis er wieder am Seeufer steht, wütend und zitternd und alleine.

Er sieht über den See hinaus, friemelt sein Telefon aus der Tasche, jetzt ist es ihm endgültig egal, er öffnet seine Taxi-App, lässt sich ausrechnen, wie viel die Fahrt zurück nach Hause kostet.

Die Summe ist ordentlich, das muss er zugeben, aber es ihm wirklich, wirklich so egal, dass sein Finger schon über dem Button schwebt, er sich beinahe ein Taxi bestellt.

Da denkt er wieder an Leo, daran, dass der in Schwierigkeiten gerät, wenn Adam das hier vermasselt, und so sauer Adam auch gerade ist, das kann er nicht riskieren.
Wer weiß, auf welche Ideen ihre Vorgesetzten kommen, wenn Adam zu sehr aus der Reihe tanzt, das will er sich gar nicht vorstellen.

Also schließt er die App wieder, stopft das Telefon wieder in die Tasche.

So steht er am See, und raucht, und schimpft leise vor sich hin, und zittert und ist wütend.

Dieses Mal kommt ihm Leo nicht hinterher.

Adam ist sich nicht sicher, ob er das jetzt gut findet oder schlecht.


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