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Team: Enterprise

Fandom: Tatort Saarbrücken

Charaktere: Leo Hölzer, Adam Schürk, Pia Heinrich, Esther Baumann

Pairing: Leo Hölzer/Adam Schürk

Prompt: Orte - Im Hotel (fürs Team)

Anmerkung: 1/n, in der irrsinnigen Hoffnung, das bis Donnerstag noch fertig zu kriegen. Aber ich wollte unbedingt noch "there was only one bed" schreiben.



“Das ist jetzt nicht dein Ernst!”


Die Frau hinterm Empfang zuckt nur hilflos-entschuldigend mit den Schultern, als Adam sie entgeistert anblinzelt.


Neben ihm sieht Leo zu ihm herüber, er kann aus dem Augenwinkel die zusammengezogenen Augenbrauen sehen, ‘jetzt mach bitte keinen Aufstand’ soll das heißen, das kann Adam regelrecht hören. 

Aber.


Aber er steht im Foyer eines der piefigsten Hotels, in denen er jemals gewesen ist, eines der Sorte, dass seit den 80ern davon träumt, irgendwann etwas spezielles zu werden, aber nur für peinliche Veranstaltungen gebucht wird.


Peinliche Veranstaltungen wie die, zu der sie hier eingetrudelt sind.


Teambildung. Verfickete Teambildung. 


Adam hatte Leo den Vogel gezeigt, als dieser mit dem Flyer gewedelt hatte, hatte sich geweigert, auch nur ein Wort daraus zu lesen.


Und ja, natürlich gibt er ein bisschen Leo die Schuld für diesen ganzen Quatsch hier, auch wenn die Anweisung, auf dieses dämliche Seminar zu gehen, von ganz oben kommt, “wegen der ganzen Beschwerden, die über uns eingehen,” und zum Glück hatte Leo dabei auch Esther duster angesehen.


Und nun stehen sie hier, Esther natürlich wieder leicht amüsiert mit diesem kleinen, fiesen Lächeln auf den Lippen, und Adam würde sie nur zu gerne anblaffen, aber er hat grad wichtigere Probleme.


“Und ihr habt wirklich kein Zimmer mehr frei,” fragt er also noch einmal, als hätte die Hotelangestellte einfach vergessen, dass irgendwo hinten links noch eine Besenkammer frei ist.


“Ich weiß gar nicht, warum du dich so anstellst,” frotzelt da Esther, “ihr seid doch so dick.”


Jetzt dreht sich Adam doch zu Esther, und zischt, “Ach halt doch einfach deine Klappe.”

“Adam,” kommt warnend von Leo, und Adam hebt nur abwehrend die Hand.


“Warum könnt ihr denn nicht zusammen schlafen,” fragt er stattdessen mit einer Handbewegung zwischen Pia und Esther. Er nimmt entfernt wahr, dass Pia ihn mit großen runden Augen ansieht und den Kopf schüttelt, da antwortet Esther auch schon süffisant, “Weil Pia schnarcht, und wenn sie dabei neben mir liegt, dann überlebt sie die nächsten drei Tage nicht.”


“Na, dann schlaf ich bei Pia. Mir macht das nichts,” hört sich Adam sagen, und er weiß auch, dass das eine blöde Idee ist, aber er ist verzweifelt.


“Adam, das geht nicht,” mischt sich Leo wieder ein, und Adam fällt schnaufend in sich zusammen, dreht sich wieder zur Rezeption.

“Jaja, ich weiß. Dann gib mir halt endlich diese Schlüsselkarte.”


Er hätte sich krank melden sollen, sich weigern sollen, mitzukommen. Sollte sich jetzt umdrehen und wieder nach Hause fahren. All das schießt Adam durch den Kopf, als er hinter Leo her zum Zimmer schlurft.


Aber er kann natürlich nicht einfach so nach Hause fahren, sie sind nämlich zusammen hergefahren, und er kann ja auch schlecht Leo hier sitzen lassen, so mitten in der Pampa.


Adam seuftz innerlich schwer, als er sich mit seinem Schicksal abfindet, mit Leo ein Zimmer teilen zu müssen für die nächsten drei Nächte.


Drei Nächte.


Und ja, Esther hat natürlich Recht, so von aussen betrachtet ist es ja eigentlich kein Problem, immerhin ist Leo sein Freund, und sie kennen sich schon ewig, und das wäre ja auch nichts anderes wie diese eine Klassenfahrt damals, als sie im Taunus ein Etagenbett geteilt hatten.


Wenn, tja, wenn da nicht diese eine Sache wäre, die Adam mit sich rumschleppt, seit er wieder im Saarland ist. Diese Sache, die er viel zu schnell gemerkt und deswegen ganz weit weg geschoben hat, eine Schublade irgendwo in sich drin, das kann er gut, er hat lauter solche Schubladen, da ist irgendwo eine ganze Kommode voll unterdrückter Gefühle, da kommt es auf eine mehr nicht an.


Er weiß es nicht mehr ganz genau, aber es war vermutlich bei diesem allerersten Blick, verwirrte blaugrüne Augen, die ihn ansahen, als wäre er nicht echt, dass Adam es bemerkte, zum ersten Mal oder erneut, wer weiß das schon so genau.


Er fühlt sich zu Leo hingezogen, angezogen, ist so hilflos verknallt, dass es schon fast lächerlich ist, und natürlich behält er das für sich, er ist ja nicht völlig bescheuert, und bisher kann er das wirklich ziemlich gut verstecken, wenn er das mal so einschätzen darf.


Aber bisher musste er ja auch noch keine drei Nächte in einem Hotelzimmer mit Leo verbringen.

Schlimmer noch, in einem Bett.


Und was für ein Bett, wie er mit einem Blick darauf feststellen muss.


Es läuft wohl unter Kingsize, das kann Adam sich schon vorstellen, aber ihm kommt es winzig vor, viel zu klein für zwei erwachsene Männer, von denen einer so gebaut ist wie Leo.


Wobei Adam jetzt besser an alles denken sollte, nur nicht an Leos Körper in diesem Bett, das kann er jetzt nun gar nicht gebrauchen.


Er feuert also lieber seine Reisetasche in die Ecke, sieht sich kurz im Zimmer um. Ein Schreibtisch, ein Stuhl, Fernseher an der Wand. Ein Schrank, an dem Leo steht und seine Hemden auf die Kleiderbügel zieht. 


Adam hat sich immer gefragt, wer das eigentlich macht, lebt er eigentlich immer aus seiner Reisetasche, aber natürlich ist Leo so einer, der sich in Hotelzimmern breit macht, weil er für die nächsten Tage schließlich darin wohnt.


Adam muss ein bisschen grinsen, und er fühlt schon wieder dieses warme Kribbeln in der Brust, das er so oft spürt, wenn er an Leo denkt oder Leo bei irgendwas alltäglichen beobachtet, und er schüttelt sich.


Das fängt wirklich richtig gut an.


Damit es nicht noch schlimmer wird, beschließt er den Rückzug anzutreten.

“Ich geht grad mal eine rauchen,” murmelt er also ins ZImmer, und Leo dreht sich zu ihm um, mit einem kleinen Lächeln im Gesicht, dass bei Adam Dinge auslöst, die er gerade nicht näher betrachten will.


“Ja, aber vergiss nicht, in einer halben Stunde ist Vorstellungsrunde unten.”

“Ich denk an nichts anderes,” antwortet Adam trocken und zieht die Tür hinter sich zu, als Leo schnaubend lacht.


Unten lotst man ihn zum Rauchen auf die Terrasse, und Adam nimmt einen tiefen Zug und starrt auf einen ziemlich winzigen Parkplatz und dahinter liegende Bäume und hinterfragt sein Karma.


Der restliche Nachmittag kostet Adam dann so viel Aufmerksamkeit und Nerven, dass er glücklicherweise nicht mehr wirklich an seine Schlafsituation denkt.


An Flucht denkt er wesentlich öfter, fragt sich, ob er nicht durch den Wald zur Autobahn rennen und da sein Glück per Anhalter versuchen sollte.


Dieses Seminar kommt direkt aus der Hölle, zumindest aus Adams persönlicher. Vorstellungsrunde, mitsamt “was erhoffen Sie sich von diesem Wochenende” (“Dass mein bester Freund dann noch mit mir spricht” wäre Adams Antwort darauf, aber das behält er natürlich für sich), gemeinsames Essen, jemand versucht sich an Small Talk, Adam erwägt einen Mord.


Irgendwann findet er sich wieder auf der Terrasse, so weit es geht weg von den anderen Rauchern, da steht plötzlich Leo neben ihm.

“Das ist echt nicht so deins oder?”


Adam lacht beim Ausatmen, Rauch steigt in den allmählich dunkel werdenden Himmel.

“Nee, nu echt nicht.”

“Mhm. Kannst du wenigstens versuchen, ein bisschen weniger anti zu sein? Ich hab keinen Bock, dass sich die Seminarleitung auch noch beim Chef beschwert, dann krieg ich wieder einen auf den Sack.”


Adam sieht zu Leo hinüber, die hochgezogenen Schultern, die Hände in den Hosentaschen, und er wird ganz weich innen drin, fühlt seinen Zynismus wegbröckeln, und er legt Leo die Hand auf die Schulter und drückt einmal zu.

“Klar. Für dich krieg ich das hin.”


Leo dreht sich zu ihm und lächelt ihn an, und Adam lächelt zurück, und vielleicht stehen sie unnötig lange so da und lächeln sich dämlich an, Adam weiß es nicht und es ist ihm auch egal.


“Kommst du dann bald hoch? So allmählich reicht es mir für heute.”

Adam schreckt ein wenig zusammen. Es ist doch noch früh, viel zu früh, das geht ihm jetzt doch zu schnell, er ist noch nicht soweit.


“Ja, lass mich noch fertig rauchen,” antwortet er dann auch nur, obwohl seine Zigarette schon fast auf den Filter runter ist. 


Leo sieht das natürlich auch, zieht fragend die Augenbraue hoch, und Adam lacht ein wenig unbeholfen.

“Ich meinte, eine rauche ich noch. Musst nicht auf mich warten.”


Leo zieht die Augenbrauen zusammen, zuckt dann aber mit den Schultern.

“Okay. Dann bis gleich,” sagt er, bleibt aber neben Adam stehen.

“Ja, bis gleich,” sagt der dann auch mit Nachdruck und schiebt Leo so ein bisschen von sich weg, jetzt geht schon.


Leo geht also, und Adam macht sich tatsächlich noch eine Zigarette an, obwohl er eigentlich gar nicht rauchen will, was anderes fällt ihm jetzt nicht ein, was nicht auf ein hemmungsloses Besäufnis an der Hotelbar hinausläuft.


Um ihn herum verschwinden immer mehr Leute im Hotel, es wird dunkel und still, und Adam fragt sich, wie lang er hier wohl stehen kann, bevor ihn jemand vom Personal davonscheucht, ob er nicht vielleicht hier draussen schlafen kann, so kalt sind die Nächte gar nicht mehr.


Er seufzt noch einmal frustriert, als er seine Zigarette im Aschenbecher ausdrückt, seine Hände in die Hosentaschen fahren lässt. Er schließt eine Hand um die Schlüsselkarte und schluckt.

Okay. Okay.


Er versucht, leise zu sein, als er die Hotelzimmertür öffnet, weil er zum einen hofft und zum anderen fürchtet, dass Leo schon pennt. Fürchtet, weil er ihn natürlich nicht wecken will, hofft, weil er dann wenigstens so awkward wie möglich einen stillen Nervenzusammenbruch kriegen kann.


Natürlich hofft er umsonst, Leo liegt im Bett und liest ein Buch, sieht zu ihm hoch, als er zur Tür reinkommt.


“Das war aber eine lange Zigarette,” stellt Leo fest, und Adam versucht gar nicht erst zu verstehen, warum Leo das jetzt sagt, soll das ein Vorwurf sein, oder nur Konversation, man weiß es nicht.


Deswegen sagt Adam auch nichts, als er sich aus seiner Jacke schält, seine Reisetasche öffnet, um seinen Kulturbeutel rauszukramen.


Hoffentlich kann Leo damit leben, dass Adam nur in Boxershorts und Unterhemd schläft, das schießt Adam kurz durch den Kopf, dann verdrängt er es wieder. Kann er jetzt nicht ändern, er wusste ja nicht, dass er nicht alleine schläft.


Adam verschwindet im Bad, verbringt erstaunlich viel Zeit damit, sich die Zähne zu putzen. Schielt auf die Badewanne und überlegt, ob er das eventuell durchziehen kann. So unbequem ist das nicht, wäre nicht das erste Mal, aber dann müsste er Leo erklären, warum er in der Badewanne schlafen will, und das kann er ja nicht.


Er sieht sich eine Weile im Badezimmerspiegel an, dann schüttelt er nur resigniert den Kopf und geht zurück ins Zimmer.


Leo liest immer noch, es hat schon etwas demonstratives, wie er da so mit dem Rücken gegen das Kopfteil gelehnt sitzt, die Beine angezogen, um das Buch darauf zu stützen.


So als wollte er Adam wissen lassen, dass er so lange dieses verdammte Buch liest, bis Adam endlich ins Bett kommt.


Adam hingegen schielt ganz kurz auf den Stuhl, für ganze fünf Sekunden, dann verwirft er diese Idee wieder. 

Das ist selbst ihm zu unbequem.


Stattdessen macht er einen Schritt auf das Bett zu - und bleibt erst einmal davor stehen, als wäre ihm das Konzept irgendwie neu, als wüsste er nicht so genau, was als nächstes kommt, und er findet sich selbst schon ein bisschen sehr lächerlich, da sagt Leo, “Adam, jetzt stell dich bitte nicht so an, ich beiß dich schon nicht.”


Adam muss ein bisschen lachen - was ist denn, wenn er das gar nicht mal so schlimm fände, hm Leo, was dann - dann schlägt er die Bettdecke zurück, setzt sich auf die Matratze, und dreht sich zu Leo um.


“Vielleicht beiße ich ja,” sagt er mit einem Grinsen, und Leo verdreht die Augen und liest weiter.


Adam macht noch kurz Anstalten mit seinem Kissen - die Dinger sind aber auch immer zu weich - dann legt er sich mit geschlossenen Augen auf den Rücken und atmet einfach nur tief ein.


“Soll ich das Licht ausmachen,” fragt Leo leise, und Adam muss direkt noch einmal atmen, weil dieses leise, vorsichtige, das ist gerade echt ein bisschen viel.


“Mir egal,” murmelt Adam, weil es ihm gerade wirklich egal ist, Licht an, Licht aus, Hauptsache, er stürzt sich nicht bei der nächsten Gelegenheit auf den Mann neben ihm.


Er hört ein Rascheln, dann ein dumpfes Geräusch, als Leo das Buch auf den Nachttisch legt. Ein Klicken, und das Licht im Zimmer geht aus.


Leo rutscht neben Adam ins Kissen, und oh Gott, oh Scheiße, Adam kann Leo riechen, kann die Wärme spüren, die er ausstrahlt, und Adam legt den Arm über die Augen und atmet zitternd ein.


Das wird eine lange Nacht.



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