Orte — in der Wüste (fürs Team)
Sep. 17th, 2021 06:39 pmTeam: Enterprise
Challenge: Orte — in der Wüste
Titel: (Nicht) Nach Protokoll (Teil 3) (Teil 2) (Teil 1)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Worte: ~900
Das Shuttle war in der Wüste gelandet aber es war schon früher Abend, also war die Hitze auch für Menschen erträglich. Ich studierte noch einmal meine Karten und erklärte dann Adam: “Es gibt eine Höhle. Wir werden vielleicht sechs Stunden dorthin brauchen. Dort können wir übernachten und sind dann Morgen vor der schlimmsten Hitze geschützt. Abends können wir weiter und müssten es dann eigentlich bis zur Siedlung schaffen.” Er nickte nur.
Wir gingen schweigend weiter und wenn ich ein Mensch gewesen wäre, hätte ich sicher nicht gemerkt, dass Adam nach einiger Zeit nicht mehr hinter mir herlief sondern plötzlich stehenblieb. Aber ich war nun mal kein Mensch und hatte außerdem damit gerechnet, dass er irgendwann genug über die Ereignisse der letzten Stunde nachgedacht hatte um Fragen zu haben. Ich drehte mich. Er starrte mich an. Angst war eine Emotion die ich schon oft gesehen hatte und deswegen gut lesen konnte.
“Wofür genau wirst du bezahlt?” Seine Stimme zitterte nur ein wenig.
“Ich werde für gar nichts bezahlt. Die Firma wird bezahlt und ich mache was sie mir sagen...also ich habe das gemacht. Jetzt nicht mir.” Ich konnte ihm ansehen, dass ich bei der Erklärung ein paar Schritte zu viel übersprungen hatte, also erklärte ich das mit dem gehackten Kontrollmodul.
Er schien nicht so ganz überzeugt zu sein. “Und wann hast du das gemacht?”
“Kurz ich bei euch angekommen bin.”
Adam klang immer noch nicht überzeugt. “Du hättest alles tun können aber hast beschlossen doch genau das zu tun was dir befohlen wird?”
Menschen. “Ich hätte nicht alles tun können. Man mag hier keine unkontrollierten GuardUnits. Wenn das jemand merkt lande ich auf dem Schrottplatz.” Er zuckte zusammen als ich das sagte, aber sein zweifelnder Blick war immer noch nicht verschwunden. Mir war nicht ganz klar an welchem Teil meiner Geschichte er warum zweifelte und wusste deswegen auch nicht was ich ihm jetzt noch sagen konnte.
“Dein eigentlicher Auftrag...der Auftrag den deine Firma bekommen hat...wie auch immer du das nennen willst. Die hätten mich umbringen sollen. Mein Vater wollte mich umbringen lassen.” Wäre ich ein Mensch gewesen, wäre ich jetzt wahrscheinlich zusammengezuckt. Als hochentwickelte Künstliche Intelligenz hatte ich nur plötzlich das dringende Bedürfnis wegzuschauen. Nur musste ich leider feststellen, dass wir in einer Wüste waren und es deswegen nur die Auswahl gab zwischen Sand und Adam. Bevor er das laut ausgesprochen war alles noch irgendwie theoretisch gewesen. Jetzt stand dar jemand, der nicht sonderlich davon überrascht zu sein schien, dass sein Vater ihn hatte umbringen wollte. Ich nickte.
“Und du hast schon von Anfang an beschlossen mir zu helfen weil sich deine Situation ja so unglaublich verbessert wenn du jetzt mitten im Nirgendwo hockst? Oder war das eher so ein spontaner Entschluss weil dir langweilig war?”
Es hatte gedauert bis ich Sarkasmus so richtig verstanden hatte, aber im Laufe meiner Existenz hatte ich mit vielen Kunden zu tun gehabt die fast ausschließlich sarkastisch kommunizierten. Deswegen - und weil es in einer Serie Mal einen ähnlich seltsamen Plot gegeben hatte - glaubte ich, dass ich verstanden hatte was er dachte.
“Du denkst, das ist immer noch Teil des eigentlichen Plans, dass ich dich retten sollte um dich in Sicherheit zu wiegen und dich später umzubringen?” Damit schien ich ins Schwarze getroffen zu haben. “Welchen Sinn hätte das?”
“Das weiß ich auch nicht.” Adam schrie jetzt. “Aber ich traue dem alles zu.”
Niemand gab gerne Fehler zu aber ich hatte völlig unterschätzt wie viel Angst Adam hatte. Er hatte sie aber auch sehr gut verborgen.
Ich hätte ihm jetzt sagen können, dass wir mitten in der Wüste waren und ich der mit dem eingebauten Kartenmodul war. Er hatte also die Wahl zwischen vor mir weglaufen und verdursten oder mit mir mitkommen und hoffen, dass ich ihm die Wahrheit gesagt hatte.
“Mein ursprünglicher Plan war so lange so zu tun als ob ich noch unter Kontrolle der Firma bin, bis sich eine Gelegenheit bietet irgendwohin abzuhauen wo es KIs einfacher haben.” Dieser Teil des Plans war extrem vage gewesen, denn ich wusste zwar, dass es Planetensysteme gab in denen KIs nicht verpflichtend unter menschlicher Kontrolle stehen mussten aber ich hatte keine Ahnung welche das waren. Aus irgendwie nachvollziehbaren gründen hatte man uns nie gesagt welche das waren. “Aber...dann...”
“Dann was?”
“Du warst so nett.”
Nach Angst und Misstrauen war da jetzt einfach Verwirrung. “Nett?”
“Sonst haben mich die Kunden so behandelt als wäre ich”, jetzt besser nicht ein sprechender Granatwerfer sage, “irgendein Gerät.” Und bevor ich richtig darüber nachgedacht hatte sagte ich noch: “Mich hat noch nie jemand gefragt was ich schauen möchte.” Wie erwähnt: da hatte ich nicht nachgedacht. Sonst wäre mir vielleicht der Gedanke gekommen, dass das nicht der überzeugendste Grund für Ich habe nicht zugelassen, dass dich jemand umbringt und damit dafür gesorgt, dass meine Existenz um einiges komplizierter wird. Dummerweise stimmte es aber. Und Adam...glaubte mir das auch. Zumindest entspannte er sich ein wenig und wirkte jetzt nicht mehr so als wollte er jeden Moment wegrennen. Und dann schien er sogar zu lächeln. Ganz leicht. Aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Ich habe ja schon erwähnt, dass es Emotionen gibt die ich nicht so einfach lesen kann wie andere. Das würde aber bedeuten, dass es irgendeinen Grund gab warum ich mir das einbildete. Ich schob den Gedanken zur Seite.
“Gehen wir jetzt?” fragte ich. Adam nickte.