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Team: Enterprise
Challenge: Sci-Fi/Fantasy — Künstliche Intelligenz
Titel: (Nicht) Nach Protokoll (Teil 2) (Teil 1)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Worte: ~1100



Der nächste Tag verlief relativ ereignislos. Adam frühstückte und schaute dabei immer wieder zu mir. Mein komplettes Wissen über menschliche Emotionen war, wie schon einmal erwähnt beschränkt. (Abgesehen von tatsächlichen Interaktionen schaute ich auch Serien. Vor Adam hatte hatte mich zwar noch nie jemand eingeladen aber wenn eine Kunde gerade etwas schaute während ich arbeitete...naja. Hätte ich vielleicht erwähnen sollen aber so relevant war es jetzt auch nicht. Eigentlich wollte ich damit jetzt nur sagen, dass ich doch mehr als drei menschliche Emotionen auseinanderhalten kann und ich mir zumindest zu 68% sicher war, dass es Adam immer noch unangenehm war, dass ich dauernd stand. Vielleicht hätte ich ihm dass von wegen Firmenprotokoll nicht sagen und mich einfach setzen sollen).


„Ich möchte dich was fragen, aber ich will nicht, dass du deswegen in Schwierigkeiten gerätst.“


In Serien waren Menschen manchmal so überrascht von etwas, dass sie mit offenem Mund dastanden. Ich war ja kein Mensch. Meine Überraschung war also rein innerlich. Als ich mich davon wieder erholt hatte merkte ich, dass Adam mich immer noch anschaute. Achso. Ich glaube er wollte eine Antwort, auch wenn das strenggenommen gar keine Frage gewesen war.


„Es gibt Dinge über die ich laut Firmenprotokoll nicht sprechen darf. Aber ich kann die Antwort auf bestimmte Fragen verweigern. Das hat keine Konsequenzen für mich.“


„OK“, sagte er und machte dann eine weitere Folge Detektivin Long Chau an. Ich fragte mich wo diese Serie spielte. Das Raumschiff war eindeutig eine künstliche Intelligenz aber die rechtliche Situation schien ganz anders zu sein als hier. Zumindest wirkte es nicht als ob The Shadow’s Child (ja...so hieß das Schiff. Warum auch immer) der Detektivin gehörte. Oder vielleicht war sie einfach nur eine sehr umgängliche Besitzerin.  


Nach der zweiten Folge fragte er dann: „Meldest du alles was hier passiert meinem Vater?“


Ich hätte Ich melde gar nichts sagen können weil das eigentlich stimmte. So mehr oder weniger. Aber ich sagte etwas anderes: „Alles wird aufgezeichnet. Die Kunden können es sich anschauen.“ Und dann sagte ich noch etwas das auch stimmte: „Die wenigsten tun das aber.“


Adam seufzte. „Mein Vater wahrscheinlich schon.“ Und ließ dann die nächste Folge laufen.


Am nächsten Tag fragte er ob ich lieber etwas anderes schauen wollte. Die Situation war im Firmenprotokoll nicht vorgesehen weil bestimmt in der ganzen Geschichte Der Firma noch nie ein Kunde seine GuardUnit nach deren Präferenzen für Unterhaltungsmedien gefragt hatte. Wenn es aber einen Eintrag gegeben hätte, dann wäre sicherlich die Anweisung gewesen dem Kunden die Entscheidung zu überlassen. Ich sagte: „Ich mag Shadow’s Child.“ (Auch wenn der Name wirklich seltsam war). Wir schauten die Staffel zuende.


Am nächsten Tag bewegte sich das Shuttle langsam Richtung Planetenoberfläche. Es änderte nicht seine Geschwindigkeit, weswegen es Adam nicht auffiel. Erst als es vollkommen zum stehen kam, die Tür aufging und zwei schwer bewaffnete Gestalten hereinstürmten wurde ihm klar, dass da etwas so ganz und gar nicht stimmte. Naja, besonders letzteres war ein ziemlich eindeutiger Hinweis.


Habe ich die nicht kommen sehen? Aber natürlich habe ich das. Die Sache ist nur, dass Adams Vater Die Firma nicht dafür bezahlt hat seinen Sohn sicher auf die andere Seite des Planeten zu bringen sondern um ihn loszuwerden. Gegen einen gewissen Aufpreis ist das überhaupt kein Problem. (Seltsam eigentlich, dass das teurer ist. Die eigentliche Reise zum Ziel hätte zwei Wochen gedauert, und jetzt sind wir nach vier Tagen fertig). Hätte ich das erwähnen sollen? Wahrscheinlich schon. Ist ja schließlich relevanter als mein Serienkonsum.


Adam starrte mich an. So ähnlich hatte Long Chau auf Shadow’s Child geschaut als der Verbrecher den sie gerade überführt hatten gedroht hatte einen Virus auf auf Shadow’s Child’s Persönlichkeitsmodul loszulassen. Long Chau hatte Angst um das Schiff gehabt. Adam schaute gerade als ob er Angst um mich hatte. Der kleine aber doch relevante Unterschied zwischen den beiden Situationen war allerdings dass ein Computervirus Long Chau nicht gefährlich werden konnte weil sie ein Mensch war. Die Waffen die die beiden hatten konnten Adam dagegen sehr gefährlich werden. Mir eher weniger. Zum einen weil GuardUnits sehr widerstandsfähig waren und zum anderen weil ich Anweisung hatte daneben zu stehen und nichts zu tun. Die Firma würde dann behaupten die Kerle hätten mein Kontrollmodul gestört und die Aufzeichnungen entsprechend manipulieren. Das ganze wäre einfach ein sehr tragischer Zwischenfall aber wer hätte den damit rechnen können dass zwei technisch so gut ausgestattete Verbrecher unterwegs waren...


Ich habe da noch etwas relevantes verschwiegen. Ich habe mein Kontrollmodul gehackt. Auf dem Weg von der Zentrale in der ich meine Anweisungen enthalten hatte zum Ort an dem ich Adam getroffen hatte. Das war nicht gerade leicht aber auch nicht unmöglich. Billige Ersatzteile und so. Die Firma konnte mich nicht mehr steuern. Ich hätte mich die ganze Zeit zu Adam setzen können, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen gehabt hätte. Und für die aktuelle Situation wichtiger: ich musste nicht tatenlos zusehen wie die beiden Adam umbrachten. Ich konnte ihn beschützen. Ich aktivierte also meine Waffen und schoss.  


Es ging alles sehr schnell, denn sie hatten ja nicht mit Gegenwehr gerechnet. Außerdem war ich eine sehr gute GuardUnit (sofern man mich den ließ). Dann schaute ich auf die beiden Leichen und dachte Oh. Weil mir erst jetzt klar wurde wie dumm das was ich gerade getan hatte gewesen war. Ein Grund warum ich mich nicht einfach verdrückt habe sobald ich mein Kontrollmodul gehackt hatte war, dass dann sofort klar gewesen wäre, dass ich eine außer Kontrolle geratene GuardUnit war und so etwas mochten Menschen gar nicht. Mein Plan war gewesen erst einfach eine Weile so zu tun als wäre ich nicht außer Kontrolle und zu hoffen, dass sich dann eine Gelegenheit ergab sich unauffällig aus dem Staub zu machen. Jetzt stand ich mit zwei Leichen in einem nicht mehr funktionsfähigen Shuttle das unter Garantie von der Firma trotzdem noch geortet werden konnte. Die meisten würden das nicht als unauffällig bezeichnen und sie hätten damit recht.  


Adam der bis eben noch erstarrt dagestanden hatte drehte sich jetzt zu mir um. In einer sehr, sehr schlechten Serie die ein Kunde einmal geschaut hat, hat einer der Figuren gesagt Dein Blick verrät mir, dass du genau begriffen hast was gerade passiert ist. Ich fand damals schon, dass das verdammt viel für so einen einzigen Blick ist und ich hatte auch keine Ahnung ob Adam alles begriffen hatte aber zumindest einiges musste er verstanden haben denn er fragte „Ist irgendeine Stadt hier in der Nähe? Siedlung? Irgendwas?“ Ich rief eine Karte auf und schaute nach.


„Zu Fuß: zwei Tage. Bis zu einer mittelgroßen Siedlung mit einem Shuttleflughafen der nur eine sehr begrenze Anzahl von Zielen anfliegt.“


„Das reicht erst Mal.“, sagte Adam und schnappte sich den Rucksack eines der Eindringlinge und begann Essen hineinzustopfen. Dann warf er mir noch einen fragenden Blick zu. „Brauchst du eigentlich irgendwas? Also du isst ja nichts aber sonst?“  


Ich schüttelte den Kopf.


„Dann lass uns gehen.“




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