AU — Zukunft/Sci-Fi (fürs Team)
Sep. 2nd, 2021 11:11 pmTeam: Enterprise
Challenge: AU — Zukunft/Sci-Fi
Titel: (Nicht) Nach Protokoll (Teil 1)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Inhalt: Eigentlich soll der AI Bodyguard Adam auf seinem Weg nur beschützen
Worte: ~900
Anmerkungen: Ist das noch AU oder schon OOC? Who knows
Danksagung: An Martha Wells, deren Murderbot Diaries über eine AI die gegen ihren Willen Freundschaften schließt dieses AU heftigst inspiriert haben. Und an Aliette de Bodard deren Long Chau und Shadow Child aus The Tea Master and the Detektive ich hier auch ein wenig verwurstelt habe.
Bevor es losging beschimpfte mein Kunde seinen Sohn. Oder wurde mein Kunde von seinem Vater beschimpft? Der Vater zahlte dafür, dass ich seinen Sohn begleitete (und noch für...anderes), also wohl eher ersteres. Natürlich tat er das außer Hörweite. Also außer menschlicher Hörweite. Ich hörte trotzdem genau wie er seinem Sohn erklärte wie nutzlos er doch war. Menschen waren dumm und vergaßen deswegen oft, dass nicht alles was aussah wie sie die gleichen Einschränkungen hatte. Allerdings hätte ich gedacht, dass jemand, der Der Firma soviel für eine GuardUnit zahlt, die genau nach seinen Wünschen handelt sich eher daran erinnert. Er wollte ja schließlich, dass sein Auftrag erfolgreich abgeschlossen wurde. Das wäre mit Menschen bei weitem nicht so sicher. Andererseits war es natürlich genauso gut möglich, dass er genau wusste, dass ich ihn hören konnte und es ihm einfach egal war. Ich war ja kein Mensch. Man machte sich ja auch keine Sorgen, dass Küchengeräte seine Geheimnisse mithörten. (Die Firma stellte auch Küchengeräte her. Wahrscheinlich sollte man sich über so etwas Sorgen machen). (In meinem Fall wäre auch eher ein Vergleich von wegen „Man macht sich ja auch keine Sorgen darüber, dass ein Granatwerfer seine Geheimnisse mithört“ angemessener). Eigentlich war es ja sowieso egal. Es gab einen Auftrag. Dafür war ich da.
Das Vater/Sohn-Gespräch/einseitiges Anschreien war beendet und ich deutete das als Signal, dass jetzt meine Anwesenheit erwünscht war, also ging ich auf die beiden zu. Keiner sagte etwas. Es musterten mich nur beide mit Blicken die ich nicht wirklich deuten konnte. Ich hatte zwar viel Zeit mit Menschen verbracht aber es war im Allgemeinen nur wichtig, dass ich erkennen konnte wenn jemand Angst hatte oder wütend wurde. Da war dann normalerweise eine Intervention meinerseits gefordert. Aber niemand sagte „Ich schaue übrigens gerade misstrauisch.“ Da sagte man ja auch nicht seiner Spülmaschine. Oder seinem Granatwerfer. Und deswegen war ich nicht so gut darin Emotionen die nicht ein sofortiges Eingreifen meinerseits erforderten zu lesen. War ja auch nicht wichtig.
„Sind Sie bereit?“, fragte ich. Der Vater antwortete: „Natürlich ist er das.“ und gab seinem Sohn einen Stoß, so dass er auf mich zustolperte. Wir stiegen beide ins Shuttle. Adam setzte sich. (Inzwischen hatte ich doch in meinem Speicher nach den Namen der Beteiligten gesucht. Ein paar Tage würden wir ja miteinander verbringen und da würde ich wahrscheinlich irgendwann seinen Namen verwenden müssen. Und Kunden stellten sich mir auch nie vor. Sie hatten Der Firma schon alle relevanten Daten gegeben und erwarteten deswegen, dass ich es auch wusste).
Adam schaute auf mich. „Willst...du...dich nicht auch setzten?“
„GuardUnits setzen sich in Gegenwart ihrer Kunden nicht. Firmenprotokoll.“
Für einen Moment dachte ich er würde jetzt sowas wie Ich sags auch nicht weiter sagen und dann müsste ich ihm erklären, dass das hier alles aufgezeichnet wurde. Für Die Firma. Das musste er eigentlich sowieso wissen weil das so im Vertrag stand. Aber Menschen neigten dazu das zu vergessen/verdrängen und dann war es ihnen unangenehm wenn man sie daran erinnerte. Aber er schaute mich nur noch eine Weile an und sagte dann: „Ich bin übrigens Adam.“
Was sollte ich da jetzt sagen? Wie gesagt: Kunden stellten sich mir nicht vor. Ich hatte Interaktionen zwischen Menschen gesehen in denen als Antwort dann so etwas wie Schön Sie kennenzulernen kam aber es schien mir dumm das zu sagen. Ich hatte seine relevanten Daten. Er hatte die Gelegenheit gehabt meine Spezifikationen nachzuschlagen wenn ihm danach gewesen war (das war in den seltensten Fällen so). Wir lernten uns nicht gerade kennen. Trotzdem schaute er mich an. Ich glaube er wartete auf irgendetwas.
„Hast du auch einen Namen?“
„GuardUnit 2575-689“
Er schaute mich immer noch an. „Ist das der einzige? Ich kann dich doch nicht“, er überlegte kurz, „2575-689 nennen.“ Er hatte sich tatsächlich die Mühe gemacht die richtige Kombination zu sagen und nicht einfach die nächstbesten Zahlen die ihm einfielen zu nehmen.
„Da wir hier für den Verlauf unserer Reise alleine sein werden reicht GuardUnit...oder Hey du.“
Er hatte seinen Blick immer noch auf mich gerichtet. Menschen hätte das wahrscheinlich nervös gemacht. Hochentwickelte künstliche Intelligenzen wie ich...sagen wir ich mochte es nicht. Und weil ich wollte, dass er damit aufhörte sagte ich „Leo.“
Wenn die anorganischen Teile einer GuardUnit so stark beschädigt wurden, dass das Regenerationsmodul nicht mehr ausreichte und sie tatsächlich Ersatzteile bräuchte wählte Die Firma die Hersteller selbiger nach dem Grundsatz so billig wie möglich aus. Nach einer unglücklichen Verkettung von Explosionen war ich mit Teilen ausgestattet worden die aus unerfindlichen Gründen Namen hatten. Mein neues Waffenmodul hieß Leo. Der Name hatte mir gefallen. Doofer Grund aber ich glaube der Typ hätte keine Ruhe gegeben und irgendwas musste ich ja sagen.
Danach war glücklicherweise Adams Gesprächsbedarf gedeckt, er verschwand in seiner Kabine und ich hatte meine Ruhe. Nach 73 Minuten und 38 Sekunden kam er wieder und erklärte er würde jetzt essen und dabei auf dem Bildschirm des Shuttles eine Serie schauen. Ich könnte mitschauen. Er formulierte es nicht als Befehl und auch nicht als ich lasse es wie einen Vorschlag klingen aber eigentlich ist es ein Befehl und wenn du nein sagst melde ich es bei Der Firma und dann wird es ungemütlich für dich. Er fragte einfach so. Ich hatte ja nichts anderes zu tun. Mit meinen Drohnen überwachte ich konstant den Luftraum um das Shuttle herum und nirgends waren Angreifer zu sehen. Und wenn sie etwas unerwartetes auf dem Radar hatten würden sie es sofort melden. Also konnte ich genausogut mit Adam dabei zusehen wie Detektivin Long Chau mit ihrem sprechenden Raumschiff knifflige Fälle löste. Es war nicht so, dass GuardUnits Abwechslung brauchen aber ist ist ganz schön ab und zu welche zu haben.