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Team: Enterprise
Challenge: Orte — Im Hinterzimmer
Titel: Irgendwo in Südamerika
Fandom: Tatort Saarbrücken X Ein Fall Für Zwei
Inhalt: Adam läuft vor seinen Problemen weg und landet in Peru. Die Idee hatte schon jemand
Worte: ~880
Anmerkungen: Das bot sich einfach an



Adam bezahlt sein Bier und schaut sich um. Obwohl es noch nicht so spät ist, ist es schon recht voll. Nach kurzem Suchen entdeckt er einen Durchgang in ein Hinterzimmer. Dort ist es stickig, da dass winzige offene Fenster nur dabei zu helfen scheint den Lärm von draußen hörbar zu machen aber nicht wirklich viel Luft reinlässt. Außerdem sieht es platzmäßig nicht viel besser aus. Nur hinten in der Ecke sitzt ein dunkelhaariger Typ alleine an einem ziemlich großen Tisch. Adam hat keine große Lust auf ein Gespräch, egal wie oberflächlich, aber er hat noch weniger Lust sein Bier im stehen zu trinken. Und vielleicht ließ sich ein Gespräch ja vermeiden wenn er es richtig anstellt.


Er geht auf den Kerl zu, und fragt in seinem schlimmsten Spanisch „Ist hier noch frei?“ und übertreibt dabei auch seinen Akzent maßlos. Wenn er die Bar hier richtig eingeschätzt hat, hat die Kundschaft hier wenig Lust drauf für Touristen mit schlechtem Schulspanisch extra langsam und deutlich zu sprechen.


„Setz dich“, sagt der Typ auf Deutsch. OK, sein Plan hatte da wohl einen Haken. Aber wer rechnet bitte damit, dass er in so einem Kaff in Peru nicht der einzige Deutsche ist? Zu seiner Erleichterung scheint sein Tischnachbar keinen Drang zu verspüren diesen Zufall zu kommentieren und so sitzen sie beide da und trinken schweigend ihr Bier.


Ja verdammt noch Mal du bist ja wirklich zu gar nichts zu gebrauchen! Gibts irgendwas wo du nicht komplett versagst?“ Die Stimme kommt von draußen, ist aber auch in der Bar noch laut zu hören. Verdammt laut. Laut genug, dass er zusammenzuckt weil das deutschsprachige Geschrei Erinnerungen in ihm weckt, von denen er dachte, er hätte sie auf einem anderen Kontinent gelassen. Eigentlich hat Adam sich ja ganz gut im Griff. Nur hat er heute außer seinem kargen Hotelfrühstück nur ein genauso karges Supermarkt-Sandwich gegessen, dafür aber schon vor einer Stunde in einer anderen Bar ein Bier getrunken. Das war seiner Selbstbeherrschung nicht gerade dienlich. Und wer rechnet hier auch mit Deutschen? Also zusätzlich zu dem Typen neben ihm. Der Typ der wie Adam gerade bemerkt seine Bierflasche plötzlich sehr fest umklammert und für einen kurzen Moment sein Gesicht zu einem Ausdruck verzieht, den Adam zu gut kennt, der den meisten anderen aber wahrscheinlich gar nicht aufgefallen wäre. Er schaut weg, auch wenn es zu spät ist. Er hat gesehen was er gesehen hat und der Kerl genauso.  


Sie schweigen weiter. Irgendwann steht sein Nachbar dann auf, verschwindet nach vorne und kommt mit zwei Flaschen zurück. Eine stellt er vor Adam.


„Danke“, sagt er. Und als sie beide ihre Flaschen schon wieder halb geleert haben: „Ich bin Adam.“


„Leo“, sagt der Kerl und das trifft Adam so unvorbereitet, dass er einen Laut ausstößt der Lachen, Heulen und Schreien in einem ist. Der Typ – Leo – schaut ihn verwirrt an.


„Sorry“, sagt Adam und starrt auf sein Bier. Dann: „Kannte Mal jemand der so hieß…Ein Freund. Hab lange nicht mehr an ihn gedacht.“ Adam hat in seinem Leben schon verdammt viel gelogen aber die nimmt größenmäßig schon einen Medaillenrang ein. „Ist eine lange Geschichte“, sagt er dann noch, nur für den Fall dass der Kerl plötzlich doch ein Gespräch anfangen will. Aber er schweigt und nimmt noch einen Schluck.  


„Kenn ich“, sagt Leo und starrt auf die gegenüberliegende Wand, „mit den Freunden und den langen Geschichten.“ Adam bezweifelt, dass die Geschichte zwischen diesem Leo und seinem Freund so lang ist wie die zwischen ihm und seinem Leo, aber er ist nicht so betrunken, dass er das jetzt laut sagt. Stattdessen starrt er auch auf die Wand und meint dann nur: „Ist scheiße sowas.“


Leo nickt.


Adam holt ihnen das nächste Bier obwohl er weiß was für eine dumme Idee das ist.  


„Du bist nicht nur auf Urlaub hier?“ Leos Sonnenbräune sieht aus aus als wäre sie wesentlich älter als ein paar Tage. Er nickt. „Ich bin schon eine ganze Weile hier...naja nicht genau hier. Die Gegend hier halt.“ Weg. Von ihm. Das sagt er nicht, aber Adam hört es trotzdem. Leo schweigt solange, dass Adam schon denkt er will zu dem Thema nichts mehr sagen, aber dann flüstert er: „Fast zwanzig Jahre.“


„Oh.“ Er ist höchstens 40. Er muss bei seinem Aufbruch etwa so alt gewesen sein wie Adam bei seinem. Wenn er nicht schon so betrunken wäre wäre würde er jetzt nicht darüber nachdenken. Und er würde auch nicht sagen: „Knapp zehn Jahre.“ Neun Jahre. Acht Monate. Und die Tage kann er nur ausrechnen wenn er nüchtern ist. (Gut, die meiste Zeit davon war er eigentlich nur eine längere Autofahrt von Saarbrücken weg und nicht mehrere Flugstunden. Aber irgendwie hat es sich trotzdem so angefühlt). Leo schaut ihn an und rechnet wahrscheinlich gerade das gleiche aus wie Adam vorhin.  


„Manchmal frage ich mich ob es Zeit ist zurück zu gehen.“ sagt Leo und presst dann so fest die Lippen aufeinander, dass Adam vermutet, dass er das auch nur gesagt hat, weil er nicht mehr ganz nüchtern ist.


Dann geh doch. Das sagt Adam nicht. Weil es eben nicht so einfach ist. Er hat zwar keine Ahnung was das für eine Geschichte ist, aber zwanzig Jahre und ein anderer Kontinent sprechen dafür, dass sie doch sehr lange ist.


„Vielleicht ist es das. Vielleicht auch nicht. Das musst du wissen“, sagt Adam und leert seine Bierflasche.




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