[identity profile] my-black-desire.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
 

 Titel: Der Himmel ist blau
Genre: Gedanken/Erzählung
Fandom: -
Charaktere: Sie, das Ungeheuer und die Flasche
Challenge: Maifeuer
Warnungen: Püüüh... könnte unter Umständen unangenehme Erinnerungen wecken O_ô
Sonstiges: Sorry, kommt ein bisschen spät, aber ich wollte mir das Posten trotz technischer Problemchen nicht entgehen lassen!

Überall waren Menschen, die lachten und grölten und furchtbar gut drauf waren. Das Riesenrad drehte seine Runden. Dröhnende Musik von allen Seiten. Grelle Lichter, wohin man auch blickte, der Himmel so blau. Und hach, diese Stimmung, diese Ausgelassenheit, wer lässt sich schon nicht gerne von ihr anstecken?! Auch sie wollte sich gut fühlen, frei von allem, und als sie zur Flasche griff, wusste sie, was sie tat. Nur ein, zwei Schlückchen, was schadet das schon. Jeder um sie herum tat schließlich dasselbe. Und nein, wie amüsant, der da hatte sich wohl schon zu viele Schlückchen gegönnt, er lallte nur noch, und lachte kehlig. Immer noch spürte sie das Zeug nicht richtig, immer noch fühlte sich alles so unheimlich schwer an. Der Alltag lässt sich nun mal nicht nur von ein paar Tropfen miserablen Wodkas vertreiben. Man braucht mehr! Und obwohl sie wusste, dass sie ja eigentlich schon genug hatte, sehnte sie sich wie verrückt nach dem Teufelszeug. Was nützen einem schon Prinzipien! Eine nagende Gleichgültigkeit streckte ihre gierigen, fiesen Tentakeln nach ihrem Bewusstsein aus, ganz wie ein Ungeheuer, das sich daran machte das Opfer zu umschlingen, es mit sich zu reißen, in dunkle Tiefen. Ein fester Griff, aus dem es kein Entrinnen gab, vor allem für den, der resigniert. Da war sie wieder, die Flasche, und ja, das Wässerchen schmeckte nicht besonders, doch darauf kam es schon lange nicht mehr an. Es tut gut sich fallen zu lassen, zu lachen, und sich jauchzend absurden Späßen hinzugeben. Ja, es tut gut sich an dem fadenscheinigen Glauben fest zu halten, glücklich zu sein. Sie lachte. Aber da war immer noch etwas in ihrem Kopf, das sich von der schäumenden Gefühlswelle, so einlullend, und angenehm diese auch war,  einfach nicht mitreißen lassen wollte. Wie ein stacheliger Seeegel klebte es in ihrem Verstand, und blickte zur gleichen Zeit, als sie vor Heiterkeit laut losprustete, grimmig und missmutig aus ihren Augen. Es ließ das Mädchen wissen, dass sie einen Fehler machte. Doch sie wollte an all das gar nicht mehr denken, griff wieder zum schlanken Hals der Flasche. Nur runter mit dem Mittelchen, runter damit, bis sie nichts mehr fühlte, und so viel trank sie ja eigentlich auch gar nicht. Dann zersprang die Zeit. Manchmal war sie da, hörte sich albern kichern, um wenige Atemzüge später weg zu sein, in einem farblosen Meer versunken.

Oh, jetzt war ihr schwindelig. Ihre Beine wollten ihr einfach nicht mehr gehorchen, und auch ihre Zunge ließ unkontrolliert Wörter von ihren Lippen springen. Was macht das schon! Hauptsache diese ganzen Bilder waren nicht mehr da, die Erinnerungen und Gedanken, die sie nicht los lassen wollten, und von denen sie doch schon so lange genug hatte. Pochende Übelkeit stieg in ihr auf, und nein, gut fühlt sie sich nicht, doch sie war glücklich. Los, gehe gerade. Hör auf zu schwanken. Reiß dich zusammen. Alles zwecklos, das wusste sie, denn es war schon längst zu spät. Das Gift in ihren Adern pulsierte, alles drehte sich, überall waren lachende Gesichter, höhnische Grimassen, und sie mitten drin. Und da, da sind Sterne, viele, funkelnde Sterne und wie hübsch der kleine See doch aussieht! Das Licht auf der welligen Oberfläche ähnelte goldenem Hönig. Plötzlich knallt es laut, unheimlich laut, und das Mädchen hält sich die Ohren zu, begriff nicht mehr, dass es doch nur das Feuerwerk war, welches ihr müdes Gesicht in einen matten Schein tauchte. Wie kommt sie nach Hause? Ach, das spielt doch keine Rolle! Denn so lebt man nun einmal, in vollen Zügen, und während sie das dachte, krampfte sich ihr Magen zusammen, und ihr blieb nichts anderes übrig, als sich jämmerlich zu übergeben. Ja, das Leben ist schön! Nur ihres vielleicht weniger.

Date: 2008-05-05 10:14 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com

Hmm, das dürfte Menschen, die dieselbe Methode versucht haben, sich am Leben zu erfreuen, wirklich unangenehme Erinnerungen aufkommen lassen. XD
Letztendlich aber gut getroffen, die Situation, so schwer und träge und verzeifelt. ._. Liegt einem schwer im Magen, aber leider passiert das so tagtäglich. ._.

Date: 2008-05-05 04:27 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Die Situation ist wirklich gut getroffen und beschrieben. Ich hab dafür gerade die richtige Erzählerstimme im Ohr...
Spaß und Elend liegen hier tatsächlich nah bei einander!Sehr eindringlich!

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