[identity profile] agadinmar.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Unter Wölfen
Schreiberling: [livejournal.com profile] agadinmar
Fandom: Criminal Minds
Pairing: Hotch/Reid
Rating: P-13 oder so
Wordcount: 1567 (aber nur 1284 innerhalb der vorgegebenen Zeit, den Rest habe ich angebastelt, weil ich es nicht unvollendet posten wollte)
Prompt: Probealarm
A/N: Eine alte Legende neu verpackt (das hat man davon, wenn man Reid fragt, ob ihm zum Thema "Probealarm" etwas einfällt ;) )
Wichtig: Diese Fassung ist absolut roh, häßlich und voller Fehler, und ich schäme mich sie so zu posten. Sie wird durch eine schönere und bessere ersetzt, sobald ich sie zu meiner Beta gewuchtet habe (dieser Beitrag ist quasi nur für die Statistik, damit das häßliche Entlein heute noch schlüpfen kann...)
Ebenfalls wichtig: Kompetente FBI-Agenten fahnden noch nach tiefschürfenden Erkenntnissen und Plot



Elektrizität schwirrte in der Luft wie ein Mückenschwarm, kroch unter die Haut und verbreitete das schwere Odeur von Schweiß und After-Shave. Aus den riesigen Lautsprecherboxen, die den Saal flankierten wie hoch technisierte Wächter, drang der dissonante Donner einer falsch eingestellten Musikanlage, doch offenbar schien das hier niemanden wirklich zu stören.

Reid schob sich ein paar Zentimeter näher an die Bar und weg von dem schwitzigen Körper seines Nachbars. „Nein, wirklich. S-sorry... aber ich warte... auf jemanden.“ Die haarige Hand blieb auf seinem Unterarm liegen, hielt ihn, wärmte seine Haut mit klebriger Hitze, als hätte er ihn nicht gehört oder als wäre es ihm egal.

Der Fremde lehnte sich wieder näher und Reid wich angewidert zurück, als der riesige Bauch des Mannes in seine Seite drückte. „Hör mal zu, mein Hübscher, ich seh’ das so. Du bist versetzt worden und ich bin heute alleine... Willst du was trinken.“

Versetzt worden? Reids Hirn brannte, als könnte sich die unangenehme Nähe des Fremden tatsächlich in physischen Schmerz verwandeln. Was tat man in solchen Situationen?
Sein Repertoire an Musterlösungen – theoretisches, unerprobtes Wissen – erwies sich als wesentlich schwerer in die Praxis umsetzen, als er sich in seinen schlimmsten Träumen ausgemalt hatte.

Es hatte seine Gründe, dass er nie in solche Läden ging, jeden Kaffee im Büro einem Cocktail an der Bar vorziehen würde, und er hatte die anderen gewarnt. Seine Hand glitt zu dem kleinen Sender in seiner Hosentasche. Ein kleiner Schlüsselanhänger, wie die, die ein Signal gaben, wenn man in die Hände klatschte, nur dass dieser nicht auf verlorene Schlüssel, sondern auf ihn aufmerksam machen würde.

Wenn Garcias Sender funktionierte.

Mit spitzen Fingern nahm er die Hand des anderen, zog ihr Gewicht von der Stelle, wo sie auf seinem Arm lag und drückte sie fort wie einen toten Fisch.

Sein einziger Ausflug in eine Disco hatte damit geendet, womit dieser Abend schon begonnen hatte. Nach dem zweiten Drink hatte ihn ein Mädchen, das er dort gerade kennen gelernt hatte, -- Hannah? Heather? – zu sich gezogen, und in dem Glauben, dass sie ihm etwas erzählen wollte, hatte er sich zu ihr gebeugt.
Ihre Lippen hatten sich auf seine gepresst, Stempelkissen mit dem künstlichen Geschmack von Lippenstift und ausgekauten Juicy Fruits. Sein Puls hatte gerast, seine Atmung beschleunigt, und er hatte sich gewünscht, den Kuss auszuspucken wie den alten Kaugummi, nach dem er schmeckte. Doch dazu war es nicht gekommen. In dem Moment, wo sich seine Lippen geöffnet hatten, um sich bemerkbar zu machen, war etwas in seinen Mund gekrochen, nass und schlüpfrig und windend.

Wie er sich damals aus Heathers Fängen befreit hatte, wusste er nicht mehr, nur dass der Heimweg unendlich schien und seine Gedanken sich bis zum nächsten Morgen nicht hatten sortieren lassen.

Okay... Noch einmal... Wenn der Kerl noch einmal an meinen Hin—Ohne einen weiteren Gedanken an den Undercovereinsatz zu verschwenden, drückte er den kleinen Knopf. Einmal hieß *Sichtkontakt Zielperson*, zweimal hieß *Holt mich hier raus!*.
Die Antwort auf den zweiten Knopfdruck kam sofort, ein leises Vibrieren, dass jemand unterwegs war.

Sie hatten sich den Club aufgeteilt. Hotch war irgendwo zwischen Garderobe und Ausgang, versuchte die kommenden und gehenden Besucher zu rastern, während sich Morgan unter die Gäste mischte und sein Glück auf der Tanzfläche probierte.

„Reid, wirklich. Die Bar ist harmlos. Kein Grund zur Panik, Mann.“ Morgan hatte ihm auf die Schulter geklopft und gegrinst. „Im schlimmsten Fall triffst du irgendwelche Sugardaddys, die dich zu einem Drink einladen.“ Jetzt stand er hier, den fremden Geruch in der Nase und den sauren Geschmack von Angst im zu engen Hals, und schien nicht einmal mit dem leichteren Teil ihres Einsatzes fertig zu werden.

Derek und Hotch schienen so viel besser mit der Situation zurechtzukommen. Sie bewegten sich in der Masse aus wiegenden Körpern, gliederten sich in die Gruppe, als wäre es selbstverständlich sich mit den unbekannten Tänzern zu bewegen.

Für Reid war schon sein Undercover-Outfit eine Mutprobe. Die Hose saß zu eng und war zu auffällig, kein Vergleich zu den weichen Cordhosen oder den weiten Khakis. Und das Hemd? Zuerst hatte er gedacht, dass Prentiss einen Witz machte. Wenn er es selbst hätte aussuchen dürfen, hätte er es mindestens eine oder zwei Nummern größer genommen, und bestimmt nicht in weinrot.

Er trat einen Schritt nach hinten, floh noch ein wenig weiter in Richtung Thekenende und versuchte, die fremde Hand von seiner Hüfte zu lösen, als sich ein Arm von hinten um ihn wand. Nimmt das denn kein Ende?!

„Hey, hast du brav gewartet?“ Ein Lachen schwang in Hotchs Stimme, als er Reid von dem Mann an der Bar wegzog. Wie selbstverständlich legten sich Hotchs Finger auf seinen Bauch, drehten ihn, bis er Hotchs Mund an seinem Ohr fühlte. Ein leises Flüstern. „Der Einsatz läuft weiter. Garcia hat gerade durchgegeben, dass ein Wagen auf den unsere Beschreibung passt, nur wenige Blocks von hier gesehen wurde.“

Reid nickte. Der stinkende Mann, der ihn bis eben bedrängt hatte, sah ihn aus der Distanz an, beobachtete, wie Hotchs Finger mit dem Saum seines Hemdes spielten.
Wieder spürte er Hotchs Atem an seinem Ohr, „Spence? Du solltest wenigstens so tun, als würdest du dich freuen mich zu sehen. Ich bin dein Date für den Rest des Abends, wenn wir den Einsatz nicht komplett absagen wollen.“

Hotchs Arm, genau wie der Rest von ihm, war warm, wo er ihn berührte, aber im Gegensatz zu dem Fremden, war es nicht so künstlich und unangenehm. Langsam drehte sich Reid weiter, bis der bierbäuchige Mann aus seinem Blickfeld verschwand und er Hotch ansehen konnte. ‚Vom Regen in die Traufe’ sagte ein altes Sprichwort, nur diesmal war die Traufe warm und vertraut und längst nicht so schrecklich, wie die alte Volksweisheit implizierte.

„Ich... es tut mir leid, Ho-... Aaron. Der Kerl...“ Reid ließ den Kopf sinken und war überrascht als Hotch einen weiteren Schritt auf ihn zumachte und die Lücke zwischen ihnen schloss. Obwohl die Bar von olfaktorischem Chaos geflutet war, hüllte ihn Hotchs Geruch ein, wie die Umarmung in der ihn sein Kollege hielt.
Hotch roch nach gewohnt-ungewohnt männlichen Dingen, nach Rasierwasser und Shampoo, Düfte, die zu dunkel und kräftig für jede Frau gewesen wäre. Als Hotch den Arm hob, um ihm kurz über den Kopf zu streichen, kamen andere Gerüche hinzu. Warme, frische Seife, der leichte Geruch des neuen Hemdes, Deo. „Ist in Ordnung, Spence. Es geht uns allen so.“

Ein geschnaubtes Kichern, dann tasteten Hotchs Finger Reids Arm entlang, der still an seiner Seite hing, als gehöre er gar nicht mehr zu ihm. Fingerspitzen auf seiner bloßen Haut, ein neues Gefühl, anders und so elektrisierend wie die Musik. Dann fand Hotch seine Hand und brachte sie mit einem dunklen Lachen zu seiner Hüfte. Kühles Metal presste in Reids Handballen. Wieder flüsterte Hotch in sein Ohr, „Sei froh, dass du keine Handschellen dabei hast. Was glaubst du, was ich heute schon für Angebote hatte.“

Das in diesem Laden keiner davon ausging, dass es sich um Arbeitsutensilien – zumindest nicht um Arbeitsutensilien von Polizeiarbeit – handelte, überraschte Reid nicht, doch der Ton in Hotchs Stimme ließ ihn grinsen.

Ein Schnalzen kam von ihrer Linken und sofort sah Reid hinüber und in das bullige Gesicht seines Verehrers. „Darauf steht der Kleine also... werde ich mir merken.“

Allein der Gedanke trieb Blut in seine Wangen und Reid wusste, dass gegen seine Gesichtsfarbe das von Prentiss besorgte Hemd schon fast blass wirken musste. „Oh Gott...“

Hotch löste seine Umarmung, zog Reid von der Bar fort, doch noch ehe Hotch die Möglichkeit hatte etwas zu sagen, trat diesmal Reid an ihn ran: „D-Danke, Aaron. Ich weiß, dass das... also, dass das alles kein Notfall war – nicht im abgesprochenen Sinne, aber der Mann...“ Reid sah von Hotchs ernstem Gesicht zurück zur Bar. Der Fremde hatte sich wieder seinem Bier zugewandt und schielte jetzt in eine andere Richtung.

„W-weißt du, dreiunddreißig Prozent aller Bekanntschaften, die in einer Bar wie dieser beginnen, führen zu Gewalttaten. Nur zwölf Prozent führen zu längerfristigen Bekanntschaften. Ich wusste nicht mal, ob-ob der Sender funktionierte oder wie lange die Reaktionszeit auf meinen Notruf--“

„Das hier ist ein Testalarm?“ Hotchs Miene blieb ernst und löste in Reid sofort den Drang aus, sich zu entschuldigen. „Nein, nein, Aaron, wirklich nicht – zumindest nicht ausschließlich...“

Hotch schnaubte und schüttelte den Kopf. Für einen Moment befürchtete – wünschte sich Reid, dass Hotch sich aufregen und den Einsatz absagen würde, damit alles endlich ein Ende hatte. Als Hotch wieder zu ihm sah, war das Lachen zurück. „Kennst du die Geschichte von dem Hirten, der zum Schafe hüten eingeteilt wurde?“

Falten fraßen sich in seine Stirn, als er versuchte, so schnell einen Reim auf Hotchs Frage zu finden, wie sein Gehirn die angeforderten Informationen bereitstellte. „Natürlich. Eine alte Sage, Ursprung nicht wissenschaftlich nachvollziehbar, weil sich die Legende durch viele Kulturkreise zieht. Sie besagt, dass der Junge fälschlicherweise Alarm schlägt, weil... uhm...“

Das Lächeln auf Hotchs Gesicht verwandelte sich, wurde breiter. „Wie endet die Geschichte?“

Reid sah zu Boden. „Der Hirtenjunge wird gefressen...“

Finger drückten sein Kinn wieder nach oben, glitten dann in seinen Nacken. Hotchs Hand lag warm in seinem Genick, sein Daumen strich langsam seinen Hals entlang, begleitet von einem Kribbeln, das ihn wieder den Kopf senken ließ.

„Aaron, ich..." Er schluckte. "Ich glaube nicht, d-dass es da Parallelen zu diesem Abend gibt.“

Hotchs Duft kroch noch einmal in seine Nase, blendete die Dunstglocke des Abends aus, als er sich ein weiteres Mal zu ihm lehnte. Sein Atem war laut, strich über seine Ohrmuschel und ließ seine Haare kitzeln. „Schade.“

Date: 2008-05-04 09:58 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich musste am Anfang der Geschichte so lachen. Richtig schön geschrieben ^_~
(und Reid ist knuffig gut getroffen- ich kann mir das wirklich bildlich vorstellen...)

^_~

Date: 2008-05-05 06:21 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Dein Avatar ist toll! *das mal anmerken musste, nun zurück zum Thema*

Ich hoffe, noch sehr viel mehr Geschichten von Dir lesen zu könne. Criminal Minds hat einfach nicht genug Autoren. (Und von denen, die es gibt, treffen natürlich auch nicht immer alle meinen Geschmack oder die Figuren!)

Bis auf das "Schade" am Ende kann ich mir Hotch auch in der Serie so vorstellen. Um einen Job nicht zu gefährden, würde er ziemlich viel machen. Und dass er Humor hat, sieht man auch in der einen oder anderen Folge (z.B. Reids Zaubertrick). Er versteckt ihn nur gut XDD

Re: ^_~

Date: 2008-05-06 11:18 am (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ach ja, das ist auch ne wirklich gute Folge. Ich liebe es, wenn er sich bei Reid dafür entschuldigen will, und Reid ihm sagt, dass er als 12jähriger seinen Abschluss auf einer öffentlichen Highschool gemacht hat und "Du trittst wie ein neunjähriges Mädchen."
Ich merke gerade, ich liebe einfach alle Staffeln XD
Und wenn Du Reid/Hotch-Fan bist, ist die dritte Staffel bestimmt was für Dich. "Elephants Memory" ist unglaublich gut!

Und Danke für den Hinweis auf die CM-Community, bin gleich mal beigetreten ^_~

Date: 2008-05-08 07:32 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Ah das ist schick. =)
Du hast die beiden echt gut getroffen... und das drum herum herrlich beschrieben. XD
Schööön.^^

- Ja, ich weiß, ein sehr unkonstruktiver Kommentar, aber zu mehr bin ich grade nicht im Stande:
Punkt der Aussage: Ich habe gegrinst, sehr, dei Stilgefällt mir ausnehmend gut und... Schön.^^

Date: 2008-06-04 12:10 pm (UTC)
From: [identity profile] tristraine.livejournal.com
Ich les es immer wieder gern ♥

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