Hurt & Comfort — Gift (fürs Team)
Aug. 14th, 2021 09:36 pmTitel: Tee
Challenge: Hurt & Comfort — Gift (fürs Team)
Team: Enterprise
Fandom: Tatort Berlin (Rubin & Karow)
Länge: ~ 1000
Inhalt: Ein Einsatz geht etwas schief.
Anmerkung: Polizeiarbeit, Toxikologie und Krankenhäuser funktionieren anders. Literatur auch
Janina Hertel ging angespannt hin und her und schaute immer wieder auf die Uhr. Rubin unterdrückte ein Davon geht die Zeit auch nicht schneller vorbei. Stattdessen lächelte sie sie an und sagte: “Sie sind hier sicher. Ich bin hier. Vor der Tür sind noch zwei Kollegen. Markwart kommt hier nicht an Sie ran.” Die Worte perlten einfach an ihr ab. Sie blickte wieder auf die Uhr. Lief weiter im winzigen Esszimmer von einer Seite zur anderen. Noch ein Blick auf die Uhr. Dann schaute sie Rubin an.
“Wollen Sie einen Tee?”
Ihr war alles Recht was die Frau zumindest kurzzeitig ablenkte. “Gerne.”
Hertel verschwand in der Küche und kam einige Minuten später mit zwei dampfenden Tassen zurück. Es war Grüntee der mit zu heißem Wasser gebrüht worden war und deswegen bitter schmeckte aber Rubin trank ihn trotzdem. Sie selbst musste die Zeit ja auch irgendwie totschlagen. Mit Mühe unterdrückte sie ein Seufzen. Hertel würde es sicher nicht beruhigen wenn sie dachte dass Rubin lieber woanders wäre. Auch wenn es stimmte. Aber Karow als beruhigender Einfluss wäre sicher noch schlimmer gewesen also blieb das jetzt an ihr hängen während sich weiter durch Markwarts Besitztümer wühlte, in der Hoffnung dort einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort zu finden. Mit etwas Glück bevor er hier vor der Haustür auftauchte.
Hertel hatte ihre Wanderung jetzt direkt vor dem Fenster beendet und streckte die Hand nach dem Vorhang aus.
„Lassen Sie das lieber!“ Rubin stand auf...und musste sich an der Stuhllehne festhalten. Plötzlich war ihr so schwindelig. Hertel zog den Vorhang zur Seite und griff jetzt nach dem Fenstergriff. „Halt!“ Ihre Stimme klang nicht so fest wie sie eigentlich wollte und jetzt begann auch alles vor ihren Augen zu verschwimmen. Mit Mühe konnte sie noch erkennen, dass Hertel das Fenster aufriss und begann nach draußen zu klettern, dann sah sie nur noch Schemen. Automatisch versuchte sie trotzdem noch ein paar Schritte nach vorne zu machen aber jetzt hielten auch ihre Beine sie nicht mehr. Irgendwo klingelte etwas. Ein Handy. Ihr Handy. Aber sie schaffte nicht mehr abzuheben weil ihr schwarz vor Augen wurde.
Krankenhaus. Dank Viktor hatte sie da so viel Zeit verbracht, dass sie den Geruch in jedem Zustand erkannte. Aber warum war sie hier? Egal wie sehr sie es versuchte, sie erinnerte sich nur an Bruchstücke. Janina Hertel. Tee. Ein Fenster...sie versuchte die Teile zu verbinden aber das führte nur zu hämmernden Kopfschmerzen.
"Gut geschlafen?"
Die Stimme kannte sie. Sehr verspätet kam sie auf die Idee ihre Augen zu öffnen. Das war ein Fehler, denn das Licht schien schrecklich grell und verschlimmerte ihre Kopfschmerzen.
"Karow", stöhnte sie und blinzelte ein paar Mal bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Langsam begann sich auch der Nebel in ihrem Gehirn wieder zu lichten und die Erinnerung kam zurück.
"Scheiße. Hertel…" sie wollte sich aufsetzen aber Karow hunderte sie mit sanftem Druck auf ihren Arm daran.
"Immer mit der Ruhe. Die Kollegen haben die beiden erwischt. Wollten sich zusammen aus dem Staub machen."
„Zusammen?“ Irgendein Teil schien ihr doch noch zu fehlen.
„Ja. Sie war nicht sein nächstes Opfer. Die zwei haben zusammengearbeitet. Als mir das klar wurde hab ich sie sofort angerufen aber…“, er schaute betreten, „da war es schon zu spät.“
Der Nebel hatte sich inzwischen komplett verzogen und bot ihr einen ungestörten Blick auf alles was in Hertels Wohnung passiert war. „Sie hat dauernd auf die Uhr geschaut...natürlich.“
Auf Karows fragenden Blick erläuterte sie: „Ich dachte sie ist nervös...aber die müssen eine Zeit ausgemacht haben und sie musste mich zum richtigen Zeitpunkt loswerden“, sie stöhnte. „Ich Idiot.“
Seine Hand lag immer noch auf ihrem Arm. Oder vielleicht auch wieder? Irgendwie konnte sie sich noch nicht auf alle Sinneseindrücke gleichzeitig konzentrieren. „Sie können ja nicht hellsehen. Ich hatte die Fakten vor der Nase und hab zu spät erkannt was sie bedeuten.“
Plötzlich ließ er sie los, lehnte sich wieder zurück und rückte den Stuhl sogar ein Stück nach Hinten. "Du weißt übrigens schon dass man seinen Notfallkontakt gelegentlich aktualisieren sollte? Deiner ist immer dein Ex mit einer Telefonnummer die er nicht mehr hat.”
“Oh”, sagte Rubin weil sie immer vage im Hinterkopf gehabt hatte, dass sie das irgendwann hätte tun sollen aber immer vergessen hatte. Oder vielleicht hatte sie nie so genau darüber nachdenken wollen wen sie eintragen sollte.
„Victor und Kaleb sind eh in Straubing. Und Tolja ist mit seinen Freunden irgendwo in Kroatien. Hat doch keinen Sinn die jetzt hierher zu scheuchen. Die würden sich doch sowiso nur Sorgen machen.“
„Gut, dass ich da immer drüber stehe.“ Seiner Stimme fehlte der sonst omnipräsente Hauch von Sarkasmus und Rubin war sich nicht sicher wie sie damit umgehen sollte. Einen kurzen Moment hatte sie den Impuls ihre Hand nach ihm auszustrecken und...ja was eigentlich? Er war soweit weggerückt, dass sie ihm höchstens noch die Hand tröstend aufs Knie legen könnte. Und das wäre lächerlich.
„Ist ja nochmal alles gut gegangen“, sagte sie stattdessen.
„Aber beinahe nicht“, sagte Karow sofort und klang dabei wieder so gar nicht wie er selbst.
Sie musste schon wieder das Bedürfnis nach ihm zu greifen unterdrücken. „Bist doch sonst auch nicht der Typ, der sich zu sehr mit was wäre wenn aufhält.“ Er wich ihrem Blick aus und sie beschloss das Thema zu wechseln.
„Wann...wie lang war ich eigentlich weg?“
Er schaute auf die Uhr. „Fast 24 Stunden. Sie liegen seit gestern Abend hier und jetzt ist es schon gleich fünf.“
Seufzend ließ sie sich wieder zurücksinken. „Fast einen Tag gepennt und es fühlt sich immer noch schlimmer an als jeder Kater.“ Dann drehte sie sich wieder zu Karow und musterte ihn. Sein zerknittertes Jackett hing über der Stuhllehne, er hatte Ringe unter den Augen und sah nicht aus als hätte er sich heute rasiert.
„Und seit wann sind Sie hier?“
Er betrachtete interessiert den Krankenhausboden. „Seit gestern Abend.“
Mit der Antwort hatte Rubin nicht gerechnet und sie sagte das erste was ihr in den Sinn kam: „Ich dachte irgendwann wird man rausgeworfen.“
Karow zuckte mit den Schultern. „Ich habe sehr freundlich gefragt.“
Sie prustete. „Das hätte ich zu gerne gesehen.“
„Hey! Ich kann sehr freundlich sein wenn ich will.“