[identity profile] chalada.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Serenity
Challenge: Crack/Humor – Schwiegereltern (fürs Team)
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere/Pairing: Adam Schürk/Leo Hölzer; Cameos von allen üblichen Charaktern
Wörter: ~1.100
Anmerkung: Wie sehr kann fake dating eskalieren? Ja.


Es ist ein bisschen eskaliert.

Und mit ein bisschen meint Adam, dass er jetzt vor einer sichtlich nervösen Standesbeamtin steht, die gar nicht weiß, wo sie lieber nicht hinschauen soll: zu seinem Vater, der zwar mit verschränkten Armen in der ersten Reihe sitzt, dessen Gesichtsausdruck aber mehr als deutlich sagt, dass er das vor allem tut, weil er immer noch überlegt, Adam bei der nächsten Gelegenheit eine reinzuhauen; zu seiner Mutter, die mit fest aufeinandergepressten Lippen neben ihm sitzt und den ganzen Morgen über noch kein einziges Wort gesagt hat.

Zu Herrn und Frau Hölzer auf der anderen Seite des Raums, die sich alle paar Sekunden so auffällig unauffällige einen Blick zuwerfen, dass jedem klar ist, dass sie immer noch nicht so ganz verstehen, was hier eigentlich vor sich geht; zu Caro daneben, blass und mit Sonnenbrille, weil sie im Gegensatz zu allen anderen den Junggesellenabschied am Vorabend mit allen alkoholischen Traditionen so richtig ernstgenommen hat.

Zu Esther, die wie sein Vater die Arme verschränkt hat, aber fast schon ein bisschen grinst, was Adam unheimlicher findet als alles andere zusammen; zu Rainer, der ihn schief anlächelt und zögerlich den Daumen nach oben streckt, als Adam kurz einen Blick über die Schulter wirft; zu Pia, die sich als einzige so entspannt auf ihren Stuhl zurückgelehnt hat, als ob ihr nur noch ein Eimer Popcorn fehlen würde, um die Szene, die sich .gerade vor ihr abspielt, so richtig zu genießen.

Zu Leo neben ihm, der starr auf die gegenüberliegende Wand sieht und damit so offensichtlich jedem seiner Versuche ausweicht, auch nur aus dem Augenwinkel seinen Blick aufzufangen, dass Adam am liebsten genervt aufstöhnen würde.

Oder zu Adam selbst, der wirklich, wirklich versucht, auf irgendeine Art Blickkontakt mit Leo herzustellen, denn wenn sie jetzt nicht schleunigst was tun, sind sie in ein paar Minuten verheiratet. Und das ist zwar alles schön und gut, und Adam kann auch nicht leugnen, dass er sich vielleicht ein, zwei Mal vorgestellt hat, wie das wohl wäre, oder dass sich eine potentielle Hochzeitsnacht noch deutlich öfters in seine Fantasie geschlichen hat, oder dass er diesen Mann einfach verdammt noch mal liebt.

Es gibt da nur einen einzigen, kleinen Haken an der Sache: Sie sind eigentlich nicht mal zusammen.

„Leo!“, zischt Adam deswegen, als die Standesbeamtin von einem Knurren abgelenkt wird, das eindeutig aus der Richtung kommt, in der sein Vater sitzt, und damit ihren ohnehin zum Scheitern verurteilen Versuch aufgibt, niemandem in diesem Zimmer zu genau zu beobachten.

„Was?“, fragt Leo leise zurück; immer noch, ohne ihn anzusehen, aber mit einem Anflug von Panik in der Stimme, den Adam ihm in Anbetracht der Gesamtsituation nicht mal übel nehmen kann. „Ich kann dich ja jetzt nach allem schlecht einfach vorm Altar stehen lassen.“

„Was für ein Altar? Das ist keine Kirche hier.“

„Nicht der verdammte Punkt, Adam!“ Inzwischen klingt Leo leicht hysterisch. Recht hat er damit aber trotzdem.

Der verdammte Punkt an der Sache war nämlich ursprünglich einfach, seinen Vater dazu zu bringen, verdammt noch mal die Fresse zu halten – zumindest, was seine nach 15 Jahren Koma noch veralteteren und mit jeder neuen Erkenntnis über das Leben im 21. Jahrhundert noch homophoberen Ansichten angeht.

Bizarrer Weise ist das Ganze hier also, wie so vieles in Adams Leben, seine Schuld.

Denn irgendwann haben Adams einsilbige Antworten auf seine Kommentare darauf, ob das jetzt etwa auch schon normal sei, nicht mehr ausgereicht: Egal, wie aggressiv er sie auch verpackt, er kann damit inzwischen weder seinen Vater zum Schweigen bringen, noch auch nur ansatzweise so viel angestaute Wut rauslassen, um sich selbst unter Kontrolle zu bekommen.

Irgendwann musste natürlich auch die Frage kommen, warum Adam das denn so persönlich nimmt, inklusive herablassendem Grinsen und der Bemerkung, dass er sich ja schon damals Gedanken darüber gemacht hätte, ob Adam nicht auch so einer sei.

Adams trotziges „Und wenn’s so ist?“ hat ihm tatsächlich kurz die Sprache verschlagen, aber bei weitem nicht so lange wie die Tatsache, dass Leo, der in dem Moment zufällig neben ihm stand, dem kurzen Seitenblick seines Vaters in seine Richtung standgehalten und dabei vollkommen ruhig nach Adams Hand gegriffen hat.

Und dann ist das Ganze, wie gesagt, ein bisschen eskaliert.

Ein gemeinsamer Besuch hier, ein öffentlicher Kuss da, zwischendurch ein paar gezielt platzierte Bemerkungen über gemeinsame Urlaube, Wohnungsbesichtigungen und Zukunftspläne, und plötzlich war es so verdammt einfach, ihn jedes Mal noch etwas mehr aus dem Konzept zu bringen.

Bis Adam ihm eventuell an den Kopf geworfen hat, dass die jetzt sogar heiraten dürfen und dass er herzlich zu Leos und seiner Hochzeit eingeladen ist, und für mindestens eine glorreiche Minute lang, in der sein Vater kein Wort mehr herausgebracht hat, war allein sein Gesichtsausdruck das absolut wert.

Aber jetzt stehen sie hier und Adam schließt für einen Moment die Augen, weil alles so viel einfacher wäre, wenn er sich nicht insgeheim wünschen würde, dass das alles hier echt wäre, und er nicht jedes Wort, dass er jetzt sagt – sagen muss – am liebsten für immer für sich behalten würde.

„Leo“, sagt er trotzdem langsam. „Du musst das nicht tun. Du hast schon genug getan.“

Er hat schon genug für ihn getan. Nicht nur, um seinem Vater eins reinzudrücken, und nicht nur während dieser ganzen Scharade.

„Und mal ganz abgesehen von allem, willst du dir das“, er nickt, ohne sich zu ihnen umzudrehen, in Richtung seiner Eltern, „wirklich antun?“

„Ich heirate dich ja nicht wegen meiner Schwiegereltern“, sagt Leo jetzt, und er ist mit einem Mal wieder so ruhig wie vor all den Monaten, als er einfach so Adams Hand genommen hat.

„Was?“, fragt Adam wahnsinnig intelligent.

„Ich mein, okay, die Hochzeit ist vielleicht irgendwie dumm“, sagt Leo. „Aber das zwischen uns? Das ist überhaupt nicht dumm, oder? Das ist… was Gutes.“

Was Gutes… Natürlich ist es was Gutes, etwas verdammt Gutes, und Adam braucht einen Augenblick, bis er versteht, was die Gewissheit, dass er absolut keinen Augenblick lang darüber nachdenken muss, bedeutet; und dann, was es heißt, dass Leo das genauso sieht.

Außerdem hat er in seinem Leben schon weitaus dümmere Dinge getan, die deutlich weniger Potential hatten, ihn für länger als ein paar im Nachhinein fragwürdige Momente glücklich zu machen, also hey, was soll’s? Wird schon schiefgehen.

Anstatt Leo zu antworten, verschränkt Adam dieses Mal ihre Finger miteinander und sieht Leo zum ersten Mal, seit sie hier stehen, an. Leo schaut zurück, und sein Lächeln ist die letzte Bestätigung, die er noch braucht.

Dann sagt er einfach ja.

Nicht, weil sein Vater ein homophobes Arschloch ist, dass genau das hier verdient hat. Sondern für Leo; für das, was da zwischen ihnen ist; für etwas, das sogar so eine hirnverbrannte Aktion wie diese hier nicht nur irgendwie überstehen, sondern zu etwas noch viel besserem werden kann; für sich selbst.

Obwohl das stumme Entsetzen, als Leo dann Adams Vater später die Hand reicht, ihm direkt in die Augen sieht und ihn zum ersten Mal mit Schwiegervater anspricht, eindeutig das beste Hochzeitsgeschenk überhaupt ist.

Date: 2021-08-12 02:38 pm (UTC)
ext_268021: (Default)
From: [identity profile] erynwen.livejournal.com
AHAHAHAHAawwww, wie zauberhaft ist das denn? <3

Date: 2021-08-12 03:08 pm (UTC)
fischgraete: (Default)
From: [personal profile] fischgraete
DAMN. That's cute- <3

Date: 2021-09-02 03:00 pm (UTC)
From: [identity profile] failte-aoife.livejournal.com
Wunderbar XD

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