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[identity profile] erynwen.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Enterprise

Fandom: Tatort Saarbrücken

Pairing: Leo Hölzer / Adam Schürk

Prompt: Unschuldig beschuldigt (Krimi/Thriller/Horror) (fürs Team)

Anmerkung: Einziger Plot, den ich für "Das Herz der Schlange" akzeptiere, oder: Poste niemals einen Bericht zu laufenden Dreharbeiten.



Als Adam aufwacht, hat er zwei Dinge - den Geschmack alter Socken im Mund, und keinen blassen Schimmer, wo er eigentlich ist.

Ein vorsichtiger Blick aus halboffenen Augen zeigt ihm, es ist weder Leos Wohnzimmer, noch das Hotelzimmer, das Adam immer noch bezahlt, auch wenn er nicht mehr so oft da schläft. Es ist weder Adams altes Kinderzimmer, noch die Wache, und damit gehen Adam die Orte aus, an denen er normalerweise wach wird.

Normalerweise wird er aber auch nicht wach mit dem Gefühl, von einem Lastwagen überfahren worden zu sein.

Er setzt sich vorsichtig auf, kratzt sich am schmerzenden Kopf. Seine Gedanken schwimmen träge durch sein Gehirn, und er räuspert sich.

Telefon. Irgendwo ist doch bestimmt.. er fährt mit der Hand an seinem Körper herunter, und da, in seiner Hosentasche. Aber sein Display verrät ihm auch nur, dass es morgens um acht ist, am Samstag, das ist eine Information, aber keine wirklich hilfreiche.

Da er keine dreihunderzwanzig Nachrichten von Leo hat, hat Adam zumindest seinen Dienst nicht verpennt. Was natürlich gut ist, allerdings vermisst ihn damit offiziell so schnell niemand. Falls er also letzte Nacht nach Frankreich entführt worden ist, dann findet das so schnell keiner raus.

Adam schnaubt bei dem Gedanken. Erstens ist er wenn, dann sehr dicht hinter der Grenze, weil er immer noch im deutschen Funknetz angemeldet ist, und ausserdem ist es doch eher unwahrscheinlich, dass ihm ausgerechnet das passiert.
Und auf dem Beistelltisch liegt eine deutsche Zeitung.

Adam blinzelt, okay, wenn er schon nicht weiß, wo er ist, kann er ja versuchen, sich daran zu erinnern, wie er hergekommen ist.

Kneipe. Er war gestern in einer Kneipe, hatte getrunken, aber was, vielleicht zwei Bier, also nichts ungewöhnliches. Und dann?

Dann war da dieser Typ. Dieser Typ, der mit seinen dunklen Haaren und seinen hellen Augen im Halbdunkeln so ein bisschen aussah wie…

Adam schüttelt den Gedanken schnell ab, denn da war nichts, er hatte kurz mit dem Typen gequatscht, und dann aber doch lieber seine Flasche auf den Tresen gestellt und die Kneipe verlassen. Irgendwas mit vernünftigen Entscheidungen, die er ab jetzt treffen wollte. Das hatte er in dem Moment gedacht.

Und dann?

Dann ist da nur Schwärze und dumpfer Kopfschmerz, und Adam seufzt, als er in der anderen Tasche nach seinen Zigaretten sucht, vielleicht hilft das Rauchen beim Denken.

Beim Stöbern stößt er gegen etwas, das neben ihm liegt, und er schaut zur Seite.
Blonde lange Haare, ein helles Shirt. Der Kopf merkwürdig angewinkelt, und ist das da etwa Blut…?

Bevor Adam noch weiter denken kann, hört er auch schon einen Schrei hinter sich.

+~+

Leo sieht müde aus. Müde und ein wenig verloren, wie er Adam anstarrt. Irgendwie vorwurfsvoll, und Adam weiß nicht, ob er den Vorwurf darauf beziehen soll, dass er neben einer Leiche wach geworden ist (nicht mit Absicht, okay), oder dass die Leiche weiblich ist (auch hier wieder, hallo, ganz sicher keine Absicht). Es ist Adam auch ein bisschen egal, denn er wird gerade belehrt, darüber, dass er seinen Anwalt anrufen kann, und sich nicht selber belasten muss.

Ja, kann er ja auch gar nicht, weil er verflucht nicht weiß, was er gemacht hat, oder was nicht, warum die junge Frau da tot neben ihm liegt, oder warum er Blut an der Hand hat (hat er die Leiche berührt, oder war die Frau da noch am Leben? Adam weiß es nicht.)

Adam fühlt sich in die Höhe gezogen, aus den Augenwinkeln sieht er Handschellen aufblitzen, und er sieht scharf zu den Streifenpolizisten, “Ist das denn wirklich nötig?”

Die Beamten zucken die Schultern, sehen hilflos zu Leo, aber Leo schüttelt nur den Kopf, “Sorry, ich bin hier nicht zuständig,” und ja, natürlich stimmt das, aber meine Fresse, warum muss sich Leo ausgerechnet jetzt an die Regeln halten?

“Na, dann kommen Sie mal mit,” murmelt einer der Uniformierten, und Adam geht gehorsam, schaut noch einmal zu Leo, aber Leo sieht auf den Boden, die Lippen schmal, die Schultern hochgezogen.

Na super.

+~+

Auf der anderen Seite des Schreibtischs ist es auch nicht schöner, findet Adam. Und der Kaffee schmeckt auch auf dieser Wache scheiße, das ist auch wenig überraschend.

Der Herr ihm gegenüber, Becker heißt er, schaut stirnrunzelnd auf seinen Monitor, und Adam fragt sich kurz, ob er wohl versucht, sein Solitär noch zu lösen, bevor sie hier fertig sind, da schaut er auch schon hoch. Kurz vorm Ruhestand, so grau wie die Jalousien an den Fenstern, so motiviert wie das Ticken der Uhr an der Wand, hat sich Becker vermutlich auch einen schöneren Samstag vorgestellt. Da hat er mit Adam was gemeinsam.

“Und Sie können sich tatsächlich an nichts erinnern,” fragt er mit leicht saarländischem Einschlag, und Adam zieht die Schultern hoch, verzieht das Gesicht. “Nee, sorry.”

“Und Sie wollen wirklich keinen Anwalt anrufen? Sie haben das Recht darauf, das wissen Sie?”

“Ich hab vor allem das Recht, die Klappe zu halten,” sagt Adam, und er klingt trotzig, wie damals mit 16, als ihn der Direktor beim Rauchen erwischt hat, aber er kann es sich auch nicht verkneifen.

Er ist sich sehr sicher, dass er nicht neuerdings betrunken Frauen umbringt, aber das wird ihm einfach so niemand glauben, also sagt er lieber nichts.

“Dann fürchte ich, Sie müssen in Untersuchungshaft,” sagt Becker nun, und ja, auch das weiß Adam, und hat es nicht anders kommen sehen, aber trotzdem zieht sich sein Magen zusammen.

Knast. Als Bulle. Na bravo, Schürk, das haste echt gut eingefädelt.

+~+

Letztendlich ist es zuerst ganz erträglich. Freundlicherweise wird ihm eine Einzelzelle zugewiesen, das Bett sieht nicht zu abgeranzt aus, die Klamotten passen halbwegs. Mit der Toilette will Adam sich beschäftigten, wenn er denn dann muss, und er darf sogar seine Zigaretten behalten (nachdem man gründlichst nachgesehen hat, dass nicht etwa ein Sprengkopf in der Packung versteckt ist).

Dann ist Hofgang, und Adam steht in seiner Ecke und raucht und fühlt sich zurück in der Schule, bloß keine Schwäche zeigen, immer mit dem Rücken zur Wand. Vielleicht findet er dank seiner Zigaretten Freunde, aber er hofft, er ist nicht lang genug hier, um welche zu brauchen.

Es ist also ganz erträglich, bis zum Abendessen.

Adam versucht, sich so gut es geht unsichtbar zu machen, mit seinem Essen in der Menge zu verschwinden, aber dieser Tag hat Qualitäten, und deswegen setzt sich ein Typ ihm gegenüber, gefühlte hundert Kilo pro Oberarm, und grunzt ihn an.

“Du bisn Bulle, oder?”

Adam sieht nicht hoch, reagiert nicht, löffelt sein Essen.

“Hey, ich red mit dir.”

Okay, hätte ja klappen können.

Adam sieht hoch, legt das Besteck ruhig auf den Teller. Hebt die Hände in einer abwehrenden Geste und sagt, “Alter, ich will genauso wenig hier sein wie du. Ich will hier nur in Ruhe essen.”

Der Zweizentner-Typ funkelt ihn nur an, und Adam beschließt, dass er gar nicht essen muss, dass er auch einfach hungern kann, warum nicht, und er rutscht vom Esstisch weg, da greift der Koloss nach ihm, und Adam fühlt für eine Sekunde, wie es ist, schwerelos zu sein, und dann knallt er mit voller Wucht auf den Boden, und dann ist da nichts mehr.

+~+

“Alter, was ist denn mit dir passiert?”

Der Besucherraum wird seiner Beschreibung eher spöttisch gerecht, denn wer hier Besuch empfängt, will ihn gar nicht lange sehen.

Leo sitzt auf der anderen Seite des Tisches, seine Stirn besorgt in Falten gelegt, und Adam kann das verstehen, er sieht ja auch wirklich scheiße aus mit seinem Gipsarm und seinem blauen Auge.

“Das Essen hier ist nur schwer bekömmlich,” sagt Adam auch nur, er will gar nicht, dass Leo sich Sorgen macht (auch wenn das vermutlich viel zu spät dafür ist, Leos Augenringen nach zu urteilen).

“Okay,” sagt Leo auch nur gedehnt, dann lehnt er sich nach vorne. “Hör zu, wir haben schon ziemlich gute Hinweise darauf, wer wirklich Maria Kerner umgebracht hat, aber es dauert noch, zumal dieser Becker ständig dazwischen funkt, weil wir ja offiziell nicht ermitteln dürfen.” Leo verdreht entnervt die Augen, und Adam kann nicht ganz fassen, dass ihm ausgerechnet jetzt auffällt, wie niedlich das aussieht.

Er räuspert sich, streckt die Beine aus. Sein Gips ist im Weg, der ist immer im Weg, und Adam hat selten so oft darüber nachgedacht, sich einfach einen Arm abzuhaken, wie in den letzten 24 Stunden.

“Du, keinen Stress. Ich wollte ja schon länger mal Urlaub machen,” antwortet er, und ja, der Sarkasmus ist nicht hilfreich und gemein, aber Adam kann jetzt nicht auch noch freundlich sein.

“Adam,” sagt Leo auch nur, und Adam kennt den Tonfall nur zu gut.

“Komm mir nicht mit Adam, du musst ja nicht hier drin hocken, während die Inkompetenz persönlich gegen dich ermittelt.”

Leo öffnet den Mund in Protest, und Adam winkt mit der gesunden Hand ab. “Ich meinte Becker, okay?”

Leo atmet tief ein, fährt sich mit der Hand übers Gesicht. Adam fühlt für einen kurzen Moment dann doch Mitgefühl.

“Ich weiß. Der Typ ist so derart unfähig, ich frag mich, wie er es auf seinen Posten geschafft hat.”

Adam zuckt mit den Schultern. “Wir sind im Saarland. Er wird mit jemanden verwandt sein.”

Leo schmunzelt, und Adam freut sich ein bisschen, dass er Leo zum Lachen gebracht hat. Erbärmlicher geht es auch nicht, Schürk, echt mal.

Leo geht unwesentlich später mit dem Versprechen, die Ermittlungen voran zu treiben, sich noch mehr Mühe zu geben, “wir holen dich hier raus, versprochen,” und Adam bleibt zurück, sitzt anschließend in seiner Zelle und fragt sich, ob das so eine Art Karmageschichte ist.

Weder sein Vater, noch seine Mutter lassen sich bei ihm blicken. Adam ist nicht überrascht. Er ist nicht einmal enttäuscht.

Es ist, wie es ist.

+~+

Es dauert dann doch noch zwei (lange) Tage und zwei (noch längere) Nächte, bis endlich, endlich herauskommt das a) Adam kein Mörder ist (Überraschung), b) Maria Kerner von einem Exfreund ermordet wurde und c) Adam da einfach nur irgendwie reingeraten ist, was aber niemand mehr wirklich rekonstruieren kann mangels Erinnerungsvermögen.

Adam ist es auch tatsächlich egal, er schwört sich selbst beim Packen seiner Habseligkeiten nur, dass er so schnell nicht mehr alleine trinken geht, vielleicht steigt er auf Antialkoholisches um, alles möglich.

Er packt sich seinen Pulli und seine Jacke, die er alleine nicht anziehen kann und auch nicht anziehen will, denn draußen scheint die Sonne, und die will er auf der Haut spüren.

Und vielleicht führt er sich ein wenig so auf, als hätte er drei Jahre in einer Höhle gelebt, aber andererseits fühlt es sich auch ein wenig so an, also warum nicht einmal ein wenig melodramatisch über den Sommer freuen.

Die Melodramatik begleitet ihn bis zum Ausgang, wo das Tor angemessen langsam aufgeht, wie im Film, fehlt nur noch, dass eine weinende Frau auf der anderen Seite wartet und sich Adam um den Hals wirft, sobald er in Reichweite ist.

Adam blinzelt in die Sonne, und da steht tatsächlich jemand.

Leo.

Leo weint nicht, und Leo kommt auch nicht im Laufschritt auf ihn zu, sondern hebt nur die Hand zum Gruß und stößt sich vom Auto ab, und ihm langsam entgegen zu gehen.

Adam kann nicht anders, er muss grinsen, und irgendwas zieht in seiner Brust, und er läuft weiter den Parkplatz entlang, es wird ihm erst jetzt bewusst, wie lang diese beschissene Auffahrt eigentlich ist.

Und dann ist Leo nur noch einen halben Schritt von ihm weg, und Adam hebt seinen gesunden Arm, um Leo zu umarmen, weil warum nicht.

Leo allerdings, Leo macht noch einen Schritt. Hebt die Hände, und Adam stutzt, als er Leos Handflächen an seinen Wangen fühlt, Leos Fingerspitzen in seinem Nacken. Leo ist ganz nah, und Adam blinzelt kurz, und dann sind Leos Lippen auf seinen, wird der Griff von Leos Fingern kurz fest.

Adams Gedanken, Adams Herz, Adams ganze Welt kommt zum Stillstand.

Dann ist Leo auch schon wieder weg, macht einen kleinen Schritt zurück, seine Hand wandert an Adams Seite, und Leos Mund an Adams Ohr.

“Mach das nie wieder, hörst du?”

Adam, immer noch verwirrt, kann nur nicken.


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