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Team: Enterprise
Challenge: Das ist Erpressung (Crack/Humor), fürs Team
Titel: N oder M
Fandom: Tatort Berlin (Rubin und Karow)
Inhalt: Eigentlich geht es nur um eine Alibiüberprüfung. Karow erfährt neues über seine Kollegin und erhält Morddrohungen. OK, eine. Von Rubin. Und er ist selbst Schuld.
Worte: 1100
Anmerkung: Irgendwann hieß es tatsächlich Mal in den Charakterbios auf tatort.de, dass Rubins Vater Boxtrainer war. Inzwischen steht es da nicht mehr und ich weiß sowieso nicht, wie erst man die nehmen sollte. Aber irgendwie blieb das bei mir hängen und dann ist die Idee "Eine Welt in  der sie sich wohlfühlt und er so gar nicht" eskaliert.



„Sagen Sie bloß, Boxen ist nicht Ihr Fall?“ Nina grinste breit und eventuell hatte sie ihn schon die ganze Zeit auf ihrem Weg vom Auto zum SV Irgendwas im Auge behalten und seine uncharakteristische Stille bemerkt. 


„Ach was, gibt doch nix Schönere“ protestierte er, und wusste, dass er schon überzeugender geklungen hatte.


„Genau.“ Ihr Grinsen war immer noch breit. „Halbnackten muskulösen Kerlen zuzuschauen ist doch was tolles.“


Er konnte es sich nicht verkneifen. „Also ich hätte ja gedacht, dass Sie dazu Gelegenheit haben, ohne Leuten dabei zuzuschauen, wie sie ihr Risiko für Parkinson und Alzheimer in die Höhe treiben.“ Sie warf ihm einen Blick zu, der sehr viele Dinge auf einmal ausdrückte, von denen er nicht alle sofort interpretieren konnte und stieß die Tür zum Boxclub auf.


Drinnen saß eine Frau, vielleicht Mitte zwanzig mit lockigen Haaren und Tätowierungen, die beträchtliche Teile ihrer sichtbaren Haut halsabwärts bedeckten, an einem Tisch, der aussah als hätte er genauso alt, wie das Vereinsheim das zwei Weltkriege überstanden hatte. Sie war mit einem Papierstapel beschäftigt, sah aber auf als sie die Tür hörte, ihr Blick glitt über ihn und blieb auf Nina hängen. „Hm?“


„Wo isn euer Chef?“ Lockenkopf zeigte auf eine Tür in der Ecke und vertiefte sich wieder in ihren Papierstapel. Sie folgten ihrem Fingerzeig zu einem Raum voller Schließfächer in dem der Chef (1,90 m bestimmt schon über 60 aber immer noch mit der Statur eines…nun ja Boxers) gerade den Boden putze. Als der sie hörte drehte er sich um und kaum war sein Blick auf Nina gefallen hellte sich sein Gesicht auf. „Du?“


Sie war genauso erfreut. „Charlie!“ Und dann…umarmten sie sich und Nina verschwand fast in seinen Armen. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass du jetzt hier bist,“ grinste sie irgendwo in seinen Oberkörper und jetzt ließ Charlie – der in Wirklichkeit wahrscheinlich Karl-Heinz hieß - sie los.


„Du lässt ja auch sonst so wenig von dir hören,“ sagte er ohne wirklichen Vorwurf. Erst jetzt viel sein Blick auf Karow und er war sich relativ sicher, dass Charlie ihn bis eben nicht bemerkt hatte. „Aber du bist wohl jetzt nicht zum Vergnügen hier?“ Er musterte Karow weiter und sein Blick sagte deutlich Jemand wie du ist nicht hier, wenn du nicht hier sein musst. Und genau darum ging es. Er war jahrelang im Drogendezernat gewesen und hatte Junkies, kleine und große Dealer davon überzeugen können, dass er sie verstand. In der Mordkommission hatte er, wenn es notwendig war, das gleiche mit Mörder, die aus den widerwärtigsten Motiven getötet hatten, geschafft. Nur Boxer warfen ihm einen Blick zu und erkannten sofort du bist keiner von uns. Das stimmte zugegebenermaßen und im Allgemeinen störte es ihn nicht besonders. Man kam in Berlin relativ gut zurecht ohne je mit Boxern sprechen zu müssen. Aber Ausnahmen bestätigten die Regel und heute war die Ausnahme wohl die Alibiüberprüfung in einem Boxclub, in dem die Kollegin persönlich bekannt war.


„Stimmt. Es geht um nen Kerl, der wohl öfter bei euch ist. Max Reinhard.“ 


Er verzog ein Gesicht für einen Moment, „Reinhard…auch du meinst Moritz.“ Karow benötigte all seine Willenskraft das nicht zu kommentieren. 


„War der Samstag hier? Und wenn ja wann?“


„Samstag sagts du…Moment“ Er ging zur Tür und rief „Sally! Kommst du Mal?“ und einen Moment später tauchte Lockenkopf im Türrahmen auf. „Ja“


„Du warst doch Samstag hier.“ Sally nickte, während ihr Blick zwischen Charlie und Nina hin- und her wanderte. „War da der Moritz hier?“


Sie legte den Kopf zurück, überlegte einen Moment. Dann: „Ja. Der ist aufgetaucht kaum, dass wir aufgemacht haben. Hat Sandsäcke malträtiert und dann traurig im Pausenraum gehockt, weil er Mal wieder Ärger mit seiner aktuellen Flamme hat.“


„Wie lange?“, fragte Nina.


Sally blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Puhhh…ich bin um eins in die Pause. Da war er noch da. Aber danach hab ich oben gearbeitet. Keine Ahnung, ob er da noch hier war.“


„Und ihr macht um 9 auf?“ vergewisserte sich Nina. Sally nickte. „Und du bist sicher, dass er die ganze Zeit hier war?“ Sally, schien darüber zumindest ernsthaft nachzudenken. Sia starrte intensiv auf eines der Schließfächer, als ob ihr das eine Antwort geben könnte. Dann strahlte sie plötzlich Nina an. „Ja! Er ist kurz nach mir gekommen. Dann kam irgendein Newbie. Der kam doch tatsächlich zu mir und hat gefragt, ob ich sicher bin, dass mit Moritz alles OK ist, so wie der auf den Sandsack einprügelt. Hab mich dann so hingesetzt, dass ich die beiden sehen kann und er war die ganze Zeit da. Wollte ja nicht, dass der Neuling Angst kriegt.“ Sie rollte mit den Augen als wäre es absolut unverständlich, dass es jemand beunruhigen würde, wenn jemand von Reinhards eindrucksvoller Statur direkt nebenan ohne Pause auf einen Sandsack einprügeln würde.


Nina warf ihm einen Blick zu und für den Bruchteil eines Moments war er überrascht, dass sie sich noch an seine Existenz erinnerte. Auf jeden Fall konnte Reinhard es nicht gewesen sein, wenn er wirklich den halben Tag unter Sallys strengem Blick verbracht hatte. 


„Na dann danke.“ Sie umarmte Charly noch einmal. Und machte sich dann auf den Weg nach draußen. Fast an der Tür rief er ihnen nach: „Und Mimi, vielleicht kannst du ja Mal wieder zum Vergnügen vorbeischauen.“


Niemand sagte etwas, bis sie kurz vor ihrem Wagen waren.


„Wehe, Sie sagen jetzt was.“


„Ich bin doch ganz still.“


„Ja…und die Stille hört man bis Brandenburg.“ Sie riss die Beifahrertür auf. Er öffnete die Fahrertür in aller Ruhe. „Ach kommen Sie. Ich sags auch nicht weiter.“


Sie starrte ihn übers Autodach an. „Und wenn ich jetzt ganz still bin?“


Karow zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht….Mimi. Vielleicht rutscht mir dann Mal irgendwas vor den Kollegen raus.“


Sie funkelte ihn weiter böse an und stieg ein. Er auch. Sie seufzte. Er schaute interessiert in ihre Richtung. Sie seufzte noch einmal. „Charlie und mein Vater haben zusammen Kids im Astoria Boxen beigebracht. Ich war da auch oft. Genauso wie Charlies Tochter. Ich war zwölf, sie vier oder fünf und noch ein paar Probleme mit dem Unterschied zwischen M und N…und ein heißgeliebtes Kuscheltier namens Mimi. Irgendwie ergab eins das andere.“ Nina zuckte mit bemühter Unbeteiligtheit mit den Schultern und gab sich dann alle Mühe im Sitz zu versinken. Er könnte jetzt einfach losfahren, zog es aber vor sie weiter zu mustern, bis sie entnervt aufgab. „Mimi war eine…Maus. Sie war lila. Gelbe Schleifchen…ne nicht im Haar…an den Ohren.“


Grinsend startete er den Wagen.


„Sollte irgendjemand je davon erfahren möchte ich Sie daran erinnern, dass ich es bin, der den Mord an Ihnen untersuchen wird.“


Karow fuhr vom Parkplatz. „Das würde ich nie vergessen.“




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