[identity profile] chalada.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Serenity
Challenge: Crack/Humor – "Ich hab's dir doch gesagt." (fürs Team)
Fandom: Tatort Saarbrücken (Pokémon-AU)
Charaktere/Pairing: Leo Hölzer, Bisasam
Wörter: ~700
Anmerkung: Ja, das ist quasi ein Outtake aus einem Tatort-Pokémon-AU, das noch nicht mal fertig ist. Nein, ich kann absolut nichts davon erklären.


Als Adam einfach in einer Nacht- und Nebelaktion allein loszieht, obwohl sie sich geschworen hatten, ihre Pokémon-Reise gemeinsam anzutreten, sobald sie die Schule beendet haben, reißt es Leo komplett den Boden unter den Füßen weg.

Jahre später wird ihm klar, dass es vielleicht nicht nur daran liegt, dass sein bester Freund ihr größtes gegenseitiges Versprechen gebrochen hat, aber so wirklich mit Gewissheit wird er wahrscheinlich nie sagen können, ob sich damals schon etwas anderes zwischen ihnen angebahnt hat; oder ob sich etwas angebahnt hätte, wenn die Dinge anders gelaufen wären.

Aber an diesem Morgen sitzt er einfach nur allein im Baumhaus, während der Regen unaufhörlich auf das schiefe Holzdach prasselt, als hätte sich das Wetter ganz klischeehaft seiner Stimmung angepasst.

Okay, alleine stimmt nicht so ganz, auch wenn er sich in dem Moment so fühlt. Er sitzt ohne Adam im Baumhaus, aber Bisasam, das die Geräuschkulisse von Dauerregen nicht deprimierend, sondern vielmehr tiefenentspannend findet, liegt zusammengerollt neben ihm und döst vor sich hin.

„Soll er doch“, sagt Leo, so leise, dass er es selbst kaum über den Regen hört, und zieht die angewinkelten Beine noch näher zu sich heran. „Kann sowieso nur einer von uns der Beste werden. Dann ist es doch eh besser, wenn wir von Anfang an getrennt losgehen, oder?“

Bisasam blinzelt ein paar Mal und fährt eine Ranke aus, mit der es Leo kurz auf den Kopf tätschelt, und schließt dann einfach wieder die Augen. Leo tut es ihm gleich.
„Warum sollte mich eigentlich interessieren, was er macht?“

„Biiisa“, murmelt das Pokémon im Halbschlaf.

***

Leo ist gut im Verdrängen. Er schafft es durch die komplette Kanto-Liga, ohne alles in Frage zu stellen. Wie die meisten flirtet er erfolglos mit mindestens jeder zweiten Schwester Joy und himmelt Officer Rocky aus der Ferne an, weil er genau weiß, dass er sich bei ihr nicht nur einen Korb, sondern gleich eine Übernachtung in einer einsamen Zelle einfangen würde.

Er trifft unterwegs viele interessante Trainerinnen, und wenn ihn die eine oder andere nach einem hitzigen Kampf küsst, genießt er diese Art von Hitze fast noch mehr als den Kampf zuvor,  und selbst, nachdem er alle Johto-Orden gesammelt hat, stehen höchstens ein oder zwei Arenaleiter auf seiner would-go-gay-for-Liste.

„Das ist normal, oder?“, fragt er eines seiner ältesten Pokémon trotzig, als er sich in der Nacht nach seinem letzten und wichtigsten Sieg in der Region noch bis weit nach Mitternacht hin- und her wälzt, weil ihn ein absurder Gedanke nach dem anderen wach hält.

„Bisabiii“, gähnt Bisaknosp neben ihm, und Leo dreht sich seufzend ein weiteres Mal auf die andere Seite.

***

Zwei Ligen später ist die Liste komplett außer Kontrolle geraten, und als Leo sich dabei erwischt, wie er sich nicht nur vorstellt, seinen letzten Gegner mit auf sein Hostel-Zimmer zu nehmen, sondern auch, wie es wäre, eine Weile mit ihm gemeinsam zu reisen, oder vielleicht sogar irgendwann mit ihm gemeinsam in einer Stadt zu bleiben, kann selbst er das nicht mehr ignorieren.

„Ach, ich weiß doch auch nicht.“ Stöhnend lässt er sich gegen Bisaflor sinken, mit dem er sich in eine der einsamen, weiten Wiesen ein Stück vor der Stadtgrenze verzogen hat. Eigentlich, um dort zu trainieren, aber damit haben sie noch nicht mal angefangen, obwohl es langsam schon dunkel wird.

Stattdessen sitzen sie beide hier, Leo mit verschränkten Beinen, Bisaflor mit leicht schiefgelegtem Kopf und mit was Leo als hochgezogene Augenbrauen interpretiert, als er den Blick wieder hebt und sein Pokémon ansieht. Er ist sich nicht sicher, ob es jetzt schon so weit gekommen ist, dass er tatsächlich auf eine Reaktion wartet, aber er bekommt auf jeden Fall eine.

„Bi?“, fragt es einfach nur.

Leo starrt es an.

Bisaflor starrt zurück.

„Oh“, sagt Leo, und er könnte schwören, dass sein Pokémon in dem Moment die Augen verdreht. Das war dann wohl eine rhetorische Frage.

„Bi?“, fragt er trotzdem zurück; vor allem, um zu testen, wie es sich anfühlt, das auszusprechen.

„Biii“, sagt das Pokémon und verdreht nochmal die Augen, als wollte es eigentlich sagen, ich hab’s dir doch gesagt, und oh shit, denkt Leo plötzlich, es hat ihm das die ganze Zeit gesagt, er hat nur einfach nie so richtig hingehört. Oder wollte nie richtig hinhören.

„Bi“, sagt er nochmal und schüttelt dabei den Kopf, bis Bisaflor ihn stoppt, indem es seinen eigenen Kopf leicht gegen Leos stupst und sich dieses Mal sogar das Augenrollen dabei spart, was Leo ihm hoch anrechnet.

Zumindest ist er sich jetzt endgültig sicher, dass sie ein verdammt gutes Team abgeben.

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