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Team: Enterprise
Challenge: AU — Canon Divergence
Titel: Dass Nichts Bleibt Wie Es War
Fandom: Tatort Saarbrücken
Inhalt: Canon Divergence: Leo schlägt etwas fester zu
Anmerkung: Ja, ich habe mir die beiden angeschaut und gedacht "Hm. Wie könnte man da noch mehr Angst unterbringen?" Ich habe keine Entschuldigung (aber eine vage geplante Fortsetzung)



Die Schläge stoppten, aber er rechnete damit, dass es jeden Moment wieder weitergehen würde. Erst als er ein Scheppern hörte und ein unterdrücktes Schluchzen, dass definitiv nicht von seinem Vater kommen konnte, sah er auf. Leo stand über ihm. Sein Vater lag am Boden. Zuerst verstand er überhaupt nicht was gerade passiert war. Ganz langsam fügten sich alle Teile zusammen. Die blutende Wunde am Kopf seines Vaters. Der Spaten zu Leos Füßen mit der blutigen Kante. Leos entsetztes Gesicht. Leo. Er sprang auf und fiel ihm um den Hals, jemand schluchzte und Adam war sich nicht sicher von wem es kam. 


Mit voller Wucht traf ihn die Erkenntnis davon was gerade passiert war und er löste aus der Umarmung und er beugte sich über seinen Vater. Er lag immer noch genauso da wie vorhin (wie lange eigentlich?) nur die Blutlache unter seinem Kopf war größer geworden. Und er atmete nicht mehr. Adam wartete. Starrte. Ging näher auf ihn zu, auch wenn ein Teil von ihm damit rechnete, dass ein Vater aufspringen und wieder auf ihn einprügeln würde. Aber das tat er nicht. Adam fühlte seinen Puls. Fühlte noch einmal, für den Fall, dass er nicht die richtige Stelle erwischt hatte. Nichts. Hinter ihm wimmerte Leo und stolperte ein paar Schritte zurück.


Ein einziger Gedanke bohrte sich durch seine Panik und die Schmerzen. Er würde Leo aus dem ganzen raushalten. Er richtete sich wieder auf. “Warte draußen.”


“Was?”


Raus!” er wollte nicht schreien, aber er tat es trotzdem. Leo verschwand nach draußen. Adam nahm den Benzinkanister aus dem Regal und verteilte das meiste des Inhalts über seinen Vater und den blutigen Spaten, den Rest über den Boden. Dann warf er ein brennendes Streichholz in die Lache und rannte nach draußen. Leo wartete an der Tür und inzwischen war sein Gesichtsausdruck vollkommen ausdruckslos. Adam packte ihn und zerrte ihn weg vom Schuppen, weg vom Grundstück, vorbei am Baumhaus, tiefer in den Wald. Er wollte eigentlich so weit weg bis sie außer Sichtweite waren, aber die Rauchschwaden waren immer noch durch die Baumwipfel zu sehen. Adam fiel ihm noch einmal um den Hals aber anders als vorhin blieb Leo einfach starr stehen, ohne die Umarmung zu erwidern. 


“Wir waren nicht da. Verstanden?”


Leo warf ihm einen fragenden Blick zu. “Niemand hat uns gesehen.” Er sagte das mit voller Überzeugung, auch wenn er es nicht wissen konnte. Aber der nächste Nachbar war ein ganzes Stück entfernt und der Schuppen selbst war auch zu weit vom Haus entfernt, als das seine Mutter irgendetwas gehört haben könnte. „Wir waren zusammen unterwegs und wissen von nichts.“ Die Sirenen ließen beide zusammenzucken. Er schaute in Leos kalkweißes Gesicht in das immer noch das Entsetzen geschrieben stand und ihm wurde klar, dass sie nicht beide bei ihm zu Hause auftauchen könnten und so tun, als ob alles in Ordnung wäre. Er legte ihm die Hand auf die Schulter und brauchte ein paar Versuche, bis er ganze Sätze herausbrachte.


“Du…lass…ich mach das. Geh du heim. Sag wir haben uns schon vor einer Weile getrennt. Sag du warst irgendwo anders. Ich dreh jetzt um und sag ich hab grade erst den Rauch gesehen.” Leo nickte, riss sich los und lief davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Adam wollte sich auf den Rückweg machen, stolperte aber schon nach ein paar Schritten und konnte sich gerade noch an einem Baum festhalten als die Erkenntnis darüber was heute alles passiert war mit voller Wucht traf. Ihm entfloh ein Laut der irgendwo zwischen Schluchzen, Schreien und hysterischem Lachen lag, bevor er sich wieder aufrichtete und sich an einen einzigen Gedanken klammerte. Leo. Er würde Leo aus dem allen raushalten. Dann lief er los.




Es überraschte ihn wie fraglos die Polizei alles akzeptierte. Oder vielleicht auch nicht. Er hatte ja auch die Ärzte im Krankenhaus immer davon überzeugen können, dass seine Knochenbrüche von Stürzen und Sportunfällen kamen. 


Einen Arzt rief einer der Polizisten dann auch, nachdem seine Mutter komplett hysterisch geworden war. Mit einem Beruhigungsmittel verschwand sie im Schlafzimmer und jetzt war die Aufmerksamkeit wieder auf ihm. Er murmelte etwas davon, dass er allein sein wollte und floh auch in sein Zimmer. 




Leo kam nicht in den Tagen danach. Adam ging auch nicht zu ihm. Was hätte er ihm auch sagen sollen? Hey, danke dass du meinen Vater erschlagen hast, aber keine Sorge, die Polizei hat im Wald einen Pfeil mit seinem Blut gefunden und denken jetzt jemand hat ihn dort angegriffen und ist ihm dann bis in den Schuppen gefolgt. Es ist alles wieder OK, wir können weitermachen wie bisher? (Das hatten sie eigentlich nur seiner Mutter erzählt, aber er war einfach still oben an der Treppe gestanden und hatte gelauscht).


An seinem ersten Tag zurück in der Schule hatte er keinen einzigen Kurs zusammen mit Leo, aber er wusste wo Leo vor der Pause Unterricht hatte also hetzte er nach seiner Erdkundestunde dorthin. Leo stand dort und unterhielt sich mit einer Mitschülerin. Er lächelte sogar, aber es erschien Adam sehr leer. Karin verabschiedete sich und Leos Blick fiel auf Adam. Er erstarrte. 


“Hi,” flüsterte Adam.


“Hi,” sagte Leo.


Und dann fing er einfach an zu reden. Belangloses, dass er schon vergessen hatte, kaum, dass er es ausgesprochen hatte. Leo starrte dabei die ganze Zeit auf seine Füße. Dann klingelte es zum Ende der Pause.


Das Spiel wiederholte sich am nächsten Tag. Und an den Tagen danach. Adam redete. Leo nickte, schüttelte den Kopf, gab gelegentlich ein paar einsilbige Antworten ohne Adam dabei je in die Augen zu sehen. Irgendwann schaute er dann doch auf aber ihn nicht an. Stattdessen flüsterte er nur: “Ich kann das nicht mehr.” drehte sich weg und floh. Adam folgte ihm nicht und versuchte auch danach nicht mehr ihn zu erwischen.




Leo war weg. Es war das Gesprächsthema in der Schule und natürlich hatte irgendjemand schon alle Details. Leo war seit ein paar Tagen über 18 und es sah alles nach einem freiwilligen Verschwinden aus. Er hatte Klamotten und wichtige Papiere mitgenommen. Die Polizei konnte nichts tun, egal wie sehr seine Eltern baten. 


Leos Mutter tauchte zuerst auf, sie weinte und flehte, dann sein Vater der es mit verschwörerischen Wir können doch über alles reden und Egal was passiert ist, es wird wieder gut, als letztes Caro, die ihn auf dem Heimweg abpasst, schüttelt, mit lächerlich harmlosen Fausthieben bearbeitet und anschrie. Er schwor allen, dass er keine Ahnung hatte, wo Leo war. Keiner kam auf die Idee ihn zu fragen, ob er wusste, warum Leo weg ist.




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