#1 Klammergriff
Feb. 28th, 2021 10:06 pmTitel: Kavallerie
Challenge: #1 Klammergriff
Fandom: Original | Fortsetzung von Die dunkelste Stunde
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
der_jemand,
alea
Kommentar: Eines Tages werde ich das nicht erst um 10 Uhr Abends posten. Aber dieser Tag ist nicht heute.
Es war vollkommen still auf der Brücke.
Kavallerie
Es war vollkommen still auf der Brücke. Jegliches Piepen und Pfeifen hatte Javier abgeschaltet. Jetzt musste er nur noch die zahlreichen blinkenden Lichter am Rande seines Gesichtsfeldes ertragen. Gelegentlich klapperte etwas, wenn das Schiff sich zur Seite neigte.
Weder Ellie noch Reyna waren bis jetzt zurückgekehrt. Er konnte nur ahnen, dass das nichts Gutes bedeutete.
Die Kabine war trotz der Temperaturen, die außerhalb herrschten, immer noch wohltemperiert. Dennoch konnte Javier spüren, wie ihm ein Schweißtropfen die Schläfe herunterrann und auf seine Uniformhose tropfte, in die er vor einer Stunde so hastig geschlüpft war. Seine Finger waren schon so verkrampft, dass sie schmerzten, dennoch wagte er es nicht, sie vom Steuermodul zu lösen.
Da war es wieder - eine kleine Inkonsistenz in der Schubkraft der Turbinen. Er spürte, wie das Schiff unter ihm ruckte. Bevor es zur Seite ausbrechen konnte, korrigierte er die Ausrichtung ein Grad Richtung Steuerbord, und die Aletheia pendelte sich wieder auf ihrem Kurs ein.
Er atmete aus und nutzte die Gelegenheit, sich rasch mit seinem Ärmel über das Gesicht zu wischen.
Er wusste nicht, wie lange er das noch durchhalten konnte. Nicht, dass er den anderen nicht auch grundlegende navigatorische Fähigkeiten zugestand (außer Will vielleicht), aber das hier erforderte ein Fingerspitzengefühl, das er sich nur durch jahrelange Übung angeeignet hatte. Hier zeigte sich, was Piloten, die ihre Schiffe wie ihre Socken wechselten, niemals verstanden - nur Zeit konnte einen mit einem Schiff derartig vertraut machen.
Er konnte nur vermuten, was Will und Melanie da unten trieben, aber sein eigener Instinkt sagte ihm, dass es nicht gut um das Schiff stand. Bereits die Vibration der Armaturen unter seiner Hand fühlte sich anders an, als liefen die Maschinen unrund. Von den kurzen Aussetzern ganz zu schweigen. Jeder von ihnen konnte in einer Katastrophe enden.
Konnte er das Schiff in einem solchen Moment nicht auf Kurs halten, würde sie wie ein Morgenstern an den Abschleppketten herumschwingen und mit der Elpis II kollidieren. Und so marode der alte Frachter auch war - einen solchen Zusammenstoß konnte die Aletheia auf keinen Fall überstehen. Höchstwahrscheinlich würden beide Schiffe aufgerissen und ihre Besatzungen in den Weltraum hinausgesogen.
„Kommt schon, Leute, gebt mir eine gute Nachricht“, murmelte er, aber das Funkgerät auf seiner linken Seite blieb stumm.
Im nächsten Moment blitzte es vor seinen Augen auf.
Für einen Augenblick glaubte er, es sei etwas explodiert - möglicherweise sogar sie selbst. Aber als sich das Blitzlichtgewitter vor seinen Augen fortsetzte wie bei der jährlichen Verkündigung der Llywelyn-Gedächtnismedaille und gleichzeitig die Kontaktwarnung anfing zu piepen, verstand er schließlich.
Direkt vor ihm stiegen Schiffe aus dem Hyperraum.
Auf dieser Entfernung waren sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Da man es aber auf einem Militärschiff für relativ wichtig hielt, fremde Schiffe schnell zu identifizieren, listete ihm der Computer im selben Augenblick alle bekannten Informationen auf.
Viel war das nicht. Die Namen sagten Javier nichts, bis er auf die Aurion stieß - war die nicht vor einer Weile in den Nachrichten gewesen? Er konnte sich nicht mehr erinnern, weshalb. Kaum eines der Schiffe war auch nur ansatzweise so groß wie sie selbst, und keines besaß nennenswerte Waffensysteme abgesehen von dem ein oder anderen MG zur Verteidigung. Selbst gemeinsam stellten sie kaum eine Bedrohung dar.
Drei Neuankömmlinge konnten nicht identifiziert werden, da sie in keinem zur Verfügung stehenden System registriert waren.
Er lehnte sich in seinem Stuhl zur Seite und brachte mit dem linken Ellbogen die Kontaktwarnung zum Schweigen. Als das Funkgerät zu Rauschen anfing, fiel er beinahe aus seinem Stuhl bei dem Versuch, es sich zu angeln und gleichzeitig zumindest eine Hand auf der Steuerung zu behalten.
„Aletheia, hier spricht die Leto, bitte kommen“, ertönte die Stimme einer Frau über den Lautsprecher.
„Wenn ihr nur zum Zugucken gekommen seid, schieß ich euch ab“, sagte Javier, während er gleichzeitig einhändig eine weitere Schwankung ausglich. „Wir sind hier gerade ein bisschen beschäftigt.“
„Begrüßt man so etwa die Kavallerie?“, kam es zurück.
„Wusste nicht, dass Kavallerien neuerdings aus Ponys bestehen.“
„Also eigentlich - “, hörte er eine Männerstimme sagen, unterbrochen von: „Nicht jetzt, Newt. - Wir sind hier, um euch zu retten, du Idiot. Und jetzt möchte ich mit dem verantwortlichen Kapitän sprechen.“
Bevor er darauf etwas erwidern konnte riss ihm Reyna, von ihrem untrüglichen Instinkt zurück auf die Brücke getrieben, das Funkgerät aus der Hand. „Hier ist der Kapitän.“
Javier lauschte mit zunehmendem Unglauben, während ein Mann namens Newt Reyna einen völlig wahnwitzigen Plan darlegte, der vielleicht, nur vielleicht, tatsächlich funktionieren könnte.
Dann fragte er sich, ob es zu spät war, mit Will sein letztes Monatsgehalt zu verwetten.
Challenge: #1 Klammergriff
Fandom: Original | Fortsetzung von Die dunkelste Stunde
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
Kommentar: Eines Tages werde ich das nicht erst um 10 Uhr Abends posten. Aber dieser Tag ist nicht heute.
Es war vollkommen still auf der Brücke.
Kavallerie
Es war vollkommen still auf der Brücke. Jegliches Piepen und Pfeifen hatte Javier abgeschaltet. Jetzt musste er nur noch die zahlreichen blinkenden Lichter am Rande seines Gesichtsfeldes ertragen. Gelegentlich klapperte etwas, wenn das Schiff sich zur Seite neigte.
Weder Ellie noch Reyna waren bis jetzt zurückgekehrt. Er konnte nur ahnen, dass das nichts Gutes bedeutete.
Die Kabine war trotz der Temperaturen, die außerhalb herrschten, immer noch wohltemperiert. Dennoch konnte Javier spüren, wie ihm ein Schweißtropfen die Schläfe herunterrann und auf seine Uniformhose tropfte, in die er vor einer Stunde so hastig geschlüpft war. Seine Finger waren schon so verkrampft, dass sie schmerzten, dennoch wagte er es nicht, sie vom Steuermodul zu lösen.
Da war es wieder - eine kleine Inkonsistenz in der Schubkraft der Turbinen. Er spürte, wie das Schiff unter ihm ruckte. Bevor es zur Seite ausbrechen konnte, korrigierte er die Ausrichtung ein Grad Richtung Steuerbord, und die Aletheia pendelte sich wieder auf ihrem Kurs ein.
Er atmete aus und nutzte die Gelegenheit, sich rasch mit seinem Ärmel über das Gesicht zu wischen.
Er wusste nicht, wie lange er das noch durchhalten konnte. Nicht, dass er den anderen nicht auch grundlegende navigatorische Fähigkeiten zugestand (außer Will vielleicht), aber das hier erforderte ein Fingerspitzengefühl, das er sich nur durch jahrelange Übung angeeignet hatte. Hier zeigte sich, was Piloten, die ihre Schiffe wie ihre Socken wechselten, niemals verstanden - nur Zeit konnte einen mit einem Schiff derartig vertraut machen.
Er konnte nur vermuten, was Will und Melanie da unten trieben, aber sein eigener Instinkt sagte ihm, dass es nicht gut um das Schiff stand. Bereits die Vibration der Armaturen unter seiner Hand fühlte sich anders an, als liefen die Maschinen unrund. Von den kurzen Aussetzern ganz zu schweigen. Jeder von ihnen konnte in einer Katastrophe enden.
Konnte er das Schiff in einem solchen Moment nicht auf Kurs halten, würde sie wie ein Morgenstern an den Abschleppketten herumschwingen und mit der Elpis II kollidieren. Und so marode der alte Frachter auch war - einen solchen Zusammenstoß konnte die Aletheia auf keinen Fall überstehen. Höchstwahrscheinlich würden beide Schiffe aufgerissen und ihre Besatzungen in den Weltraum hinausgesogen.
„Kommt schon, Leute, gebt mir eine gute Nachricht“, murmelte er, aber das Funkgerät auf seiner linken Seite blieb stumm.
Im nächsten Moment blitzte es vor seinen Augen auf.
Für einen Augenblick glaubte er, es sei etwas explodiert - möglicherweise sogar sie selbst. Aber als sich das Blitzlichtgewitter vor seinen Augen fortsetzte wie bei der jährlichen Verkündigung der Llywelyn-Gedächtnismedaille und gleichzeitig die Kontaktwarnung anfing zu piepen, verstand er schließlich.
Direkt vor ihm stiegen Schiffe aus dem Hyperraum.
Auf dieser Entfernung waren sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Da man es aber auf einem Militärschiff für relativ wichtig hielt, fremde Schiffe schnell zu identifizieren, listete ihm der Computer im selben Augenblick alle bekannten Informationen auf.
Viel war das nicht. Die Namen sagten Javier nichts, bis er auf die Aurion stieß - war die nicht vor einer Weile in den Nachrichten gewesen? Er konnte sich nicht mehr erinnern, weshalb. Kaum eines der Schiffe war auch nur ansatzweise so groß wie sie selbst, und keines besaß nennenswerte Waffensysteme abgesehen von dem ein oder anderen MG zur Verteidigung. Selbst gemeinsam stellten sie kaum eine Bedrohung dar.
Drei Neuankömmlinge konnten nicht identifiziert werden, da sie in keinem zur Verfügung stehenden System registriert waren.
Er lehnte sich in seinem Stuhl zur Seite und brachte mit dem linken Ellbogen die Kontaktwarnung zum Schweigen. Als das Funkgerät zu Rauschen anfing, fiel er beinahe aus seinem Stuhl bei dem Versuch, es sich zu angeln und gleichzeitig zumindest eine Hand auf der Steuerung zu behalten.
„Aletheia, hier spricht die Leto, bitte kommen“, ertönte die Stimme einer Frau über den Lautsprecher.
„Wenn ihr nur zum Zugucken gekommen seid, schieß ich euch ab“, sagte Javier, während er gleichzeitig einhändig eine weitere Schwankung ausglich. „Wir sind hier gerade ein bisschen beschäftigt.“
„Begrüßt man so etwa die Kavallerie?“, kam es zurück.
„Wusste nicht, dass Kavallerien neuerdings aus Ponys bestehen.“
„Also eigentlich - “, hörte er eine Männerstimme sagen, unterbrochen von: „Nicht jetzt, Newt. - Wir sind hier, um euch zu retten, du Idiot. Und jetzt möchte ich mit dem verantwortlichen Kapitän sprechen.“
Bevor er darauf etwas erwidern konnte riss ihm Reyna, von ihrem untrüglichen Instinkt zurück auf die Brücke getrieben, das Funkgerät aus der Hand. „Hier ist der Kapitän.“
Javier lauschte mit zunehmendem Unglauben, während ein Mann namens Newt Reyna einen völlig wahnwitzigen Plan darlegte, der vielleicht, nur vielleicht, tatsächlich funktionieren könnte.
Dann fragte er sich, ob es zu spät war, mit Will sein letztes Monatsgehalt zu verwetten.
no subject
Date: 2021-03-01 05:47 pm (UTC)Das macht mich so glücklich.
Und Reyna, die mit sechtem Sinn aus dem Nichts auftaucht. :) (Obwohl, ganz ehrlich, eine Unterhaltung von Reyna und Newt klingt awesome! =D)
Außerdem möchte ich, dass Javier noch zeit für ne Wette hat. Aus... Fanservice-Gründen. =D
no subject
Date: 2021-03-12 04:49 pm (UTC)In meinem Kopf haben die beiden sowieso für jeden Mist Wetten laufen, von daher... mal sehen. ;)
no subject
Date: 2021-03-01 06:33 pm (UTC)Und Javier ist noch gut in Form! Auf die Ponys wäre ich nicht gekommen, habe aber dafür umso lauter über sie gelacht. XDDD
no subject
Date: 2021-03-12 04:52 pm (UTC)Freut mich auf jeden Fall, dass Javiers Bitchiness immer noch ankommt. XD
no subject
Date: 2021-05-02 03:58 pm (UTC)War aber ein tolles Bild und auch diesmal wieder was, was ich wie ein Filmszene vor mir gesehen habe beim Lesen.
no subject
Date: 2021-12-22 06:01 pm (UTC)