"Du kannst meins haben."
Jan. 3rd, 2021 06:47 pmTitel: Blut
Challenge: „Du kannst meins haben.“ (Leider nur nonverbal, sorry…)
Fandom: Original | Fortsetzung von Pyramiden
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
der_jemand,
alea
Kommentar: Ihr habt doch nicht etwa gedacht, ich hätte aufgegeben?? (Das hier ist vollkommen Plot-irrelevant, aber es hat mich nicht losgelassen.)
Vorsichtig zog er die Klinge durch die Innenseite seiner rechten Hand.
Blut
Vorsichtig zog Isaac die Klinge durch die Innenseite seiner rechten Hand. Der Schmerz war vertraut, aber klärte mit seiner Schärfe dennoch sein Bewusstsein. Er legte die Klinge zur Seite, dann hielt er die Hand über die goldene Schale und presste sie zusammen, bis ein Blutstropfen hineinfiel.
„Ist das nicht die falsche Hand?“, fragte eine Stimme von hinten.
Er wandte sich um. Abigail stand hinter ihm, bereits in ihre abgewetzte Jacke gehüllt, und sah ihn mit der typischen Befremdung einer Atheistin an.
„Ich bin Linkshänder“, sagte er. „Man nimmt immer die nicht-dominante Hand.“
Sie neigte den Kopf. „Klingt sinnvoll“, sagte sie.
Er griff in seine Tasche, aber da hielt sie ihm bereits ein Taschentuch unter die Nase. Er warf rasch einen prüfenden Blick darauf, bevor er es annahm, aber es schien noch nicht in Kontakt mit Motoröl gekommen zu sein.
„Danke“, sagte er. Er wickelte sich das Tuch um die Hand und beobachtete, wie der weiße Stoff das Blut aufsog.
Als er wieder aufblickte, bemerkte er, dass sie ihn aufmerksam ansah.
„Machst du das vor jedem Flug?“, fragte sie.
Er zuckte mit den Schultern. „Nur, wenn es gefährlich werden könnte.“
Sie grinste. „Also immer.“
Er erwiderte ihr Grinsen. „So ziemlich. Aber besser ein bisschen Blut vorher als später viel Blut.“
Ihr Gesichtsausdruck wurde wieder ernst. „Wollen wir hoffen, dass es funktioniert.“
Er nickte.
Nebenbei zog er sein eigenes Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sorgfältig die Klinge damit sauber. Er polierte sie, bis sie glänzte, und konnte dabei ihren Blick auf sich spüren.
„So weißt du wenigstens immer, ob dein Messer noch scharf ist. Das ist wichtig in diesem Teil des Universums“, sagte sie schließlich.
Er begegnete ihrem Blick. „Das stimmt.“
Sie fuhr sich mit einer Hand durch ihre zerzausten Haare. Sie sah gleichzeitig müde und überdreht aus, wie jemand, der zu wenig geschlafen hatte, aber zu aufgeputscht war, um auch nur daran zu denken.
Es war still und leer in dem kleinen Raum, an einem solchen Tag kamen nicht viele Leute in die Kapellen. Nur von nebenan konnte man gedämpften Gesang vernehmen.
„Möchtest du mal sehen?“, fragte er schließlich und hielt seine verbundene Hand hoch.
„Kann ich?“, fragte sie interessiert.
Die Wunde hatte bereits aufgehört zu bluten, als er vorsichtig das Tuch löste, war auf der Haut nur noch eine dünne rote Linie zu sehen. Daneben verliefen sich teilweisende überkreuzende weiße Narben, mehr, als man zählen konnte.
Abigail stieß die Luft aus. „Wow. Du hast das echt schon oft gemacht.“ Sie beugte sich näher heran. „Tut das sehr weh?“
„Man gewöhnt sich dran.“
Sie kaute einen Moment lang auf ihrer Unterlippe herum. „Gib mal her“, sagte sie dann, und deutete auf sein Messer. „Ich will es versuchen.“
„Bist du sicher?“, fragte er. Aber sie sah ihn so fest entschlossen an, dass er es ihr ohne weiteres Zögern überreichte.
„Langsam. Nicht zu tief“, mahnte er. „Du willst dir keine wichtigen Sehnen oder Nerven anschneiden.“
„Au. Verdammt. Au! Das tut weh! Du hast nicht gesagt, dass es so weh tut!“, fluchte sie.
„Die ersten Male sind die schlimmsten.“ Er dirigierte ihre blutende Hand sanft über die Schale.
Sie beobachtete gebannt, wie ihr Blut hineintropfte. „Muss ich was sagen?“
Er zuckte die Schultern. „Du kannst, aber du musst nicht.“
Er sah zu, wie sie für einen Moment die Augen schloss. Ihre Lippen schienen sich zu bewegen, aber sie blieb stumm. Am Ende nahm sie einen tiefen Atemzug, bevor sie die Augen wieder aufschlug.
„Okay.“
„Okay?“
Sie nickte und nahm ihm ihr Taschentuch ab, um sich zu verbinden. „Das mach ich nie wieder“, sagte sie bestimmt.
Er lachte überrascht auf. „So schlimm?“
„Du hast nicht gesagt, dass es so weh tut!“
„Mein erstes Mal ist halt schon eine ganze Weile her.“
„Jaja.“ Sie sah ihn böse an, aber ihre Mundwinkel zuckten ein bisschen.
„Immerhin geht das hier schnell“, sagte sie schließlich. „Die Estraven-Schwestern singen immer noch. Bei dem Tempo kommen wir ja nie in die Socken.“
„Wir sollten sie unterbrechen.“
„Ja, das sollten wir.“
Challenge: „Du kannst meins haben.“ (Leider nur nonverbal, sorry…)
Fandom: Original | Fortsetzung von Pyramiden
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
Kommentar: Ihr habt doch nicht etwa gedacht, ich hätte aufgegeben?? (Das hier ist vollkommen Plot-irrelevant, aber es hat mich nicht losgelassen.)
Vorsichtig zog er die Klinge durch die Innenseite seiner rechten Hand.
Blut
Vorsichtig zog Isaac die Klinge durch die Innenseite seiner rechten Hand. Der Schmerz war vertraut, aber klärte mit seiner Schärfe dennoch sein Bewusstsein. Er legte die Klinge zur Seite, dann hielt er die Hand über die goldene Schale und presste sie zusammen, bis ein Blutstropfen hineinfiel.
„Ist das nicht die falsche Hand?“, fragte eine Stimme von hinten.
Er wandte sich um. Abigail stand hinter ihm, bereits in ihre abgewetzte Jacke gehüllt, und sah ihn mit der typischen Befremdung einer Atheistin an.
„Ich bin Linkshänder“, sagte er. „Man nimmt immer die nicht-dominante Hand.“
Sie neigte den Kopf. „Klingt sinnvoll“, sagte sie.
Er griff in seine Tasche, aber da hielt sie ihm bereits ein Taschentuch unter die Nase. Er warf rasch einen prüfenden Blick darauf, bevor er es annahm, aber es schien noch nicht in Kontakt mit Motoröl gekommen zu sein.
„Danke“, sagte er. Er wickelte sich das Tuch um die Hand und beobachtete, wie der weiße Stoff das Blut aufsog.
Als er wieder aufblickte, bemerkte er, dass sie ihn aufmerksam ansah.
„Machst du das vor jedem Flug?“, fragte sie.
Er zuckte mit den Schultern. „Nur, wenn es gefährlich werden könnte.“
Sie grinste. „Also immer.“
Er erwiderte ihr Grinsen. „So ziemlich. Aber besser ein bisschen Blut vorher als später viel Blut.“
Ihr Gesichtsausdruck wurde wieder ernst. „Wollen wir hoffen, dass es funktioniert.“
Er nickte.
Nebenbei zog er sein eigenes Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sorgfältig die Klinge damit sauber. Er polierte sie, bis sie glänzte, und konnte dabei ihren Blick auf sich spüren.
„So weißt du wenigstens immer, ob dein Messer noch scharf ist. Das ist wichtig in diesem Teil des Universums“, sagte sie schließlich.
Er begegnete ihrem Blick. „Das stimmt.“
Sie fuhr sich mit einer Hand durch ihre zerzausten Haare. Sie sah gleichzeitig müde und überdreht aus, wie jemand, der zu wenig geschlafen hatte, aber zu aufgeputscht war, um auch nur daran zu denken.
Es war still und leer in dem kleinen Raum, an einem solchen Tag kamen nicht viele Leute in die Kapellen. Nur von nebenan konnte man gedämpften Gesang vernehmen.
„Möchtest du mal sehen?“, fragte er schließlich und hielt seine verbundene Hand hoch.
„Kann ich?“, fragte sie interessiert.
Die Wunde hatte bereits aufgehört zu bluten, als er vorsichtig das Tuch löste, war auf der Haut nur noch eine dünne rote Linie zu sehen. Daneben verliefen sich teilweisende überkreuzende weiße Narben, mehr, als man zählen konnte.
Abigail stieß die Luft aus. „Wow. Du hast das echt schon oft gemacht.“ Sie beugte sich näher heran. „Tut das sehr weh?“
„Man gewöhnt sich dran.“
Sie kaute einen Moment lang auf ihrer Unterlippe herum. „Gib mal her“, sagte sie dann, und deutete auf sein Messer. „Ich will es versuchen.“
„Bist du sicher?“, fragte er. Aber sie sah ihn so fest entschlossen an, dass er es ihr ohne weiteres Zögern überreichte.
„Langsam. Nicht zu tief“, mahnte er. „Du willst dir keine wichtigen Sehnen oder Nerven anschneiden.“
„Au. Verdammt. Au! Das tut weh! Du hast nicht gesagt, dass es so weh tut!“, fluchte sie.
„Die ersten Male sind die schlimmsten.“ Er dirigierte ihre blutende Hand sanft über die Schale.
Sie beobachtete gebannt, wie ihr Blut hineintropfte. „Muss ich was sagen?“
Er zuckte die Schultern. „Du kannst, aber du musst nicht.“
Er sah zu, wie sie für einen Moment die Augen schloss. Ihre Lippen schienen sich zu bewegen, aber sie blieb stumm. Am Ende nahm sie einen tiefen Atemzug, bevor sie die Augen wieder aufschlug.
„Okay.“
„Okay?“
Sie nickte und nahm ihm ihr Taschentuch ab, um sich zu verbinden. „Das mach ich nie wieder“, sagte sie bestimmt.
Er lachte überrascht auf. „So schlimm?“
„Du hast nicht gesagt, dass es so weh tut!“
„Mein erstes Mal ist halt schon eine ganze Weile her.“
„Jaja.“ Sie sah ihn böse an, aber ihre Mundwinkel zuckten ein bisschen.
„Immerhin geht das hier schnell“, sagte sie schließlich. „Die Estraven-Schwestern singen immer noch. Bei dem Tempo kommen wir ja nie in die Socken.“
„Wir sollten sie unterbrechen.“
„Ja, das sollten wir.“
no subject
Date: 2021-01-04 06:54 pm (UTC)Und yay für die beiden und yay für den ruhigen Moment zwischendrin, nicht ganz zum Durchatmen, sondern immer noch angespannt, aber ruhig. <3
no subject
Date: 2021-01-09 09:29 am (UTC)Und dass auch meine Plotprokrastinationsmomente gefallen... (Aah, wann wird es jemals enden, worauf habe ich mich da eingelassen, aaaah...)
no subject
Date: 2021-01-09 09:31 am (UTC)Außerdem habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, weil du eine Challenge von mir benutzt hast. Nonverbal ist für mich immer okay, wenn ich Zitate poste. 👍 Hauptsache, die Grundidee kommt rüber und das ist dir ja mehr als gelungen.
no subject
Date: 2021-01-11 05:17 pm (UTC)Deine Challenge kam aber auch wie gerufen! :D Und das merk ich mir für's nächste Mal, ich find's nämlich immer voll schwer, solche Sätze auch tatsächlich unterzubringen... Irgendwie harmoniert das dann häufig nicht mehr so. :D