Titel: Schiffe in der Nacht
Challenge: Wach bleiben müssen (Sommerchallenge 2019)
Fandom: Original | Fortsetzung von 5.238
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
der_jemand,
alea
Kommentar: Mit dieser Metapher bin ich ja schon irgendwie glücklich.
Ihr habt doch sicher alle Freunde in der Gegend, oder?
Schiffe in der Nacht*
Tag und Nacht hatten wenig Bedeutung auf einer Raumstation, in der die Flutlichter regierten und 26 Stunden pro Tag Schiffe kamen und gingen. Aber auf der Brücke der Aurion waren die Schotten vor der Frontscheibe geschlossen und alle Lichter ausgeschaltet. Nur die Schalter des Armaturenbretts leuchteten in der Dunkelheit, und gelegentlich scrollte weißer Text über einen dunklen Bildschirm.
Sie hatte ihre Haare geöffnet und die rote Jacke über die Lehne des Stuhls gehängt, in dem sie saß. Während eine Hand ein Glas Wein zu den Lippen führte, klopften die Finger der anderen rhythmisch auf den Sender.
Ihr habt doch sicher alle Freunde in der Gegend, oder?
Die Rockmusik war so laut, dass man den stampfenden Rhythmus eher spürte als hörte. Einzig die gute Isolierung der Kabine verhinderte eine Lärmbeschwerde.
Auf dem einem Bildschirm kreiste ein Querschnitt der Aurion langsam um sich selbst. Inzwischen wusste er alles über sie, was es zu wissen gab, aber er konnte einfach nicht aufhören, sie sich anzuschauen.
Er drehte sich auf seinem Stuhl in diese und jene Richtung, ließ die Musik über sich hinwegrollen und wartete auf eine Antwort von einer alten Freundin.
„Abby, geh ins Bett.“
„Nur noch 5 Minuten“, murmelte sie, während sie mit halb geschlossenen Augen auf den Monitor schielte. Im nächsten Moment rutschte ihr das Kinn von der aufgestützten Hand und sie schlug fast mit der Nase auf die Konsole auf.
Sie konnte Newt hinter sich lachen hören. „Geh ins Bett“, wiederholte er.
Sie setzte sich gerade hin. „Jetzt bin ich wieder wach. Hör auf zu nerven oder hol mir ‘nen Kaffee.“
Sie hörte, wie er aufstand, und dachte, dass er manchmal doch ein ganz akzeptabler Bruder war. Aber nur manchmal.
„Was ist mit Kira?“
„Auf dem Weg nach Nefud. Zu weit.“
„Rick und Daryl?“
„Das Schiff fällt doch auseinander, wenn du es einmal schief anguckst.“
„Laurie?“
„Hast du gesehen, wie der Typ fliegt? Der wird uns alle umbringen.“
„Und Paul?“
„Würd ich die Gelegenheit nicht gönnen, wenn er der letzte Omaguaner im Universum wär.“
„Frag mich bloß nie, warum du so wenig Freunde hast.“
„Ich weiß, dass ich gesagt habe, ich würde nur noch eine Nacht bleiben… Aber das hier ist eine einmalige Gelegenheit… Ja, ich weiß, dass ich das das letzte Mal auch gesagt habe… Baby, jetzt hör mir doch mal zu …! Ich könnte berühmt werden! Wir werden uns vor Aufträgen nicht mehr retten können! - Baby? Hallo?“
„Wie läuft’s?“
„Allison sagt, auf Aralkum ist absolut tote Hose. Sie und Lydia sind auf dem Weg.“
Eine säuberlich manikürte Hand strich einen Namen von einer Liste. „Fehlen noch fünf.“
Weit ab von den großen Raumstationen und den Sonnen der nächsten Planetensysteme herrschte im Universum ewige Nacht. Hier waren Schiffe nicht mehr als Glühwürmchen, die sich allein oder im Konvoi den Weg durch den dunklen Raum suchten.
Doch auf unsichtbare Weise waren all diese Schiffe, so weit sie auch voneinander entfernt sein mochten, miteinander verbunden. Über Relay-Stationen, die auf öden Planetenoberflächen verankert waren, und Satelliten, die in ihren Umlaufbahnen kreisten, und weitergeleitet von den verschiedensten Schiffen auf ihrem Weg, fanden Funknachrichten früher oder später ihr Ziel.
Die offiziellen Kanäle waren erfüllt von den üblichen Warnmeldungen über Sonnenstürme und Asteroiden. Am Rand des Sechura-Systems wartete eine liegengebliebene Hubbs auf jemanden, der sie abschleppen konnte und über Siloli war aufgrund eines neuartigen Virus einen Monat Quarantäne verhängt worden.
Daneben wimmelte es jedoch geradezu von verschlüsselten Nachrichten, die nur für ihren Empfänger bestimmt waren: Warnungen vor Schmuggelfahndern und Jobangebote am Rande der Legalität ebenso wie Liebesbriefe und andere persönliche Nachrichten.
Selbst wenn jemand bemerkte, dass die Relays verschlüsselte Nachrichten im Sekundentakt weiterleiteten, hätte derjenige nicht feststellen können, worum es ging.
„Wie viel Meilen? Weißt du, was mich das an Sprit kostet?! Ich bin doch nicht aus Gold gemacht, Isaac!“
An Bord der Hydra piepste das Kommunikationsinterface so laut, dass der Funkmaat aus dem Bett fiel.
„Das klingt wie die blödeste Idee dieses Jahrhunderts. Wo kann ich mich anmelden?“
Eine stumpfnasige Narwal schlug lässig eine halbe Drehung um die eigene Achse, als sie langsam den Kurs änderte.
„Du rufst mich immer nur an, wenn du was von mir willst, weißt du das?“
Vor der hell erleuchteten Mondoberfläche von Aralkum stieg ein stromlinienförmiger Schatten in die Nacht hinauf.
*Aneinander vorbeziehen wie Schiffe in der Nacht = Eine kurze, aber intensive Begegnung zwischen Menschen, die sich hinterher nicht wieder sehen.
Challenge: Wach bleiben müssen (Sommerchallenge 2019)
Fandom: Original | Fortsetzung von 5.238
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
Kommentar: Mit dieser Metapher bin ich ja schon irgendwie glücklich.
Ihr habt doch sicher alle Freunde in der Gegend, oder?
Schiffe in der Nacht*
Tag und Nacht hatten wenig Bedeutung auf einer Raumstation, in der die Flutlichter regierten und 26 Stunden pro Tag Schiffe kamen und gingen. Aber auf der Brücke der Aurion waren die Schotten vor der Frontscheibe geschlossen und alle Lichter ausgeschaltet. Nur die Schalter des Armaturenbretts leuchteten in der Dunkelheit, und gelegentlich scrollte weißer Text über einen dunklen Bildschirm.
Sie hatte ihre Haare geöffnet und die rote Jacke über die Lehne des Stuhls gehängt, in dem sie saß. Während eine Hand ein Glas Wein zu den Lippen führte, klopften die Finger der anderen rhythmisch auf den Sender.
Ihr habt doch sicher alle Freunde in der Gegend, oder?
Die Rockmusik war so laut, dass man den stampfenden Rhythmus eher spürte als hörte. Einzig die gute Isolierung der Kabine verhinderte eine Lärmbeschwerde.
Auf dem einem Bildschirm kreiste ein Querschnitt der Aurion langsam um sich selbst. Inzwischen wusste er alles über sie, was es zu wissen gab, aber er konnte einfach nicht aufhören, sie sich anzuschauen.
Er drehte sich auf seinem Stuhl in diese und jene Richtung, ließ die Musik über sich hinwegrollen und wartete auf eine Antwort von einer alten Freundin.
„Abby, geh ins Bett.“
„Nur noch 5 Minuten“, murmelte sie, während sie mit halb geschlossenen Augen auf den Monitor schielte. Im nächsten Moment rutschte ihr das Kinn von der aufgestützten Hand und sie schlug fast mit der Nase auf die Konsole auf.
Sie konnte Newt hinter sich lachen hören. „Geh ins Bett“, wiederholte er.
Sie setzte sich gerade hin. „Jetzt bin ich wieder wach. Hör auf zu nerven oder hol mir ‘nen Kaffee.“
Sie hörte, wie er aufstand, und dachte, dass er manchmal doch ein ganz akzeptabler Bruder war. Aber nur manchmal.
„Was ist mit Kira?“
„Auf dem Weg nach Nefud. Zu weit.“
„Rick und Daryl?“
„Das Schiff fällt doch auseinander, wenn du es einmal schief anguckst.“
„Laurie?“
„Hast du gesehen, wie der Typ fliegt? Der wird uns alle umbringen.“
„Und Paul?“
„Würd ich die Gelegenheit nicht gönnen, wenn er der letzte Omaguaner im Universum wär.“
„Frag mich bloß nie, warum du so wenig Freunde hast.“
„Ich weiß, dass ich gesagt habe, ich würde nur noch eine Nacht bleiben… Aber das hier ist eine einmalige Gelegenheit… Ja, ich weiß, dass ich das das letzte Mal auch gesagt habe… Baby, jetzt hör mir doch mal zu …! Ich könnte berühmt werden! Wir werden uns vor Aufträgen nicht mehr retten können! - Baby? Hallo?“
„Wie läuft’s?“
„Allison sagt, auf Aralkum ist absolut tote Hose. Sie und Lydia sind auf dem Weg.“
Eine säuberlich manikürte Hand strich einen Namen von einer Liste. „Fehlen noch fünf.“
Weit ab von den großen Raumstationen und den Sonnen der nächsten Planetensysteme herrschte im Universum ewige Nacht. Hier waren Schiffe nicht mehr als Glühwürmchen, die sich allein oder im Konvoi den Weg durch den dunklen Raum suchten.
Doch auf unsichtbare Weise waren all diese Schiffe, so weit sie auch voneinander entfernt sein mochten, miteinander verbunden. Über Relay-Stationen, die auf öden Planetenoberflächen verankert waren, und Satelliten, die in ihren Umlaufbahnen kreisten, und weitergeleitet von den verschiedensten Schiffen auf ihrem Weg, fanden Funknachrichten früher oder später ihr Ziel.
Die offiziellen Kanäle waren erfüllt von den üblichen Warnmeldungen über Sonnenstürme und Asteroiden. Am Rand des Sechura-Systems wartete eine liegengebliebene Hubbs auf jemanden, der sie abschleppen konnte und über Siloli war aufgrund eines neuartigen Virus einen Monat Quarantäne verhängt worden.
Daneben wimmelte es jedoch geradezu von verschlüsselten Nachrichten, die nur für ihren Empfänger bestimmt waren: Warnungen vor Schmuggelfahndern und Jobangebote am Rande der Legalität ebenso wie Liebesbriefe und andere persönliche Nachrichten.
Selbst wenn jemand bemerkte, dass die Relays verschlüsselte Nachrichten im Sekundentakt weiterleiteten, hätte derjenige nicht feststellen können, worum es ging.
„Wie viel Meilen? Weißt du, was mich das an Sprit kostet?! Ich bin doch nicht aus Gold gemacht, Isaac!“
An Bord der Hydra piepste das Kommunikationsinterface so laut, dass der Funkmaat aus dem Bett fiel.
„Das klingt wie die blödeste Idee dieses Jahrhunderts. Wo kann ich mich anmelden?“
Eine stumpfnasige Narwal schlug lässig eine halbe Drehung um die eigene Achse, als sie langsam den Kurs änderte.
„Du rufst mich immer nur an, wenn du was von mir willst, weißt du das?“
Vor der hell erleuchteten Mondoberfläche von Aralkum stieg ein stromlinienförmiger Schatten in die Nacht hinauf.
*Aneinander vorbeziehen wie Schiffe in der Nacht = Eine kurze, aber intensive Begegnung zwischen Menschen, die sich hinterher nicht wieder sehen.
no subject
Date: 2020-11-23 07:22 pm (UTC)Spaceships in the night, dadada-dida, spaceships in the night...
Übrigens bin ich begeistert von der Regelmäßigkeit, mit der ich hier sonntags mein Futter kriege. Srsly, hier in den Abendstunden reinzugucken gehört inzwischen zu meinen Ritualen gegen den Sonntagsblues. DANKE! WEITER! *___*
no subject
Date: 2020-12-07 04:44 pm (UTC)Für diesen Kommentar habe ich übrigens ausnahmsweise mal keine Mail bekommen - aber eine Notification in der App. Wuut?
Das macht mich so glücklich, dass ich zu deinem Sonntagsritual beitragen kann! - Natürlich habe ich nach diesem Kommentar prompt eine Woche verpasst, weil ich eine Herde Korkenrentiere basteln musste (lange Geschichte) und mein neuer Laptop Zicken macht. Aber noch habe ich nicht aufgegeben, und das auch dank euch! <3
no subject
Date: 2020-12-12 10:18 am (UTC)