Titel: 5.238
Challenge: #2 Aufgezehrt, ausgehöhlt, emotional erschöpft sein
Fandom: Original | Fortsetzung von Heiratsvermittlung
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
der_jemand,
alea
Kommentar: Ich bin total müde an diesem Sonntagnachmittag, und habe meine Frustration Javier aufgebürdet. Außerdem konnte ich so den größeren Plot prokrastinieren.
Es dauerte 2 Stunden und 41 Minuten, bis es ihm endlich auffiel.
5.238
Es dauerte 1 Stunde und 52 Minuten, bis es ihm endlich auffiel. Der Bordcomputer alarmierte ihn nicht, oder vielleicht tat er es doch und es ging in dem Piepsen diverser anderer Warnungen einfach unter. Die Lüftungsanlage hatte Aussetzer und auf der Steuerbordseite war ein Sensor ausgefallen, und die Außenhülle am Heck hatte inzwischen bedenkliche Temperaturen erreicht.
Viel mehr als protokollieren und wegklicken konnte er diese Meldungen nicht. Jedes Mal, wenn er Will auf ein neues Problem ansprach, sah der ihn an, als würde er ihn am liebsten durch die nächste Luftschleuse in die Tiefe des Weltraums schicken, also reichte er irgendwann nur noch die Ausdrucke über seine Schulter und sah ihn nicht mal mehr an.
Ständig verschwamm der Bildschirm vor seinen Augen, und der von Ellie fleißig nachgebrühte Kaffee, mit dem man ganze Kolonien aus dem Kryoschlaf hätte erwecken können, gab ihm nichts als Herzrasen und schwitzige Hände. Er blinzelte kurz und es vergingen 34 Minuten auf der Systemzeitanzeige; er konnte sich nicht daran erinnern, mit dem Kopf auf dem Armaturenbrett eingeschlafen zu sein, aber sein Nacken sagte ihm, dass es so gewesen sein musste. Irgendjemand hatte ihm Ellies Decke umgelegt und seine leere Kaffeetasse weggeräumt, bevor sie ihr Leben in Scherben auf dem Fußboden aushauchen konnte.
Und es war in diesem Moment zwischen Schlafen und Wachen, bevor ihn der Computer mit der nächsten Horrormeldung ablenken konnte, dass sein Blick an der Zahl in der linken oberen Bildschirmecke hängen blieb und der Teil des Gehirns, der noch funktionierte, ihm sagte: Die sieht irgendwie anders aus als sonst.
Der Rest von ihm traute sich selbst nicht mehr so richtig, also blätterte er im Protokoll, bis ihn der Stand von vor 4 Stunden schwarz auf weiß anblickte, und sein Hirn ihm die dazu passende Rechnung lieferte:
5.239 - 1 = 5.238
Er konnte sich hinterher nicht mehr dran erinnern, ein Geräusch gemacht zu haben, oder, wahrscheinlicher, einen Fluch ausgesprochen zu haben, aber vielleicht hatte Reyna inzwischen auch telepathische Fähigkeiten entwickelt, wundern würde es ihn nicht, jedenfalls stand sie plötzlich wie aus dem Boden gewachsen hinter ihm und verlangte nach einer Erklärung.
Es dauerte einen Moment, bis er die notwendigen Worte für einen Satz zusammengekratzt hatte. „Wir haben jemanden verloren.“
Ihr Gesicht war eine professionelle Maske, aber er sah, wie sich ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde weiteten, und fügte hastig hinzu: „Auf der Elpis II. Wir haben jemanden auf der Elpis II verloren.“
Vielleicht bildete er sich nur ein, wie sich ihre Schultern beim nächsten Ausatmen wieder ein Stück senkten.
„Wann?“
„Ich weiß nicht“, wollte er ihr sagen, aber das wollte er ihr selbstverständlich nicht sagen, also scrollte er durch die Zeitleiste, bis der Computer ihm einen Zeitstempel lieferte. „Vor 1 Stunde und 55 Minuten.“
„Warum?“, fragte Reyna.
„Soll ich ihnen eine Liste machen?“, lag ihm auf der Zunge. Er biss einmal kräftig drauf. „Wahrscheinlich die hohe Innentemperatur. Stress. Vielleicht geht ihnen das Wasser aus.“
„Sauerstoff?“
„Noch bei 19%. Das reicht zum Überleben.“ Noch, sagte die gemeine Stimme in seinem Kopf.
Reyna nickte langsam. „Von hier können wir nichts für sie tun.“
Jabier rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht, in der Hoffnung, dass das seinen Kopf zumindest etwas klären würde. „Wenn wir mit ihnen kommunizieren könnten, könnten wir sie fragen, was sie brauchen - Wasser, medizinische Versorgung, …“
„Javier.“ Ihr scharfer Tonfall ließ ihn aufblicken. „Geh ins Bett.“
„Aber…“ Er machte eine vage Handbewegung in Richtung der technischen Instrumente.
„Nichts aber. Einen Navigator, der ein solches Schlafdefizit vor sich herschiebt, kann ich nicht gebrauchen. Raus aus dem Stuhl.“
Sie sah aus, als würde sie ihn sonst höchstpersönlich herauszerren, also stand er widerstrebend auf und lehnte sich stattdessen gegen das Armaturenbrett. Seine Überraschung, als Reyna sich in seinem Stuhl niederließ, musste man ihm ansehen können, denn sie sagte etwas spitz: „Ich habe auch etwas studiert, weißt du.“
„Ich hab nichts gesagt.“
„Gut. Und jetzt verschwinde, oder ich lasse dich abführen und ans Bett ketten.“
„Unter anderen Umständen würde ich das vielleicht reizvoll finden“, murmelte er.
Er verschwand aus der Kabine, bevor Reyna etwas nach ihm werfen konnte.
Challenge: #2 Aufgezehrt, ausgehöhlt, emotional erschöpft sein
Fandom: Original | Fortsetzung von Heiratsvermittlung
Sprache: Deutsch
Wörter: 700
Widmung:
Kommentar: Ich bin total müde an diesem Sonntagnachmittag, und habe meine Frustration Javier aufgebürdet. Außerdem konnte ich so den größeren Plot prokrastinieren.
Es dauerte 2 Stunden und 41 Minuten, bis es ihm endlich auffiel.
5.238
Es dauerte 1 Stunde und 52 Minuten, bis es ihm endlich auffiel. Der Bordcomputer alarmierte ihn nicht, oder vielleicht tat er es doch und es ging in dem Piepsen diverser anderer Warnungen einfach unter. Die Lüftungsanlage hatte Aussetzer und auf der Steuerbordseite war ein Sensor ausgefallen, und die Außenhülle am Heck hatte inzwischen bedenkliche Temperaturen erreicht.
Viel mehr als protokollieren und wegklicken konnte er diese Meldungen nicht. Jedes Mal, wenn er Will auf ein neues Problem ansprach, sah der ihn an, als würde er ihn am liebsten durch die nächste Luftschleuse in die Tiefe des Weltraums schicken, also reichte er irgendwann nur noch die Ausdrucke über seine Schulter und sah ihn nicht mal mehr an.
Ständig verschwamm der Bildschirm vor seinen Augen, und der von Ellie fleißig nachgebrühte Kaffee, mit dem man ganze Kolonien aus dem Kryoschlaf hätte erwecken können, gab ihm nichts als Herzrasen und schwitzige Hände. Er blinzelte kurz und es vergingen 34 Minuten auf der Systemzeitanzeige; er konnte sich nicht daran erinnern, mit dem Kopf auf dem Armaturenbrett eingeschlafen zu sein, aber sein Nacken sagte ihm, dass es so gewesen sein musste. Irgendjemand hatte ihm Ellies Decke umgelegt und seine leere Kaffeetasse weggeräumt, bevor sie ihr Leben in Scherben auf dem Fußboden aushauchen konnte.
Und es war in diesem Moment zwischen Schlafen und Wachen, bevor ihn der Computer mit der nächsten Horrormeldung ablenken konnte, dass sein Blick an der Zahl in der linken oberen Bildschirmecke hängen blieb und der Teil des Gehirns, der noch funktionierte, ihm sagte: Die sieht irgendwie anders aus als sonst.
Der Rest von ihm traute sich selbst nicht mehr so richtig, also blätterte er im Protokoll, bis ihn der Stand von vor 4 Stunden schwarz auf weiß anblickte, und sein Hirn ihm die dazu passende Rechnung lieferte:
5.239 - 1 = 5.238
Er konnte sich hinterher nicht mehr dran erinnern, ein Geräusch gemacht zu haben, oder, wahrscheinlicher, einen Fluch ausgesprochen zu haben, aber vielleicht hatte Reyna inzwischen auch telepathische Fähigkeiten entwickelt, wundern würde es ihn nicht, jedenfalls stand sie plötzlich wie aus dem Boden gewachsen hinter ihm und verlangte nach einer Erklärung.
Es dauerte einen Moment, bis er die notwendigen Worte für einen Satz zusammengekratzt hatte. „Wir haben jemanden verloren.“
Ihr Gesicht war eine professionelle Maske, aber er sah, wie sich ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde weiteten, und fügte hastig hinzu: „Auf der Elpis II. Wir haben jemanden auf der Elpis II verloren.“
Vielleicht bildete er sich nur ein, wie sich ihre Schultern beim nächsten Ausatmen wieder ein Stück senkten.
„Wann?“
„Ich weiß nicht“, wollte er ihr sagen, aber das wollte er ihr selbstverständlich nicht sagen, also scrollte er durch die Zeitleiste, bis der Computer ihm einen Zeitstempel lieferte. „Vor 1 Stunde und 55 Minuten.“
„Warum?“, fragte Reyna.
„Soll ich ihnen eine Liste machen?“, lag ihm auf der Zunge. Er biss einmal kräftig drauf. „Wahrscheinlich die hohe Innentemperatur. Stress. Vielleicht geht ihnen das Wasser aus.“
„Sauerstoff?“
„Noch bei 19%. Das reicht zum Überleben.“ Noch, sagte die gemeine Stimme in seinem Kopf.
Reyna nickte langsam. „Von hier können wir nichts für sie tun.“
Jabier rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht, in der Hoffnung, dass das seinen Kopf zumindest etwas klären würde. „Wenn wir mit ihnen kommunizieren könnten, könnten wir sie fragen, was sie brauchen - Wasser, medizinische Versorgung, …“
„Javier.“ Ihr scharfer Tonfall ließ ihn aufblicken. „Geh ins Bett.“
„Aber…“ Er machte eine vage Handbewegung in Richtung der technischen Instrumente.
„Nichts aber. Einen Navigator, der ein solches Schlafdefizit vor sich herschiebt, kann ich nicht gebrauchen. Raus aus dem Stuhl.“
Sie sah aus, als würde sie ihn sonst höchstpersönlich herauszerren, also stand er widerstrebend auf und lehnte sich stattdessen gegen das Armaturenbrett. Seine Überraschung, als Reyna sich in seinem Stuhl niederließ, musste man ihm ansehen können, denn sie sagte etwas spitz: „Ich habe auch etwas studiert, weißt du.“
„Ich hab nichts gesagt.“
„Gut. Und jetzt verschwinde, oder ich lasse dich abführen und ans Bett ketten.“
„Unter anderen Umständen würde ich das vielleicht reizvoll finden“, murmelte er.
Er verschwand aus der Kabine, bevor Reyna etwas nach ihm werfen konnte.
no subject
Date: 2020-11-15 10:21 pm (UTC)no subject
Date: 2020-11-16 07:03 pm (UTC)no subject
Date: 2020-11-16 11:20 pm (UTC)Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du mich mit einem kleinen Lacher rausgeschmissen hast, denn das war nach der lustigen Castingshow ganz schön ernüchternd. Jetzt denke ich nostalgisch und belustigt daran, dass "Kett' mich an die Heizung, Baby" ein geflügeltes Wort bei uns im Callcenter war. Außerdem fragt eine sture, optimistische Opposition in meinem Innern sich, ob die eine fehlende Person wirklich tot ist, oder vielleicht nur irgendwo unbemerkt rumfliegt/rumklettert und noch plotrelevant wird. xD
no subject
Date: 2020-12-07 04:40 pm (UTC)no subject
Date: 2020-11-18 08:08 pm (UTC)no subject
Date: 2021-05-02 03:50 pm (UTC)no subject
Date: 2021-12-22 06:01 pm (UTC)