Krimi/Thriller/Horror - Liveübertragung
Oct. 4th, 2020 04:15 pmTitel: Wahnsinnig
Challenge: Krimi/Thriller/Horror - Liveübertragung (Sommerchallenge 2020)
Fandom: Original | Fortsetzung von Entscheidung
Sprache: Deutsch
Wörter: 800
Widmung:
der_jemand,
alea
Kommentar: Wiesooo ist Plot so schwer. Aber hier, habt mehr Charaktere, die nach Charakteren benannt sind, die ich mag.
Newt rührte in der braunen Brühe herum, die die Raumhafenkantine von Puna Kaffee nannte, als ein Schatten auf den Tisch fiel.
Wahnsinnig
Newt rührte in der braunen Brühe herum, die die Raumhafenkantine von Puna Kaffee nannte, als ein Schatten auf den Tisch fiel. „Wieviel?“, fragte er, ohne aufzusehen.
Seine Schwester ließ sich schwungvoll auf den Stuhl gegenüber fallen. „2.000. 100 Credits Zulage, wenn wir es in unter einer Woche schaffen.“
„Das ist nicht genug.“ Er nahm probeweise einen Schluck aus seinem Becher und verzog bei dem bitteren Geschmack das Gesicht.
„Das hab ich ihm auch gesagt. Ich sage, wir lassen in einen Tag schmoren und versuchen es dann nochmal.“ Abigail schüttete großzügig zwei gehäufte Löffel Zucker in ihren Becher und kippte dann so viel Milch hinterher, dass er fast überlief. Dann balancierte sie den vollen Becher zum Mund. „So ist er akzeptabel.“
„Wenn ich süße Milch trinken will, fahr ich nach Hause“, sagte er und nippte stur an seinem bitteren Gebräu.
Sie ging wortlos darüber hinweg. Wenn man jede Uneinigkeit ausfocht, konnte man es keine 24 Stunden in einer Blechdose von 15 Quadratmetern aushalten, bevor man sich gegenseitig umbrachte. Weniger, wenn man verwandt war. „Ich sage, wenn er mit dem Preis nicht hochgeht, fliegen wir nach Tharr und versuchen es dort.“
„Ein ganz schöner Treibstoffverbrauch für einen Schuß ins Blaue.“
„Willst du etwa hierbleiben und dich mit den anderen um die Reste prügeln?“ Sie nickte in Richtung der vollbesetzten Kantine. „Das bringt doch nichts.“
Er wollte gerade etwas erwidern, als ein hochgewachsener Minoer quer durch den Saal rief: „Schalt mal jemand auf 104,2!“
Auf dem Bildschirm über der Theke war bis jetzt ein nur wenig beachtetes Holoschachturnier gelaufen. Als der Wirt jetzt die Frequenz änderte, bot sich ihnen hingegen ein völlig anderes Bild.
Der Geräuschpegel in der Kantine fiel schlagartig auf null.
„Die Aletheia“, sagte Abigail leise.
Sie hatten natürlich davon gehört. Jeder, der nicht davon gehört hatte, lebte weit abseits der Funkreichweite unter einem Stein. Aber davon zu wissen und es zu sehen, waren zwei verschiedene Dinge.
„Eins muss man den Oraniern ja lassen, sie haben echt Schneid“, hörte er sich selber sagen. Das wachsende Murmeln um ihn herum schien ähnliches widerzuspiegeln. Keiner hatte hier viel Liebe für die Oranier, aber als Weltraumpiloten kamen sie nicht umhin, der Besatzung dieses Schiffes Respekt zu zollen.
In der oberen linken Ecke war die Identifikationsnummer des Schiffes eingeblendet, dass die Aufnahme sendete. „Das sind die Samaianer“, sagte Abigail, die bereits auf ihrem Datapad herumtippte. „Sie leiten das Signal über alle möglichen Schiffe in der Gegend weiter.“
„Ich hätte gedacht, Reality TV ist für die verboten“, sagte Newt.
„Sie wollen, dass es jeder sieht. Wahrscheinlich denken sie, so kommt eher jemand.“
Newt nahm noch einen Schluck von seinem Kaffe und schob ihn dann von sich. „Bald ist das Thema ohnehin durch“, sagte er. „Das Oranische Militär hat ganz klare Anweisungen gegeben. Spätestens wenn ihr eigenes Schiff in Gefahr gerät, werden sie die Leinen kappen. Dann war das hier nicht viel mehr als eine nette Geste.“
Abigail schüttelte den Kopf und wischte auf ihrem Datapad herum. „Diesmal irrst du dich.“ Sie hielt ihm den letzten transkribierten Funkspruch unter die Nase.
„Ich will verdammt sein“, murmelte er. Um ihn herum geriet der Saal in Aufruhr, als die Nachricht sich verbreitete. „Die sind doch alle wahnsinnig“, schnappte er auf, aber auch „Hätte nie gedacht, dass…“ und „Mehr Mumm als eine Herde Banta-Rinder.“ Am Nebentisch begann eine Crew aus Atalanti eine heftige Diskussion, von der er kein Wort verstand.
„Wieviel zeitverzögert ist das?“, fragte er und deutete auf den Bildschirm.
Sie brauchte einen Moment. „Bei der Distanz etwa eine halbe Stunde.“
Er zog sich ihr Datapad herüber (und ignorierte dabei ihren Protest), um die Aletheia im Internationalen Schiffsregister nachzuschlagen. Dann schob er den Becher zur Seite und begann, mit dem Stift aus seiner Jackentasche ein paar Zahlen auf seine Serviette zu kritzeln.
„Warum können sie das Schiff nicht evakuieren?“, fragte sie schließlich, als es ihr langweilig wurde, ihm zuzusehen.
Er sah nicht von seiner Serviette auf. „5.000 Leute? Ein großes Schiff kommt nicht nah genug ran, und ein kleines, das man zum Transport einsetzen könnte, muss damit rechnen, überrannt zu werden. Sag mir, würdest du unter den Bedingungen da andocken?“
Abigail schwieg und zupfte nachdenklich die letzte Serviette in kleine Schnipsel.
„Außerdem dauert das verdammt lange, und unter diesen Bedingungen zerreißt dir bei dem kleinsten Fehler die Luftschleuse. Nein, es ist besser, das ganze Schiff abzuschleppen.“
„Aber hier gibt es keine Schiffe, die das können. Sie können doch nicht ernsthaft darauf zählen, dass rechtzeitig ein Sternenkreuzer aus dem Kern springt?“
Newt kaute auf seiner Unterlippe herum. „Vielleicht. Aber vielleicht muss das nicht sein. Vielleicht treffen sie die falschen Annahmen. Holst du mir noch eine neue Serviette, Schwesterherz? Oder noch besser zehn? Ich hab da eine Idee.“
„Was tut man nicht alles für größenwahnsinnige Brüder“, sagte Abigail und stand auf.
Challenge: Krimi/Thriller/Horror - Liveübertragung (Sommerchallenge 2020)
Fandom: Original | Fortsetzung von Entscheidung
Sprache: Deutsch
Wörter: 800
Widmung:
Kommentar: Wiesooo ist Plot so schwer. Aber hier, habt mehr Charaktere, die nach Charakteren benannt sind, die ich mag.
Newt rührte in der braunen Brühe herum, die die Raumhafenkantine von Puna Kaffee nannte, als ein Schatten auf den Tisch fiel.
Wahnsinnig
Newt rührte in der braunen Brühe herum, die die Raumhafenkantine von Puna Kaffee nannte, als ein Schatten auf den Tisch fiel. „Wieviel?“, fragte er, ohne aufzusehen.
Seine Schwester ließ sich schwungvoll auf den Stuhl gegenüber fallen. „2.000. 100 Credits Zulage, wenn wir es in unter einer Woche schaffen.“
„Das ist nicht genug.“ Er nahm probeweise einen Schluck aus seinem Becher und verzog bei dem bitteren Geschmack das Gesicht.
„Das hab ich ihm auch gesagt. Ich sage, wir lassen in einen Tag schmoren und versuchen es dann nochmal.“ Abigail schüttete großzügig zwei gehäufte Löffel Zucker in ihren Becher und kippte dann so viel Milch hinterher, dass er fast überlief. Dann balancierte sie den vollen Becher zum Mund. „So ist er akzeptabel.“
„Wenn ich süße Milch trinken will, fahr ich nach Hause“, sagte er und nippte stur an seinem bitteren Gebräu.
Sie ging wortlos darüber hinweg. Wenn man jede Uneinigkeit ausfocht, konnte man es keine 24 Stunden in einer Blechdose von 15 Quadratmetern aushalten, bevor man sich gegenseitig umbrachte. Weniger, wenn man verwandt war. „Ich sage, wenn er mit dem Preis nicht hochgeht, fliegen wir nach Tharr und versuchen es dort.“
„Ein ganz schöner Treibstoffverbrauch für einen Schuß ins Blaue.“
„Willst du etwa hierbleiben und dich mit den anderen um die Reste prügeln?“ Sie nickte in Richtung der vollbesetzten Kantine. „Das bringt doch nichts.“
Er wollte gerade etwas erwidern, als ein hochgewachsener Minoer quer durch den Saal rief: „Schalt mal jemand auf 104,2!“
Auf dem Bildschirm über der Theke war bis jetzt ein nur wenig beachtetes Holoschachturnier gelaufen. Als der Wirt jetzt die Frequenz änderte, bot sich ihnen hingegen ein völlig anderes Bild.
Der Geräuschpegel in der Kantine fiel schlagartig auf null.
„Die Aletheia“, sagte Abigail leise.
Sie hatten natürlich davon gehört. Jeder, der nicht davon gehört hatte, lebte weit abseits der Funkreichweite unter einem Stein. Aber davon zu wissen und es zu sehen, waren zwei verschiedene Dinge.
„Eins muss man den Oraniern ja lassen, sie haben echt Schneid“, hörte er sich selber sagen. Das wachsende Murmeln um ihn herum schien ähnliches widerzuspiegeln. Keiner hatte hier viel Liebe für die Oranier, aber als Weltraumpiloten kamen sie nicht umhin, der Besatzung dieses Schiffes Respekt zu zollen.
In der oberen linken Ecke war die Identifikationsnummer des Schiffes eingeblendet, dass die Aufnahme sendete. „Das sind die Samaianer“, sagte Abigail, die bereits auf ihrem Datapad herumtippte. „Sie leiten das Signal über alle möglichen Schiffe in der Gegend weiter.“
„Ich hätte gedacht, Reality TV ist für die verboten“, sagte Newt.
„Sie wollen, dass es jeder sieht. Wahrscheinlich denken sie, so kommt eher jemand.“
Newt nahm noch einen Schluck von seinem Kaffe und schob ihn dann von sich. „Bald ist das Thema ohnehin durch“, sagte er. „Das Oranische Militär hat ganz klare Anweisungen gegeben. Spätestens wenn ihr eigenes Schiff in Gefahr gerät, werden sie die Leinen kappen. Dann war das hier nicht viel mehr als eine nette Geste.“
Abigail schüttelte den Kopf und wischte auf ihrem Datapad herum. „Diesmal irrst du dich.“ Sie hielt ihm den letzten transkribierten Funkspruch unter die Nase.
„Ich will verdammt sein“, murmelte er. Um ihn herum geriet der Saal in Aufruhr, als die Nachricht sich verbreitete. „Die sind doch alle wahnsinnig“, schnappte er auf, aber auch „Hätte nie gedacht, dass…“ und „Mehr Mumm als eine Herde Banta-Rinder.“ Am Nebentisch begann eine Crew aus Atalanti eine heftige Diskussion, von der er kein Wort verstand.
„Wieviel zeitverzögert ist das?“, fragte er und deutete auf den Bildschirm.
Sie brauchte einen Moment. „Bei der Distanz etwa eine halbe Stunde.“
Er zog sich ihr Datapad herüber (und ignorierte dabei ihren Protest), um die Aletheia im Internationalen Schiffsregister nachzuschlagen. Dann schob er den Becher zur Seite und begann, mit dem Stift aus seiner Jackentasche ein paar Zahlen auf seine Serviette zu kritzeln.
„Warum können sie das Schiff nicht evakuieren?“, fragte sie schließlich, als es ihr langweilig wurde, ihm zuzusehen.
Er sah nicht von seiner Serviette auf. „5.000 Leute? Ein großes Schiff kommt nicht nah genug ran, und ein kleines, das man zum Transport einsetzen könnte, muss damit rechnen, überrannt zu werden. Sag mir, würdest du unter den Bedingungen da andocken?“
Abigail schwieg und zupfte nachdenklich die letzte Serviette in kleine Schnipsel.
„Außerdem dauert das verdammt lange, und unter diesen Bedingungen zerreißt dir bei dem kleinsten Fehler die Luftschleuse. Nein, es ist besser, das ganze Schiff abzuschleppen.“
„Aber hier gibt es keine Schiffe, die das können. Sie können doch nicht ernsthaft darauf zählen, dass rechtzeitig ein Sternenkreuzer aus dem Kern springt?“
Newt kaute auf seiner Unterlippe herum. „Vielleicht. Aber vielleicht muss das nicht sein. Vielleicht treffen sie die falschen Annahmen. Holst du mir noch eine neue Serviette, Schwesterherz? Oder noch besser zehn? Ich hab da eine Idee.“
„Was tut man nicht alles für größenwahnsinnige Brüder“, sagte Abigail und stand auf.
no subject
Date: 2020-10-10 07:33 pm (UTC)Ich fühle diesen Satz so sehr. xDD Und bin jetzt sehr gespannt, was unser Mathegenie da ausheckt. Hübsch, wie das immer weitere Kreise zieht und man nebenher immer noch ein weiteres Häppchen Worldbuilding verfüttert kriegt. Du weißt aber, dass du das jetzt bis zum Ende durchziehen musst, auch wenn die Temperaturen runtergehen? Lass mich nicht auf dem Trockenen sitzen, ich brauche Lektüre für die warme Badewanne!
no subject
Date: 2020-11-06 02:44 pm (UTC)