[identity profile] aislingde.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Die Wahrheit kann warten.
Autor: Aisling
Fandom: Blood Ties
Personen: Mike Celluci, Henry Fitzroy, Kate Lam
Kategorie: Missing Szene, Drama, Challenge-Antwort
Inhalt: Mike muss mal wieder einen Bericht schreiben.
Spoiler: Folge 12 Norman
Kommentar: Antwort auf die Challenge bei [livejournal.com profile] 120_minuten mit dem Prompt ‚Die Wahrheit kann warten!’
Disclaimer: Blood Ties gehört Tanya Huff & Kaleidoscope Entertainment Inc. Ich habe nur ein wenig Spaß mit den Jungs und verdiene nicht einen einzigen Cent.



Mike Celluci saß vor seinem Computer und versuchte zum x-ten Mal den Bericht zu schreiben. Immer wieder setzte er an, doch schon nach wenigen Zeilen löschte er alles wieder.
Drei ungeklärte Morde und irgendwie musste er sowohl Kate als auch Crowley vernünftig erklären, warum diese Morde als ungeklärt zu den Akten gelegt werden sollen.
Er griff zu dem Kaffeebecher, um noch einen Schluck zu trinken. Doch der war leer.
Ein Blick zur Uhr bestätigte Mike, dass er schon viel zu lang vor dem Bericht saß. Etwas mehr als eine Stunde und die Sonne würde aufgehen.
Er fragte sich, ob Vicki und Henry schon die Artefakte vernichtet hatten. Mit diesem Wissen würde es ihm wesentlich besser gehen. Irgendwie hatte er das dumme Gefühl, dass Asteroth es nicht zum letzten Mal versucht hatte, auf die Erde zu kommen.
Seufzend blickte er auf den Bildschirm, doch die richtigen Worte wollten einfach nicht kommen. Und die Wahrheit… die Wahrheit konnte er einfach nicht schreiben.
Niemand würde ihm glauben. Man würde seinen Geisteszustand anzweifeln und ihm von Dienst suspendieren. Crowleys spöttisches Lächeln konnte er schon jetzt vor sich sehen.
„Du solltest Feierabend machen.“
Überrascht wirbelte Mike herum. Henry stand hinter ihm und lächelte ihn an.
„Wie bist du hier reingekommen?“
„Ich bin gelaufen“ Henrys Lächeln vertiefte sich. „Vicki hat mich gebeten, dich daran zu erinnern, dass du schon immer lausige Berichte geschrieben hast, wenn du übermüdet warst.“
„Und warum sagt sie mir das nicht selbst?“
„Weil ich sie –nachdem wir die Artefakte vernichtet haben - nach Hause gebracht habe und ihr zwölf Stunden Schlaf verordnet habe. Du siehst aus, als ob du es auch brauchen könntest.“
Mike massierte seine Nasenwurzel. Henry hatte Recht. Er war müde und am liebsten würde er nicht nur zwölf Stunden schlafen. Aber dann war da noch der Bericht.
„Ganz unrecht hast du nicht, aber wenn ich jetzt schlafe, dann werde ich niemals einen vernünftigen Text hinbekommen. Ich wollte jetzt eine Rohversion schreiben und morgen den Feinschliff machen. Aber ich weiß einfach nicht, in wie weit ich die Wahrheit erzählen kann und ab wann ich das Lügengerüst aufbauen soll.“
„Fang gar nicht erst mit der Wahrheit an.“
Mike sah Henry entsetzt an. „Ich bin Polizist. Es ist schon schlimm genug, dass ich Märchen erzählen muss! Ich kann nicht anders.“
„Die Wahrheit kann warten. Sie ist es gewohnt. Was hältst du von einem Deal?“
„Was für ein Deal?“ Misstrauisch sah Mike den Vampir an.
„Ich schreibe den Bericht und du mäßigst deine Kommentare über Vampire und mich insbesondere in Vickis Gegenwart.“
„Das ist alles? Warum?“
„Es liegt auch im meinem Interesse, dass so wenige Menschen wie möglich erfahren, dass es Dämone, Vampire und andere Wesen gibt. Wenn ich den Bericht schreibe, kann ich dessen sicher sein.“
„Du kannst schreiben?“ Mike streute eine gute Portion Sarkasmus in den Satz.
„Ich habe es gelernt, nachdem ich reiten konnte, aber immerhin bevor ich zum Vampir wurde. Ich habe damit sogar mein Geld verdient, indem ich Romane geschrieben habe. Du kannst ja die Passagen, die dir nicht gefallen, umformulieren.“
Mike überlegte einen Moment, dann nickte er.
„Gut, das ist ein Deal. Solange du nicht von mir verlangt, dass ich gar nichts mehr sage.“
„Das würde Vicki dir nicht abnehmen.“ Mike sah noch, wie Henrys Augen sich verdunkeln, dann hörte er den Befehl: „Geh jetzt nach Hause schlafen.“
Er stand auf, zog seine Jacke an und tat genau das.

Am nächsten Tag wunderte Mike sich, dass er wohl so müde gewesen war, dass er noch nicht einmal den Computer runter gefahren hatte.
Dann stellte er fest, dass Henry den Bericht an seinem Computer geschrieben hatte und auf dem Desktop abgespeichert hatte.
„Dieser Bastard“, entfuhr es Mike. Er überlegte, ob er das Dokument in den Papierkorb schieben sollte, doch dann siegte seine Neugier. Als er den Text las, nickte er anerkennend mit dem Kopf.
Henry hatte es geschafft, alle Zusammenhänge so darzustellen, dass es die Taten des geistig verwirrten Norman Bridewell waren, der schon vor einige Zeit mehrere brutale Morde in Toronto verübt hatte. Dass Mike es beinahe geschafft hatte, ihn zu stellen, dieser aber entkommen und wohl wieder untergetaucht war.
Der Bericht würde bewirken, dass die Fahndung nach Norman für einige Wochen verstärkt wurde. Danach würde es neue Morde, neue Fahndungen geben und diese Mordserie würde eines Tages zu den Akten gelegt werden.
Mike änderte noch einige Formulierungen, als Kate das Büro betrat. Nach ihrer Auseinandersetzung in Dr. Mohadevans Anwesenheit, war er nicht überrascht, dass sie ihn nur fragend ansah.
Mike druckte den Bericht und reichte ihn Kate. Sie las ihn, währenddessen runzelte sie die Stirn. „Warum hast du es mir nicht schon gestern erzählt? Dann hätte ich dich begleitet und wir hätten Norman geschnappt.“
„Wärst du mitgegangen, nur weil Vicki einen Verdacht hatte, dass er der Täter sein könnte.“
„Nein, das wohl nicht“, musste Kate zugeben, dabei fühlte sie sich sichtlich unwohl.
Mike wusste, dass die beiden Frauen sich nicht mochten, deswegen versuchte er, es seiner Partnerin leicht zu machen.
„Vicki war dabei, als Norman zum ersten Mal gemordet hatte und sie war jahrelang meine Partnerin. Ich vertraue ihrem Instinkt und deswegen bin ich ihr gefolgt.“
Er lächelte Kate aufmunternd an. Und sie straffte ihre Schultern.
„Dann lass uns Crowley die Beweise und den Bericht präsentieren. Danke, dass ich eine größere Rolle darin spiele, als tatsächlich der Fall war.“
Mike zuckte mit den Schultern. „Damit rette ich nur meinen eigenen Arsch, weil ich ohne Rückendeckung ermittelt habe.“
Irgendwann würde er ihr die Wahrheit erzählen. Nur würde das noch eine Weile warten müssen.

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