Stumpf ist Trumpf
Sep. 18th, 2020 10:02 pmChallenge: Crack/Humor: Innerer Monolog (fürs Superteam, Päckchen 4)
Teams: Pluto, Melpomene (aka Superteam Melpopluto)
Fandom: Nocturne Whispers: Origins (Masterpost)
Charaktere: Yannis, Íon (sein alter Ego), Marvin (sein bester Freund), Chikara (eine Mitschülerin, die etwas verloren hat)
Anmerkungen: Für
luinaldawen, bei der ich ein bisschen wörtliche Rede für Chikara geklaut habe.
Sprich sie an, sagte sich Yannis, während die Zeiger der Uhr die Schulpause schneller auffraßen als Packman.
Verlänger‘ das Elend nicht noch. Peinlich genug, dass du den Manga jetzt für die ganze Mathestunde hattest. Du hättest ihr den gleich geben sollen, als ihn aufgehoben hast, aber nein, du musstest ihn ja einstecken wie so ein Freak, der Damenunterwäsche sammelt, oder abgeschnittene Ohren. Als ob sie das gestört hätte, wenn du dich mal kurz in ihr Gespräch mit Mrs. Tenner einklinkst, wie spannend kann das schon gewesen sein? Und du hättest ihn ihr ja nicht mit dem nach Homoerotik schreienden Cover nach oben geben müssen, du hättest die Rückseite nach oben drehen können. Chikara hätte ihn schon nicht umgedreht, die hat bestimmt n sechsten Sinn dafür, sich nicht zu blamieren.
Oooder du denkst das, weil du Japan-Vorurteile hast. Aber selbst wenn du richtig liegst, hätte sie immer noch mit der Situation überfordert sein können, ich meine, wie oft kommt das vor, dass irgendein Mitschüler sie so einfach anspricht? Was natürlich auch nur wieder deine Vorurteile sein könnten, vielleicht hat sie außerhalb der Schule eine ganze Hahnenschar, so wie Chris, die ja auch ständig mit Marv und dir und dem Physikclub rumhängt. Und selbst wenn sie in Panik geraten und den Manga umgedreht hätte, dann wäre das für Mrs. Tenner sicher kein großes Ding gewesen, die ist von ihren Schülern bestimmt ganz Anderes gewohnt, Porn und Drogen und so. Aber okay, Chikara wäre es wahrscheinlich trotzdem superpeinlich gewesen, sie ist da ja schon n bisschen empfindlich… Oder du denkst das nur, –
Nope. Sowas von nope. Jeder Mensch mit Augen im Kopf weiß, dass Chikara schneller verlegen ist als du Hallo sagen kannst.
Was wiederum dafür sprechen würde, ihr den Manga möglichst diskret auf dem Heimweg zu geben, oder in der nächsten Pause, sie steht ja eh oft genug alleine rum. Vielleicht freut sie sich sogar über Pausengesellschaft, selbst, von einem Nerd wie dir.
Aber wenn sich da keine Gelegenheit ergibt, schleppst du das Ding nach Hause und wie sieht das denn bitte aus, wenn du morgen ankommst nach dem Motto „Ey, übrigens, ich hab deinen Manga gestern mit nach Hause genommen, aber hier hast du ihn jetzt, danke fürs Ausleihen!“ – „Ja, cool, danke, Yann, schön, dass du dich doch noch dagegen entschieden hast, ihn einfach dauerhaft zu behalten und ihn mir damit praktisch zu stehlen! Echt nett von dir!“
Nein, je länger du das aufschiebst, desto unangenehmer wird es. Du gibst ihn ihr. Jetzt. Denk dran, dass es vielleicht nicht ihrer ist. Je länger du ihn behältst, desto größer die Gefahr, dass du ihn noch ne Stunde hast, weil du nicht alle fragen konntest. Denk dran, sie ist nicht die einzige im Jahrgang, die Japanisch lesen kann. Also wahrscheinlich. Wenn Sho-chan und Ben Japanisch gelernt haben. Und ausgerechnet Ouran High School Host Club lesen.
Nicht dass du darüber spekulieren könntest, offiziell kennst du die Serie nicht, denk dran. Genauso wenig wie Marvin sie kennt, oder wir beide Charaktere daraus erkennen. Nein, nein, du hast nur die Schriftzeichen als Japanisch erkannt, weil du andere, Shounen(!)-Serien liest und da hin und wieder mal so ein Silbenzeichen durchs Bild fliegt. Was ja streng genommen nicht gelogen ist, du hast halt nur deinen Horizont erweitert, nachdem du einmal auf den Geschmack gekommen bist…
Gott, Chris, du und deine „wissenschaftlichen Experimente“! Wie konntest du mich in diese Lage bringen?! Das alles wäre nicht passiert, wenn mir das Cover nicht irgendwie bekannt vorgekommen wäre!
Nicht drüber nachdenken. Los. Steh auf. Marvin guckt schon. Bestimmt siehst du wieder aus als wärst du komplett weg und würdest gar nicht zuhören. Was stimmt, aber das muss ja nicht jed –
„Yann?“
Marvin fuchtelte ,it der Hand vor dem Gesicht seines langjährigen Freundes herum, um ihn zurück in die Realität zu holen. Beziehungsweise da heraus, bevor er sich verrannte.
„Was würde Íon jetzt tun?“
„Bist du verrückt“, zischte Yann, „Ich kann doch nicht In Character gehen, wir reden hier von Chikara, da kann ich mich nicht absichtlich wie ein Vollidiot aufführen, das muss schon wohlüberlegt sein, sonst nimmt die die Beine in die Hand!“
„Wohlüberlegt wie in ‚Ich hab die ganzen Sommerferien daran gearbeitet, meinen furchtlosen Rollenspielcharakter mit meinem RL-Ich zu einem highschooltauglichen Alter Ego zu verschmelzen und seitdem sprechen sogar Cheerleaderinnen und die legendäre Punk-Jessi freiwillig mit mir?“
„…“
„Du hast noch… zweieinhalb Minuten. Vier, wenn Frau Gesichtsgebirge wieder spät dran ist.“
„Ich hasse dich.“
Okay, schön, hilft ja nix, los, Dummer-Krieger-Modus. Die Welt ist schön! Menschen sind toll! Menschen sind nett! Ich habe zu wenig Gehirnzellen, um mir vorzustellen, was schiefgehen könnte! Lalalalala, das Leben ist schön! Fast so schön wie mein charmantes Idiotengrinsen!
„Das ist deiner, oder?“
Sie nickt! Ich bin so schlau! SO! SCHLAU!
„Magst du die Reihe?“
Yannis. Du bist so dumm.
„Ziemlich unfair, dass du weiter bist als ich.“
„Äh… Entschuldigung?“
SO DUMM!
Aber damit auch voll In Character und In Character ist gut! Weitermachen. Schlimmstenfalls hält sie dich für einen Trottel. Was ja vollkommen zutreffend wäre, also los, sag das Dümmste, was dir einfällt.
„Es sollte dir nur leidtun, wenn du mich spoilerst.“
Ohgottichmusssofortdamitaufhören, Chikara, warum bist du noch nicht weggelaufen?!
„Das habe ich nicht vor.“
„Dann ist ja gut. Weißt du, wie weit sie hier damit sind?“
Nein?! Wieso sollte sie? Sie liest die japanische Ausgabe und DU weißt es im Übrigen auch n-
„Wir sind erst beim elften Band!“, verkündete Íon und schaute zu, wie Chikaras linke Augenbraue daraufhin einen kleinen Satz nach oben machte. (Er hatte Menschen immer beneidet, die das konnten. Nur eine Augenbraue heben. Das sah so unglaublich cool aus.) Bestimmt war sie irritiert, weil sie nicht gedacht hätte, dass sie ausgerechnet mit einem harten Kerl wie ihm über ihre Lieblingsserie reden konnte. Aber wie hatte Chris damals gesagt? Es würden ihm schon nicht die Eier abfallen, wenn er auch mal was für Mädchen las. Und das stimmte. Nicht mal die Zwillinge mit ihrer „brüderlichen Liebe“ hatten bei ihm irgendwelche ana… alpha… dings … körperlichen Veränderungen verursacht. (Von gelegentlichen Lachkrämpfen einmal abgesehen.)
In seinem Gesicht zeigte sich echtes Bedauern, als ausgerechnet in diesem Moment die Tür zum Klassenraum aufging und den Blick auf seine Erdkundelehrerin freigab.
„Wir reden in der Pause weiter, ja?“
Sie hatte mit ihm gesprochen und war nur ein ganz klein bisschen überfordert gewesen. Ein sehr kleines bisschen im Vergleich zu ihm. Das war ein Erfolg, oder? Yannis beschloss, Íons Urteil zu folgen und die peinliche Episode als Erfolg zu verbuchen. Immerhin hätte sie noch viel peinlicher ausgehen können. Aber Chikara hatte einen kühlen Kopf bewahrt und ihm seine Würde gelassen, obwohl er sich zum Deppen gemacht hatte. Chikara war nämlich viel mutiger als sie aussah und wer wäre er, da zurückzustehen? Mit großen, neugierigen Augen begutachtete er das Diagramm, das soeben in Großformat ausgerollt wurde. Innere Monologe und schüchterne Blicke waren für kluge Menschen, die schon alles über tektonische Platten und den Pazifischen Feuerring wussten. (Was für ein unglaublich cooler Name!) Er gehörte nicht dazu. Er war dumm wie ein Brot. Und deswegen würde er in der Pause wieder zu ihr gehen und darauf vertrauen, dass er es schon merken würde, wenn sie das störte.
Teams: Pluto, Melpomene (aka Superteam Melpopluto)
Fandom: Nocturne Whispers: Origins (Masterpost)
Charaktere: Yannis, Íon (sein alter Ego), Marvin (sein bester Freund), Chikara (eine Mitschülerin, die etwas verloren hat)
Anmerkungen: Für
Sprich sie an, sagte sich Yannis, während die Zeiger der Uhr die Schulpause schneller auffraßen als Packman.
Verlänger‘ das Elend nicht noch. Peinlich genug, dass du den Manga jetzt für die ganze Mathestunde hattest. Du hättest ihr den gleich geben sollen, als ihn aufgehoben hast, aber nein, du musstest ihn ja einstecken wie so ein Freak, der Damenunterwäsche sammelt, oder abgeschnittene Ohren. Als ob sie das gestört hätte, wenn du dich mal kurz in ihr Gespräch mit Mrs. Tenner einklinkst, wie spannend kann das schon gewesen sein? Und du hättest ihn ihr ja nicht mit dem nach Homoerotik schreienden Cover nach oben geben müssen, du hättest die Rückseite nach oben drehen können. Chikara hätte ihn schon nicht umgedreht, die hat bestimmt n sechsten Sinn dafür, sich nicht zu blamieren.
Oooder du denkst das, weil du Japan-Vorurteile hast. Aber selbst wenn du richtig liegst, hätte sie immer noch mit der Situation überfordert sein können, ich meine, wie oft kommt das vor, dass irgendein Mitschüler sie so einfach anspricht? Was natürlich auch nur wieder deine Vorurteile sein könnten, vielleicht hat sie außerhalb der Schule eine ganze Hahnenschar, so wie Chris, die ja auch ständig mit Marv und dir und dem Physikclub rumhängt. Und selbst wenn sie in Panik geraten und den Manga umgedreht hätte, dann wäre das für Mrs. Tenner sicher kein großes Ding gewesen, die ist von ihren Schülern bestimmt ganz Anderes gewohnt, Porn und Drogen und so. Aber okay, Chikara wäre es wahrscheinlich trotzdem superpeinlich gewesen, sie ist da ja schon n bisschen empfindlich… Oder du denkst das nur, –
Nope. Sowas von nope. Jeder Mensch mit Augen im Kopf weiß, dass Chikara schneller verlegen ist als du Hallo sagen kannst.
Was wiederum dafür sprechen würde, ihr den Manga möglichst diskret auf dem Heimweg zu geben, oder in der nächsten Pause, sie steht ja eh oft genug alleine rum. Vielleicht freut sie sich sogar über Pausengesellschaft, selbst, von einem Nerd wie dir.
Aber wenn sich da keine Gelegenheit ergibt, schleppst du das Ding nach Hause und wie sieht das denn bitte aus, wenn du morgen ankommst nach dem Motto „Ey, übrigens, ich hab deinen Manga gestern mit nach Hause genommen, aber hier hast du ihn jetzt, danke fürs Ausleihen!“ – „Ja, cool, danke, Yann, schön, dass du dich doch noch dagegen entschieden hast, ihn einfach dauerhaft zu behalten und ihn mir damit praktisch zu stehlen! Echt nett von dir!“
Nein, je länger du das aufschiebst, desto unangenehmer wird es. Du gibst ihn ihr. Jetzt. Denk dran, dass es vielleicht nicht ihrer ist. Je länger du ihn behältst, desto größer die Gefahr, dass du ihn noch ne Stunde hast, weil du nicht alle fragen konntest. Denk dran, sie ist nicht die einzige im Jahrgang, die Japanisch lesen kann. Also wahrscheinlich. Wenn Sho-chan und Ben Japanisch gelernt haben. Und ausgerechnet Ouran High School Host Club lesen.
Nicht dass du darüber spekulieren könntest, offiziell kennst du die Serie nicht, denk dran. Genauso wenig wie Marvin sie kennt, oder wir beide Charaktere daraus erkennen. Nein, nein, du hast nur die Schriftzeichen als Japanisch erkannt, weil du andere, Shounen(!)-Serien liest und da hin und wieder mal so ein Silbenzeichen durchs Bild fliegt. Was ja streng genommen nicht gelogen ist, du hast halt nur deinen Horizont erweitert, nachdem du einmal auf den Geschmack gekommen bist…
Gott, Chris, du und deine „wissenschaftlichen Experimente“! Wie konntest du mich in diese Lage bringen?! Das alles wäre nicht passiert, wenn mir das Cover nicht irgendwie bekannt vorgekommen wäre!
Nicht drüber nachdenken. Los. Steh auf. Marvin guckt schon. Bestimmt siehst du wieder aus als wärst du komplett weg und würdest gar nicht zuhören. Was stimmt, aber das muss ja nicht jed –
„Yann?“
Marvin fuchtelte ,it der Hand vor dem Gesicht seines langjährigen Freundes herum, um ihn zurück in die Realität zu holen. Beziehungsweise da heraus, bevor er sich verrannte.
„Was würde Íon jetzt tun?“
„Bist du verrückt“, zischte Yann, „Ich kann doch nicht In Character gehen, wir reden hier von Chikara, da kann ich mich nicht absichtlich wie ein Vollidiot aufführen, das muss schon wohlüberlegt sein, sonst nimmt die die Beine in die Hand!“
„Wohlüberlegt wie in ‚Ich hab die ganzen Sommerferien daran gearbeitet, meinen furchtlosen Rollenspielcharakter mit meinem RL-Ich zu einem highschooltauglichen Alter Ego zu verschmelzen und seitdem sprechen sogar Cheerleaderinnen und die legendäre Punk-Jessi freiwillig mit mir?“
„…“
„Du hast noch… zweieinhalb Minuten. Vier, wenn Frau Gesichtsgebirge wieder spät dran ist.“
„Ich hasse dich.“
Okay, schön, hilft ja nix, los, Dummer-Krieger-Modus. Die Welt ist schön! Menschen sind toll! Menschen sind nett! Ich habe zu wenig Gehirnzellen, um mir vorzustellen, was schiefgehen könnte! Lalalalala, das Leben ist schön! Fast so schön wie mein charmantes Idiotengrinsen!
„Das ist deiner, oder?“
Sie nickt! Ich bin so schlau! SO! SCHLAU!
„Magst du die Reihe?“
Yannis. Du bist so dumm.
„Ziemlich unfair, dass du weiter bist als ich.“
„Äh… Entschuldigung?“
SO DUMM!
Aber damit auch voll In Character und In Character ist gut! Weitermachen. Schlimmstenfalls hält sie dich für einen Trottel. Was ja vollkommen zutreffend wäre, also los, sag das Dümmste, was dir einfällt.
„Es sollte dir nur leidtun, wenn du mich spoilerst.“
Ohgottichmusssofortdamitaufhören, Chikara, warum bist du noch nicht weggelaufen?!
„Das habe ich nicht vor.“
„Dann ist ja gut. Weißt du, wie weit sie hier damit sind?“
Nein?! Wieso sollte sie? Sie liest die japanische Ausgabe und DU weißt es im Übrigen auch n-
„Wir sind erst beim elften Band!“, verkündete Íon und schaute zu, wie Chikaras linke Augenbraue daraufhin einen kleinen Satz nach oben machte. (Er hatte Menschen immer beneidet, die das konnten. Nur eine Augenbraue heben. Das sah so unglaublich cool aus.) Bestimmt war sie irritiert, weil sie nicht gedacht hätte, dass sie ausgerechnet mit einem harten Kerl wie ihm über ihre Lieblingsserie reden konnte. Aber wie hatte Chris damals gesagt? Es würden ihm schon nicht die Eier abfallen, wenn er auch mal was für Mädchen las. Und das stimmte. Nicht mal die Zwillinge mit ihrer „brüderlichen Liebe“ hatten bei ihm irgendwelche ana… alpha… dings … körperlichen Veränderungen verursacht. (Von gelegentlichen Lachkrämpfen einmal abgesehen.)
In seinem Gesicht zeigte sich echtes Bedauern, als ausgerechnet in diesem Moment die Tür zum Klassenraum aufging und den Blick auf seine Erdkundelehrerin freigab.
„Wir reden in der Pause weiter, ja?“
Sie hatte mit ihm gesprochen und war nur ein ganz klein bisschen überfordert gewesen. Ein sehr kleines bisschen im Vergleich zu ihm. Das war ein Erfolg, oder? Yannis beschloss, Íons Urteil zu folgen und die peinliche Episode als Erfolg zu verbuchen. Immerhin hätte sie noch viel peinlicher ausgehen können. Aber Chikara hatte einen kühlen Kopf bewahrt und ihm seine Würde gelassen, obwohl er sich zum Deppen gemacht hatte. Chikara war nämlich viel mutiger als sie aussah und wer wäre er, da zurückzustehen? Mit großen, neugierigen Augen begutachtete er das Diagramm, das soeben in Großformat ausgerollt wurde. Innere Monologe und schüchterne Blicke waren für kluge Menschen, die schon alles über tektonische Platten und den Pazifischen Feuerring wussten. (Was für ein unglaublich cooler Name!) Er gehörte nicht dazu. Er war dumm wie ein Brot. Und deswegen würde er in der Pause wieder zu ihr gehen und darauf vertrauen, dass er es schon merken würde, wenn sie das störte.