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Titel: Andere Probleme
Challenge: Angst – Joker: Zittrige Hände (Sommerchallenge 2019) (Päckchen #9)
Fandom: Original | Fortsetzung von 7 Leben
Sprache: Deutsch
Wörter: 1.200
Team: Team Ouroboros mit Team Pluto & Team Melpomene
Kommentar: Sonntag Mittag in Deutschland... @[livejournal.com profile] der_jemand, [livejournal.com profile] alea ;)

Er hatte noch nie das Verlangen gehabt, etwas Heroisches zu tun.

Andere Probleme

Die Aletheia war ein wunderschönes Schiff, das musste Killian ihr lassen. In der Oranischen Militärflotte ein eher kleines Exemplar, wirkte sie doch groß im Vergleich zu der Nussschale, in der er saß. Sie war wunderbar geschnitten, spitz zulaufend mit schrägen Fenstern zur Brücke, und ihre Verkleidung, beschichtet mit neuestem hitzeabweisenden Nanomaterial, glänzte hell im Licht des Sterns.
Er konnte sich nur vorstellen, was für hochmoderne Technik in ihrem Rumpf verbaut war. Unter der Hülle lag mit Sicherheit eine Vielzahl von Sensoren, die alles von der Raumtemperatur bis hin zu elektromagnetischen Feldern aufzeichneten und an die Zentrale meldeten. Ihre Turbinen waren eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Und von den Waffensystemen, die so sorgfältig hinter der Abdeckung verborgen waren, wollte er gar nicht anfangen.
Am Heck zog die Aletheia zwei riesige glühende Antriebsschweife hinter sich her. Dahinter hing an einer massiven Stahlkette die Elpis II wie ein riesiger dunkler Anker. Ein beinahe fensterloses Ungetüm, hätte der Gegensatz zur Aletheia größer nicht sein können.
Gerade als er so richtig ins Schwärmen geraten war, begann rechts von ihm ein Stabilisator zu rattern. Er richtete sich in seinem Sitz gerade so weit auf, dass er dem Ding einen beherzten Tritt verpassen konnte. Das Rattern hörte schlagartig auf.
So hart konnte man wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.
Er liebte sein Schiff, das war keine Lüge. Aber er würde sich eine Hand abhacken, nur um die Finger an einen neuen Quantenstabilisator zu kriegen. (Zumindest die linke.) Aber vorerst musste er mit dem klarkommen, was er hatte, und darin war er ein Meister.
Trotz der geringen Masse konnte er spüren, wie der Stern an der Autolycus zog. Er ließ sich Zeit damit den Antrieb auszutarieren. Er wollte genau wissen, wie das Schiff sich verhielt, bevor sie zum haarigen Teil der Mission kamen.
Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, einen Salto über der Nase der Aletheia zu schlagen, als er an ihr vorbeizog, direkt vor den Brückenfenstern. Leider war die Geschwindigkeit zu hoch, als das er etwas im Inneren hätte erkennen können. Aber es bereitete ihm ein gewisses Vergnügen, dass ein Schiff der Oranischen Armee von einem Schmuggler wie ihm gerettet werden musste. Die Besatzungen von Militärschiffen waren immer so arrogant.
Langsam tastete er sich an der Flanke des Schiffes voran und setzte dabei mühelos über die stabilisierenden Seitenflossen hinweg. Er fand die Tanköffnung dort vor, wo er sie erwartet hatte.
Kamen sie also zum haarigen Teil.
Das Betanken im freien Raum war schon unter normalen Umständen keine ganz einfache Sache. Kleine Fehler konnten in der Schwerelosigkeit große Auswirkungen haben. Aber die Besatzung von Tankschiffen hatte üblicherweise Erfahrung darin, und ein massiges Schiff wie die Hestia lag im freien Raum wie ein Stein.
Alles Dinge, die hier nicht zutrafen. Sie waren nicht in freiem Raum, stattdessen wirkte die Anziehung von Phobos auf sie, eine Kraft, die keinesfalls stabil war, sondern kleinen Änderungen unterlag, die fatale Folgen haben konnte. Außerdem würde sich in einer solchen Umgebung jegliche freigewordene Ladung sofort entzünden. Er war nicht an Bord der Hestia, sondern saß in einer glorifizierten Metallkapsel, die er schon häufiger wieder zusammengeflickt hatte, als er je zugeben würde. Und er hatte so etwas nie zuvor gemacht.
Außerdem musste die Aletheia ihren Kurs halten, sie würde ihm also nicht entgegenkommen können. Wenn er es vermasselte, war es ganz allein seine Schuld.
Nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob es diese ganze Sache wert war.
Denk an das Geld, sagte er sich. Denk daran, was ein voller Tank erstklassigen Treibstoffs auf dem Schwarzmarkt wert ist. Aber der Gedanke konnte ihn nicht so recht begeistern. Geld konnte man nur ausgeben, solange man noch am Leben war.
Die Elpis II war nicht mehr als ein Schatten vor dem lodernden Feuer von Phobos, doch sie schien ihn anzustarren. Und dann war da die Aletheia in ihrer ganzen Pracht. Sie hatte alle moderne Technik der Welt, und es war nicht genug.
Er hatte noch nie das Verlangen gehabt, etwas Heroisches zu tun.
Killian seufzte tief. Er konnte jetzt nicht mehr zurück. Und wenn auch nur, weil er dann Mara nie mehr in die Augen blicken könnte.
Vorsichtig schob er die Autolycus näher heran, sodass die Backbordseite neben der Aletheia lag. Die Distanz maß er mit den Augen. Als ein Abstandswarnmelder über ihm begann zu piepsen, langte er nach oben, um ihn abzuschalten.
Mit der anderen Hand griff er nach dem Funkgerät. Alleingänge gut und schön, aber ganz ohne Kommunikation würde das Ganze nicht ablaufen können.
Aletheia, hier spricht die Autolycus. Ich bin in Position.“
Die Stimme einer jungen Frau antwortete ihm, eine angenehme Überraschung. „Verstanden, Autolycus. Ich stelle durch zum verantwortlichen Ingenieur.“
Er seufzte innerlich. Konnte man denn nicht einmal Glück haben?
Der Ingenieur war ein Mann und ungefähr so nervig wie erwartet. „Ich öffne jetzt den Tank. Zerkratzen Sie mir nicht den Lack.“
„Haben Sie nicht eigentlich andere Probleme?“, fragte Killian zurück. Aber irgendwie konnte er es sogar nachvollziehen. Hätte er ein Schiff wie das dort, würde er auch nicht wollen, dass irgendein dahergeflogener Idiot ihm Schrammen hineinfuhr.
Und dann hatte er plötzlich andere Probleme. Er sah das Flackern aus dem Augenwinkel, und wandte sich gerade noch rechtzeitig um, um zu sehen, wie eine der Antriebsdüsen der Aletheia den Geist aufgab. Von einem auf den anderen Moment war der glühende Feuerschweif verschwunden.
Das Heck der Aletheia brach zur Seite aus und schwang an der Kette herum, getrieben von ihrer einen noch funktionsfähigen Antriebsdüse. Ihr Rumpf bewegte sich wie eine silberne Mauer auf ihn zu. „Woah!“
Er hatte keine Zeit zum Nachdenken. Aber die brauchte er auch nicht. Jahrelang geschulte Reflexe ließen ihn die Nase der Autolycus hochreißen und den Gashebel bis zum Anschlag durchschieben. Das Schiff schoss nach oben wie ein Korken aus einer Sektflasche. Unter ihm scherte die Rückenflosse der Aletheia wenige Zentimeter an seinem Rumpf vorbei.
Aus sicherer Entfernung beobachtete er, wie das andere Schiff unter ihm schlingerte. Für einen Moment glaubte er, sie würde mit der Elpis II zusammenstoßen. Aber dann sprang wie durch ein Wunder die zweite Turbine wieder an und der Pilot brachte sie unter Kontrolle.
Er ließ sich in seinen Sitz zurücksinken und atmete einmal tief durch. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. „Heilige Scheiße.“ Er wischte sich die schweißnassen Hände an der Hose ab.
„Killian?“, erklang Maras Stimme über Funk. Es war schwierig zu hören über den blechernen Klang der Lautsprecher, aber er fand, sie hörte sich ein bisschen besorgt an. Er griff nach dem Funkgerät.
„Alles noch dran, danke der Nachfrage.“ Zur Sicherheit ließ er einen Systemcheck laufen, aber es blinkte nichts rot, was es nicht auch schon vorher getan hätte.
Er schaltete zurück auf den Kanal zur Aletheia. „Was zur Hölle war das denn gerade?“
„Die Turbine ist heiß gelaufen und hat sich notabgeschaltet. Sorry“, sagte der Ingenieur, seiner Meinung nach mit nicht ausreichend viel Schuldbewusstsein.
So viel zum Meisterwerk der Ingenieurskunst, dachte er innerlich. Vielleicht war er in seiner Schrottkiste doch besser dran. „Das ist ja ganz reizend. Wenn Sie nicht wollen, dass ich als Fleck auf ihrer ach so schönen Außenhülle ende, tun Sie am besten was dagegen.“
„Wir haben die Leistung heruntergefahren und die Computersteuerung der Turbinen abgeschaltet.“
„Klingt nach meiner Art von Problemlösung“, murmelte Killian bei sich. „Okay, aber behalten Sie das im Auge, Mann. Ich versuche Ihnen zu helfen, versuchen Sie, mich dabei nicht umzubringen.“
„Sind Sie bereit, es nochmal zu versuchen, oder wollen Sie sich erst noch eine Weile beschweren?“
„Nichts würde mich mehr begeistern.“
Innerlich nahm er sich vor, sich von dem verdienten Geld erst einmal eine Weile Urlaub zu gönnen. Irgendwo sehr weit entfernt von diesem verdammten Sonnensystem. Wenn er diese Sache richtig anstellte, kam Mara vielleicht sogar mit.
Man durfte ja wohl noch träumen.

Date: 2020-09-20 08:47 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Huhu, wir haben mit Euch und Team Pluto Päckchen 9 als Superteam gefüllt!

Magst Du noch Päckchen 9 ergänzen und alle drei Teams nennen und taggen: Also Eures, Pluto und Melpomene? Alea fragt dann die Wörter für die Losung fürs Banner an :)

Date: 2020-09-23 09:30 pm (UTC)
der_jemand: (Default)
From: [personal profile] der_jemand
Awwww, der arme Kilian. :)
Und eigentlich habe ich trotzdem kein Mitleid, denn spätestens nach der Raumschifffangirleinleitung (und realistischer nach dem zweiten Teil) ist der Lack das Wohlbefinden der Aletheia meine oberste Priorität. :)

(Zumindest die linke.)

Der Urlaub sei ihm gegönnt. Und ein neuer Quantenstabilisator.

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