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Team: Pluto
Challenge: Sci-Fi/Fantasy - Insekten (Päckchen 2, fürs Team)
Fandom: Original
Charaktere: Felix, Siva, Thot

Teil 1

Die nächsten Tage passierte erstmal gar nichts und das war beinahe das schlimmste. Verdammte Ungewissheit. In Ermangelung einer besseren Beschäftigung vergrub er sich in seine Aufgaben für die Uni. Nur weil die Präsenzklausuren überstanden waren, hieß das noch lange nicht, dass er frei hatte. Schön wärs.
Die Ablenkung funktionierte aber nur zeitweise, er machte sich einfach Sorgen um Raiven und hatte nebenbei eine ziemliche Paranoia vor dunklen Ecken entwickelt. Der ganze Scheiß ging ihm zunehmend auf die Nerven. Er hatte nicht darum gebeten, in diese ganze Sache hineingezogen zu werden. Und Raiven hatte versprochen, dass er alles tun würde, um ihn rauszuhalten. Wenn man davon absah, dass er sein Zimmer schon seit Monaten regelmäßig als Versteck missbrauchte. Allerdings wehrte er sich auch nicht besonders dagegen, im Gegenteil. Selbst in der Bibliothek kam er gedanklich nur schwer von dem Alben und seinen Geheimnissen los.
Irgendwann gegen Mitternacht hatte Felix die Nase voll von Europarecht und verließ die Bibliothek, die in der vergangenen Woche praktisch seine zweite Heimat geworden war. Daheim konnte er sich sowieso nicht konzentrieren und hier war er wenigstens in guter Gesellschaft. Trotzdem musste er zwischendurch auch mal schlafen und vielleicht ließ Raiven sich doch wieder mal blicken?
Zu Hause empfing ihn aber erstmal nur seine leere Wohnung und eine beleidigte Katze, die seit hundert Jahren nicht mehr gefüttert worden war und generell natürlich nicht genug beachtet wurde. Felix wies Thot nicht darauf hin, dass er ein verwöhntes Mistvieh war, es wäre dem Kater sowieso egal. Am Ende würde ihm wie immer auffallen, dass sonst keiner in der Wohnung war und er mit Felix vorlieb nehmen musste, wenn er gestreichelt werden wollte. Daher war Felix nicht überrascht, als er ein paar Stunden später aufwachte und ein schnarchender Fellball neben ihm lag. Draußen prasselte Regen gegen das Fenster. So schlecht war das gerade eigentlich gar nicht. Hauptsache, Raiven war okay…
Er musste wieder eingeschlafen sein, das nächste was er bewusst wahrnahm war jedenfalls, dass Thot fauchend auf ihn sprang. „Was…?!” Es war immer noch dunkel, der Morgen kündigte sich aber bereits vorsichtig an. Was lief bei der blöden Katze jetzt schon wieder falsch? Hier war niemand!
Dachte er jedenfalls, bis er schnelle, leise Schritte hörte und kurz darauf seine ohnehin schon von Thot leicht geöffnete Zimmertür ganz aufgerissen wurde. „Felix?” Das war eindeutig nicht Raiven, der hätte sowieso das Fenster genommen. Vergeblich versuchte Felix sich zu erinnern, wer zur Hölle die Frau war, aber irgendwie litt er gerade unter einer allgemeinen Schreckstarre.
„Ist Raiven bei dir?”
„Was soll der Scheiß?”, schaffte er es endlich zu fragen und die schlanke Silhouette, die jetzt in seinem Zimmer stand, hörte auf, sich suchend umzusehen.
„Er ist nicht hier, oder? Ich dachte, er wäre bei dir!”
„Siva?” War das Raivens Cousine? Thot jedenfalls hatte sich wieder beruhigt, auch wenn er immer noch nervös wirkte. Immerhin sprang er jetzt aber auf den Boden, um sich der Frau vorsichtig zu nähern. Dann begann er schnurren.
„Wer sonst?”
„Weiß nicht? Anscheinend werd ich ja inzwischen zum Treffpunkt.”
„Deine Wohnung nicht. Hat Raiven dir das nicht erklärt?”
„Er hats versucht. Und du bist ja auch hier. Uneingeladen. Zum zweiten Mal.” Und Raiven hatte das erste Mal auch nicht unbedingt um Erlaubnis gebeten. Also hatte er es mit der Wahrheit wohl nicht so genau genommen.
„Es ist… recht kompliziert.” Siva schüttelte den Kopf und fuhr hastiger fort: „Und wir haben dafür auch keine Zeit. Weißt du, wo Raiven ist?”
„Keinen blassen Schimmer.” Felix wünschte sich, er würde etwas ruhiger klingen, aber Siva war so aufgebracht, dass es begann, auf ihn abzufärben. Außerdem hatte er die Begegnung der unheimlichen Art vor kurzem nicht vergessen.
„Er hat gesagt, er ist bei dir untergekommen!”
„Brüll noch lauter, die Nachbarn habens nicht gehört.” Felix fuhr sich durch die ohnehin schon vom Schlaf wirren Haare und stand auf. Es wurde ihm zu dämlich, dieses Gespräch vom Bett aus zu führen.
„Das ist nicht die Zeit für dumme Witze.”
Ja, das war ihm aufgefallen, aber Sarkasmus war gerade das einzige, was ihm einfiel, weil er hier ganz sicher derjenige war, der am wenigsten von allem wusste. Warum steckte er also immer wieder mittendrin? „Okay, okay”, lenkte er aber ein und seufzte. „Dann Klartext. Raiven taucht immer wieder hier auf, ich weiß aber nie, wann. Dann bleibt er einen oder zwei Tage und verschwindet wieder, keine Ahnung wohin.”
„Hast du ihn nicht gefragt?” Der Vorwurf lag überdeutlich in Sivas Stimme.
„Klar hab ich das! Aber er erzählt mir ja nichts!” Okay, jetzt wurde er selbst etwas lauter. Das war nicht beabsichtigt gewesen. Nach einem übertrieben tiefen Durchatmer sagte er ruhiger: „Er sagt immer nur, dass ich besser dran bin, je weniger ich weiß.” Und wenn man seine letzte Begegnung bedachte, stimmte das vermutlich sogar.
„Idiot”, murmelte Siva und ließ dabei offen, wen sie meinte. Dann sah sie zum Fenster und ihre Haltung versteifte sich. „Da ist etwas. Felix… es ist wichtig, dass du jetzt ehrlich antwortest. Ist in der letzten Zeit etwas ungewöhnliches passiert?”
Er zögerte. Bisher hatte er die Frau nicht erwähnt… war das ein Fehler gewesen? „Mich hat nachts jemand nach Raiven gefragt. Vor ein paar Tagen.”
„Hier?” Siva fixierte weiterhin das Fenster, mit derselben Reglosigkeit die Raiven so oft an den Tag legte. Thot dagegen sprang auf den Schreibtisch, der Schwanz hatte die Ausmaße eines Staubwedels angenommen.
„Nein. Draußen auf der Straße.”
„Schlimm genug. Wir müssen hier weg. Beide. Schnell.” Ihre Stimme klang flach, mühsam beherrscht.
„Äh?” Was sollte der Quatsch denn schon wieder? Er war hier in seinen Schlafklamotten, verdammt nochmal! Die waren nicht gerade dafür geeignet, unauffällig irgendwohin abzuhauen. Schnell schnappte er sich seine Jeans, das musste reichen. Zusammen mit dem Marvel-T-Shirt würde es wohl gehen.
Das Fenster zersplitterte beinahe vollkommen lautlos und er beobachtete wie versteinert, wie die Scherben in Zeitlupe nach unten rieselten. Wie Schnee… Thot… miaute, aber es klang eigentlich nicht so. Ein halb drohender, halb ängstlicher Laut, der in jeden Horrorfilm gepasst hätte.
Sivas Bewegung wirkte unnatürlich schnell, als sie ihm einen Ring in die Hand drückte. „Damit kannst du durch den Spiegel gehen. Er bringt dich direkt auf die andere Seite. Los!”
„Aber…” Moment, er sollte alleine abhauen? Er würde ja gerne von sich behaupten, dass er zögerte um sie nicht im Stich zu lassen, aber Fakt war, dass es eher darum ging, dass er alleine einfach aufgeschmissen wäre.
Draußen begann es zu summen und dort wo eben noch Glas gewesen war erschien etwas, das wie ein Insektenschwarm aussah und auch wie einer klang. Ein ziemlich wütender Insektenschwarm. Konnte das hier bitte einfach nur ein Alptraum sein?

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